vor 6 Stunden
Saison fast gelaufen
Fünf Niederlagen in Folge, eine Bilanz von 2-5 und eine Offensive ohne erkennbare Identität: Die Philadelphia Eagles stecken tief in der Krise. Der langfristige Ausfall von Quarterback Jalen Hurts verschärft die Situation zusätzlich, erklärt den Absturz allerdings nur teilweise. Probleme in der Offensive Line, ein ineffizientes Playcalling und eine anfällige Defense setzen auch Head Coach Nick Sirianni zunehmend unter Druck.

Die Philadelphia Eagles haben nach der 21:38-Niederlage gegen die Dallas Cowboys bereits ihr fünftes Spiel in Folge verloren. Mit einer Bilanz von 2-5 droht der Mannschaft der Anschluss an die Spitze der NFC East verloren zu gehen. Während Quarterback Jalen Hurts verletzungsbedingt fehlt, offenbaren sich auch abseits seiner Position erhebliche Schwächen. Besonders die Offensive Line, das System von Sean Mannion und die Leistungen der Defense werfen Fragen auf. Gleichzeitig wächst die Kritik an Head Coach Nick Sirianni.
Über Jahre hinweg gehörte die Offensive Line zu den größten Stärken der Philadelphia Eagles. Sie verschaffte Jalen Hurts Zeit in der Pocket, eröffnete den Running Backs Räume und bildete die Grundlage für eines der gefährlichsten Laufspiele der NFL. In dieser Saison ist von dieser Stabilität nur noch wenig zu erkennen.
Bereits vor Saisonbeginn musste Philadelphia den Abschied des langjährigen Offensive-Line-Coaches Jeff Stoutland verkraften. Unter seiner Führung hatte sich die Unit zu einer der besten der Liga entwickelt. Mit seinem Weggang verlor die Mannschaft nicht nur einen erfahrenen Positionscoach, sondern auch einen wichtigen Bestandteil ihrer offensiven Identität.
Hinzu kamen erhebliche personelle Veränderungen. Anfang Oktober beendete All-Pro-Right-Tackle Lane Johnson seine Karriere. Auch Center Cam Jurgens steht nach seinem Wechsel zu den Baltimore Ravens nicht mehr zur Verfügung. Verletzungen weiterer Spieler erschwerten es zusätzlich, eine eingespielte Formation zu finden.
Die Auswirkungen sind deutlich spürbar. Philadelphia hat Schwierigkeiten, konstant Raumgewinn am Boden zu erzielen und gegnerische Blitz-Pakete zu kontrollieren. Gerade in offensichtlichen Passsituationen geraten die Quarterbacks immer wieder unter Druck.
Das Problem betrifft damit weit mehr als den Schutz von Jalen Hurts oder seinem Vertreter Tanner McKee. Wenn eine Offensive Line weder im Pass Blocking noch im Run Blocking die gewohnte Stabilität liefert, schrumpfen die Möglichkeiten des gesamten Spielsystems.
Doch die personellen Probleme erklären nicht vollständig, weshalb die Eagles offensiv derart eingebrochen sind. Bereits mit Jalen Hurts als Starter funktionierte das System des neuen Offensive Coordinators Sean Mannion nur unzureichend.
Mannion sollte der Offensive vor der Saison neue Impulse verleihen. Stattdessen fehlt Philadelphia bislang eine verlässliche Struktur, mit der sich gegnerische Defenses konstant unter Druck setzen lassen.
Besonders auffällig sind die Schwierigkeiten gegen den Blitz. Die Eagles verzeichneten im bisherigen Saisonverlauf einen Expected Points Added per Play von -0,31 gegen zusätzliche Pass Rusher. Damit liegt Philadelphia erstmals während der Amtszeit von Nick Sirianni in diesem Bereich im negativen Bereich.
Gegnerische Defenses haben diese Schwäche längst erkannt. Sie erhöhen regelmäßig den Druck auf den Quarterback, ohne dafür ausreichend bestraft zu werden.
Hinzu kommen erhebliche Probleme bei Third Downs. Bei der Niederlage gegen die Los Angeles Rams Anfang Oktober verwandelten die Eagles keinen einzigen ihrer zwölf dritten Versuche in ein neues First Down. In derselben Partie blieb Philadelphia in der gesamten zweiten Halbzeit ohne Punkte.
Auch gegen die Carolina Panthers offenbarte sich die mangelnde Konstanz. Die Eagles mussten ihre ersten fünf offensiven Drives mit einem Punt beenden. Es war das erste Mal in der Amtszeit von Sirianni, dass Philadelphia auf diese Weise in eine Partie startete.
Die Offensive gehört inzwischen zu den Mannschaften mit den meisten Punts und der höchsten Three-and-out-Quote der Liga.
Dass diese Probleme sowohl mit Hurts als auch mit McKee auftreten, verschärft die Diskussion um Mannion. Der Quarterback-Wechsel hat die Ausgangslage verändert, die grundsätzlichen Schwierigkeiten des Systems jedoch nicht beseitigt.
Zusätzlich zur schwächelnden Offensive Line und dem ineffizienten Playcalling fehlt es den Eagles zunehmend an gesunden Leistungsträgern.
Running Back Saquon Barkley musste aufgrund einer Oberschenkelverletzung bereits mehrere Spiele aussetzen. Gegen die Cowboys kehrte der Superstar zwar zurück und erzielte bei sieben Läufen 62 Yards sowie einen Touchdown, wurde im weiteren Spielverlauf allerdings von Rückenproblemen ausgebremst.
Auch hinter Barkley ist die Situation angespannt. Mit Will Shipley und Tank Bigsby fehlen weitere Running Backs verletzungsbedingt. Philadelphia musste deshalb verstärkt auf Spieler wie Dameon Pierce zurückgreifen.
Im Passspiel ist die personelle Situation ebenfalls schwierig. Nach dem Abschied von A.J. Brown zu den New England Patriots hatte DeVonta Smith eine noch wichtigere Rolle übernehmen sollen. Gegen Dallas fehlte der Wide Receiver jedoch ebenso wie Dontayvion Wicks.
Damit ruht zusätzliche Verantwortung auf jungen Spielern wie Rookie Makai Lemon, der gegen die Cowboys immerhin sieben Pässe für 67 Yards und einen Touchdown fing.
Die zahlreichen Ausfälle erschweren es Philadelphia, über mehrere Wochen dieselben personellen Abläufe zu entwickeln. Allerdings kann die Verletzungssituation nicht als alleinige Erklärung dienen. Schließlich waren die offensiven Schwierigkeiten bereits erkennbar, bevor die personellen Probleme ihren aktuellen Umfang erreichten.

Während die Offensive seit Wochen nach Lösungen sucht, gelingt es der Defense immer seltener, die Mannschaft im Spiel zu halten.
Besonders deutlich wurde das gegen die Dallas Cowboys. Philadelphia ließ insgesamt 416 Yards zu, darunter 204 Rushing Yards. Running Back Javonte Williams erzielte mit 155 Yards einen persönlichen Karrierebestwert.
Dabei hatten die Eagles die Begegnung zu Beginn des dritten Viertels noch gedreht. Nach einem Touchdown-Pass von Tanner McKee auf Makai Lemon führte Philadelphia zwischenzeitlich mit 21:20.
Anschließend erzielten die Cowboys allerdings 18 Punkte in Folge und entschieden die Partie deutlich für sich.
Besonders problematisch war die fehlende Durchschlagskraft des Pass Rush. Die Eagles brachten Dak Prescott kein einziges Mal zu Boden und erzwangen keinen Turnover. Der Cowboys-Quarterback blieb ohne Interception und warf drei Touchdown-Pässe.
Auch in den Wochen zuvor hatte die Defense Schwierigkeiten, Führungen über die Zeit zu bringen. Gegen die Rams verspielte Philadelphia Anfang Oktober einen Vorsprung von zehn Punkten in der Schlussphase und verlor noch mit 20:24.
Die Unit von Defensive Coordinator Vic Fangio verfügt weiterhin über talentierte Einzelspieler. Dennoch fehlt ihr derzeit die Konstanz, um die offensiven Probleme über vier Viertel auszugleichen.
Gerade für eine Mannschaft, die aufgrund zahlreicher Verletzungen offensiv eingeschränkt ist, wiegt diese Entwicklung besonders schwer.
Die Verantwortung für die Krise endet allerdings nicht bei den Spielern oder Offensive Coordinator Sean Mannion. Auch Head Coach Nick Sirianni muss sich zunehmend kritische Fragen gefallen lassen.
Dabei geht es nicht ausschließlich um die aktuelle Niederlagenserie. Schon während der ersten Saisonwochen sorgten seine Entscheidungen im Game Management für Diskussionen.
Besonders deutlich wurde das bei der 20:24-Niederlage gegen die Los Angeles Rams. Philadelphia führte im Schlussviertel mit zehn Punkten und hatte die Möglichkeit, den Vorsprung weiter auszubauen.
Statt bei einem vierten Versuch an der gegnerischen Zwei-Yard-Linie ein Field Goal zu nehmen, entschied sich Sirianni dafür, den Versuch auszuspielen. Der anschließende Passspielzug scheiterte, die Eagles blieben ohne Punkte.
Bereits zuvor war Philadelphia bei einem vierten Versuch an der eigenen 38-Yard-Linie gescheitert. Auch dort hatte Sirianni auf einen ausgespielten Versuch gesetzt.
Solche Entscheidungen sind nicht grundsätzlich falsch. Aggressives Fourth-Down-Management gehört längst zur modernen NFL und kann statistisch sinnvoll sein. In der konkreten Spielsituation muss sich Sirianni allerdings fragen lassen, ob er die Stärken und Schwächen seiner Mannschaft ausreichend berücksichtigt.
Gegen die Rams kamen weitere Probleme hinzu. Philadelphia verwandelte keinen einzigen Third Down, leistete sich zehn Strafen und offenbarte wiederholt Schwierigkeiten bei der Aufstellung vor dem Snap.
Diese Fehler lassen sich nicht allein auf Verletzungen zurückführen. Sie betreffen auch die Vorbereitung, Abstimmung und Disziplin einer Mannschaft - Bereiche, für die der Head Coach letztlich verantwortlich ist.

Noch schwerer als einzelne Entscheidungen wiegt die Frage nach der grundsätzlichen Entwicklung der Offensive.
Sirianni trägt als Head Coach die Verantwortung dafür, dass seine Mannschaft ein funktionierendes System besitzt. Auch wenn Mannion die Spielzüge auswählt, muss Sirianni sicherstellen, dass die Offensive an das verfügbare Personal angepasst wird.
Genau daran bestehen derzeit Zweifel. Die Eagles haben mit dem Rücktritt von Lane Johnson, dem Abgang von Cam Jurgens und den Verletzungen ihrer Playmaker wichtige Bestandteile ihres bisherigen Erfolgsmodells verloren. Trotzdem ist es dem Coaching Staff bislang nicht gelungen, eine verlässliche Alternative zu entwickeln.
Bereits nach der Niederlage gegen die Carolina Panthers räumte Sirianni ein, dass Philadelphia gegen gegnerische Blitz-Pakete bessere Lösungen finden müsse. "Wir müssen dort einen besseren Job machen, ganz einfach", erklärte der Head Coach.
Die Probleme bestehen allerdings weiterhin. Das wirft die Frage auf, weshalb Philadelphia trotz mehrerer Wochen mit ähnlichen Schwierigkeiten keine nachhaltigen Anpassungen vornehmen konnte.
Sirianni hat in seiner bisherigen Amtszeit bewiesen, dass er eine Mannschaft erfolgreich führen kann. Seine bisherigen Erfolge schützen ihn jedoch nicht vor berechtigter Kritik an der aktuellen Entwicklung.
Gerade weil sich die Schwierigkeiten über mehrere Spiele und unterschiedliche Quarterbacks hinweg wiederholen, rückt seine Verantwortung zunehmend in den Mittelpunkt.
Mit fünf Niederlagen in Folge und einer Bilanz von 2-5 stehen die Philadelphia Eagles vor einer schwierigen Aufgabe. Der langfristige Ausfall von Jalen Hurts hat die Situation erheblich verschärft, ist aber nicht die eigentliche Ursache sämtlicher Probleme.
Die Offensive Line hat durch personelle Veränderungen an Qualität und Stabilität verloren. Sean Mannions System liefert gegen gegnerischen Druck bislang zu wenige Antworten. Die zahlreichen Verletzungen schränken die Möglichkeiten zusätzlich ein, während die Defense nicht konstant genug spielt, um diese Schwächen aufzufangen.
Hinzu kommt die Verantwortung von Nick Sirianni. Seine Entscheidungen im Game Management, die wiederkehrenden Abstimmungsprobleme und die ausbleibende offensive Entwicklung machen ihn zu einem zentralen Bestandteil der Diskussion.
Philadelphia steht damit nicht nur vor der Frage, wie es den Ausfall seines Franchise-Quarterbacks kompensieren kann. Die Eagles müssen vor allem herausfinden, weshalb ein Team mit hohen Ansprüchen inzwischen in nahezu allen Bereichen Schwierigkeiten hat. Solange darauf keine überzeugenden Antworten folgen, dürfte auch die Kritik am Head Coach weiter zunehmen.
Autor: Niklas Kreuzer