29.09.2026
Erster Start seit 1009 Tagen
Fast drei Jahre hatte Case Keenum kein NFL-Spiel mehr begonnen. In der vergangenen Nacht führte der dritte Quarterback der Chicago Bears sein Team mit drei Touchdowns zum deutlichen 27:7 gegen die zuvor ungeschlagenen Philadelphia Eagles.

Als Case Keenum im vierten Viertel per Quarterback Draw in die Endzone sprang, verwandelte sich das Soldier Field endgültig in seine persönliche Bühne. Der 38-Jährige hatte Chicago nicht nur sicher durch die Partie geführt, sondern einem vermeintlichen Titelkandidaten gerade den letzten Rest Hoffnung genommen.
Noch wenige Tage zuvor hatte kaum jemand mit seinem Einsatz gerechnet. Caleb Williams fiel wegen seiner Hamstring-Verletzung aus, Tyson Bagent hatte das Concussion Protocol zwar rechtzeitig verlassen, aber einen Großteil der Vorbereitung verpasst. Nur so kam es dazu, dass Keenum 1009 Tage nach seinem letzten NFL-Start plötzlich wieder ein Spiel von Beginn an absolvierte.
Von fehlendem Rhythmus war allerdings überhaupt nichts zu erkennen. Bereits beim ersten Touchdown-Drive komplettierte Keenum fünf seiner sechs Pässe und fand Luther Burden III aus acht Yards zur frühen Führung.
Auch danach blieb der Veteran bemerkenswert ruhig, nutze die vorhandenen Möglichkeiten und vermied einen großen Fehler. Seinen zweiten Touchdown-Pass verwandelte Kalif Raymond per 41-Yard-Catch-and-Run, ehe Keenum mit seinem ersten Rushing-Touchdown seit 2019 selbst den passenden Schlusspunkt unter seinen märchenhaften Abend setzte.
Am Ende standen 24 erfolgreiche Pässe bei 34 Versuchen, 247 Yards, zwei Touchdown-Pässe und kein einziger Turnover. Erstmals seit dem Saisonauftakt 2019 erzielte Keenum wieder drei Touchdowns in einer Partie - damals übrigens ebenfalls gegen Philadelphia.
Head Coach Ben Johnson hatte seinen Routinier bereits vor dem Spiel als geborenen "Baller" bezeichnet. Keenum sei inzwischen vielleicht etwas langsamer als zu Beginn seiner Karriere, gleiche das jedoch mit seiner Erfahrung und einer besonders schnellen Auffassungsgabe aus. Zudem würden sich seine Mitspieler ganz natürlich zu ihm hingezogen fühlen.
Gegen die Eagles bestätigte Keenum diese Einschätzung. Er versuchte nicht, Caleb Williams zu imitieren, sondern kontrollierte das Spiel, hielt die Offense im Rhythmus und nutzte die drei Ballgewinne seiner Defense konsequent aus.
Besonders emotional wurde der Abend für Keenum auch wegen seiner Familie. Seine beiden jungen Kinder sahen ihren Vater erstmals live in einem NFL-Spiel auf dem Feld.
"Hoffentlich sind sie wach geblieben", scherzte Keenum anschließend. Am nächsten Tag wolle er sich die Partie mit seinen Kindern noch einmal auf dem Sofa anschauen - "oder wahrscheinlich einfach Bluey". Damit spielte der Familienvater auf die beliebte australische Kinderserie an, die bei seinen beiden jungen Kindern offenbar höher im Kurs steht als eine Wiederholung des Spiels.
Seine Ehefrau Kimberly habe ihn durch sämtliche Höhen und Tiefen seiner langen Karriere begleitet."Es hat so viel Spaß gemacht. An diese Nacht werde ich mich für immer erinnern. Das ist unglaublich", sagte Keenum nach seinem unerwarteten Football-Märchen.
Ob der Veteran am kommenden Sonntag gegen die New York Jets erneut beginnen darf, hängt von der Genesung von Williams und der weiteren Situation um Bagent ab. Nach diesem Auftritt wissen die Bears aber zumindest, dass auch ihr Plan C noch erstaunlich gut funktionieren kann.
mhh