07.05.2026
Bester Monarchs-QB aller Zeiten?
Zwei Finalniederlagen. Kein Titel. Die Dresden Monarchs sind es leid, die ewigen Zweiten der German Football League zu sein und haben in dieser Offseason alles daran gesetzt, das zu ändern. Mit Rocky Lombardi holen sie einen Quarterback mit echter NFL-Erfahrung an die Elbe. Und mit Montigo Moss den Sohn von NFL-Legende Randy.

Es ist diese besondere Zeit im Jahr, auf die man als Football-Fan in Deutschland viel zu lange warten muss: Die GFL-Saison ist zurück. Und wer die Liga in diesem Jahr genauer unter die Lupe nimmt, kommt an den Dresden Monarchs nicht vorbei.
Zweimal in Serie haben die Sachsen den Sprung in den GFL Bowl geschafft. Zweimal sind sie ohne den Titel geblieben. Das hat in Dresden den Hunger geweckt und dieser "Jieper" hat sich in einer Offseason manifestiert, in der man in Sachen Kader-Qualität Maßstäbe für die gesamte Liga gesetzt hat.
Fangen wir beim wichtigsten Baustein an: Dem Quarterback. Dresden hat mit Rocky Lombardi einen 1,93 Meter großen und 100 Kilogramm schweren Spielmacher unter Vertrag genommen, der zunächst an der Michigan State University aktiv war und sich dann in drei Spielzeiten an der Northern Illinois University als echter Starter etabliert hat. 29 Starts, 5.516 Passing Yards, 31 Touchdowns am College stehen nicht für einen Lückenbüßer, sondern für einen Quarterback mit echtem College-Leistungsnachweis auf höchstem FBS-Niveau.
Was an Lombardi besonders überzeugt, ist die Tatsache, dass er mit den Huskies die MAC-Meisterschaft 2021 und zwei Bowl Games gewann. Er ist also kein Spieler, der nur in guten Systemen gute Zahlen produziert, sondern einer, der weiß, wie man als Team gewinnt. Diese Siegermentalität kann im Endspurt in den Playoffs nochmal nützlich werden.
Nach dem College unterschrieb er bei den Cincinnati Bengals, wo er die Offseason und Preseason hinter Joe Burrow verbrachte. Wer in einem NFL-System mitarbeitet, auch ohne Spielzeit zu bekommen, nimmt wichtige Erfahrungen, Professionalität, Systemverständnis und Routine mit. Das wird Lombardi und Dresden in der GFL zugutekommen.
Football liegt bei ihm übrigens in der Familie: Sein Vater Tony Lombardi verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung als Coach und Scout, sein Großvater Bob Lombardi ist Mitglied der Illinois High School Football Hall of Fame. Spieler, die mit Football aufgewachsen sind, die Football leben, bringen eine andere Reife mit und das merkt man auf- und abseits des Feldes.
Rocky Lombardi ist der beste Quarterback, den Dresden je hatte. Das ist eine These, die ich bewusst mutig formuliere. Wer das widerlegen will, muss erst mal einen anderen US-Importspieler in Europa mit vergleichbarer College-Laufbahn nennen.
Zumal Lombardi Unterstützung von einem Mann erhält, der ebenfalls einen der berühmtesten Nachnamen im American Football trägt. Montigo Moss spielte fünf Saisons für die University of Maine und schloss seine College-Karriere mit einem starken letzten Spieljahr 2024 ab: 61 Catches für 722 Yards und sieben Touchdowns in seiner letzten Saison, in den letzten drei Spielen allein 17 Receptions für 261 Yards und vier Scores. Moss ist jemand, der unter Druck aufblüht. Das braucht man in entscheidenden GFL-Spielen.
Sein Vater Randy Moss muss hier nicht weiter vorgestellt werden und es ist sicher nicht fair, Montigo immer an der NFL-Legende zu messen. Aber es ist leider unvermeidlich. Mit 1,85 Metern und 100 Kilogramm ist Montigo kein klassischer Deep Threat, sondern ein Receiver, der mit ausgearbeiteten Route Tree als physischer Passempfänger und Run Blocker zu überzeugen weiß. Im letzten Testspiel erzielte er in dieser legitimen Rolle gegen die Leipzig Lions bei beiden Touchdown-Catches über 100 Yards after Catch. In einer GFL-Offense, die um Lombardi aufgebaut ist, braucht man genau so einen Receiver, der nach dem Catch gewinnt, der schwer zu tackeln ist und der auch mal einen Cornerback stehen lässt.
Die Minnesota Vikings luden Montigo zum Rookie Minicamp ein und das war kein Charity-Invite wegen des Familiennamens. Das war ein Talent-Check in einem NFL-Umfeld. Dass er danach den Weg nach Dresden gefunden hat, ist ein großer Gewinn für die gesamte German Football League und zeigt, wie weit sich der Football in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt hat.
Dresden hat diesen Sommer nicht eingekauft, um das Finale zu erreichen. Dresden hat die richtigen Spieler gefunden, um das Endspiel zu gewinnen. Lombardi ist der Anker dieser Offense, Moss ist in einem hochwertigen Receiving Corps als strategische Waffe im Passspiel eingebunden. Diesmal wird's der Ring, da lege ich mich fest.
Die GFL-Saison 2026 beginnt am 9. Mai mit der TV-Konferenz bei DF1, sporteurope.tv und Twitch. Die Monarchs sind der Favorit und eröffnen die Saison im Heinz-Steyer-Stadion vor einer voraussichtlich großartigen Kulisse gegen die Braunschweig Lions.
Philipp Forstner