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    NFL

    vor 14 Stunden

    Muss die Liga umdenken?

    Diese NFL-Division hat kein Playoff-Team verdient

    Sieben Spielwochen sind absolviert und die NFC South liefert ein erschreckendes Zwischenzeugnis ab. Keine der vier Mannschaften besitzt eine positive Bilanz, der Divisionsführer steht bei gerade einmal drei Siegen und selbst das Schlusslicht darf sich noch berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen. Während in anderen Divisionen mehrere Teams um die Playoffs kämpfen, scheint in der NFC South derzeit vor allem die Frage entscheidend zu sein, wer am wenigsten schlecht ist.

    Baker Mayfield in einem NFL-Spiel für die Tampa Bay Buccaneers
    Die wohl schlechteste Division der NFL zeigt sich auch in diesem Jahr nicht von ihrer besten Seite. Getty Images

    Die NFC South entwickelt sich erneut zum Sorgenkind der NFL. Carolina, Atlanta, Tampa Bay und New Orleans kommen zusammen auf lediglich zehn Siege bei 18 Niederlagen. Trotzdem wird am Ende der Regular Season mindestens eine dieser Mannschaften ein Playoff-Heimspiel austragen. Die aktuelle Situation wirft eine unbequeme Frage auf: Wie verdient ist ein Platz in der Postseason, wenn eine gesamte Division über weite Strecken der Saison kaum konkurrenzfähig erscheint?

    Vier Mannschaften, kein überzeugender Spitzenreiter

    Die Zahlen nach sieben absolvierten Spielen pro Team sprechen eine deutliche Sprache. Die Carolina Panthers und Atlanta Falcons führen die NFC South mit einer Bilanz von jeweils 3-4 an. Dahinter folgen die Tampa Bay Buccaneers und New Orleans Saints mit jeweils 2-5. Kein Team hat mehr Siege als Niederlagen vorzuweisen. Noch bemerkenswerter: Zwischen der Divisionsspitze und dem Tabellenende liegt gerade einmal ein einziger Sieg.

    Die NFC South ist damit die einzige Division der NFL, in der keine Mannschaft eine positive Bilanz besitzt. Zusammen kommen die vier Teams auf eine Siegquote von gerade einmal 35,7 Prozent. Auch die Punktedifferenzen unterstreichen die Probleme. Carolina steht bei -15, Atlanta bei -2 und New Orleans bei -32. Lediglich Tampa Bay weist mit +11 eine positive Bilanz bei den erzielten und zugelassenen Punkten auf.

    Dabei ist die geringe Distanz zwischen den Mannschaften keineswegs Ausdruck einer besonders hohen Leistungsdichte. Vielmehr fehlt der NFC South bislang ein Team, das sich durch konstant überzeugende Leistungen von der Konkurrenz absetzen kann.

    Carolina Panthers: Ein Team ohne Konstanz

    Die Carolina Panthers sind das beste Beispiel für die widersprüchliche Situation innerhalb der Division. Mit drei Siegen aus sieben Spielen steht Carolina an der Spitze, obwohl die Mannschaft mehr Partien verloren als gewonnen hat.

    Wie weit die Panthers von einem überzeugenden Divisionsführer entfernt sind, zeigte sich zuletzt bei der deutlichen 13:43-Niederlage gegen die Tampa Bay Buccaneers. Ausgerechnet gegen einen direkten Konkurrenten, der zuvor lediglich einen einzigen Saisonsieg vorweisen konnte, kassierte Carolina eine Niederlage mit 30 Punkten Unterschied.

    Die Panthers ließen dabei 258 Rushing Yards zu, während ihre Offense gegen die Defense der Buccaneers kaum Lösungen fand. Tampa Bay verbuchte fünf Sacks und zwei Interceptions. Für eine Mannschaft, die den Anspruch erhebt, die eigene Division anzuführen, war dieser Auftritt ein deutliches Warnsignal.

    Natürlich haben die Panthers in dieser Saison auch gezeigt, dass sie gegen starke Gegner bestehen können. Doch einzelne überzeugende Leistungen reichen nicht aus, wenn ihnen regelmäßig deutliche Rückschläge folgen. Der Tabellenplatz täuscht derzeit über die fehlende Konstanz hinweg.

    Tampa Bay Buccaneers: Das größte Rätsel der Division

    Noch widersprüchlicher präsentiert sich die Situation bei den Tampa Bay Buccaneers. Trotz einer Bilanz von 2-5 besitzt Tampa Bay als einziges Team der NFC South eine positive Punktedifferenz.

    Das liegt unter anderem am jüngsten 43:13-Erfolg gegen Carolina. Die Buccaneers dominierten ihren Divisionsrivalen sowohl offensiv als auch defensiv und zeigten dabei, welches Potenzial grundsätzlich in dieser Mannschaft steckt.

    Doch genau darin liegt das Problem. Ein Team, das seinen direkten Konkurrenten derart deutlich schlagen kann, sollte nach sieben Spielen nicht bei lediglich zwei Siegen stehen.

    Die Buccaneers verloren ihre ersten vier Saisonspiele und haben bislang kein einziges Heimspiel gewonnen. Zwar fielen sämtliche Niederlagen mit maximal einem Score Unterschied aus, doch auch knappe Niederlagen bleiben Niederlagen. Wer regelmäßig in Reichweite eines Sieges bleibt, diesen aber nicht über die Zeit bringt, hat ein Problem mit der eigenen Konstanz und der Ausführung in entscheidenden Situationen.

    Dass Tampa Bay trotz dieser Bilanz nur einen Sieg hinter der Divisionsspitze liegt, sagt deshalb mindestens genauso viel über die Konkurrenz aus wie über die Buccaneers selbst.

    Atlanta Falcons: Ein Ausrufezeichen reicht nicht

    Die Atlanta Falcons haben zuletzt zumindest bewiesen, dass sie gegen die Spitzenteams der NFL bestehen können. Beim 29:20-Erfolg gegen die zuvor ungeschlagenen San Francisco 49ers gelang der Mannschaft ein bemerkenswerter Sieg.

    Doch auch Atlanta steht nach sieben Spielen lediglich bei 3-4. Ein Erfolg gegen einen der stärksten Gegner der Liga kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Falcons bislang mehr Spiele verloren als gewonnen haben.

    Gerade deshalb ist Atlanta vielleicht das Sinnbild dieser Division. Das Potenzial für starke Leistungen ist vorhanden, doch die Mannschaft schafft es nicht, dieses über mehrere Wochen zuverlässig abzurufen.

    Ein ernst zu nehmender Playoff-Kandidat muss mehr bieten als gelegentliche Überraschungssiege. Er muss auch in der Lage sein, vermeintlich machbare Spiele für sich zu entscheiden und eine gewisse Verlässlichkeit zu entwickeln. Genau diesen Nachweis sind die Falcons bislang schuldig geblieben.

    New Orleans Saints: Selbst das Schlusslicht ist noch im Rennen

    Auch bei den New Orleans Saints gibt es derzeit wenig Anlass zur Zufriedenheit. Mit einer Bilanz von 2-5 und einer Punktedifferenz von -32 präsentiert sich New Orleans als eine der schwächeren Mannschaften der Conference.

    Zuletzt unterlagen die Saints den Pittsburgh Steelers mit 10:16. Besonders problematisch war dabei erneut das Laufspiel, das lediglich 18 Yards zustande brachte. Die Offense konnte die gegnerische Defense über weite Strecken nicht ausreichend unter Druck setzen.

    New Orleans hat vier seiner vergangenen fünf Spiele verloren und geht mit erheblichen offensiven Problemen in die Bye Week. Trotzdem ist die Mannschaft im Rennen um den Divisionstitel keineswegs abgeschlagen. Gerade einmal ein Sieg trennt die Saints von Carolina und Atlanta.

    Dass selbst eine Mannschaft mit einer derart schwachen Bilanz weiterhin realistische Chancen auf die Divisionsführung besitzt, verdeutlicht das grundlegende Problem der NFC South.

    Die NFL belohnt den Divisionssieger - unabhängig von seiner Qualität

    Die eigentliche Brisanz liegt allerdings im Playoff-System der NFL. Jeder der acht Divisionssieger erhält automatisch einen Platz in der Postseason und darf mindestens ein Playoff-Heimspiel austragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Mannschaft die Regular Season mit zwölf, zehn oder lediglich acht Siegen abschließt.

    Während in anderen Divisionen mehrere Teams mit positiven Bilanzen um die verbleibenden Wildcard-Plätze kämpfen, reicht in der NFC South möglicherweise erneut eine negative Bilanz zum Divisionstitel.

    Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass dieses Szenario keineswegs ungewöhnlich ist. Bereits 2022 gewannen die Tampa Bay Buccaneers die NFC South mit einer Bilanz von 8-9. In der vergangenen Saison gelang den Carolina Panthers mit derselben Bilanz der Divisionstitel. Beide Mannschaften verloren anschließend ihr Heimspiel in der Wildcard Round.

    Damit stellt sich erneut die Frage, ob die automatische Vergabe eines Heimspiels an jeden Divisionssieger sportlich noch zeitgemäß ist. Schließlich kann eine Mannschaft mit deutlich besserer Bilanz aus einer stärkeren Division auswärts antreten müssen, während ein schwächerer Divisionssieger Heimrecht erhält.

    Die Divisionsstruktur gehört zur Identität der NFL. Rivalitäten, direkte Duelle und die Bedeutung regionaler Konkurrenz sind zentrale Bestandteile des Wettbewerbs. Dennoch darf kritisch hinterfragt werden, ob dieses System die tatsächlichen Kräfteverhältnisse innerhalb der Liga immer angemessen widerspiegelt.

    Ein Playoff-Platz, den sich bislang niemand verdient hat

    Natürlich ist die Saison noch lange nicht entschieden. Jede der vier Mannschaften hat ausreichend Zeit, ihre Bilanz zu verbessern und sich sportlich als würdiger Divisionssieger zu präsentieren.

    Doch nach sieben Spielen fällt das Zwischenfazit ernüchternd aus. Carolina fehlt die Konstanz, Tampa Bay gewinnt trotz erkennbaren Potenzials zu selten, Atlanta bleibt zu wechselhaft und New Orleans kämpft mit erheblichen offensiven Problemen.

    In anderen Teilen der NFC stehen Mannschaften mit deutlich besseren Bilanzen, die trotzdem um ihre Playoff-Teilnahme kämpfen müssen. In der NFC South hingegen reicht es bislang, weniger Spiele zu verlieren als drei ebenfalls enttäuschende Konkurrenten.

    Am Ende wird die NFL-Regelung dafür sorgen, dass mindestens eine Mannschaft aus dieser Division in den Playoffs steht. Sportlich hat sich diesen Platz zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch keine der vier Mannschaften überzeugend verdient.

    Autor: Niklas Kreuzer

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