22.06.2026
Rückblick auf Woche 7
Spätestens nach Woche 7 zeichnet sich ein klares Bild in der German Football League ab. Überraschungen bleiben aus, die Kräfteverhältnisse werden immer deutlicher.

Während Braunschweig in Düsseldorf den ersten Saisonsieg feiern konnte, warten die Straubing Spiders weiter auf ein Erfolgserlebnis. Kiel steckt nach der fünften Niederlage in Folge im Abstiegskampf, während Potsdam und Dresden ihre Generalproben vor dem GFL-Bowl-Rematch souverän meistern. Wir blicken auf alle Samstagsspiele der Woche 7.
Wer sich am Samstag im Friedrich-Ebert-Stadion auf ein Spitzenspiel gefreut hatte, wurde in meinen Augen nicht enttäuscht. Bei hochsommerlichen Temperaturen lieferten die Hildesheim Invaders dem amtierenden Meister aus Potsdam über weite Strecken ein hochklassiges und durchaus kompetitives Footballspiel. Am Ende setzten sich die Potsdam Royals dennoch deutlich durch und untermauerten einmal mehr ihren Status als Maßstab der GFL.
Die personell verstärkten Invaders zeigten dabei trotzdem, warum sie zu den gefährlichsten Teams der Liga gehören. Vor allem offensiv gelang es der Mannschaft von Marcus Herford immer wieder, den Ball über das Laufspiel zu bewegen und Drives zu kreieren. Hildesheim ist talentiert genug, um mit den Royals phasenweise auf Augenhöhe zu agieren. Das Problem gegen Potsdam bleibt jedoch unverändert: Der Raum für Fehler ist praktisch nicht existent.
Selbst wenn die Royals nicht ihren saubersten Football spielen, finden sie Wege, die Fehler des Gegners konsequent auszunutzen. Turnover, kleinere Ungenauigkeiten im Passspiel und einige Strafen verhinderten zwar, dass die Brandenburger ihre beste Leistung abrufen konnten, änderten aber nichts am Ausgang der Partie. Wie so häufig in den vergangenen Jahren zermürbte der Meister seinen Gegner und ließ seine individuelle Klasse sprechen.
Dabei hatte Hildesheim durchaus seine Momente. Star-Defensive-Lineman Kyle Kitchens beeinflusste trotz großer Aufmerksamkeit der Potsdamer Offensive Line immer wieder den Rhythmus des Passspiels der Royals. Der US-Amerikaner sorgte zudem für eines der Highlights des Tages, als er einen geplanten Screen Pass abfing und den Ball direkt zum Pick Six in die Endzone zurücktrug. Nicht ohne Grund ist Kitchens für mich aktuell der Top-Favorit auf den Defense-MVP-Award.
Obwohl die Brandenburger auf mehreren Positionen personell angeschlagen sind, gelang ihnen gegen ein gutes Hildesheimer Team ein letztlich deutlicher Erfolg. Bereits am kommenden Samstag wartet das nächste Topspiel auf den Meister. Mit den Dresden Monarchs gastiert der Top-Verfolger der GFL in Potsdam. Das Aufeinandertreffen der beiden Favoriten auf den GFL Bowl dürfte viel über die Kräfteverhältnisse in der Liga verraten. Aktuell spricht allerdings vieles dafür, dass die Brandenburger dem Rest der Liga einmal mehr enteilt sind.
Die Kiel Baltic Hurricanes warten weiter auf ein Erfolgserlebnis. Gegen die Dresden Monarchs setzte es die fünfte Niederlage in Serie und spätestens jetzt richtet sich der Blick der Norddeutschen nach unten. Zwar waren Spiele gegen Dresden nie die Partien, die man zwingend gewinnen musste, doch nach der Sommerpause steht die vor allem in der Offensive Line verletzungsgeplagte Mannschaft von Timo Zorn zunehmend unter Druck.
Vor allem offensiv befindet sich Kiel aktuell in einer tiefen Krise. Quarterback P.J. Settles brachte lediglich neun seiner 28 Pässe an den Mann und beendete die Partie mit einer Completion Percentage von gerade einmal 32%. Bereits in den vergangenen beiden Wochen fehlte der Offense jede Konstanz und gegen Dresden gelang erstmals in dieser Saison kein offensiver Touchdown. Die einzigen Punkte der Hurricanes resultierten aus einem Kick-Return-Touchdown von Veteran und Defensive Back C.J. Davis. Zu wenig, um gegen einen Titelkandidaten konkurrenzfähig zu sein.
Nach der Sommerpause wartet mit den Düsseldorf Panthern ein Spiel, in dem ein Sieg beinahe Pflicht ist. Der Spielplan meint es in den kommenden Wochen nicht gut mit den Kielern und nachdem Braunschweig in Woche sieben einen wichtigen Erfolg einfahren konnte, beginnt für die Hurricanes endgültig der Kampf um den Klassenerhalt.
Für Dresden hingegen war es offensiv die wohl sauberste Vorstellung seit dem Auftaktsieg gegen Braunschweig. Die Monarchs leisteten sich keinen Turnover, fanden eine gute Balance zwischen Lauf- und Passspiel und spielten über weite Strecken mit viel Rhythmus. Genau dieser Rhytmus fehlte trotz fünf Siegen vor dieser Partie in meinen Augen noch zu oft. Quarterback Rocky Lombardi warf drei Touchdownpässe und erzielte einen weiteren Touchdown selbst am Boden. Receiver Montigo Moss stellte einmal mehr seine Qualitäten unter Beweis und fing zwei weitere Touchdowns.
Nach einem überzeugenden Auftritt wartet nun das wichtigste Spiel der regulären Saison auf die Sachsen. Am kommenden Spieltag reisen die Monarchs zum amtierenden Meister nach Potsdam. Das Duell mit den Royals dürfte nicht nur richtungsweisend im Kampf um die Tabellenspitze sein, sondern auch einen wichtigen Hinweis darauf geben, wie nah der Verfolger den Royals auf den Fersen ist.
Nach dem enorm wichtigen Erfolg in der Vorwoche erwischten die Allgäu Comets auch gegen die Pforzheim Wilddogs den besseren Start. Mit einem hervorragend designten Trickspielzug überraschten die Gäste die Defense der Wilddogs. Receiver Gabe Quigley warf einen Double Pass über 75 Yards auf Elias Kraljevic, der die Comets früh in Führung brachte. Einmal erwischte man Pforzheim damit auf dem falschen Fuß, danach wurde allerdings schnell deutlich, welches Team an diesem Tag in nahezu allen Belangen überlegen war.
Es folgte eine nahezu perfekte Vorstellung der Wilddogs. Im Mittelpunkt stand einmal mehr Quarterback Dre Harris, der Woche für Woche eindrucksvoll unter Beweis stellt, warum er zu den spektakulärsten Spielern der Liga gehört. Kaum ein Spielmacher findet hinter der Line of Scrimmage kreativere Lösungen, kaum einer entzieht sich dem Pass Rush so geschickt und verbindet diese Improvisationskunst gleichzeitig mit einem starken Arm. Mit 1754 Passing Yards führt Harris die GFL an und entwickelt sich immer mehr zu einem ernsthaften Kandidaten für den Offensive-MVP-Award.
Doch nicht nur offensiv wusste Pforzheim zu überzeugen. Auch die Defense lieferte eine dominante Leistung ab und fing insgesamt drei Interceptions. Zwei davon wurden sogar direkt in Punkte umgemünzt. Zunächst sorgte Standout-Cornerback Nick Oliver mit einem Pick Six für Jubel, ehe wenig später Nose Tackle Nathan Kalemba einen Screen Pass antizipierte, den Ball abfing und ebenfalls bis in die Endzone zurücktrug. Gemeinsam mit Kyle Kitchens in Hildesheim war es eine bemerkenswerte Woche für Defensive Linemen und ihre Pick-Six-Momente.
Nach sieben Spielwochen verdichtet sich damit ein klares Bild im Süden: Die Pforzheim Wilddogs gehören zur absoluten Spitze der Conference. Die Entscheidung um den ersten Platz dürfte sich im direkten Duell mit den Schwäbisch Hall Unicorns entscheiden, das in wenigen Wochen ansteht.

Die Munich Cowboys haben gegen die Straubing Spiders ihre Favoritenrolle erfüllt und einmal mehr gezeigt, dass sie aktuell ein gutes Stück stärker sind als jene Mannschaften im Süden, die von außen auf die Playoffplätze schielen. Gegen einen weiteren Abstiegskandidaten ließen die Münchner wenig anbrennen und bestätigten damit ihre Position in der Spitzengruppe hinter den beiden Schwergewichten aus Schwäbisch Hall und Pforzheim.
Im Mittelpunkt stand einmal mehr Receiver Gabe Boccella. Der US-Amerikaner erzielte gegen Straubing seine Touchdowns Nummer 12, 13 und 14 der laufenden Saison und setzt damit eine beeindruckende Serie fort. Damit eröffnet sich für ihn tatsächlich die Möglichkeit, die 24-Touchdown-Saison von Tyler Hudson aus dem Vorjahr zu erreichen. Eine Marke, die ich so schnell nicht mehr erwartet hätte. Woche für Woche beweist Boccella, dass er zu den produktivsten Playmakern der Liga gehört und der Motor einer Offense ist, die gegen die Teams aus der unteren Tabellenhälfte kaum zu stoppen ist.
Die Bilanz der Münchner liest sich entsprechend beeindruckend. Bislang mussten sich die Cowboys lediglich den Schwäbisch Hall Unicorns geschlagen geben. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sämtliche Siege gegen Mannschaften eingefahren wurden, die aktuell um den Klassenerhalt kämpfen oder mit den Playoffs nichts zu tun haben. Die wirklichen Standortbestimmungen gegen die Schwergewichte des Südens stehen noch aus.
Dennoch zeigt sich immer deutlicher, dass die Cowboys sich von den Verfolgern abgesetzt haben. Der Abstand zu den Teams hinter den Playoffplätzen ist groß. Deshalb lege ich mich fest: Die Munich Cowboys werden in den Playoffs auswärts zu einem Nordteam reisen und dort im Viertelfinale antreten. Wohin die Reise geht, ist aktuell noch unklar, dass sie stattfindet, daran habe ich inzwischen nur noch wenig Zweifel.
Die Braunschwieg Lions haben gegen die Düsseldorf Panther ihren ersten Saisonsieg eingefahren und damit im Tabellenkeller ein Lebenszeichen entsendet. Nach mehreren Wochen, in denen die Leistungen nicht immer mit den Ergebnissen übereinstimmten, konnte sich Braunschweig endlich belohnen. Der Erfolg gegen Düsseldorf könnte sich im Kampf um den Klassenerhalt noch als enorm wertvoll erweisen.
Eine zentrale Rolle spielte dabei erneut Quarterback Ryon Thomas. Der Spielmacher gehört bereits die gesamte Saison über zu den wenigen Konstanten im Spiel der Lions und ist der mit Abstand wichtigste Akteur der Offense. Vor allem mit seinen Beinen dominiert Thomas regelmäßig Spiele. Mit seinen Rushing Yards liegt er ligaweit auf Platz zwei und muss sich lediglich Running Back Kelley Joiner Jr. geschlagen geben. Doch auch als Passer überzeugt der US-Amerikaner. Besonders außerhalb der Struktur und aus der Bewegung heraus zeigt Thomas eine überdurchschnittliche Präzision und findet immer wieder Lösungen, wenn ein Spielzug eigentlich bereits verloren scheint.
Wenn über den Offensive-MVP gesprochen wird, wird sein Name am Ende vermutlich keine realistische Rolle spielen. Dafür fehlen den Lions schlicht die Siege. Betrachtet man jedoch den Begriff "valuable" im eigentlichen Sinne, gehört Thomas für mich zumindest zum erweiterten Kandidatenkreis. Braunschweig wäre ohne seinen Quarterback nicht dort, wo sie aktuell stehen und vermutlich in einer deutlich schwierigeren Situation.
Mit dem Erfolg gegen Düsseldorf haben die Lions nun die Chance, ihre Saison in die richtige Richtung zu lenken. Es folgen Interconference-Duelle gegen die Straubing Spiders und die Saarland Hurricanes. Zwei Spiele, die für die Mannschaft absolut machbar sind. In den kommenden zwei Wochen können die Braunschweiger einen großen Schritt machen und ihre Abstiegssorgen nahezu vollständig beseitigen. Ich traue ihnen das durchaus zu.
Maurice Stolka