10.03.2026
Von Küste zu Küste
Es war einer der spektakulärsten Moves in der Free Agency bisher. Mike Evans verlässt nach zwölf Jahren die Buccaneers und wechselt an die Westküste nach San Francisco. Damit bekommen die 49ers einen neuen Star in der Offense - doch nicht ohne Risiko.

Er war der spannendste Wide Out auf dem freien Markt und nur wenige konnten sich vorstellen, dass er sein Team, die Tampa Bay Buccaneers, nach zwölf Jahren wirklich verlässt. Doch es kam anders. Denn Evans suchte offensichtlich nach einer neuen Herausforderung und unterschrieb bei den San Francisco 49ers, um komplett neu anzufangen.
Die San Francisco 49ers haben Evans mit offenen Armen empfangen, denn auf der Position des Wide-Receivers braucht das Team dringend Unterstützung. Hinter Ricky Pearsall, der in der vergangenen Saison viel mit Verletzungen zu kämpfen hatte, hat die Offense rund um Brock Purdy keine Unterschiedsspieler auf der Receiver-Position. Daher füllt die Verpflichtung von Evans perfekt eine große Lücke im Kader.
Brandon Aiyuk wird zu Beginn des Ligajahres entlassen und Jauan Jennings kann sich in der Free Agency nach anderen Teams umsehen - die 49ers brauchen also dringend Hilfe im Receiver-Raum. Denn schon mit den beiden Passempfängern lagen die 49ers-Receiver in der vergangenen Saison auf Platz 24 der NFL nach Receptions (161) und auf einem geteilten 25. Platz bei Receiving-Touchdowns (10). Neun dieser zehn Touchdowns fing auch noch Jennings, der die 49ers voraussichtlich verlassen wird.
Damit kommt die Verpflichtung von Evans wie gerufen. Der erfahrene Receiver bringt eine zwölfjährige NFL-Karriere mit sich und hat neben seinem Können auch Führungsqualitäten. Evans verpasste außerdem nur ganz knapp einen Rekord, mit elf aufeinanderfolgenden Saisons mit mindestens 1000 Receiving Yards. Den Spruch "Konstanz ist der Schlüssel zum Erfolg" prägte also kaum ein anderer mehr als Mike Evans in Tampa Bay. Zudem weiß der großgebaute Receiver, wie er sich in der Redzone verhalten muss, um frei zu werden. Bei den Buccaneers erzielte er in 176 Spielen 108 Touchdowns.
Die Gefahr, die Evans in der Redzone ausstrahlt, wird auch Ricky Pearsall helfen, da Evans die meiste Aufmerksamkeit der Defense auf sich ziehen wird. Der 32-Jährige könnte für die 49ers so relevant werden, wie Davante Adams für den Divisions-Rivalen aus Los Angeles. Die Rams verstärkten sich 2025 mit dem erfahrenen Adams sofort und auch Puka Nacua profitierte extrem von seinem neuen Receiver-Kollegen.
Doch dieses Investment bleibt nicht ohne Risiko. Denn die 49ers haben Evans einen Dreijahresvertrag mit einem Gehalt von 42,2 Millionen US-Dollar gegeben - und das, obwohl Evans bereits im August 33 Jahre alt wird. Damit befindet er sich im Spätherbst seiner Karriere. Ausgerechnet jetzt schlichen sich bei ihm auch die ersten Verletzungsprobleme ein.
In der vergangenen Saison konnte Evans die 1000 Yards nicht erreichen, da er mit einer Oberschenkel- und einer Schlüsselbein-Verletzung länger ausfiel und nur acht Spiele für die Buccaneers bestreiten konnte. Das könnte in San Francisco zum Problem werden, denn die 49ers bauen voll auf einen fitten Evans, der die Hauptlast im Passspiel tragen soll. Einen weiteren Verletzten können vor allem die 49ers gar nicht gebrauchen, die regelmäßig als Team mit den meisten Ausfällen zu kämpfen haben. Ob Evans Körper diese Belastung auch die Saisons 13, 14 und 15 seiner Karriere aushält, ist zumindest einmal fraglich.
Nicht nur durch die Verletzungen steckte Evans zudem in der vergangenen Saison in einem kleinen Formtief. Mit 46 Receiving Yards pro Spiel markierte die vergangene Spielzeit die mit Abstand schwächste seiner Karriere. In seiner gesamten Karriere fing er immer mindestens 62 Yards pro Spiel, in seinen besten Zeiten sogar bis zu 95 Yards. Zudem wirkte Evans nicht mehr ganz so frisch auf dem Feld und ihm unterliefen hin und wieder sonst sehr seltene Fehler.
Somit kommt der Receiver in der schwächsten Phase seiner Karriere zu den 49ers. Ob er wirklich eine so gravierende Verstärkung, wie ein Davante Adams bei den Rams werden kann, werden erst die nächsten Saisons zeigen. Damit bleibt Evans eine logische und starke Verpflichtung der 49ers, die allerdings auch ein großes Risiko birgt, total zu floppen.
nhu