23.02.2026
Mentaler Druck beim Combine
Der Combine ist in jedem Jahr eine schwere Aufgabe für die angehenden Rookies. Viele unterschiedliche Aufgabenfelder müssen abgedeckt werden. Jeder erhofft sich die Chance, seine Position im Draft noch verbessern zu können. Doch neben physischer Stärke müssen die College-Talente auch mental einiges aushalten können.

Im Fokus des Combines stehen jedes Jahr die physischen Disziplinen. Allen voran der 40-Yard-Dash. Doch die Spieler müssen nicht nur mit Athletik und Physis glänzen. Insbesondere die psychologischen Tests stellen eine Herausforderung für die College-Stars dar und entscheiden oft über die Zukunft eines Spielers.
Dieser ist trotz seines besonderen Namens ein reiner IQ-Test. Hier wird vor allem Allgemeinwissen abgefragt. Der Test besteht aus insgesamt 50 Multiple-Choice-Fragen, für die die Spieler zwölf Minuten Zeit haben. Kategorien wie logisches Denken, verbale Fähigkeiten, Rechenaufgaben ohne Taschenrechner lösen und räumliches Vorstellungsvermögen werden auf den Prüfstand gestellt. Der Durchschnitt erreicht circa 20 richtige Antworten. Der einzige bekannte Spieler, der 50 von 50 Punkten erreicht haben soll, ist Pat McInally. Er graduierte von der Harvard University und spielte dann für die Special Teams der Cincinnati Bengals von 1975 bis 1985. Auch die ehemaligen Quarterbacks Ryan Fitzpatrick, Carson Wentz und Alex Smith schnitten überdurchschnittlich hoch ab.
Die Interviews zwar nicht zwingend psychologische Tests, sie üben aber dennoch psychologischen Druck auf die Spieler aus. Jedes Team hat die Möglichkeit, mit 60 verschiedenen Spielern zu sprechen. Dabei hat jedes Interview eine Länge von 15 Minuten. Hier müssen die Talente mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Football-IQ überzeugen. Außerdem wird ihr Umgang mit der Presse getestet. Wie in den anderen Bereichen befinden sich die Spieler auch hier in einem Ausnahmezustand, wollen überzeugen und nichts Falsches sagen.
Dieser Reaktionstest kapselt sich etwas von den oberen zwei ab, da er nicht direkt beim Combine angewendet wird. Das hat rechtliche und vertragliche Gründe, da dort der Wonderlic-Test benutzt wird. Dennoch spielt dieser Test eine große Rolle für den Draft.
Meistens wird dieser in der Phase zwischen Combine und Draft von den Teams selbst durchgeführt. Es handelt sich um einen 45-minütigen Reaktionstest, der in acht bis neun einzelne Tests unterteilt ist. Dort werden die kognitiven Fähigkeiten der Spieler getestet. Hierbei gibt es drei Unterkategorien. Die erste nennt sich Field, wo analysiert wird, wie schnell Informationen wahrgenommen werden können. Beim zweiten werden die visuellen Fähigkeiten getestet. Zu guter Letzt wird geschaut, wie gut die Teilnehmenden Multitasking beherrschen. Scores über 80 Prozent gelten als sehr gut. Dieser Test wird auf allen Positionen angewandt, aber besonders bei den Quarterbacks. Joe Burrow konnte bei diesem Test beispielsweise ein Ergebnis von 97 Prozent liefern. Auch Brock Purdy, Patrick Mahomes und Josh Allen sollen gute Werte geliefert haben.
Die generelle Kritik an den Voraussetzungen für den Combine ist in den letzten Jahren lauter geworden. Vor allem der hohe Druck, der für die Spieler entsteht, ist mental schwer zu stemmen. Gerade die Interviewsituationen verlangen ihnen viel ab.
Vor allem beim Reaktionstest gab es in der Vergangenheit viel Kritik. C.J. Stroud soll in seinem Draft-Jahr 2023 nur ein Ergebnis von 18 Prozent in diesem Test erreicht haben. In seinem Rookie-Jahr wurde er dennoch zum Offensive Player of the Year.
"Ich bin ein Football Spieler...kein S2-Tester", erklärte Stroud damals nach seinem Ergebnis. Wie aussagekräftig die Tests wirklich sind, darüber lässt sich entsprechend streiten.
Lea Graepler