09.02.2026
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Die Seattle Seahawks haben sich in Super Bowl 60 zum zweiten Mal in der Franchise-Geschichte zum Champion gekrönt! Es war ein kompletter Team-Sieg, der dieses Seahawks-Team perfekt zusammenfasst. Und doch gibt es zwei einzelne Personalien, deren Erfolg einen ligaweiten Effekt haben könnte. Bei den Patriots steht nach der Niederlage vor allem eine Frage im Raum: Wie gut war diese Saison jetzt überhaupt wirklich?

Wenn sich die erste Aufregung unmittelbar nach dem Spiel gelegt hat, schaue ich auf einen Super Bowl gerne aus zwei Blickwinkeln zurück: Einmal aus der Narrativ-Perspektive. Und einmal aus der Learnings-Perspektive.
Ersteres ist einfach erklärt und liegt meist auf der Hand. Es gibt nach fast jedem Super Bowl mindestens einen Spieler, dessen Karriere-Narrativ sich mit dem Spiel verändert hat.
Letztes Jahr war das Jalen Hurts, der seinen ersten Ring gewann. 2024 war es Mahomes mit seinem dritten Ring in den ersten sieben Jahren als Starter.
2022 gewann Matt Stafford seinen ersten Titel und veränderte nachhaltig seine Legacy. 2021 zeigte Tom Brady, das er auch ohne Bill Belichick einen Ring gewinnen kann.
Dieses Jahr ist Sam Darnold die offensichtliche individuelle Story. Der Spieler, dessen Karriere-Narrativ sich mit diesem Titel komplett verändert.
Nicht, weil irgendwer jetzt Sam Darnold in einen Quarterback-Olymp heben will. Aber sich von dem Quarterback, der "Geister sieht", über mehrere Stationen bis hin zu dem Quarterback zu entwickeln, der nicht nur gezeigt hat, dass er große Spiele gewinnen kann, sondern dass man mit ihm sogar einen Super Bowl erreichen und gewinnen kann - das ist eine bemerkenswerte Entwicklung.
Darnold ist die individuelle Geschichte dieser Saison. Kein Spieler hat die allgemeine Wahrnehmung seiner Karriere über die letzten sechs Monate drastischer verändert.
Auch der Super Bowl war ein gutes Beispiel dafür. Nicht weil die Offense so spektakulär gewesen wäre, im Gegenteil, das Passing Game war über weite Strecken relativ nüchtern. Aber weil Darnold zwei Dinge gelangen: Er vermied - ein Mal mit Glück als Christian Gonzalez den Ball hätte abfangen können - die Turnover. Und er managte Druck exzellent.
Das waren die beiden großen Schwachstellen in seinem Spiel über nahezu seine gesamte bisherige Karriere. Es war das große Thema spät in der vergangenen Saison, als seine lange spektakuläre Vikings-Saison so rapide zu Ende ging. Es war selbst in dieser Saison noch ein Thema, spezifisch im ersten Spiel gegen die Rams.
Schon im zweiten Duell mit Los Angeles sah man, bis auf ein, zwei Ausrutscher, eine positive Entwicklung. Die bestätigte Darnold im Laufe dieser Playoffs, die Seattle als erster Super Bowl Champion ohne eigenen offensiven Turnover im Laufe der Postseason abschließt.
Seattle hat im Laufe der Saison gelernt, wie sie offensiv Spiele gestalten können, wenn es keinen Shootout braucht. Wenn 20 oder gar 17 Punkte reichen, weil Defense und Special Team so gut sind, dass die den Rest erledigen. Seattle war das kompletteste Team dieser Saison und Darnold hat gezeigt, dass er für diese Spiele der relativ fehlerfreie Game Manager sein kann, den es dann braucht.
Dabei ist Darnold nicht nur aus dieser Perspektive wichtig für die längerfristige Nachbetrachtung dieses Super Bowls. Er ist auch der Auslöser für die "Learnings"-Perspektive.
Mit "Learnings" ist vor allem gemeint: Gibt es eine übergreifende Lektion aus dem diesjährigen Super-Bowl-Sieger? Es ist kein Geheimnis, dass in der NFL nur zu gerne kopiert wird. Und obwohl das angesichts der gefährlich kleinen Sample Size einer NFL Saison und der noch viel gefährlicheren Sample Size der NFL Playoffs ein riskantes Spiel ist: Teams werden immer schauen, ob sie sich etwas beim diesjährigen Champion abgucken können.
Hier bieten die Seahawks gleich zwei Punkte, deren Folgeeffekte man gespannt beobachten darf. Angefangen eben mit Darnold selbst.
Ich hatte hier an dieser Stelle nach dem Ende der Regular Season die Frage gestellt, ob die Veteran-Bridge-Quarterbacks noch eine Erfolgsstory sind. Jene einstmals hoch gepickten Quarterbacks, die bei ihrem initialen Teams - manchmal noch bei ein, zwei oder auch drei weiteren Teams - gescheitert sind, aber dann in besseren Umständen und mit mehr Erfahrung plötzlich erfolgreich sind.
Das war ein großes Thema früh in der Saison. Mit Baker Mayfield bei den Bucs, Daniel Jones bei den Colts und eben Sam Darnold in Seattle.
Doch Mayfields Aggressivität, die Tampa Bay früh in der Saison einige Spiele gewann, war immer hochriskant. In der zweiten Saisonhälfte ging das häufiger schief. Jones und die Colts-Offense wurden merklich schwächer, als die Gegner stärker wurden, ehe Jones sich schwer verletzte.
Bei Darnold war es komplexer. Über die ersten Wochen der Saison legte er unheimlich viele Big Plays auf. Die Seahawks erwischten gegnerische Defenses immer wieder mit ihren tiefen Play Action Shots aus schweren offensiven Formationen.
Doch das änderte sich bereits im Laufe der Regular Season merklich. "PFF" hat eine subjektive Statistik namens "Big Time Throw", die besonders schwierige Würfe, meist in enge Fenster und eher Downfield, misst. 25 davon hatte Darnold über die ersten zwölf Wochen der Saison. Lediglich noch sechs waren es in den sieben Spielen danach bis zum NFC Championship Game.
In den ersten zwölf Wochen warf Darnold in keinem Spiel den Ball durchschnittlich kürzer als 8,5 Yards. In den sieben Spielen danach blieb er fünf Mal unter dieser Marke. In vier dieser Spiele waren es weniger als sieben Yards im Schnitt.
Ganz vereinfacht gesagt: Seattles Offense verlor ihr vertikales Element, oder zumindest beträchtliche Teile davon. Auch weil Darnold schlechter spielte. Während gleichzeitig die Turnover und die Sacks deutlich nach oben gingen.
Das machte die Playoff-Prognose so ungewiss. Und nach dem Sieg gegen San Francisco in der Divisional Runde waren wir nicht wirklich schlauer: Die Seahawks waren gegen die dezimierten 49ers so überlegen, dass nicht viel von Darnold gefordert wurde. Zwölf Completions und 124 Passing-Yards reichten in dem deutlichen Sieg. Er zeigte zumindest einen weiteren fehlerfreien Game-Manager-Auftritt. Mehr war nicht notwendig.
Das änderte sich gegen die Rams im NFC Championship Game, und das auf mehreren Ebenen. Darnold hielt nicht nur mit Matt Stafford auf der anderen Seite mit. Er hatte darüber hinaus ein sehr gutes Spiel gegen Druck. Seine große Nemesis, auch in beiden Regular-Season-Spielen gegen die Rams. Zu sehen, wie er hier seine größte Schwachstelle überwinden konnte, war beeindruckend. Selbst bevor der Super Bowl überhaupt gespielt wurde, hatte Darnold hier eindrucksvoll unterstrichen, dass er sich als Spieler weiterentwickelt hat - und das nach wie vor tut. Im Super Bowl bestätigte er das.
Und natürlich ändert der Sieg gegen die Patriots in Santa Clara nochmal einiges in der allgemeinen Wahrnehmung.
Es kann absurd wirken, und das ist es irgendwo auch, wenn man sagt, dass ein Takeaway jetzt eine andere Gültigkeit hat, nur weil Seattle dieses eine Spiel gewinnen konnte. Die Thematik rund um Darnold und diese Art Quarterback sollte nicht so sehr von diesem einen Spiel abhängen. Rational betrachtet ist das Quatsch.
Aber es ist eben auch ein Geschäft, in dem es um Resultate geht. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt, wenn man Entscheidungen, Prozesse und Herangehensweisen einzelner Teams in den kommenden Wochen und Monaten der Offseason bewertet. Und unter dem Aspekt ist es etwas anderes, ob man sagt, "die Seahawks waren mit Darnold im Super Bowl", oder eben ob man sagt: "Die Seahawks haben mit Sam Darnold den Super Bowl gewonnen."
Das ist jetzt die spannende Frage. In Kombination mit der ohnehin schon positiven Konnotation durch die jüngsten Erfolge: Ist dieser Super-Bowl-Erfolg von Sam Darnold ein einschneidender Moment? Ein Moment, der nachhaltig das Roster Building in der NFL verändert?
Ganz einfach gefragt: Sind Teams jetzt bereit, wegen Darnolds Erfolg, die Quarterback-Position anders zu denken?
Ich würde das ausdrücklich begrüßen. Auch wenn ich weiterhin der Meinung bin, dass ein Elite-Quarterback der Nummer-1-Faktor für nachhaltigen Erfolg ist, also dafür, dass gute Teams auch längerfristig gut bleiben.
Doch letztlich profitieren wir als Zuschauer davon, wenn mehr Teams gewillt sind, mit einem klaren Ansatz etwas aufzubauen, auch im Wissen, dass sie keinen der absoluten Top-5- bis Top-8-Quarterbacks haben.
Damit ist nicht gemeint, sich Hals über Kopf in ein Fenster zu stürzen, das letztlich nicht wirklich realistisch war. Sondern, dass sehr komplette Teams keinen Top-Tier-Quarterback brauchen, um einen Titel zu gewinnen. Das finde ich eine spannende Betrachtungsweise dieses Seahawks-Triumphs.
In gewisser Weise waren die Eagles letztes Jahr schon ein Beispiel dafür, auch wenn Hurts in den großen Spielen gerne einmal über sich hinauswächst. Hätte sich Bo Nix nicht verletzt, hätten wir dieses Jahr womöglich über zwei solcher Teams im Super Bowl gesprochen. Zwei Teams mit exzellenten Defenses, guten offensiven Play-Callern und genügend offensiver Feuerkraft, um zumindest über Big Plays offensiv seinen Teil beizutragen.
An der Stelle ist es aber auch wichtig, einmal darauf hinzuweisen, dass es eine ausgesprochen ungewöhnliche Saison war. Eine Saison, in der lange vor den Playoffs das große Favoritensterben begann, in der zwei absolute Super-Bowl-Außenseiter sich am Ende in Santa Clara gegenüberstanden.
Das muss man als Disclaimer vor jedem großen Takeaway aus dieser Saison erwähnen. Es war gewissermaßen das ideale Jahr für die Teams, die sich als robust und komplett erwiesen haben, verglichen mit den Teams mit den Elite-Quarterbacks aber einigen klar definierbaren Schwachstellen.
Gleichzeitig ist die Erkenntnis, dass ein solches Konzept erfolgreich sein kann, auch nicht neu. Die Lions mit Jared Goff 2023 und 2024, die Bucs mit Baker Mayfield, wenn wir etwas weiter zurückgehen, die Titans mit Ryan Tannehill. Falls es den Titelgewinn eines solchen Quarterbacks in einer vergleichbaren Situation gebraucht hat, um mehr Teams in diese Richtung zu schieben: Jetzt gibt es diesen Präzedenzfall.
Darnold ist die eine offensichtliche Personalie aus diesem Spiel, aber Seahawks-Coach Mike Macdonald sollte hier ebenfalls nicht zu kurz kommen. Aus zweierlei Hinsicht.
Zunächst einmal hat Macdonald Historisches geschafft. Als erster primärer defensiver Play-Calling-Head-Coach hat Macdonald einen Titel geholt.
Belichick war das nicht bei den Patriots, Macdonalds Vorgänger in Seattle, Pete Carroll, war das ebenfalls nicht. Bislang wurde der Super Bowl immer von einem Head Coach gewonnen, der in erster Linie für die offensive Seite des Balls verantwortlich ist, oder von einem Head Coach, der mehr die CEO-Chefrolle einnimmt. Macdonald hat dem Super Bowl seinen Stempel aufgedrückt, mit einem weiteren exzellenten defensiven Game Plan, der die Patriots-Offense über weite Teile des Spiels komplett abgemeldet hat.
Wenn wir also bei Darnold davon sprechen, dass sein Erfolg Roster-Building-Strategien verändern könnte - könnte dann Macdonalds Erfolg den Blick auf Head Coaches verändern?
Zehn neue Head Coaches wurden über die letzten vier Wochen eingestellt. Sechs davon sind Offense-Coaches. John Harbaugh kommt als klarer CEO-Coach zu den Giants. Jeff Hafley übernimmt mutmaßlich in einer ähnlichen Rolle die Dolphins. Nur zwei wirklich klare defensive Play-Caller waren dabei: Jesse Minter (Ravens) und Robert Saleh (Titans).
Nach wie vor suchen Teams deutlich eher den nächsten Sean McVay, den nächsten Andy Reid, den nächsten Kyle Shanahan, als dass sie den nächsten DeMeco Ryans suchen würden. So gesehen ist die Tatsache, dass Macdonald und Darnold den Super Bowl gewonnen haben, doppelt unwahrscheinlich. Und die Auswirkungen zu beobachten wird umso interessanter.
Das ist die eine Perspektive. Die andere betrifft nicht nur Macdonald selbst, sondern das Zusammenspiel zwischen Macdonald und Seahawks GM John Schneider. Das ist in gewisser Weise auch der Bogen zurück zu den individuellen Geschichten dieses Titelgewinns.
GMs kommen, solange sie nicht Howie Roseman heißen, hier in aller Regel eher in der zweiten oder dritten Betrachtung zur Sprache. Wenn überhaupt. Meist wird dann eher ein Move oder eine Entscheidung hervorgehoben.
Schneider aber hat es über die letzten beiden Jahre auf eindrucksvolle Art und Weise geschafft, aus dem Schatten von Pete Carroll zu treten. Einmal mit dem direkten Übergang. Carroll, eine absolute Franchise-Legende, zu entlassen, war ein großer Schritt.
Die Entscheidung für einen Nachfolger war der offensichtliche erste große Move danach. Die vergangene Offseason sah dann die nächste Welle großer Entscheidungen, angefangen damit, dass sich die Seahawks von Geno Smith trennten und ihn mit Sam Darnold ersetzten. Cooper Kupp und Demarcus Lawrence erhielten angesichts ihres Alters viel Geld. Klint Kubiak wurde mit einer relativ kleinen Sample Size als Play-Caller geholt, um die Hauptverantwortung unter Macdonald für die Offense zu übernehmen.
All diese Entscheidungen gingen auf. Selbst die "kleineren" Moves wie Ernest Jones und Josh Jobe funktionierten. Darüber hinaus klappte das Zusammenspiel zwischen Schneider und Macdonald vielleicht nirgends so gut, wie bei Nick Emmanwori: Seattle ging im Draft aggressiv für den Safety hoch, Macdonald hat ihn zu einem Schlüsselspieler für seine Defense gemacht.
Ich würde die an dieser Stelle obligatorische "wie geht es weiter?"-Frage so formulieren: Was muss Seattle machen, damit diese Saison nicht die einzige Chance auf einen Titel für diese Version der Seahawks war?
Denn natürlich ist es eine Championship-Level-Defense. Das wissen wir nicht erst seit gestern. Aber es ist auch keine neue Erkenntnis, dass es schwierig ist, eine Elite-Defense über mehrere Jahre auf Elite-Level zusammen zu halten.
Konkret im Fall der Seahawks: Wie lange spielt DeMarcus Lawrence noch auf diesem Level? Oder Leonard Williams? Die Verträge von Tariq Woolen und Boye Mafe laufen aus. Und sind sie in der kommenden Saison wieder so - relativ gesprochen - gesund auf der defensiven Seite des Balls? Macdonald als Architekt des Ganzen ist immens wertvoll. Gleichzeitig hat dieses Jahr auch sehr vieles funktioniert, das nicht jedes Jahr so aufgehen wird.

Um also die Frage danach zu beantworten, wie Seattle weitere Chancen auf einen Titel mit dieser Defense bekommt, muss man zuerst diese Frage beantworten: Wie kann man der Offense mehr Stabilität verleihen, damit Darnold so wenig wie möglich tragen muss, während man gleichzeitig seine Aggressivität und sein Armtalent bestmöglich in die Offense einbaut?
Das wird die nächste große Herausforderung sein. Running Back und Super Bowl MVP Kenneth Walker ist der prominenteste Free Agent auf der Seite des Balls. Auch Rashid Shaheeds Vertrag läuft aus. Vor allem jedoch muss man Offensive Coordinator Klint Kubiak ersetzen, der sich als Glücksgriff erwiesen hat.
Und mit einem defensiven Head Coach sowie ohne Elite-Quarterback wird diese Personalie immer einen besonders hohen Stellenwert haben. Hier wird sich entscheiden, ob sich die Seahawks jetzt nach diesem Triumph mittelfristig als Titelkandidat etablieren können.
Es gab in dieser Saison voller Überraschungen im positiven wie im negativen Sinne einige Teams, die in das Muster passen, in welches ich auch die 2025er Patriots packen würde: Ein Team, das mit Hoffnung und einem auf die eine oder andere Art neuen Setup in die Saison gegangen ist. Das dann signifikant mehr Spiele als erwartet gewonnen hat und bei dem jetzt diskutiert werden wird: Wie real war diese Saison? Und was ist jetzt mittel- und langfristig möglich?
Die Jaguars passen hier rein. Die Bears. Die Broncos zumindest in Teilen.
Die Patriots gehören hier definitiv rein. Mit Mike Vrabel, der Rückkehr von Josh McDaniels, Milton Williams als großer Free-Agency-Verpflichtung und einem neuen Left Tackle via Top-5-Pick im Draft war hier Optimismus sicher da. Aber mehr Optimismus im Sinne "das könnte ein interessantes Wildcard-Team sein". So hatte ich selbst die Patriots vor Saisonstart eingeschätzt.
Es wurde sehr viel mehr als das. Und der Schedule war dabei immer ein Thema. In den Prognosen vor der Saison, und dann auch, als die Patriots ihre Spiele gewannen. Und gewannen. Und gewannen. Der Schedule war auch ein Thema, als sich die MVP-Frage zunehmend zwischen Drake Maye und Matt Stafford zuspitzte.
Er war ein Thema, als es um die Playoff-Prognosen ging. Und, Spoiler: Der Schedule dieser jetzt vergangenen wird auch ein Thema sein, wenn es im Sommer darum geht, aus einem Trip in den Super Bowl kommend zu prognostizieren, was 2026 für die Patriots möglich ist.
Es stimmt dabei natürlich: Die Patriots hatten einen vergleichsweise einfachen Schedule, was man vor allem bei der Anzahl ihrer Siege berücksichtigen muss. Die interessantere Aufgabe aber ist es, zu ermitteln, welche Erkenntnisse dieser Saison sich auf die kommende Saison übertragen lassen. Unabhängig davon, gegen wen es geht.
Dafür haben diese Playoffs wichtige Datenpunkte gegeben. Denn die Patriots hatten deutlich größere Probleme, erst gegen die Chargers, und dann noch viel mehr gegen die Texans. Insbesondere offensiv tat sich New England gegen diese starken Defenses auffallend schwer.
Die Spezialität der Chargers ist es, tiefe Pässe zu verhindern, und genau das merkte man auch gegen die Patriots. Die Texans deckten mit ihrem Pass-Rush gnadenlos auf, dass die Offensive Line der Patriots doch noch weiter davon entfernt ist, eine verlässliche Säule darzustellen.
In der Regular Season hatte es New England nicht mit vielen starken Pass-Rush-Defenses zu tun. Das Spiel gegen die Browns kam dem noch am nächsten, und auch hier hatte die Line deutliche Schwierigkeiten.
Das setzte sich im AFC Championship Game gegen die Broncos fort. Bevor dann im Laufe der zweiten Halbzeit Schnee und Wetter eine vernünftige Analyse genauso unnötig wie überflüssig machten. Ohne die individuellen Fehler von Broncos-Backup Jarrett Stidham hätte New England dieses Spiel vermutlich nicht gewonnen.
So gibt es für New England zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen nach diesem Super Bowls, die man aber vielleicht sogar zusammenführen kann.
Der allgemeine Tenor während und nach des Spiels mit Blick auf die Patriots ging in diese Richtung: Einfacher Schedule in der Regular Season, Glück in den Playoffs und schließlich chancenlos im Super Bowl, was wiederum die ersten beiden Punkte bestätigt.
Es gibt aber auch diese Betrachtungsweise: Die Patriots haben in dieser Saison alle Erwartungen übertroffen. Nicht nur mit dem Einzug in den Super Bowl, sondern auch was die Entwicklung von Drake Maye angeht. Was die Entwicklung der eigenen Defense angeht.
Die 2025er Patriots haben gezeigt, dass ein Umbruch schnell gehen kann, wenn man den richtigen Coach und den richtigen Quarterback hat. Genau wie die eingangs erwähnten Bears und Jaguars.
Gleichzeitig ist es korrekt, dass man in den Playoffs klare Limits gesehen hat. Was dem Record in der Regular Season wichtigen Kontext gibt.
Die Playoffs decken Schwachstellen gnadenlos auf, und die Patriots waren da keine Ausnahme. Die Offensive Line muss dringend verbessert werden. Es muss intern unangenehme Analysen bezüglich Rookie-Left-Tackle Will Campbell geben, der in den Playoffs schlichtweg durchgehend überfordert war. Die Patriots sind nicht das erste Team, das in der jüngeren Vergangenheit im Super Bowl chancenlos war, weil die Offensive Line deutlich unterlegen war.
Auch Drake Maye wird aus diesem Spiel lernen müssen. Maye tat sich bereits gegen Houston und Denver schwer, gegen Seattle war das nochmals deutlich eklatanter. Maye wirkte hektisch in der Pocket, dadurch verfehlte er Würfe, die da gewesen wären. Es war ein schlechtes Spiel von ihm, vermutlich sein schlechtestes in der gesamten Saison. Er bekam wenig Hilfe von der Line und vom offensiven Game Plan, aber Maye selbst spielte nicht gut.

Gleichzeitig muss man hier auch die positive Seite dieser Saison betrachten. Maye hat eine MVP-würdige Regular Season gespielt. Das durch die Probleme von Maye und der Offense in den Playoffs zu relativieren wird dem, was Maye in der Regular Season gespielt hat, nicht gerecht. Maye war in den meisten Advanced Stats Top 3 unter Quarterbacks und hat eine Offense getragen, deren eklatanter Mangel an individuellem Talent um ihn herum in diesen Playoffs überdeutlich wurde.
Das ist der Blickwinkel, der Mayes Regular Season richtig einordnet: Die Stats waren sehr positiv, auch weil es gegen viele schwache Teams ging. Das ändert nichts daran, dass das Team um ihn herum, offensiv wie defensiv, weit davon entfernt war, ein 14-Siege-Team zu sein. Auch gegen schwache Gegner wäre das mit solidem oder auch "nur" gutem Quarterback-Play nicht passiert. Diese Sphären erreichten die Patriots nur wegen Maye. Das ist das, was MVP-Kandidaten leisten.
Dass Maye diese Kader-Schwachstellen in den Playoffs nicht mehr kompensieren konnte, wurde im Laufe der Postseason zunehmend offensichtlich. Das kann man kritisieren. Er ist noch nicht auf dem Level eines Patrick Mahomes, und das ist okay.
Der Takeaway hier sollte vor allem sein, dass die Patriots sich jetzt von dieser unerwartet erfolgreichen Saison nicht blenden lassen sollten. Sondern dass sie die Schwachstellen, die das Team in den Playoffs hatte, schonungslos ehrlich analysieren und reparieren.
Denn das ist der Knackpunkt in der Betrachtung dieser Patriots-Saison. New England war eine der positiven Geschichten dieser Saison und stand im Super Bowl, obwohl der Kader noch mindestens ein bis zwei Offseasons davon entfernt ist, um auf ein Level zu kommen, dass man dieses Team in den realistischen Kreis der Titelanwärter zählt.
Das betrifft die Offensive Line, es betrifft aber auch die Playmaker. Die Patriots hatten in beiden Bereichen keinen einzigen Spieler, der in das erste oder auch nur das zweite Tier auf seiner Position gehört. Das war in den Playoffs klar erkennbar.
Die gute Nachricht ist: New England wird keine relevanten Spieler verlieren. Die Top Free Agents aus den eigenen Reihen sind auf der defensiven Seite (K’Lavon Chaisson, Jaylinn Hawkins), offensiv ist Nummer-2-Tight-End Austin Hooper der prominenteste Name.
Die Patriots haben rund 40 Millionen Dollar Cap Space und einen klaren Auftrag: Mit Maye und mit dieser Defense kann man einen echten Titelanwärter aufbauen. Das ist die Mission für diese Offseason, und hier darf New England jetzt auch ein erhöhtes Maß an Aggressivität an den Tag legen.
Das wäre die Grundlage, um eine enttäuschende 2026er Saison nach einer überraschenden 2025er Saison zu verhindern.
Adrian Franke