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    NFL

    vor 7 Stunden

    Draft Nerd Notebook #2

    Die deutschen Chancen im NFL Draft 2027

    Die gute Nachricht vorweg. Aus deutscher Sicht steuern wir auf eine historische Draftklasse zu. Der Hype der letzten zehn Jahre im TV überträgt sich damit auch endlich auf den Nachwuchs. Denn nicht wenige der attraktiven Talente aus Deutschland haben ihre Karriere in dieser Zeit gestartet und sehen nun ihre Chance im NFL Draft 2027.

    Hero Kanu bei Texas am College
    Hero Kanu ist der beste deutsche Spieler im College Football. IMAGO/Icon Sportswire

    Früher waren deutsche Prospects sogenannte Sleeper. Nur wenige hatten sie auf dem Schirm. Doch mittlerweile beschäftigt sich die gesamte Scouting-Szene mit ihnen. Allen voran ist da Hero Kanu zu nennen, der die Boards gerade nur so hinaufschießt.

    Hero Kanu / DT, Texas

    Fangen wir oben an. Im Frühjahr ließ ein NFL-Scout fallen, Hero Kanu könne bei anhaltendem Aufwärtstrend sogar am ersten Abend im Draft seinen Namen hören. Seitdem hat die Aufregung um ihn nicht nachgelassen. Die meisten Scouts führen ihn momentan knapp am zweiten Tag, doch wenn sich NFL Teams erstmal mit seinem wunderbaren Charakter im Draftprozess vertraut gemacht haben, wird er nur noch weiter nach vorne klettern.

    Was zeigt das Tape? Gegen Tennessee hat sich Kanu im gegnerischen Backfield quasi eingenistet. Erster Schritt, Penetration, Disruption. Genau so ein Spiel lässt Scouts verzücken und angeblich beschäftigen sich die New York Giants bereits näher mit ihm, weil sie weiterhin einen Nachfolger von Dexter Lawrence suchen. Pad Level, Anchor gegen Double Teams und ein zweiter Move, wenn der erste Get-Off nicht sitzt, sind als weitere Anlagen und Fähigkeiten vorhanden. Jetzt muss er nur noch konstant darin werden.

    Dann sein Charakter: Der Fürstenfeldbrucker veranstaltete bereits als High-School-Spieler in seiner Heimat Jugend-Camps, um seinem Verein, den Fursty Razorbacks, etwas zurückzugeben. Bei Texas gilt Hero als der emotionale Anführer der Defense, der vor allem abseits des Feldes als hervorragender Kommunikator und als Bindeglied fungiert. Diese Eigenschaften heben ihn aus der Konkurrenz heraus, weshalb er am Ende nach einer hoffentlich starken zweiten Saisonhälfte in der zweiten Runde ausgewählt wird. Vom athletischen Profil könnte der ehemalige Fußballer sogar ein Erstundentalent sein. Doch Interior Defensive Linemen werden in der Regel erst am zweiten Tag gepickt.

    Tag 3 im Draft

    Nun hatten wir bereits im letzten Jahr einen Tag-Zwei-Draftee in Marlin Klein und mit Björn Werner sogar vor Jahren einen Erstrundenpick aus Deutschland. Historisch ist diese Klasse aus deutscher Sicht nicht wegen Hero Kanu, sondern aufgrund der Breite an Talent, die sich hinter ihm in Stellung bringt.

    Yilanan Ouattara / DT, Vanderbilt ist der klassische Traits-over-Production-Fall. Mit 6'7", 311 Pfund kam er von den Cologne Crocodiles in die USA. Seine Coaches sprechen vom 97-Millionen-Dollar-Body. Den Spitznamen muss man erst mal bekommen. Dazu ist er in diesem Jahr Captain, das zählt in jedem Team-Interview.

    Das Problem sind die Stats. Mit 8 Pressures und 2 Sacks ist er für einen Mann mit seinen natürlichen Anlagen zu unproduktiv, um am zweiten oder gar ersten Tag gedraftet zu werden. Auf Tape sieht man die Spannweite und die Power, aber zu oft fehlt die Technik, um seinen massiven Körper in Druck auf den Quarterback umzuwandeln.

    Wer ihn draftet, wettet auf Upside und einen D-Line-Coach mit Geduld. Nach den athletischen Tests, die er hoffentlich beim NFL Combine präsentieren darf, ist sein Profil aber zu verlockend, um es sich durch die Lappen gehen zu lassen. Ouattara dürfte seinen Namen im Draft hören und nicht als Undrafted Free Agent gehen.

    Justin Okoronkwo / LB, South Carolina ist noch mehr Wackelkandidat. 2025 war er mit 64 Tackles in acht Starts einer der Leistungsträger in Columbia. Instinkte, Downhill-Trigger, Tackling-Zuverlässigkeit. Da passt alles. Weil seine Spielanteile stetig wachsen und er offiziell noch ein weiteres Jahr am College spielen dürfte, ist ihm zu raten, das zusätzliche Jahr zu nutzen. Denn man darf nicht vergessen, dass der ehemalige Fußballer und Turner erst seit sechs Jahren Football spielt. Mit einer weiteren vollen Saison als Starter wird aus einem Day-3-Flyer aus München ein Spieler, über den man 2028 deutlich früher spricht. Sollte er sich doch anmelden, muss er in der 7. Runde zittern.

    South Carolina Gamecocks Linebacker Justin Okoronkwo (17) beim College Football.
    Justin Okoronkwo könnte sich für den Draft anmelden. Jeff Blake

    Undrafted Free Agents

    Nun wird es spannend. Denn der Weg in die NFL führt nicht nur über den Draft. Ein guter UDFA-Vertrag mit garantiertem Geld und einem Team, das Bedarf auf der Position hat, ist manchmal mehr wert als ein Siebtrunden-Pick bei der falschen Franchise. Außerdem erhalten internationale Spieler einen zusätzlichen Spot im Practice Squad, was die Chance erhöht, für ein paar Jahre in der NFL zumindest mitzutrainieren.

    Alexander Honig / TE, Northwestern spielt seine produktivste Saison. Gegen Ball State zwei Catches für 48 Yards und ein Touchdown, dazu Scores gegen South Dakota State und Rutgers. PFN-Analyst Jacob Infante hatte ihn schon 2025 als Sleeper auf dem Zettel. Honig ist kein Seam Stretcher, der Linebacker vertikal abhängt. Er ist ein Inline-Typ, der blocken kann und in der Red Zone ein großes Catch Window bietet.

    Als ehemaliger Quarterback hat er ein höheres Spielverständnis als andere deutsche Talente entwickelt und wurde bereits von der exzellenten Kaderschmiede der Schwäbisch Hall Unicorns geformt. Solche Profile finden immer einen Weg ins Camp. Wenn er weiter so performt, könnte er sogar im Draft am Ende seinen Namen hören.

    Linus Zunk / EDGE, Washington State steht auf der Watchlist des East-West Shrine Bowl. Eine Einladung wäre das Schaufenster für den Berliner, der bereits an der High School in den USA spielte. Eine Woche Practice vor den Scouts aller 32 Teams, Eins-gegen-Eins-Drills, in denen Bend und Get-Off schonungslos sichtbar werden. Dort entscheidet sich, ob er ein Camp Body wird oder auf einem Board landet. Zunk wäre nicht das erste Prospect,

    dass durch starke Auftritte im Draftprozess plötzlich im Ansehen steigt. Es braucht am Ende lediglich ein Team, dass ihn gut genug findet, um ihn zu draften.

    Max Stege / EDGE, Boise State ist Starter, aber 2025 war mit 27 Tackles, 7 TFL und nur einem halben Sack enttäuschend. Gegen den Run setzt er die Edge sauber. Im Pass Rush fehlt aber der Plan. Ohne einen Counter Move, Verfeinerung der Technik und mehr Produktion wird es eng für den Kölner und ehemaligen U-19-Nationalspieler. Aber die Saison ist erst zur Hälfte rum und die Formkurve zeigt mit 1,5 Sacks in den letzten drei Spielen nach oben.

    Bruno Dall / EDGE, UCF hat bei Akron ein All-MAC-Third-Team-Jahr hingelegt und ist jetzt Redshirt Junior. Er kann zurückkommen und das sollte er auch. 2028 ist für ihn der klügere Zeitpunkt. Dann hat sich der Hamburger nach seinem Wechsel im Team an der Central Florida etabliert und erhöht seine Chancen, gedraftet zu werden.

    Chancen für die deutschen Prospects

    Es gibt keine Garantien im NFL Draft. Doch wenn wir vom aktuellen Stand ausgehen, wird Hero Kanu nicht nur gedraftet, sondern das auch relativ früh. Yilanan Ouattara hat da neben Alexander Honig noch einen Weg zu gehen. Beide könnten aber dafür sorgen, dass die Draftklasse 2027 aus deutscher Sicht historisch wird.

    Hoffnung macht auch bereits der NFL Draft 2028, wenn sich mit Justin Okoronkwo und Bruno Dall direkt die nächsten Talente bewerben und mit Wilson Zierer und Terry Nwabuisi-Ezeala die jüngeren Geschwister von zwei Männern bereits am College Fuß fassen, deren ältere Brüder NFL-DNA in sich tragen.

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    Philipp Forstner