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    NFL

    vor 1 Tag

    Bessere Bilanz, schlechterer Seed

    Division-Sieger vor Top-Teams: Ist das NFL-Playoff-System noch zeitgemäß?

    Acht Teams, zwei Divisionen und eine interessante Frage: In der AFC North und NFC North steht aktuell jede Mannschaft mit einer positiven Bilanz da. Während sich im Norden zahlreiche Teams um die Playoff-Plätze streiten, könnte ausgerechnet ein Division-Sieger mit negativer Bilanz in der Postseason Heimrecht genießen. Braucht die NFL deshalb eine Reform ihres Playoff-Systems?

    Josh Jacobs fängt einen Touchdwon gegen die Detriot Lions
    Divisionssieger haben ein Playoff Heimspiel sicher. IMAGO/NurPhoto

    Die beiden North-Divisionen gehören in dieser Saison zu den stärksten der NFL. Sowohl in der AFC als auch in der NFC haben alle vier Mannschaften eine positive Bilanz. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Playoff-Konstellation, dass der Gewinn einer Division unter Umständen mehr wert ist als eine deutlich bessere Regular Season.

    Acht Teams mit positiver Bilanz

    Ein Blick auf die Tabellen verdeutlicht, wie stark die beiden Divisionen in diesem Jahr besetzt sind. In der NFC North sind die Minnesota Vikings mit 6-0 noch ungeschlagen. Dahinter folgen die Chicago Bears mit 5-2, die Detroit Lions mit 4-2 und die Green Bay Packers mit 5-3.

    Auch in der AFC North ist die Leistungsdichte bemerkenswert. Die Cleveland Browns und Pittsburgh Steelers stehen jeweils bei 5-2. Die Cincinnati Bengals kommen auf eine Bilanz von 4-2, während die Baltimore Ravens mit 4-3 ebenfalls noch eine positive Saison spielen.

    Damit stehen alle acht Mannschaften aus den beiden North-Divisionen aktuell über der 50-Prozent-Marke. Eine solche Konstellation macht allerdings auch die Grenzen des bestehenden Playoff-Systems sichtbar.

    Wenn ein Division-Sieg mehr wert ist als die Bilanz

    Besonders deutlich wird die Problematik in der NFC. Die Carolina Panthers stehen nach ihrer Niederlage gegen die Packers bei 3-4, führen aber weiterhin die NFC South. Aufgrund des gewonnenen direkten Duells liegen sie vor den ebenfalls 3-4 stehenden Atlanta Falcons.

    In der aktuellen Playoff-Konstellation bedeutet das für Carolina den vierten Seed und ein Heimspiel in der ersten Runde. Die Chicago Bears stehen mit 5-2 dagegen nur auf Rang fünf. Auch die Detroit Lions (4-2) und Green Bay Packers (5-3) müssen sich dahinter einordnen.

    Der Grund dafür ist die aktuelle NFL-Regelung: Die vier Division-Sieger einer Conference erhalten automatisch die Seeds eins bis vier. Die drei besten übrigen Mannschaften qualifizieren sich als Wild-Card-Teams und belegen die Plätze fünf bis sieben. Nur der beste Seed erhält dabei ein Freilos für die erste Playoff-Runde.

    Das bedeutet, dass ein Division-Sieger selbst mit einer negativen Bilanz vor mehreren Mannschaften mit deutlich besseren Ergebnissen steht. Der Gewinn der eigenen Division wird damit nicht nur mit einem Playoff-Ticket, sondern auch mit einem garantierten Heimspiel belohnt.

    Division-Sieger sollten ihren Playoff-Platz behalten

    Eine mögliche Reform muss allerdings nicht bedeuten, dass die Divisionen ihre Bedeutung verlieren. Schließlich gehören die direkten Duelle innerhalb einer Division zu den wichtigsten Bestandteilen der Regular Season. Der Division-Titel sollte deshalb weiterhin einen garantierten Playoff-Platz wert sein.

    Die automatische Einstufung auf einem der ersten vier Seeds ist dagegen durchaus diskutabel. Eine mögliche Lösung wäre, die vier Division-Sieger weiterhin direkt zu qualifizieren, anschließend aber alle sieben Playoff-Teilnehmer einer Conference nach ihrer Regular-Season-Bilanz zu setzen.

    Ein Beispiel: Die Panthers würden auch mit einer Bilanz von 3-4 in die Playoffs einziehen, müssten sich aber hinter den Mannschaften mit besseren Ergebnissen einordnen. Die Bears, Lions und Packers könnten entsprechend ihrer Leistungen mit einem höheren Seed und dem damit verbundenen Heimrecht belohnt werden.

    Die noch konsequentere Variante wäre, komplett auf garantierte Plätze für Division-Sieger zu verzichten und ausschließlich die sieben besten Mannschaften jeder Conference zu berücksichtigen. Allerdings würde dadurch auch ein Stück der Bedeutung verloren gehen, die der Kampf um eine Division mit sich bringt.

    Die NFL steht vor einer Grundsatzfrage

    Dass in einer Saison gleich acht Teams aus den beiden North-Divisionen eine positive Bilanz aufweisen, ist zunächst einmal ein Beleg für die Qualität dieser Mannschaften. Dass ein Team mit 3-4 gleichzeitig ein Heimspiel in den Playoffs erhalten kann, zeigt aber auch eine Schwäche des aktuellen Systems.

    Die NFL muss deshalb abwägen, welchen Stellenwert sie dem Gewinn einer Division geben möchte. Ein Playoff-Ticket als Belohnung ist nachvollziehbar. Ein automatischer Top-4-Seed unabhängig von der tatsächlichen Leistung über die gesamte Saison hinweg ist dagegen schwerer zu rechtfertigen.

    Gerade in einer Liga, in der jedes Spiel und jede Niederlage über die Playoff-Teilnahme entscheiden können, sollte auch das Playoff-Seeding die Leistungen der Regular Season möglichst genau widerspiegeln.

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