09.02.2026
Abgeschrieben und zurückgekommen
Sam Darnold war einer der emotionalen Mittelpunkte im Super Bowl LX. Nach dem Erfolg der Seahawks gegen die Patriots stand der Quarterback mit glasigen Augen vor den Kameras - und hielt erstmals die Vince Lombardi Trophy in den Händen. Für den 28-Jährigen ist es der erste Titel seiner Karriere. Ein Triumph nach Jahren voller Rückschläge, Zweifel, Neustarts.

Im Postgame-Interview mit Fox Sports und während der Siegerzeremonie richtete Sam Darnold den Fokus konsequent weg von sich selbst - und hin zu Team, Coaches und Fans.
"Ich muss meinen Coaches und meinen Mitspielern danken. Sie haben alle an mich geglaubt. Genau das war auch unser Mindset", sagte Darnold sichtlich emotional ergriffen. Der Third Overall Pick im NFL Draft 2018 von den New York Jets, der über Umwege (Carolina Panthers, San Francisco 49ers) als schon abgeschriebener Spielmacher seine Karriere bis zum Titel nun wiederbelebt hat, zählte hier jede Einheit auf, die diesen Erfolg möglich gemacht habe. "Unsere Offensive Line, unsere Tight Ends, die Receiver und natürlich auch die Running Backs", so Darnolds Loblied. "Alles, was wir heute Abend geleistet haben, war etwas ganz Besonderes."
Deutlich wurde der Quarterback beim Blick auf den entscheidenden Faktor des Abends: "Und dann die Defense und die Twelves: Ganz ehrlich ... Applaus für die Defense!"
Seattles Verteidigung dominierte das Endspiel mit sechs Sacks - zwei davon durch Wunderkind Derick Hall - sowie drei Turnovers, und nahm den Patriots früh jede Hoffnung. Auch Head Coach Mike Macdonald hob Darnold ausdrücklich hervor.
Nüchtern blieb der Quarterback, der vergangene Saison die Minnesota Vikings schon stark angeführt hatte und nun als erster Spielmacher aus dem 2018er Draft den Super Bowl erreicht sowie gewonnen hatte (vor Baker Mayfield, Josh Allen oder auch Lamar Jackson), in der Analyse seiner eigenen Leistung: 19 von 38 Pässen, 202 Yards, ein Touchdown auf A.J. Barner, keine Turnover. "Die Defense hat uns den Rücken freigehalten, das war der Game-Changer", erklärte er später gegenüber NFL.com.
Nach Spielende ließ Darnold seinen Emotionen freien Lauf. Seine Worte spiegelten dabei eben die bereits erwähnte Karriere wider, die mehrfach am Scheideweg gestanden hatte. "Wir haben es geschafft. Das war eine ganz besondere Reise mit all den Jungs hier. Wir haben so hart gearbeitet, und jetzt haben wir diese Aufgabe einfach gut erledigt", sagte Darnold mit zitternder Stimme. "Es ist unglaublich. Alles, was passiert ist in meiner Karriere."
Der frühere Erstrunden-Pick der Jets galt lange als gescheitert - wurde als "Geister-Seher" verspottet. Nun wurde er zum Champion. "Alle meine Teamkollegen haben an mich geglaubt. Ich habe an mich geglaubt - wegen meiner Familie und Freunde. So lange du an dich glaubst, ist alles möglich."
In einem später veröffentlichten Clip der NFL fasste Darnold seine Gefühlslage mit einem einfachen Satz zusammen: "Ich bin mit dem Traum aufgewachsen, genau diesen Moment einmal zu erleben."
Darnold führte Seattle als Starting Quarterback zur Nummer eins der NFC, gewann 14 Spiele in der Regular Season und überzeugte auch in den Playoffs - unter anderem mit 346 Yards und drei Touchdowns gegen die Rams, ohne Turnover.
Tom Brady sagte während der Live-Übertragung anerkennend: "Sam war absolut makellos in seiner Entscheidungsfindung." Und auch Seahawks-General-Manager John Schneider fand lobende Worte: "Wir haben Sams Rücken gestärkt - und er hat uns zum Ring geführt."
Darnold machte Santa Clara zum Schauplatz seiner Erlösung - und krönte eine Odyssee, wie sie nur der Football schreiben kann. Dass er dabei selbst mit seiner Offense hätte besser spielen können, wusste der Quarterback dabei. Sagte aber auch: "Das ist heute egal."
mhh, mag