01.10.2026
Im Interview mit football-world
Markus Kuhn hat mit der EFA große Pläne. Der ehemalige NFL-Profi will die Liga langfristig zu einer professionellen Adresse für American Football in Europa entwickeln. Im exklusiven Interview mit football-world spricht der neue EFA-Präsident über seine Beweggründe, die größten Baustellen und seine Vision für die kommenden Jahre.

Dabei setzt Kuhn bewusst nicht auf schnelles Wachstum. Statt möglichst viele Franchises und Märkte in die Liga zu holen, sollen zunächst Strukturen, sportliche Qualität und wirtschaftliche Voraussetzungen stimmen. Als Vorbild dient ihm dabei ausgerechnet die größte Football-Liga der Welt: die NFL.
Nach seiner aktiven Karriere blieb Kuhn dem Sportbusiness erhalten. Irgendwann stellte sich für den Deutschen jedoch die Frage, welchen Weg er langfristig einschlagen wollte. "Ich war zehn Jahre Football-Profi. Dann war ich zehn Jahre im Sportbusiness. Und dann habe ich mich gefragt: Wo geht es jetzt weiter?"
Sein Engagement im europäischen Football entwickelte sich zunächst schrittweise. Nach seiner ersten Saison erkannte der ehemalige NFL-Profi jedoch die Möglichkeiten, die sich ihm dort boten. "Nach der ersten Saison habe ich das Potenzial gesehen und gesagt: Wenn ich das mache, dann möchte ich nicht nur meinen Namen oder meine Kontakte zur Verfügung stellen, sondern wirklich mitwirken." Genau daraus entstand schließlich seine heutige Rolle bei der EFA.
Für den EFA-Präsidenten liegt die große Chance vor allem darin, den europäischen Football strukturell auf ein höheres Niveau zu bringen. "Ich glaube wirklich, dass europäischer Football Riesenpotenzial hat."
Aus seiner Sicht fehlt bislang eine Ebene zwischen dem klassischen europäischen Vereinsfootball und den Möglichkeiten, die Spieler am College oder in der NFL vorfinden. "Es fehlt einfach eine Profiliga in Europa."
Der frühere Defensive Tackle will deshalb eine Perspektive schaffen, die europäischen Spielern auch dann einen professionellen Weg ermöglicht, wenn der Sprung in die USA nicht gelingt. "Es sollte auch in Europa ein Ziel geben, dass ein Spieler, der es nicht ans College oder in die NFL schafft, trotzdem die Möglichkeit hat, professionell American Football in Europa zu spielen."
Dass eine solche Entwicklung nicht innerhalb weniger Jahre abgeschlossen sein kann, ist ihm bewusst. "Das dauert eine Weile. Aber ich glaube, dass da über die nächsten fünf bis zehn Jahre großes Potenzial steckt."
Dabei reicht es für den 40-Jährigen nicht, einer Liga lediglich das Label "professionell" zu geben. Entscheidend seien die tatsächlichen sportlichen und strukturellen Voraussetzungen. "Was bedeutet es überhaupt, eine Profiliga zu sein? Nur weil wir ein bisschen besseres Marketing machen und sagen, wir sind jetzt eine Profiliga, heißt das ja nicht, dass wir plötzlich bessere Football-Talente in Europa haben."
Genau darin sieht der Deutsche eine der größten Herausforderungen. Die Strukturen können professionalisiert werden, das sportliche Niveau muss allerdings parallel mitwachsen. "Ich glaube aber trotzdem, dass wir das Potenzial haben, auf dieses Level zu kommen. Aber dort sind wir momentan noch nicht."
Aus seiner eigenen Karriere kennt Kuhn die Bedeutung eines stärkeren sportlichen Umfelds. Für ihn reicht es nicht aus, dass einzelne Spieler ihre nationale Konkurrenz dominieren. "Ich bin besser geworden, weil ich gegen bessere Spieler gespielt und mit besseren Spielern trainiert habe - und nicht dadurch, dass ich in Weinheim jeden Tag meine Mitspieler verprügelt habe."
Der ehemalige Defensive Tackle sieht deshalb die Qualität der Konkurrenz als entscheidenden Faktor für die Entwicklung europäischer Spieler. "Man braucht eine andere Competition, damit man sich als Spieler wirklich weiterentwickeln kann."
Eine europäische Profiliga soll aus seiner Sicht genau diese Plattform bieten: Die besten verfügbaren Spieler sollen regelmäßig auf einem möglichst hohen Niveau gegeneinander antreten.
Genau deshalb verfolgt die EFA unter ihrem Präsidenten keinen Ansatz, bei dem möglichst schnell möglichst viele Mannschaften aufgenommen werden. Stattdessen soll die Größe der Liga kontrollierbar bleiben. "Wir können das Produkt mit weniger Mannschaften deutlich besser kontrollieren."
Dahinter steckt auch eine sportliche Überlegung. Der frühere NFL-Profi bezweifelt, dass der europäische Football derzeit bereits über genügend Spieler verfügt, um eine große Zahl an Teams gleichzeitig auf einem wirklich hohen Niveau zu besetzen. "Es gibt noch nicht genügend exzellente europäische Football-Spieler, um zwölf oder mehr Mannschaften auf einem wirklich hohen Niveau zu besetzen."
Eine zu schnelle Expansion würde das vorhandene Talent auf immer mehr Mannschaften verteilen. Aus Sicht des EFA-Präsidenten besteht dadurch die Gefahr, dass die Qualität des Produkts leidet.
In Week 4 der NFL Regular Season starten die London Games mit Indianapolis Colts at Washington Commanders am Sonntag, 4. Oktober, ab 15:30 Uhr live bei RTL und auf Sky Sport. Anschließend können NFL-Fans bei RTL, NITRO sowie auf RTL+ und Sky Sport zwischen mehreren Einzelspielen zu den Kickoff-Zeiten um 19:00 und 22:25 Uhr sowie der deutschsprachigen "Sky NFL-Konferenz" und "NFL RedZone" wählen. Alle Spieltermine im Überblick.
nkr