25.05.2026
Rückblick auf Woche 3
So langsam trennt sich die Spreu vom Weizen in der German Football League. Hildesheim und Schwäbisch Hall blicken nach drei Wochen auf eine makellose Bilanz.

Neben den üblichen Anwärtern auf den GFL Bowl im Oktober, den Dresden Monarchs, Potsdam Royals sowie dem Vorjahres-Halbfinalisten Ravensburg, haben auch die Hildesheim Invaders und Schwäbisch Hall Unicorns in den ersten Wochen auf sich aufmerksam machen können. Mit einer makellosen Bilanz von 3-0 und dominanten Siegen in all ihren Auftritten wurde der Grundstein für die Playoffs früh gelegt. Sie drohen der Konkurrenz bereits im Sprint zu enteilen. Wir blicken gemeinsam auf alle Spiele des Samstags in Woche 3.
Wenn Potsdam es darauf angelegt hätte, wäre hier womöglich ein dreistelliges Ergebnis herausgesprungen. Nach dem ersten Quarter stand es bereits 32:0, mit dem Halbzeitpfiff dann 54:0, das Endergebnis schließlich 75:3. Der geteilte Platz 1 für die höchste Niederlage in der Lions-Geschichte. 1988 verlor man ein Spiel gegen die Hildesheim Invaders mit 72 Punkten. Nachdem sich Potsdam in Woche 1 gegen eine starke Rebels-Defense gerade so siegreich über die Ziellinie geschleppt hatte, konnte die Offense von Coordinator Mitch Viger in dieser Woche überragen. Die Royals, die aktuell noch keinen Defensive Coordinator an der Seitenlinie haben, zeigten, dass sie auf allen defensiven Positionen mehr Talent haben als die Offense der Lions.
Am Ende standen 19 Passversuche für 8 Touchdowns auf 6 verschiedene Anspielstationen für GFL-Bowl-MVP Xeaiver Bullock. Auch der in der Schweiz geborene ehemalige ELF Rookie of the Year Milan Spiller wirkte in dieser Woche mit und erzielte den ersten Touchdown des Spiels; er war in Woche 1 noch nicht im Aufgebot der Royals. Was für Braunschweig bleibt, sind 9,3 erzielte Offensivpunkte pro Spiel und 48,6 erlaubte Defensivpunkte pro Spiel. Die Lions teilen sich nach drei Spielen den schlechtesten Record in der GFL und weisen dabei die schwächste Punktebilanz auf. Für die Lions folgt das Derby gegen Hildesheim und dann das Wiedersehen mit den Dresden Monarchs. Die echten Gradmesser für diese Version der Lions kommen erst noch.
Während Invaders Quarterback Nelson Hughes früh in der Saison starke Argumente für den "Offensive MVP" Award sammelt, macht Wide Receiver Paul Terjung dasselbe, allerdings für den "Homegrown Player of the Year" Award. Terjung zeigt in den ersten Wochen der Saison die Fähigkeiten, Man Coverage und Zone Coverage zu schlagen sowie mit dem Ball in der Hand elektrisch zu sein. Mit seinem diversen Skillset führt er die Liga nach drei Wochen in Receiving Yards an. Seine beiden Touchdowns in diesem Spiel erzielte er gegen die Man Coverage der Panther aus dem Slot innerhalb der 10-Yard-Line, den ersten davon auf einer sehenswerten Pivot Route gegen Import Defensive Back Dy’Vonne Inyang.
Hildesheim zeigt in den ersten Wochen der Saison, welchen Anspruch sie an sich selbst haben. Sie gewinnen ihre Spiele nicht nur, sie dominieren ihre Gegner nach Strich und Faden und das, obwohl in dieser Woche ihre beiden Starting Offensive Tackles fehlten. Mit 7,3 erlaubten Punkten pro Spiel sind die Invaders zudem nach drei Wochen die beste Defense in der GFL. Allen voran überragen Defensive Lineman Kyle Kitchens und Cornerback Holden Hughes für die Invaders. Während Kitchens das gegnerische Spiel im Pass- und Laufspiel ruiniert und seinen Einfluss nicht nur dann bemerkbar macht, wenn er selbst das Play macht, spielt Hughes eine beinahe makellose Saison. Woche für Woche nimmt er gegnerische Receiver mit seiner guten Technik und Athletik aus dem Spiel. Die Neuverpflichtungen der Invaders funktionieren, doch die echten Härtetests stehen noch aus. Die Panther enttäuschen.
Nachdem ich in der Offseason im "This is GFL"-Podcast Lobeshymnen auf die Verstärkungen der Düsseldorfer gesungen habe, liefen die ersten beiden Wochen alles andere als ideal. Zugegeben auch gegen zwei Topgegner, aber die Offense um Quarterback Isaiah Weed klickt noch nicht. In Woche 5 haben die Panther die Möglichkeit, gegen die Phoenix ihren ersten Saisonsieg zu feiern.
Den Unicorns ist in dieser Offseason eine echte Ausnahmeverpflichtung gelungen, denn Running Back Kelley Joiner Jr. kam von der University of South Florida nach Schwäbisch Hall. In seiner letzten College-Saison erzielte er über 800 Yards und 14 Touchdowns, dabei war er auch gegen Collegefootball-Größen wie Alabama und Miami effizient. Die Erwartungshaltung an einen Spieler dieses Formats hätte kaum größer sein können, und nach drei Wochen übertrifft er diese sogar. Joiner Jr. führt die gesamte GFL mit Abstand in Rushing Yards an, dabei stets unterstützt von einergrandiosen Schwäbisch Haller Offensive Line. Am Ende standen gegen die Hurricanes 10 Läufe für 232 Yards und 2 Touchdowns. Seine Explosivität und seine Geschwindigkeit sind auf der Position in der Liga aktuell unerreicht. Kelley Joiner Jr. kann einen anderen Gang einschalten als normale Spieler im europäischen Football, deswegen ist er so besonders.
Wer auch besonders ist, ist der Quarterback der Unicorns. Der 1,93 m große und 90 kg schwere Lars Heidrich zählt in dieser Saison bisher zu den besten Quarterbacks der Liga. Heidrich ist präzise, scheut sich nicht davor, in der Pocket stehen zu bleiben, wenn Druck ihn erreicht, und zeigt ein Talent dafür, Plays zu verlängern und Spielzüge am Leben zu halten. Wenn Schwäbisch Hall diese Leistungen auch gegen bessere Gegner bestätigen kann, sind sie aus dem Anwärterkreis auf den GFL Bowl nicht wegzudenken. Wie bereits in Woche 1 sollte auf Seiten der Hurricanes Receiver Joshua Youngblood lobend erwähnt werden. Die Hurricanes sind mit harten Spielen gegen die Topteams im Süden in die Saison gestartet, und der Speedster überragte wiederholt. Es ist für mich ganz offensichtlich, dass er sich schneller bewegt als so gut wie jeder andere Spieler in der GFL.

Für Regensburg hätte der Start in die erste GFL-1 Saison der Vereinsgeschichte wohl kaum schlimmer laufen können. Drei Spiele, drei Niederlagen und eine Offense, die aktuell nicht nach GFL-1 Format aussieht. Die Offense der Phoenix bringt es nach drei Wochen auf 8,7 Punkte pro Spiel und hat es noch nicht geschafft, in der ersten Halbzeit zu punkten. Alle ihre 26 Saisonpunkte kamen in der Garbage Time, als Spiele bereits entschieden waren. Teil 1 der Hin- und Rückserie zwischen den Cowboys und Phoenix ist damit in den Büchern. Vollkommen kurios: Beide Teams treffen in fünf Tagen erneut aufeinander, diesmal im Stadion am Weinweg in Regensburg. Die Cowboys landen einen wichtigen Sieg, der sie von der sieglosen Gruppe im Süden abhebt. Quarterback Nic Semptimphelter, der zuletzt gegen die Unicorns gleich dreifach für einen Pick 6 interceptet wurde, spielte ein bei Weitem saubereres Spiel und feierte seinen ersten Sieg außerhalbdes College Footballs. Dabei brachte er es auf eine beeindruckende Completion Percentage von 83 %, etwas, das man von ihm bereits auf College-Niveau sehen konnte. Vor allem Import Receiver Gabriel Boccella, der in München längst eine feste Größe ist, hatte mit 142 Yards und 2 Touchdowns zudem einen echten Sahnetag.
Im dritten Spiel sichert sich der Vizemeister an der Förde den dritten Sieg. Dresden möchte den Ball mit Quarterback Rocky Lombardi tief werfen, und das ist ihnen gegen Kiel gelungen. Sowohl Import Receiver Montigo Moss, der finnische Receiver Janne Särkelä als auch Niklas Müller hatten Big Plays mit Catches über 40 Yards. Trotz 3-0 Starts ist die Offense der Monarchs noch nicht auf dem Level angekommen, welches sie über weite Teile der Vorsaison erreichen konnte. Dresden hat jedes Spiel deutlich gewonnen, ist weiterhin ein Top-Anwärter auf den GFL Bowl, aber ich messe sie an einem anderen Maßstab als die meisten Teams in der GFL.
Kiels Quarterback PJ Settels verhalf den Monarchs zu ihrem ersten Touchdown dieses Spiels. Sein Pass in Richtung Import Receiver Jarvis McClam landete nach einem 85-Yard-Interception-Return von Lucas Masero in der Endzone der Kieler. Das Play war Settles erster Pick 6 seit dem College. Dennoch war es keine fragwürdige Entscheidung des Quarterbacks, die Kiel hier in Schwierigkeiten brachte. Der äußere der beiden Kieler Receiver lief die falsche Route und erlaubte Dresdens Flat-Verteidiger damit, im Play zu bleiben. Die Kieler waren in der Offensive Line nur so von Verletzungen geplagt, dafür haben sie sich gegen Dresden gut geschlagen, aber die Turnover haben ihnen das Genick gebrochen. Kiel arbeitete gegen Dresden mit einer improvisierten Offensive Line und rotierte im Laufe des Spiels sogar Tight Ends und Defensive Linemen hinein, um fünf Starter zu haben: Wichtiger Kontext bei der Bewertung ihrer Leistung.

Nach einem mehr als vielversprechenden Auftakt der Spiders, die durch einen Touchdown ihres Quarterbacks David Perkins gegen die Wilddogs sogar in Führung gingen, verletzte sich eben dieser Quarterback im zweiten Viertel und musste das Feld verlassen. Straubing verliert damit ein Spiel, das als solches sicher nicht als Sieg eingeplant war, aber jegliche Analysen fallen nach einer frühen Quarterback-Verletzung schwer. Die Wilddogs haben in der abgelaufenen Woche gegen die Rebels kein gutes Spiel gezeigt und sich vor allem durch gravierende Fehler selbst geschlagen. Gegen die Spiders schafft man es, seine Aufgabe zu erfüllen, und Quarterback Drequan Harris setzte seine Top Receiver AJ Coons und Luca Hirschberger erfolgreich in Szene. Die beiden Receiver kombinierten für 250 Yards und 2 Touchdowns. Trotzdem schaffen es die Wilddogs aktuell noch nicht, vier Quarter lang konstanten Football zu spielen. Stand jetzt stehen sie auf Platz 3 im Süden und genau da sehe ich sie auch. Für mich ist keine Aufwärts- oder Abwärtstendenz zu erkennen. Die Wilddogs gehören aktuell nicht zur Topgruppe, aber noch weniger drohen sie aus den Playoffs herauszufallen.
Eine Empfehlung in eigener Sache
Wer noch nicht genug von der GFL hat, sollte in den Podcast "This is GFL - Football" reinhören. Gemeinsam mit Carsten Spengemann spreche ich wöchentlich über die Spiele in der höchsten deutschen Spielklasse. Viel Spaß damit!
Maurice Stolka