04.08.2026
GFL-Kolumne
Das Abstiegsgespenst geht um in der German Football League. Während es im Norden aufgrund des Rückzugs der Paderborn Dolphins keinen direkten Absteiger geben wird, befinden sich im Süden gleich mehrere Teams in unmittelbarer Abstiegs-Not. Wer schafft es in den letzten vier Wochen noch ans rettende Ufer oder geht den Umweg über die Relegation?

Die Saison ist fast rum. Oben planen die ersten Vereine bereits für die Playoffs. Doch unten müssen sich mehrere Mannschaften Sorgen machen. Mit der Liga-Reform gibt es in diesem Jahr einen direkten Aufsteiger aus der GFL2 und zwei Absteiger aus dem Oberhaus. Die Liga wird sukzessive verkleinert und daher geht der Letztplatzierte aus dem Süden direkt runter, während die beiden Siebtplatzierten in die Relegation nachsitzen.
Alarmstufe Rot! Im letzten Jahr sind die Straubing Spiders nur nicht abgestiegen, weil sich vor der Saison die Kirchdorf Wildcats zurückgezogen hatten. Diesmal rettet sie niemand. Momentan konnte das Team noch keinen einzigen Sieg verbuchen. In direkten Duellen mit den anderen Abstiegskandidaten Saarland Hurricanes und Allgäu Comets unterlagen sie jeweils, weshalb nun der Abstieg droht.
Die Passing Offense ist wieder einmal nicht ligatauglich. Daran konnte auch ein Quarterback-Wechsel mitten in der Saison nichts ändern. Raleigh Yeldell sorgte zwar für überraschende Momente, unterm Strich kam aber nichts Zählbares dabei heraus, weil gleichzeitig die eigene Passing Defense immer weiter abbaut. In den letzten vier Spielen erlaubte die Abwehr im Schnitt 388 Passing Yards und insgesamt 23 Touchdowns durch die Luft.
In den nächsten Wochen geht es nun zweimal gegen den Aufsteiger Regensburg Phoenix. Hier muss dringend ein Sieg her und gegen eine der schwächsten Passing Offenses stehen die Chancen sogar ganz gut, dass die Abwehr hält. Doch danach geht es mit den Munich Cowboys und den Düsseldorf Panthern gegen zwei Playoff-Anwärter. Bedeutet: Wenn die Spiders gegen Phoenix nicht wenigstens einmal in zwei Spielen gewinnen, ist der erste Abstieg nach vier Jahren in der German Football League praktisch besiegelt.
Die Allgäu Comets befinden sich in einer besseren, aber nicht weniger prekären Ausgangslage. Denn dank eines Sieges gegen Straubing kann man aktuell den direkten Abstieg abwenden und hat aufgrund der anstehenden Duelle mit den Saarland Hurricanes sein eigenes Schicksal noch selbst in der Hand.
Ob es auswärts am 15. August im Saarland oder spätestens zu Hause am letzten Spieltag, aber zu einem Befreiungsschlag kommt, bleibt abzuwarten. Statistisch führen die Comets die schwächste Offense und Defense in der GFL ins Feld. Der Erfolg über Straubing kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kemptener mitten im Umbruch in den meisten Spielen dieses Jahr nicht konkurrenzfähig sind. Dennoch halten sie die Chance aufrecht, in 2027 ihre zwölfte GFL-Saison in Folge zu bestreiten.
Die direkten Partien gegen Saarland liefern vielleicht einen Vorgeschmack auf die Relegation. Denn wer in den beiden Spielen unterliegt (bei Ausgeglichenheit zählt die Punktedifferenz in den direkten Aufeinandertreffen) muss in der Relegation gegen ein Nord-Team ran.
Die Chancen, in Hin- und Rückspiel gegen die Kiel Baltic Hurricanes, Berlin Rebels, Braunschweig Lions oder Düsseldorf Panther zu bestehen, würde ich als gering einschätzen. Zumal die Aussicht auf eine weite Reise in den Norden bei angespanntem Haushalt sicher wenig Reizvoll erscheint.
Doch was muss, das muss. Ein Auslassen der Relegation würde den Gang in die dritte statt in die zweite Liga bedeuten. Für keinen der etablierten Süd-Vertreter kann das eine Option sein. Denn sowohl die genannten Nord-Teams als auch die Straubing Spiders, Allgäu Comets und die Saarland Hurricanes möchten mit ihren vorhandenen Mitteln zügig wieder ins Oberhaus zurückkehren, falls der Klassenerhalt nicht gelingt.
Die Hurricanes scheinen dafür momentan die besten Karten auf der Hand zu halten. Sie haben gegen Straubing bereits gewonnen und dürften ihre eklatanten Schwächen in der Run Defense und im Tackling in den entscheidenden Duellen mit den Allgäu Comets gut kaschieren können. Schließlich bringen es die Comets auf lediglich 32,3 Rushing Yards pro Spiel und insgesamt nur zwei erlaufene Touchdowns.
Um der drohenden Relegation aus dem Weg zu gehen, sollte jedoch der eigene Angriff endlich besser greifen. Vieles läuft bereits jetzt über die Allzweckwaffe Yoshua Youngblood, der als Runner und Pass Catcher 23 Prozent aller Touches im Saarland erhält. Zusätzlich ist den ‘Canes nun das wahrscheinlich entscheidende Upgrade gelungen. Quarterback Walter Kuhlenkamp kehrt für die letzten Wochen zurück zu seinem alten Team und wenn er die Offense ähnlich umsetzt, wie im Vorjahr, ist der Klassenerhalt nur noch Formsache.
Alle drei Süd-Teams wollen zunächst den direkten Abstieg vermeiden. Einer Relegation gegen den Norden möchten sie aber ebenfalls aus dem Weg gehen. Neben den anfallenden Reisekosten würde man in jedem Duell als Underdog gelten. Kiel und Düsseldorf haben entscheidend aufgerüstet. Braunschweig befindet sich seit Saisonbeginn im Überlebenskampf und spielt unter Quarterback Ryon Thomas wahnsinnig unangenehm.
Den Berlin Rebels bleiben noch fünf Spiele, um die Relegation abzuwenden. Doch ihr schwerer Schedule setzt sich mit zweimal Hildesheim Invaders und einmal Dresden Monarchs nahtlos fort. Entscheidend werden deshalb auch im Norden die direkten Duelle und der daraus resultierende direkte Vergleich. Das wird ein knallharter Kampf bis zum bitteren Ende. In der nächsten Woche sollen daher die Nord-Teams und ihr Restprogramm der Abstiegskandidaten näher beleuchtet werden.
Philipp Forstner