12.03.2026
"Am Boden zerstört"
Eine Entscheidung, die die gesamte NFL aufwirbelte: Die Ravens zogen sich doch vom Trade mit den Raiders um Star-Pass-Rusher Maxx Crosby zurück und verpflichteten stattdessen Trey Hendrickson. Nun hat sich der General Manager der Ravens erstmals zu Wort gemeldet.

Es kursierten lange Gerüchte über einen Trade von Maxx Crosby, bis es dann plötzlich offiziell wurde: Die Baltimore Ravens und Las Vegas Raiders einigten sich auf einen Deal, der den Star-Defensive-End nach Baltimore brachte. Im Gegenzug einigten sich die beiden Parteien auf eine Kompensation von First-Round-Picks.
Doch am Mittwochmorgen erreichte die Football-Welt dann die Hiobsbotschaft. Die Ravens zogen sich von dem Trade zurück, der Deal war vom Tisch und Crosby weiterhin ein Raider. Die Verpflichtung von Trey Hendrickson setzte dann weiteren Gerüchten um eine erneute Einigung ein jähes Ende.
General Manager der Ravens, Eric DeCosta, meldete sich nun zum ersten Mal zu Wort und stand den Medien Rede und Antwort bezüglich des geplatzten Transfers. DeCosta erklärte, er wäre "am Boden zerstört" gewesen, dass das Franchise den Deal nicht über die Bühne bringen konnte: "Wir waren sehr begeistert davon, Maxx zu verpflichten, ihn möglicherweise in unser Team aufzunehmen", sagte DeCosta gegenüber Pro Football Talk. "Ich hatte bereits Gespräche mit John Spytek aufgenommen, diese Gespräche wurden fortgesetzt, und wir waren wirklich davon überzeugt, dass wir Fortschritte machten. Das haben wir auch. Im Rahmen des normalen Trade-Prozesses gab es viele verschiedene Aspekte - wir haben schon viele Trades durchgeführt. Einer der wichtigsten Punkte ist, dass man einen Spieler holt und versucht, so viele Informationen wie möglich über ihn zu bekommen. Aufgrund unserer Einschätzung der Situation konnten wir den Trade für den Spieler jedoch nicht abschließen."
Crosby war erst im Januar am Knie operiert worden. Eine Verletzung am Meniskus in der vergangenen Saison zwang ihn zu dieser Entscheidung. Obwohl eine Rückkehr nach einer Meniskus-OP bei Profisportlern normalerweise nach spätestens vier bis sechs Monaten möglich ist, bekamen die Ravens Zweifel an der Erholung von Crosby bei seinen physischen Tests am Dienstag mit den Ravens.
Am Mittwoch meldete sich dann Crosbys Arzt zu Wort, der die Operation durchgeführt hatte. Dr. Neal ElAttrache sprach mit ESPN und sagte, dass der fünffache Pro-Bowler "auf jeden Fall auf dem richtigen Weg in seinem geplanten Programm" sei und dass er "hervorragende Arbeit bei seiner Reha leistet und sein Knie sehr gut darauf reagiert".
Einige NFL-Medien berichteten, dass die Ravens bei den Raiders eine Neuverhandlung des Trades anfragten. So kam es zu weiteren Gerüchten, dass die Ravens Crosbys Entwicklung und gesundheitlichen Zustand nur als Vorwand nutzen würden, um den Preis zu drücken und nicht zwei First-Round-Picks investieren zu müssen.
DeCosta zeigte daraufhin Verständnis für solche Gedankenspiele, beteuerte aber, dass er immer nur das Beste für die Ravens wolle, und dass er es nicht verantworten könne, zwei First-Round-Picks für einen Spieler mit fraglichem Gesundheitszustand zu traden: "Ich habe eine Verantwortung gegenüber den Ravens", sagte DeCosta. "Ich verstehe, dass Menschen, die nicht direkt involviert sind, so denken, aber niemand ist darüber mehr verärgert als ich. Ich bin wirklich am Boden zerstört und bedauere es sehr." Sogar eine Verpflichtung von Crosby und Hendrickson soll eine Zeit lang eine Option für die Ravens gewesen sein, wurde am Ende aber doch verworfen.
Trotz seiner Enttäuschung über den geplatzten Trade erklärte DeCosta aber, dass er an seiner Vorgehensweise nichts bereuen würde: "Ich weiß wirklich nicht, was wir anders hätten machen können als das, was wir getan haben", sagte DeCosta. "Noch einmal: Es ist eine wirklich, wirklich, wirklich, wirklich schwierige Entscheidung. Es gab gestern Momente, in denen ich ehrlich gesagt sprachlos war. Ich saß einfach in meinem Sessel in meinem Büro und dachte darüber nach, was der nächste Schritt sein könnte, und versuchte, so viele Informationen wie möglich zu bekommen."

Maxx Crosby, der in den vergangenen Jahren immer wieder mit Trades in Verbindung gebracht worden war, hatte das Franchise vorbildlich verlassen und sich bei den Raiders und den Fans verabschiedet: "Seit ich hier bin, habe ich ein Ziel und eine Mission, nämlich die beste Version meiner selbst zu werden und dazu beizutragen, dass die Raiders wieder einen Championship-Titel holen", sagte Crosby. "Ich habe das Gefühl, dass ich alles für dieses Team gegeben habe. Ich habe mein Herz und meine Seele eingebracht und habe das Gefühl, euch alle enttäuscht zu haben. Seit dem ersten Tag wollte ich mit den Raiders ein Gewinnerteam aufbauen." Zudem ergänzte er: "Wenn meine Karriere irgendwann endet, will ich sie in einem Raiders-Trikot abschließen."
Trotz der rührenden Abschiedsworte war Crosby immer wieder unzufrieden mit seiner Situation bei den Raiders und hatte sein Franchise gebeten, ihn zu traden. Trotz des geplatzten Deals und einem somit sehr wahrscheinlichen Verbleib in Las Vegas zeigte sich Crosby nicht enttäuscht und schrieb auf Social Media: "Alles geschieht aus einem bestimmten Grund. Glaube nichts, was du hörst, und nur die Hälfte von dem, was du siehst. Ich bin ein Raider. Ich bin zurück. Lass uns loslegen."
Die Ravens hingegen handelten sehr schnell nach der Absage des Deals und verpflichteten den Free Agent Trey Hendrickson. Der Star-Defensive-End hatte nach fünf Jahren bei den Cincinnati Bengals seinen Vertrag auslaufen lassen und unterschrieb in Baltimore einen Vierjahresvertrag mit einem Gehalt von 112 Millionen Dollar. In neun Saisons in der NFL bei den Saints und den Bengals erzielte Hendrickson 236 Total Tackles, 81 Sacks, 74 Tackles for Loss, 16 Pass Deflections und 15 Forced Fumbles. Zudem wurde er 2024 ins First-Team All-Pro gewählt und schaffte es viermal in den Pro Bowl.
nhu