15.08.2025
Neuer NFL-Experte bei RTL
Kasim Edebali wird in dieser Saison erstmals für RTL als NFL-Experte im TV im Einsatz sein. Im exklusiven Interview spricht er über seine Ziele, die Hilfe von Jan Stecker, sein Überraschungsteam der NFL-Saison und ein mögliches Comeback.

Herr Edebali, Sie übernehmen zur neuen Saison die Rolle als Experte bei RTL. Hätten Sie gedacht, dass Sie mal TV-Experte sein werden?
Ich habe Kommunikationswissenschaften am Boston College studiert und habe dort Radio, Speeches und TV-Produktion als Fächer genommen, aber habe niemals damit gerechnet, dass ich irgendwas im TV machen werde. Aber alles, was ich an der Uni studiert habe, hilft mir jetzt in meinem Job. Der Rest hat sich so ergeben. Aber einer meiner Mentoren hat damals gesagt: Kasim, gib einfach Vollgas, weil die Menschen sehen den Fleiß und das Extra-Prozent, das du reinsteckst. Irgendeine Tür wird sich öffnen, und so ist mein ganzes Leben bisher verlaufen. Ich gebe einfach immer Vollgas.
Das passt so ein bisschen zu Ihrem Spitznamen Vollmaschine.
Das ist der Mindset. (lacht)
Sie haben bereits bei ProSieben MAXX als Kommentator für die European League of Football gearbeitet. Wie war Ihr erstes Mal als Experte?
Ich war noch nie nervös. Das allerschwerste für mich war, als ich nach Deutschland gekommen bin, dass ich Football auf Deutsch erklären musste. Seit ich neun Jahre alt bin, ist mir jeder Begriff auf Englisch erklärt worden. Und jetzt sehe ich etwas und muss es so schnell wie möglich auf Deutsch erklären. Ich habe damals schon mit Jan Stecker zusammengearbeitet und er hat mir viel beigebracht. Deswegen freue ich mich, jetzt auch wieder mit Stecker zusammenzuarbeiten, weil wir uns mega gut ergänzen.

Haben Sie sich Tipps oder Tricks von anderen Kommentatoren abgeschaut?
Ich versuche so ein Spiel zu kommentieren, wie ich auch selbst Football gespielt habe. Ich habe emotionalen Abstand von den Teams und versuche, die Informationen, die man sieht, so schnell wie möglich aufzusaugen und weiterzugeben. Das heißt, der Zuschauer erfährt zum Beispiel von mir, dass der Spieler in diesem Spiel noch nicht einmal auf dieser Position stand. Das heißt, da könnte eventuell das Play hingehen. Vielleicht betrachtet der Zuschauer das Spiel so etwas anders und ihm fallen Sachen auf, die er noch nicht gesehen hat.
Das ist das Klassische, dass man nicht dem Ball folgen soll.
Ich weiß nicht, ob Du schon mal Mario Kart gespielt hast, aber jeder kann Mario Kart spielen. Wenn du aber auf einem Elite-Level spielen willst, musst du die Abkürzungen kennen und driften können. Und für mich ist so Football: Jeder kann sich hinsetzen und sagen, da ist ein Ball und da muss gescheppert werden. Aber auf einmal siehst du die Nuancen, die Formation, die Situation - und das macht dann auch für den Zuschauer super viel Spaß, während man guckt, Football noch besser zu verstehen und einfach mehr aufsaugen zu können.
Wie dankbar sind Sie, dass Sie jetzt von RTL die Möglichkeit bekommen haben, NFL-Spiele als Experte zu begleiten?
Das ist gegenseitiger Respekt und Vertrauen. Man packt nicht jeden einfach dorthin und sagt: Mach mal. Je mehr ich jetzt auch in der Business-Welt unterwegs bin, desto mehr fällt mir auf, dass es ähnlich zum Football funktioniert. Wir haben dich aufs Feld gepackt, du hast einen guten Job gemacht und wir vertrauen dir mit deiner Performance. Ich gehe ja auch nicht aufs Feld ohne Vorbereitung und sage, ich spiele ein bisschen Football. Das sind Leute, die vertrauen dir, dass ich meinen Job mache, weil wenn ich nicht meinen Job mache, dann ist die Sendung nicht gut. Mit dieser Mentalität gehe ich auch an den Experten-Job.
Haben Sie etwas besonders geplant für Ihre Einsätze bei RTL?
Ich versuche einfach, professionell zu sein. Meine Oma sagt immer: Ich sehe dich so gerne im Fernsehen, du ziehst dich immer so schön an. (lacht) Ich glaube, dass ist auch eine Sache, die ich in der Football-Welt gelernt habe. Footballspieler sind so viel mehr als nur Maschinen. Deswegen ist mir wichtig, wenn Leute mich sehen: Hey, der ist Football-Spieler, aber der hat auch was in der Birne.
Sie haben über fünf Jahre in der NFL gespielt. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?
Ich glaube, die Erfahrung unter Stress zu funktionieren. Es gibt Leute, die laufen davon weg und machen die Augen zu, und es gibt Leute, die nehmen das auf die Schulter und sagen, dass sie es machen. Gerade als ich das erste Mal gefeuert wurde von den Denver Broncos, habe ich das gemerkt. Ich habe meine schwangere Frau und meine Tochter angeschaut und wusste, dass sie sich auf mich verlassen. Dann kommst du zu einem neuen Team und hast 48 Stunden Zeit, das neue Playbook zu lernen. Dann bist du auf dem Feld und musst abliefern oder jemand anderes macht es. Ich werde aber nicht schnell gestresst und keine Situation ist zu groß, denn ich habe meine Stiefel an, um den großen Berg zu bewältigen.
Denken Sie gerne an Ihre Zeit in der NFL zurück? Gibt es vielleicht sogar besondere Momente, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?
Es war mein Kindheitstraum. Ich hatte einen kleinen Football, ich habe mit ihm geschlafen, ich habe ihn mit zur Schule genommen - ein Football war immer dabei. Ich weiß nicht, wie viele Köpfe ich abgeschossen habe und wie oft meine Lehrerin gesagt hat: Kasim, bitte keine Fenster mehr kaputt werfen. (lacht) Ich habe einfach den Weg genossen. Und jetzt bin ich in der nächsten Phase meines Lebens.
Haben Sie sich Ziele für Ihr erstes Jahr als Experte bei RTL gesetzt?
Mich freut es, wenn ich Menschen eine Freude bereiten kann. Ab und zu bekomme ich Nachrichten nach dem Spiel: Hey Kasim, du hast das voll cool erklärt. Ich will nur mit meiner positiven Art anstecken und versuche, so viele Leute wie möglich mitzunehmen. Das hat mir mein Defensive Line Coach bei dem Boston College damals schon geraten: 'Kasim, bei allem, was du hier gerne hättest, musst du der erste sein, der es mitbringt. Wenn du hier reinkommst und nur forderst, wird der Raum leer sein. Aber wenn du reinkommst und den Raum füllst, dann füllen die anderen Leute den Raum mit dir.'
Wie groß ist die Vorfreude auf die neue Spielzeit?
Ich freue mich wie jedes Jahr, auch wenn es privat viel für mich ist. Die Karten sind wieder mehr oder weniger neu gemischt. Es gibt immer wieder ein paar Splashes in der Offseason, aber ich freue mich wieder darauf, Woche für Woche Football zu gucken. Ich bin gespannt, welche Challenges alle 32 Teams haben werden und wer am Ende der Saison triumphiert.
Bei Ihrem ehemaligen Team, den New Orleans Saints, ist in der Offseason viel passiert. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Da mein Schwager Cam Jordan dort seit 15 Jahren spielt, verfolgt man es so oder so. Und in der NFL-Saison schaue ich wegen meiner Frau sowieso jedes Saints-Spiel, aber jetzt werde ich nicht dabei sein. (lacht) Ich verfolge Sie aber weiterhin und hoffe, dass die Saints mal ein gutes Jahr haben werden.
Und für Sie wäre es bestimmt auch ein Highlight, ein Spiel der Saints zu kommentieren?
Ganz genau. Ich würde die gesamte Saints-Organisation anschreiben, um Insights zu bekommen und mit ihnen reden zu können.
Wenn wir auf die aktuelle Saison schauen, wem trauen Sie eine Überraschung zu?
Meine Augen sind auf die New England Patriots gerichtet. Einfach aus dem Grund, dass Mike Vrabel ein sehr guter Coach ist. Ich glaube, dass sie wieder einen frischen Wind brauchen. Als Belichick weg war, waren sie nur ein 4-Zylinder. Jetzt sind sie wieder ein 12-Zylinder. Zwar ist die Division mit den Buffalo Bills nicht einfach, aber ich werde ein bisschen mehr die Patriots verfolgen dieses Jahr.
Gibt es Spieler, auf die Sie sich freuen?
Lenny Krieg bei den Atlanta Falcons, da werde ich auf jeden Fall hingucken. Aber auch auf Bijan Robinson. Er bringt die physischen Tools mit, um ein Superstar zu werden. Da bin ich sehr gespannt, ob er sein Niveau auf das nächste Level bringen kann. Ansonsten sind es die üblichen. Wird Patrick Mahomes eine statistisch bessere Saison spielen? Und kann Saquon Barkley, nachdem er auf dem Madden-Cover war, den Madden-Fluch brechen? Es gibt also viele Storylines, auf die man schauen kann.
Sie haben Lenny Krieg gerade angesprochen. Wie sehr hoffen Sie, dass neben Amon-Ra St. Brown ein zweiter Deutsche konstant in einem NFL-Team spielen wird?
Es ist super schwierig. Die NFL ist ein Business und selbst wenn man es schafft, habe ich viele Spieler in meiner Karriere gesehen, die vielleicht sogar besser waren als ich, aber dann gibt es vertragliche Probleme oder andere Themen. Am Ende des Tages müssen die Jungs nur Gas geben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und dann einfach ihre Chance nutzen. Dann bekommst du einen guten Roster Spot und kannst dazu beitragen, dein Team zum Sieg zu führen.
Stehen Sie mit den Spielern im Kontakt und geben Ihnen Tipps?
Mit Jakob tausche ich mich am meisten aus, wir haben mit Mark Nzeocha einen Gruppenchat. Ich werde es einfach verfolgen und ich glaube, dass alle Spieler und Ex-Spieler in der deutschen Community wissen: Wenn du mit jemandem reden willst, dann kannst du ihn erreichen. Da ist sich keiner zu schade für, sondern ist direkt da für den Support.
Lassen Sie uns über den deutschen NFL-Hype sprechen. Wie nehmen Sie ihn wahr?
Ich glaube, dass die sozialen Medien einen Großteil dazu beigetragen haben, weil man Medien heutzutage vor allem über Social Media konsumiert. Du kannst die Information dort sehr schnell an den Mann bringen. Zudem sieht man, dass Flag Football riesig wird und auch bei den Germany Games sieht man selbst in den USA, dass hier immer Party ist. Das spricht sich herum und man sieht, dass die Welle immer größer wird. Es ist einfach schön anzusehen, denn da gibt es so viele neue Möglichkeiten und so soll es sein.
Was ist mit diesem Hype noch möglich?
Ich erzähle oft die eine Geschichte, wo ich früher bei der NFL Europe war. Ich war 13, 14 Jahre alt und das war ein kleiner Flash für mich. Plötzlich bekommst du diesen Gedanken, dass ich dort eines Tages auch spielen möchte - das ist wie eine Inception. Man kann es zwar jetzt noch nicht sagen, aber ich kann dir garantieren, dass es in zehn Jahre Leute gibt, die am College oder in der NFL sind und sagen: 'Ich weiß noch, wie ich beim ersten NFL-Deutschland-Spiel war. Ich habe die Jungs gesehen und wollte in die NFL.' Das ist ein Schneeballeffekt, er fängt ganz klein an und wird dann riesig. Deswegen bin ich sehr gespannt und bereit, positiv von der nächsten Welle deutscher Talente überrascht zu werden.
Da könnte Flag Football auch ein Hebel für sein. Wäre für Sie Flag Football ein Thema, um ein Comeback zu geben?
Ich habe akzeptiert, dass meine jetzige Rolle, gerade in der Football-Welt, mehr die eines Mentors ist und die, mein Wissen weiterzugeben. Es gibt viele talentierte Spieler im Tackle- und Flag-Bereich, bei denen ich glaube, dass sie Deutschland sehr gut vertreten können.
Also auch kein Comeback bei den Hamburg Sea Devils?!
Nein, das glaube ich nicht. (lacht)
Interview: Sebastian Mühlenhof