27.04.2026
Der Umbau geht weiter
Die Kansas City Chiefs haben im NFL Draft 2026 eine klare Richtung eingeschlagen: Defense first. General Manager Brett Veach investierte gleich drei Top-40-Picks in Geschwindigkeit, Vielseitigkeit und Pass-Rush. Erst spät erhielt Patrick Mahomes Unterstützung für die Offense. Genau das macht diese Draft-Klasse spannend und riskant zugleich: denn während Kansas City defensiv überzeugt, bleiben offensiv zentrale Fragen offen.

Ein Blick auf die Picks zeigt, wie konsequent die Chiefs ihren Plan umgesetzt haben und warum schon die erste Entscheidung richtungsweisend war:
Mit dem Trade hoch auf Pick 6 sicherten sich die Chiefs ihren Wunschspieler. Mansoor Delane soll die Lücke schließen, die Trent McDuffie hinterlassen hat und bringt das Profil eines sofortigen Starters mit.
Der LSU-Corner überzeugt mit starker Man-Coverage, sauberer Technik und hoher Spielintelligenz. Besonders wertvoll ist seine Fähigkeit, gegnerische Top-Receiver über das gesamte Feld zu begleiten. Gleichzeitig gibt seine Vielseitigkeit Steve Spagnuolo zusätzliche Optionen: ob außen, im Slot, als Blitzer oder im Run Support.
Ganz ohne Risiko ist dieser Pick allerdings nicht. Delanes physischer Stil kann Strafen provozieren, außerdem fehlt ihm im offenen Feld gelegentlich die letzte Konstanz im Tackling.
Bewertung: 2+
Teurer Move mit Fragezeichen beim Preis - als Spieler aber ein klarer Impact-Faktor mit Star-Potenzial und idealer Fit für Spagnuolos Defense.
Mit Peter Woods holen sich die Chiefs einen der talentiertesten Interior-Verteidiger dieser Klasse. Der Defensive Tackle kombiniert Explosivität, Kraft und überraschende Beweglichkeit: ein seltenes Gesamtpaket.
Sein erster Schritt und seine Fähigkeit, Blocks schnell zu lösen, machen ihn besonders gefährlich. Neben Chris Jones dürfte Woods früh von besseren Matchups profitieren und im Eins-gegen-eins seine Athletik ausspielen.
Noch ist Woods allerdings kein fertiger Pass Rusher. Ihm fehlt teilweise ein klarer Plan, und seine Leistungen im College waren nicht immer konstant. Kansas City dürfte ihn daher schrittweise aufbauen.
Bewertung: 1-
Einer der stärksten Picks der Chiefs. Woods bringt sofort Rotationswert und langfristig das Potenzial zum Schlüsselspieler.
R Mason Thomas bringt ein Element in die Defense, das Kansas City dringend gebraucht hat: Geschwindigkeit von der Edge. Sein explosiver Antritt, seine Flexibilität und sein Gespür für Big Plays machen ihn vor allem bei Passing Downs sofort gefährlich.
Gerade in entscheidenden Situationen kann Thomas Spiele verändern. Seine Fähigkeit, schnell Druck zu erzeugen, gibt dem Pass Rush eine neue Dimension und entlastet die restliche Front.
Das Risiko liegt im Profil. Thomas ist kein klassischer Chiefs-Edge. Ihm fehlen Länge und Masse, wodurch er gegen den Lauf Probleme bekommen könnte. Auch seine Verletzungshistorie bleibt ein Fragezeichen.
Bewertung: 2-
Boom-or-Bust-Pick mit echtem Playmaker-Potenzial. Der Erfolg hängt stark davon ab, wie kreativ Spagnuolo ihn einsetzt.
Mit Jadon Canady verstärken die Chiefs ihre Secondary um einen vielseitigen Defensive Back. Er kann im Slot spielen, auf Safety aushelfen und gibt der Defense mehr taktische Flexibilität.
Seine Erfahrung ist ein großer Pluspunkt. 42 Starts und Einsätze in mehreren Systemen sprechen dafür, dass er sich schnell anpassen kann. In Coverage überzeugt Canady mit guten Instinkten, dazu kommt solides Tackling.
Gegen physisch starke Receiver könnten seine Grenzen sichtbar werden. Trotzdem passt sein Profil sehr gut zu Kansas City, weil Spagnuolo genau solche variablen Spieler gerne einsetzt.
Bewertung: 2-
Kein spektakulärer Pick, aber ein sehr sinnvoller. Canady kann früh eine Rolle finden und die Secondary stabilisieren.

Mit Emmett Johnson treiben die Chiefs den Umbau ihres Laufspiels weiter voran. Der Running Back aus Nebraska war einer der produktivsten Spieler im College Football und bringt ein sehr komplettes Skillset mit.
Über 1.800 Yards aus dem Scrimmage, starke Receiving-Fähigkeiten und sichere Hände machen ihn besonders wertvoll, vor allem bei Third Downs. Er ist kein klassischer Power-Back, überzeugt aber durch Vision, Balance und Vielseitigkeit.
Im Zusammenspiel mit Kenneth Walker III könnte Johnson schnell eine wichtige Rolle übernehmen. Für Mahomes ist das entscheidend: Ein stabileres Laufspiel nimmt Druck von der Passing Offense und macht Kansas City weniger berechenbar.
Bewertung: 2+
Hervorragender Value-Pick. Johnson passt perfekt zur neuen Offensiv-Idee und könnte früher helfen, als seine Position im Draft vermuten lässt.
Cyrus Allen bringt eine Qualität mit, die den Chiefs zuletzt oft gefehlt hat: Separation gegen Man Coverage. Der Receiver aus Cincinnati überzeugt mit präzisem Route Running, schnellen Richtungswechseln und gutem Tempo. Besonders aus dem Slot heraus kann er Räume kreieren, ein wichtiger Faktor für Mahomes, wenn Plays schnell funktionieren müssen.
Trotzdem bleibt der Pick ambivalent. Allen ist ein guter Fit, aber Kansas City wartete lange, bis die Receiver-Position adressiert wurde. Als später Pick ist er eher Entwicklungsspieler als sichere Soforthilfe.
Bewertung: 3+
Guter Spieler mit passendem Profil, die Position hätte jedoch früher Priorität haben müssen.
Der Quarterback-Pick in Runde sieben sorgte für Diskussionen, ist aber nachvollziehbar.
Garrett Nussmeier galt vor seiner verletzungsgeplagten Saison als deutlich höher eingeschätztes Talent. Er bringt Erfahrung, Spielverständnis und einen soliden Arm mit. Hinter Mahomes und Justin Fields kann er sich ohne Druck entwickeln.
Der direkte Nutzen ist überschaubar, langfristig ergibt der Pick aber Sinn. Nussmeier kann günstige Tiefe auf der wichtigsten Position liefern oder bei guter Entwicklung später sogar Trade-Wert besitzen.
Bewertung: 3+
Kein Need, aber eine sinnvolle Investition in die Backup-Zukunft - bei minimalem Risiko in Runde sieben.
Die Chiefs haben im Draft 2026 eine klare Linie verfolgt. Die Defense wurde schneller, vielseitiger und tiefer. Mit Delane, Woods und Thomas könnten gleich mehrere Spieler entstehen, die früh eine wichtige Rolle übernehmen.
Die Stärke liegt klar in der Defense, die Offense bleibt das Fragezeichen. Johnson ergänzt das Laufspiel, Allen bringt Separation - unmittelbare Hilfe für Mahomes fehlt jedoch. Der teure Trade für Delane kostete zudem Picks, die auch in dringend benötigte Verstärkung auf Tackle, Wide Receiver oder Tight End hätten fließen können.
Gesamtbewertung: 2+
Eine strategisch klare Draftklasse mit viel Potenzial. Kansas City hat seine Defense überzeugend neu aufgestellt. Ob der Draft zum sportlichen Wendepunkt wird, hängt jedoch davon ab, wie schnell die jungen Verteidiger einschlagen und ob die Offense auch ohne frühe Verstärkung genug Impact liefert.
Marius Wimmler