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Playoffs vor der Tür
Der Auftakt zu unserem großen Playoff-Favoriten-Check könnte kaum symbolträchtiger ausfallen. Die Dresden Monarchs haben zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Perfect Season hingelegt. Nach ihrem 12-0 und dem GFL-Nord-Titel haben sie damit Heimrecht bis ins Endspiel. Denn der GFL-Bowl um die Deutsche Meisterschaft findet im heimischen Rudolf-Harbig-Stadion statt.

Daheeme, vor den eigenen Fans, wollen die Monarchs ihre Geschichte weiterschreiben und nach zwei Finalniederlagen gegen die Potsdam Royals endlich den ersehnten Titel einfahren. Doch eine makellose Bilanz in der Regular Season ist die eine Sache. In der K.-o.-Phase, die am 12. September gegen die Munich Cowboys beginnt, muss alles sitzen. Werfen wir daher einen Blick auf die einzelnen Bausteine, aus denen der Titelanwärter besteht.
Rocky Lombardi ist gesetzt und hat die Offense über weite Strecken der Saison dominant angeführt. Bemerkenswert ist aber, was passiert, wenn er einmal aussetzt. Neuzugang Casey Thompson sprang zum Ende der Saison kurzfristig ein und lieferte ein starkes Debüt ab. Insgesamt acht Touchdowns und eine hohe Effizienz im Passing Game zeichnen den Backup aus.
Sollte Lombardi in den Playoffs ausfallen, wurde Thompson damit ausreichend getestet. Plan A bleibt aber, dem gelassenen und spielintelligenten Anführer das Spiel in die Hand zu legen. Denn Rocky Lombardi ist einfach ein anderes Level. Kein Team ist für die Playoffs so gut auf der wichtigsten Position aufgestellt wie die Monarchs.
Montigo Moss, Janne Särkelä, Michael Breuler und David Moore III bilden ein Receiver-Quartett, das in dieser Saison für spektakuläre Big Plays gesorgt hat. Bis hin zu Trickspielzügen sorgen die Vier gemeinsam mit Tofunmi Lala aus dem Backfield für eine massiv hohe Explosivität.
Die Breite an Skill-Positionen ist einer der Hauptgründe, warum Dresden in dieser Saison ligaweit die drittmeisten Punkte erzielt hat. Für die Playoffs sind es aber die Fähigkeiten, in Windeseile für den nächsten Score zu sorgen. Da halten die Monarchs viele Lösungen bereit.
Der Mix aus gestandenen Dresdner Eigengewächsen und wichtigen Importspielern aus Europa gibt der Offense die nötige Stabilität. Als stärkste Gruppe in den Playoffs sollte sie nicht angesehen werden. Da hat vor allem Schwäbisch Hall ein Wörtchen mitzureden.
Doch das Regular Season Game gegen die Potsdam Royals hat bereits bewiesen, dass sie der besten Defense der GFL gewachsen sind. Spätestens ab dem Halbfinale muss die Gruppe physisch und athletisch standhalten.
Defensive Coordinator Martin Schmidt hat konsequent auf Nachhaltigkeit gesetzt und mehrere Schlüsselspieler zurückgeholt. Devonni Reed und Logan Mobelini kennen das System seit Jahren, Linebacker Sebastian Huber hat in der Vorsaison nach seinem Einstieg beeindruckende Zahlen abgeliefert.
Dresden mag weniger aggressiv als andere Teams in den Playoffs verteidigen. Wovon wir aber ausgehen dürfen, sind praktisch keine verpassten Tacklings und saubere Übergaben in der Zonenverteidigung. Die Monarchs werden keine Geschenke verteilen und spielen sehr ausbalanciert. Das ist sicher.
Kicker Florian Finke liefert zuverlässig. Dazu konnte Lala als Returner bereits für zwei Touchdowns und hervorragende Feldpositionen sorgen. Neben David Moore kann er für spielentscheidende Momente sorgen, wenn es in engen Playoff-Duellen auf einen wichtigen Score ankommt.
Eine direkte Antwort auf den Touchdown des Gegners, während der sich noch an der Seitenlinie feiert, kann den Ton in solchen Partien setzen.
Head Coach Greg Seamon bringt NFL-Know-How mit. Stationen bei den Dallas Cowboys und den Cleveland Browns, dazu jahrzehntelange Erfahrung als Offensive Coordinator auf College-Ebene verleihen dem Monarchs-Coach gewissermaßen ein natürliches Ansehen im Locker Room. Obendrein bringt Seamon sich auch immer mehr in der Region ein und sieht Dresden nicht nur als eine Trainerstation von vielen.
Sein Team tritt in allen Phasen strukturiert auf. Variabilität lässt er nur aufblitzen, wenn der Gegner dies verlangt. Dresden wirkt unter seinem Head Coach häufig, als könnten sie immer noch einen Gang zulegen. Auffällig wurde diese Einstellung bereits im letzten Endspiel, als die Monarchs plötzlich mit mutigen Deep Shots überraschten. Ein Vorteil also, der sich in der K.-o.-Runde noch auszahlen kann.
Die Monarchs strotzen vor internationaler Klasse. Talent findet sich praktisch in allen Bereichen der Mannschaft. Gespickt mit Eigengewächsen und einer hervorragenden, über Jahre etablierten Jugendarbeit, ist der Kader sehr breit und tief aufgestellt. Das unterscheidet sie vor allem vom letztjährigen Champion aus Potsdam, der seine Nachwuchsmannschaft erst vor der Saison abgemeldet hat.
Die Royals haben, offiziell aus finanziellen Gründen, ihre Jugendabteilung zurückgefahren und sind den Gang in untere Klassen angetreten, während für weitere Imports noch Gelder zur Verfügung standen. Nachhaltig ist das sicherlich nicht gedacht. Doch hier soll es um die Monarchs gehen. Als Mitgliederstärkster Verein im American Football in Deutschland sind die Elbstädter ein wichtiger Anker für junge Menschen in der Region.
Die Dresden Monarchs kommen als das wohl am besten aufgestellte Team der gesamten Liga in diese Playoffs. Ihr Quarterback Rocky Lombardi ist für das Titelrennen geschaffen. Coaches und Spieler gieren fast verzweifelt nach dem großen Erfolg im GFL-Bowl. Der Fokus geht bei diesem Team sicher nicht verloren.
Zusätzlich hilft der Playoff-Baum. Im Gegensatz zum letztjährigen Meister fahren die Monarchs maximal noch mit dem Bus vom eigenen Trainingsgelände ins eigene Stadion, während die Konkurrenz quer durch die Republik reisen muss. Dresden muss daher als erstes Team genannt werden, wenn es um den Finaleinzug geht. Damit sich dann "daheeme" vor den Heim-Fans ihr Schicksal erfüllt, dafür haben sie auf dem Papier vieles richtig gemacht. Für das gewünschte Endresultat auf dem Platz sind dann Herz und Leidenschaft gefragt.
Philipp Forstner