vor 1 Tag
Rückblick auf Woche 5
Die Partien lasen sich hochklassig in Woche 5 der German Football League, doch wo Topspiel draufstand, war nicht überall Topspiel drin.

Wer dachte, der Titel in der GFL führt in diesem Jahr über ein anderes Team als die beiden Vorjahresfinalisten, wird nach dieser Woche wohl enttäuscht auf die GFL blicken. Die Royals und Monarchs setzten sich jeweils deutlich gegen zwei der Top-Verfolger durch. Hildesheim gelang es, ihr positives Momentum weiter auszubauen, wenn auch nicht mit der letzten Souveränität. Wir blicken gemeinsam auf alle Spiele in Woche 5.
Wer auf ein Duell zweier Titelkandidaten gehofft hatte, wurde in Ravensburg schnell enttäuscht. Die Potsdam Royals gewinnen deutlich und untermauern einmal mehr ihren Status als Top-Favorit auf den GFL Bowl. Während die Royals ihre Qualität erneut unter Beweis stellen konnten, wirkte Ravensburg über weite Strecken überfordert von der physischen Defense der Gäste.
Dabei hatten die Razorbacks nach der Niederlage gegen Pforzheim einige Anpassungen vorgenommen. Offensive Coordinator Jake Suggett wich erstmals deutlich von der Empty-lastigen Offense ab, die Ravensburg in der Vergangenheit ausgezeichnet hatte. Mehr Balance, mehr Hilfe in der Pass Protection für Quarterback Broghean McGovern, aber das fiel ernüchternd aus. Die Royals kontrollierten die Line of Scrimmage, nahmen den Razorbacks früh ihren Rhythmus und zwangen die Gastgeber immer wieder in unangenehme Passing-Situationen. McGovern, der zweifelsohne zu den talentiertesten Spielmachern der Liga gehört, erlebte zuletzt wohl die härtesten Wochen seiner Karriere. Gegen Pforzheim und Potsdam warf er insgesamt sieben Interceptions und lediglich zwei Touchdowns.
Ravensburg verliert damit bereits das zweite Spitzenspiel in Folge und muss sich die Frage gefallen lassen, ob der Abstand zur absoluten Spitze aktuell größer ist als von mir gedacht. Dabei begann auch dieses Spiel für Potsdams Offense keineswegs perfekt. Wie bereits mehrfach in dieser Saison benötigte die Offense einige Zeit, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Zur Halbzeit standen lediglich zwölf Punkte auf dem Scoreboard. Doch sobald Offensive Coordinator Mitch Vigen die richtigen Anpassungen fand, platzte erneut der Knoten. Quarterback Xaeiver Bullock überzeugt nicht nur als Passer auf hohem Niveau, sondern auch mit seinen Beinen wird er zunehmend zu einem entscheidenden Faktor. Hinzu kommt Import-Receiver Max McLeod, dessen Vergangenheit bis in ein Minicamp der Denver Broncos reicht. Der Receiver wird von Woche zu Woche stärker und entwickelt sich immer mehr zur bevorzugten Anspielstation in den entscheidenden Situationen.
Nach fünf Spielwochen drängt sich daher erneut derselbe Eindruck auf wie im Vorjahr: Wer den GFL Bowl gewinnen will, wird vermutlich an den Potsdam Royals vorbei müssen. Der Meister wirkt noch nicht perfekt, aber sie finden Wege Spiele deutlich zu gewinnen, auch weil ihre Defense mit unter sieben erlaubten Punkten pro Spiel die beste in der GFL ist.
Ifm Razorbacks Ravensburg: Die erste große Enttäuschung des Wochenendes.
Es ist sicher zu sagen, Dresden hat die Bye Week genutzt. Vor fast 7500 Zuschauern im Heinz-Steyer-Stadion zeigten sie insgesamt ihren bislang besten Auftritt der Saison und ließen gegen ein talentiertes Rebels Team zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel. Trotz drei fragwürdiger Interceptions von Quarterback Rocky Lombardi, die meinen bisherigen Eindruck offensiv bestätigen, war dieses Spiel nie knapp.
Dresden gewinnt offensiv Spiele, weil sie die Matchups für ihre besten Spieler finden. Offensive Coordinator Robert Cruse macht einen exzellenten Job darin, Tiago Moss und Janne Särkelää in isolierte Situationen zu bringen, in denen sie glänzen können. Moss brillierte die Rebels Secondary mit acht Catches für 188 Yards und drei Touchdowns. Dresden konnte den Ball gegen die Rebels laufen, gerade mit Quarterback Rocky Lombardi, aber der Rhythmus dieser Offense ist noch nicht auf dem Level der abgelaufenen Saison angekommen. Für Dresden zählt nur eines: der Sieg im GFL Bowl, wahrscheinlich gegen Potsdam. Um die Defense der Royals zu schlagen, muss die Offense der Monarchs konstanter werden.
Die Rebels schafften es nicht, mehr als 14 Punkte auf das Scoreboard zu bringen. Trotz individueller Ausnahmeleistungen von ihren Wide Receivern Nathaniel Stewart und Jermaine Eniyagu stockt es gewaltig in der Offense der Berliner. Vor allem überrascht dabei die Ineffizienz von Runningback Nazar Bombata, der für gewöhnlich zu den Top-Spielern auf der Position gehört. In den ersten fünf Wochen der Saison ist Bombata mit 32 Läufen für gerade einmal 76 Yards nicht weniger als ein Totalausfall für die Charlottenburger.
Für mich steht und fällt die Offense mit ihrem unterdurchschnittlichen Quarterback-Play. Tyquell Fields schafft es aktuell noch nicht, mit seinem Arm den Unterschied auszumachen. Für die Rebels steht nach vier Spielen lediglich ein Sieg und obwohl sie in den Potsdam Royals, Schwäbisch Hall Unicorns und schließlich Dresden Monarchs drei Niederlagen gegen absolute Top-Teams erfahren haben, ordnen diese Spiele ein, wo die Rebels aktuell stehen, nämlich hinter den Top-Favoriten.
Berlin Rebels: Die zweite große Enttäuschung des Wochenendes.
Die Regensburg Phoenix durften am Samstag zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Victory Formation in der höchsten deutschen Spielklasse einnehmen. Das Team von Head Coach Derrick Wilson belohnte sich für einen stetigen Aufwärtstrend und war gegen die Panther von Beginn an die tonangebende Mannschaft. Nach einem Opening-Drive-Touchdown von Quarterback Cameron Yowell auf Wide Receiver Nicolas Hayes, der seine ersten beiden Touchdowns in der GFL erzielte, ließen die Phoenix die Gäste aus Düsseldorf nicht mehr wirklich in Schlagdistanz kommen.
Besonders beeindruckend war dabei die körperliche Präsenz der Regensburger an der Line of Scrimmage. Die Offensive Line verschaffte dem Laufspiel immer wieder Räume und gab Cameron Yowell die nötige Zeit, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig dominierte die Defensive Front über weite Strecken die Partie. Vor allem die Defensive Line um den erst 24- jährigen US-Amerikaner Jaylin Woods machte Quarterback Isaiah Weed das Leben schwer und zwang die Panther-Offense immer wieder in lange Downs und schwierige Situationen.
Für Regensburg ist dieser Erfolg mehr als nur der erste Sieg der Vereinsgeschichte in der GFL. Die Phoenix wirken von Woche zu Woche konkurrenzfähiger und zeigen zunehmend, dass sie nicht nur mithalten, sondern Spiele auf diesem Niveau auch kontrollieren können. Nach schwierigen ersten Wochen scheint die Mannschaft immer besser zu verstehen, was notwendig ist, um in Deutschlands höchster Spielklasse erfolgreich zu sein.
Auf der anderen Seite werden die Sorgen in Düsseldorf dagegen immer größer. Wenn die Panther den Ball bewegten, dann fast ausschließlich über das Screen-Game und die Fähigkeiten von Running Back Gennediy Adams. Das klassische Dropback-Passspiel war trotz talentierter Receiver erneut kaum existent. Isaiah Weed stand konstant unter Druck und fand nur selten einen Rhythmus. Eine Offense, die vor der Saison als potenzielle Stärke galt, gehört aktuell zu den größten Baustellen des Teams.
So bringen sich die Panther zunehmend in eine unangenehme Ausgangssituation. Was vor Saisonbeginn noch wie ein möglicher Playoff-Kandidat aussah, kämpft aktuell vielmehr darum, nicht in den Abstiegskampf gezogen zu werden. Mit den Kiel Baltic Hurricanes und den New Yorker Lions warten nun zwei direkte Konkurrenten im Norden. Sollten die Panther auch dort sieglos bleiben, wird die Stimmung in Düsseldorf sehr schnell unruhig werden.
Düsseldorf Panther: Die dritte große Enttäuschung des Wochenendes.

Wie bereits in den vergangenen Wochen spielten Quarterback Nick Semptimphelter und Wide Receiver Gabriel Boccella auch in Woche 5 erneut stark auf. Boccella, der alle Receiver in der GFL in Yards (604) und Touchdowns (10) anführt, hat damit bereits mehr Yards und Touchdowns als in der Vorsaison. Der US-Amerikaner zeigt in Deutschland bereits seit 2023, dass er von überall auf dem Feld Touchdowns erzielen kann.
Gegen die Comets schlägt er die Allgäuer Allzweckwaffe Chris Lipsey gleich doppelt für einen Touchdown und sorgt damit für die ersten 14 Punkte im Spiel. In Nick Semptimphelter bedient ihn einer der präzisesten Quarterbacks in der Liga, der nach einem harten GFL-Debüt gegen die Unicorns enorme Fortschritte machen konnte. Dem erst 25-Jährigen gelangen gegen die Comets gleich fünf Touchdowns und aktuell führt er die GFL in Completion Percentage an (72%). Ein mehr als beeindruckender Wert, wenn man bedenkt, wie wenig er sich davor scheut, das Feld auch vertikal zu attackieren.
Trotzdem bleibt die Einordnung schwierig. Die offensiven Zahlen der Cowboys gehören aktuell zu den besten der Liga, doch gegen die beiden stärksten Defenses, denen München bislang begegnet ist, sah das Bild deutlich anders aus. In Woche 6 treffen die Cowboys erneut auf die Defense der Schwäbisch Hall Unicorns: Für mich eine echte Wasserstandsmessung für die Offense der Cowboys und ihren jungen Quarterback. Schaffen es Semptimphelter und Boccella erneut, ihre Produktion aufrechtzuerhalten, müssen die Cowboys anders betrachtet werden. Fällt die Offense dagegen wieder deutlich ab, bestätigt sich der Eindruck, dass zwischen München und der Spitzengruppe der Liga noch eine Lücke besteht.
Die Hildesheim Invaders gewinnen auch ihr fünftes Spiel der Saison und bleiben damit eines von nur vier ungeschlagenen Teams der GFL. Dennoch hinterlässt auch dieser Erfolg einige Fragezeichen. Bereits in der Vorwoche gegen die Braunschweig Lions musste Hildesheim bis zum Schluss kämpfen, nun gerieten sie auch gegen die Kiel Baltic Hurricanes an ihre Grenzen. Gegen ein Team, das aktuell nicht zu den direkten Playoff-Anwärtern zählt, lagen die Invaders zur Halbzeit sogar mit 14:17 zurück.
Dabei zeigte sich erneut ein Muster, das den Invaders in den kommenden Wochen Probleme bereiten könnte. Mobile Quarterbacks bereiten der Defense sichtbar Schwierigkeiten. Nachdem Braunschweigs Ryon Thomas in Woche 4 bereits 206 Rushing Yards bei 26 Läufen aufgelegt hatte, lief auch Kiels P.J. Settles immer wieder erfolgreich durch die Defense der Niedersachsen. Der Quarterback kam auf 102 Yards bei lediglich zehn Läufen und hielt die Hurricanes-Offense lange im Spiel. Am Ende setzte sich jedoch die größere Qualität der Invaders durch. Quarterback Nelson Hughes überzeugte nicht nur als Passer, sondern war gemeinsam mit Runningback Matti Probst auch im Laufspiel enorm effizient. Besonders in der zweiten Halbzeit kontrollierte Hildesheim das Tempo der Partie deutlich besser. Hughes fand seinen Top-Receiver zudem für einen 48-Yard- Touchdown und sorgte damit für eines der spielentscheidenden Big Plays. Es war erneut kein dominanter Auftritt der Invaders, aber einer dieser Siege, die gute Teams auch an einem durchschnittlichen Tag einfahren.
Trotz der perfekten Bilanz bleibt deshalb die Frage erlaubt: Wie gut ist Hildesheim wirklich? Die bisherigen Ergebnisse sprechen klar für die Invaders, doch die letzten beiden Spiele gegen Teams, die wahrscheinlich nicht in den Playoffs stehen werden, waren deutlich knapper als erwartet. Die Antwort auf diese Frage bekommen wir allerdings sehr bald. Nach der kommenden Woche warten mit Potsdam, Berlin und erneut Potsdam die wohl entscheidenden Gradmesser der Saison. Talent besitzt diese Mannschaft ohne Zweifel. Gerade defensiv verfügen die Invaders mit Spielern wie Kitchens, Thompson sowie den Defensive Backs Hughes, Klötergens und Vogel über genügend Qualität, um auch die Potsdam Royals zumindest in Schlagdistanz zu halten. Insbesondere dann, wenn der Meister erneut einen seiner inzwischen gewohnten kleinen "Fehlstarts" hinlegt. Genauso denkbar ist allerdings auch ein deutliches Ergebnis in Woche 7. Zwischen Hildesheim und der absoluten Spitze der Liga liegt aktuell noch ein Fragezeichen.
Für die Kiel Baltic Hurricanes fühlt sich die Bilanz von nur einem Sieg nach vier Spielen deutlich schlechter an, als die Leistungen tatsächlich waren. Niederlagen gegen die Dresden Monarchs, Potsdam Royals und nun die Hildesheim Invaders definieren diese Mannschaft nicht. Kiel hat gezeigt, dass sie mit guten Teams mithalten können und sollte mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben. Aktuell sehe ich die Berlin Rebels zwar noch vor den Hurricanes, dennoch stehen beide bei einem Sieg. Kiel bewegt sich näher an den Playoff-Kandidaten als an den Kellerkindern der Liga.
Maurice Stolka