01.10.2026
GFL-Kolumne
Dresden Monarchs gegen Potsdam Royals. Am Samstag, 3. Oktober, trifft im Rudolf-Harbig-Stadion das letzte ungeschlagene Team der Saison auf die historisch beste Defense der GFL-Geschichte. Fünf Shutouts in Serie der Potsdam Royals kommen auf Dresdens 14 Siege in 14 Spielen. Ein besseres Finale zwischen Perfect Season und Rekord-Defense hätte kein Drehbuchautor schreiben können.

Bereits jetzt konnte die GFL über 20.000 verkaufte Tickets für das Endspiel verkünden. Beide Teams erwarten die vielleicht größte Kulisse, die in diesem Jahrhundert in einem Finale um die Deutsche Meisterschaft gemessen wurde. Schon jetzt steht fest, ab 18 Uhr steigt damit das größte Endspiel im American Football auf europäischem Boden in diesem Jahr.
Die Dresden Monarchs haben 2026 alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Zwölf Siege in der Regular Season, dann ein 61-14 gegen die Munich Cowboys im Viertelfinale und ein 36-7 gegen die Pforzheim Wilddogs im Halbfinale. Das Gesicht dieser Saison heißt Montigo Moss. Der Sohn von NFL-Legende Randy Moss fing 79 Pässe für 1.464 Yards und 19 Touchdowns. In beiden Kategorien ist er die Nummer Eins der Liga.
Dazu hat Dresden etwas, das in einem Finale Gold wert ist. Rocky Lombardi warf in zehn Spielen 27 Touchdowns bei 69 Prozent angekommener Pässe. Der Quarterback spielte zuvor auf höchstem College Niveau und war in der NFL-Vorbereitung 2024 sogar zeitweise der Backup von Joe Burrow bei den Cincinnati Bengals. Mit Tyler Hudson kehrt nun kurzfristig noch ein weiterer US-Amerikaner und ein wahres Special-Teams-Ass zu den Monarchs zurück.
Unterschätzt wird hingegen oft die Defense. 41 Sacks sind aber Liga-Bestwert. Allein Sterling May (10) und Elian Canet (9) kommen zusammen auf 19. Pforzheim gelang im Halbfinale bis tief ins vierte Viertel kein einziges First Down. Im Favoriten-Check vor wenigen Wochen konnten wir bereits die Stärken und Schwächen der Dresden Monarchs herausstellen. Dank zwei Playoff-Spielen mit 97-21 Punkten lässt sich sagen: Der Titelanwärter von der Elbe hat geliefert.
Wer die Potsdam Royals verstehen will, fängt bei der Defense an. 79 erlaubte Punkte in zwölf Spielen. Das sind 6,6 pro Partie. Zum Ende der Regular Season brachten die Potsdamer dann das historische Kunststück fertig und feierten fünfmal in Folge einen Shutout ohne einzigen zugelassenen Zähler des Gegners. Die Abwehr-Einheit erzwang außerdem 24 Ballgewinne und trug drei Interceptions zum Touchdown zurück.
Die Offense steht dem jedoch in nichts nach. 48,6 Punkte pro Spiel sind Spitzenwert in der Liga. Die Runningbacks Chrisman Kyei und Heiko Bals gestalteten das Spiel aus dem Backfield besonders intensiv. Kyei ist für die explosiven Plays gut, Bals bewegt zuverlässig die Kette.
Seit Hugh "Bay" Harvey den Ball verteilt, ist das Passspiel noch einmal gefährlicher geworden. In seinen wenigen Einsätzen warf der Quarterback zwölf Touchdowns ohne eine einzige Interception. Maximilian McLeod ist auf Wide Receiver mit 1.156 Yards die Nummer Zwei der Liga direkt hinter Montigo Moss.
Wie gut Potsdam drauf ist, beweist auch der Favoriten-Check vor dem Endspiel. Der bisher ungeschlagene Südmeister Schwäbisch Hall wurde in seinem eigenen Stadion im Halbfinale mit 39-12 an die Wand genagelt. Gadget-Player und Yards-after-Catch-Virtuose Milan Spiller legte dabei drei Touchdowns hin.
Einen Vorgeschmack auf den GFL-Bowl gab es bereits in der Regular Season. Am 27. Juni gewann Dresden in Potsdam mit 24-22. Wegen der Hitze wurde der Kickoff damals um zweieinhalb Stunden nach hinten verschoben. Es blieb die einzige Niederlage der Royals in dieser Saison. Ein kleiner Fun Fact am Rande: Mit ihren 24 Punkten erzielten die Monarchs an diesem Abend fast ein Drittel aller Punkte, die Potsdams Defense in der gesamten Saison zugelassen hat.
Dieses Spiel ist aber makulatur. Potsdam spielt jetzt mit neuem Quarterback und Dresden wird vor der zu erwartenden Rekord-Kulisse im eigenen Stadion anders auftreten. Zumal klar sein dürfte, dass beide Teams spezielle Play Designs auf beiden Seiten des Balles bewusst für das große Finale zurückgehalten haben und wir am 3. Oktober keine fast 40 Grad Celsius am Spielort erwarten müssen.
Für mich entscheidet sich das Spiel an der Line of Scrimmage. Kann Dresdens Offensive Line Lombardi, Moss und Co. genug Zeit gegen die beste Defense der Liga verschaffen? Findet der Pass Rush der Monarchs im Gegenzug einen schnellen Weg zu Harvey, bevor der McLeod und Spiller anspielen wird? Wer in den Trenches die größten Vorteile für sich erlangt, wird am Ende den Pokal in den Dresdner Nachthimmel recken.
Der Finaltag beginnt lange vor dem Kickoff. Ab 14 Uhr steigt vor dem Stadion die Pre-Game-Party. Um 16:30 Uhr ist dann Einlass ins Stadion und ab 17 Uhr startet die Pre-Game-Show. In der Halbzeit gehört die Bühne FAST BOY. Hinter dem Namen stecken die Berliner Brüder Felix und Lucas Hain, bekannt unter anderem durch ihren Hit "Bad Memories" mit MEDUZA.
Die Siegerehrung unter einem tosenden Feuerwerk über der sächsischen Landeshauptstadt wird dann den 47. Deutschen Meister im American Football küren. Über 20.000 Tickets sind bereits weg. Jetzt wurde der letzte freie Block für den Verkauf geöffnet. Wer noch dabei sein will, sollte sich also beeilen. Tickets gibt es unter gfl-bowl.de. Alle anderen sehen das Finale live im Free-TV bei DF1 und im Stream auf sporteurope.tv.
Philipp Forstner