21.09.2026
Ein Team in der Krise
Von 8-2 zu neun Niederlagen in Folge: Die Indianapolis Colts stecken tief in der Krise. Nach der bitteren 30:33-Overtime-Niederlage bei den Kansas City Chiefs steht Indianapolis nicht nur bei 0-2 in der neuen Saison - der letzte Sieg liegt mittlerweile mehr als zehn Monate zurück.

Besonders kurios ist die Situation für Sauce Gardner. Seit seinem Trade von den New York Jets nach Indianapolis hat der Star-Cornerback nur ein einziges Regular-Season-Spiel gewonnen. Das fand ausgerechnet nicht in den USA, sondern im Berliner Olympiastadion statt.
Am 9. November 2025 sah die Welt der Colts noch völlig anders aus. Indianapolis setzte sich im ersten Regular-Season-Spiel der NFL-Geschichte in Berlin mit 31:25 nach Overtime gegen die Atlanta Falcons durch. Die Colts verbesserten ihre Bilanz damit auf 8-2.
Was damals nach einer vielversprechenden Ausgangslage für die zweite Saisonhälfte aussah, war der Beginn eines dramatischen Absturzes.
Nach ihrer Bye Week verloren die Colts die verbleibenden sieben Spiele der Regular Season 2025. Zum Auftakt der Saison 2026 folgte ein 23:41 gegen die Baltimore Ravens, ehe Indianapolis auch das Sunday Night Game in Kansas City verlor. Damit wartet das Team mittlerweile seit neun Spielen auf einen Sieg. Die Colts stehen 2026 bei 0-2.
Dabei fehlte gegen Kansas City nicht viel, um die Negativserie endlich zu beenden. Indianapolis führte zur Halbzeit mit 20:17. Jonathan Taylor erzielte zwei Rushing Touchdowns und beendete die Partie mit 92 Rushing Yards, während Daniel Jones 22 seiner 31 Pässe für 210 Yards, einen Touchdown und eine Interception anbrachte.
Auch nach einem 20:27-Rückstand kämpften sich die Colts zurück. Taylor erzielte 5:37 Minuten vor Schluss seinen zweiten Touchdown und stellte auf 27:27.
Die Entscheidung musste in der Overtime fallen. Kansas City legte durch ein 31-Yard-Field-Goal von Harrison Butker vor. Indianapolis antwortete mit einem 38-Yard-Kick von Spencer Shrader. Die Chiefs bekamen den Ball noch einmal - und Patrick Mahomes nutzte die Gelegenheit.
Ein 22-Yard-Pass auf Kenneth Walker III brachte Kansas City in Field-Goal-Reichweite. Mit auslaufender Uhr verwandelte Butker aus 40 Yards zum 33:30. Die neunte Niederlage in Serie war perfekt.
Kaum ein Spieler verkörpert die ungewöhnliche Negativserie der Colts derzeit besser als Sauce Gardner. Indianapolis holte den zweimaligen First-Team-All-Pro am 4. November 2025 von den New York Jets. Fünf Tage später stand Gardner beim 31:25 gegen Atlanta erstmals für die Colts auf dem Feld. Seitdem hat Indianapolis kein Spiel mehr gewonnen.
Für Gardner reicht die kuriose Serie sogar noch weiter zurück. Sein letzter Regular-Season-Sieg auf US-amerikanischem Boden stammt vom 15. Dezember 2024, damals noch als Spieler der Jets. Seitdem war der Erfolg gegen Atlanta in Berlin sein einziger Sieg.
Das macht die Statistik so außergewöhnlich: Gardner wechselte während dieser Serie sogar das Team - doch der einzige Sieg seit Dezember 2024 gelang ihm mehrere Tausend Kilometer von den USA entfernt.
Ausgerechnet gegen Kansas City hatte Gardner selbst eine Gelegenheit, den Verlauf zumindest maßgeblich zu beeinflussen. Gegen Ende des dritten Viertels, Kansas City führte zu diesem Zeitpunkt 24:20, las Gardner einen Pass von Mahomes auf Noah Gray. Der Cornerback kam an den Football, konnte die mögliche Interception aber nicht sichern.
Kansas City setzte den Drive fort. Gardner erklärte anschließend selbst, dass die vergebene Möglichkeit den Verlauf der Partie hätte verändern können. Die Szene war allerdings nicht allein für die Niederlage verantwortlich. Indianapolis bekam danach noch genügend Möglichkeiten und glich die Partie sowohl in der regulären Spielzeit als auch in der Overtime aus.
Genau darin liegt das eigentliche Ausmaß der Colts-Krise. Nach dem Berlin-Sieg stand Indianapolis 2025 bei 8-2. Seitdem haben die Colts kein einziges Spiel gewonnen.
Die Niederlage gegen Kansas City war dabei deutlich knapper als das 23:41 gegen Baltimore zum Saisonauftakt. Indianapolis führte gegen einen starken Gegner zur Halbzeit, erzwang die Overtime und hielt die Partie bis zum letzten Spielzug offen. Am Ergebnis der vergangenen Monate ändert das nichts.
Neun Spiele, neun Niederlagen - und ein einziger gemeinsamer Bezugspunkt: Seit dem Sieg in Berlin wartet Indianapolis auf den nächsten Erfolg. Für Gardner ist die Serie noch kurioser. Seit Dezember 2024 hat der Cornerback kein Regular-Season-Spiel auf amerikanischem Boden mehr gewonnen. Sein einziger Sieg seitdem bleibt das 31:25 mit den Colts gegen Atlanta im Berliner Olympiastadion.
Was im vergangenen November als Startschuss für einen Playoff-Run gedacht war, ist damit inzwischen zum letzten Erfolg einer Mannschaft geworden, die seit mehr als zehn Monaten auf den nächsten Sieg wartet.
nkr