28.09.2026
Krise in Los Angeles
Die Los Angeles Chargers stehen nach drei Spieltagen bei 0:3 und die Offense wirkt so hilflos wie nie in der Herbert-Ära. Head Coach Jim Harbaugh stellte sich nach der 16:24-Niederlage bei den Buffalo Bills dennoch demonstrativ hinter Offensive Coordinator Mike McDaniel und schloss Änderungen an der Offense aus.

Schon während der Partie sprach Tom Brady als TV-Experte aus, was viele Chargers-Fans und Beobachter denken. Beim Stand von 10:10 im dritten Viertel stand Los Angeles an der 3-Yard-Linie der Bills, doch ein False Start von Tight End Hayden Rucci machte den Spielzug zunichte. "Bei 2nd&1 machst du ein Quarterback Sneak, der geht geradeaus. Man muss nichts Kreatives machen", sagte Brady. "Wenn man diese kleinen kreativen Spielzüge laufen lässt, ist man anfällig für solche Strafen." Am Ende musste sich das Team mit einem Field Goal begnügen, an der Seitenlinie stützte Harbaugh die Hände auf die Knie und ließ den Kopf sinken.
Nach dem 0:3-Start in die Saison wies Harbaugh die Kritik zurück, McDaniels Offense überfordere das Team. Er betonte, es gebe "kein Disconnect" zwischen dem Coordinator und der Offense, und kündigte keine Änderungen an. "Immer wenn etwas nicht funktioniert, wünscht man sich, man hätte einen anderen Spielzug gerufen. Das ist Football. Wir müssen weiter daran arbeiten, dass es funktioniert."
Quarterback Justin Herbert, der in seiner zweiten Saison für 5014 Yards geworfen hat und die Franchise seitdem auf seinen Schultern trägt, wirkt in der neuen Offense wie ein Schatten seiner selbst. Er agiert unsicher in der Pocket, findet seine Ziele nicht und liefert nicht mehr die herausragenden Plays früherer Jahre. Gegen Buffalo hätte er ohne mehrere Drops der Bills leicht drei Interceptions werfen können, am Ende blieb es bei einer. Diese kam im vierten Viertel, als die Chargers mit drei Punkten zurücklagen: Linebacker Daiyan Henley hatte Josh Allen nach einem Sack von Khalil Mack den Ball aus den Händen geschlagen, es war bereits der fünfte Bills-Turnover. Drei Spielzüge später warf Herbert den Ball in die Arme von Safety C.J. Gardner-Johnson. "Ich muss besser spielen", sagte Herbert, der wie immer die Verantwortung für die Probleme auf sich nahm.
Verantwortlich ist er aber nur für einen Teil der Misere. Die Offensive Line erreichte eine Pass Block Win Rate von lediglich 34,8 Prozent, den viertniedrigsten Wert in einem Spiel seit Herberts Ankunft 2020. Dazu leisteten sich Tight End Oronde Gadsden im ersten Viertel und Wide Receiver Quentin Johnston im vorletzten Drive des Spiels Drops bei Third Down. Nach der Partie saß Johnston mit gesenktem Kopf auf der Bank, Tre' Harris richtete ihn auf und versuchte, ihn aufzumuntern. "Manchmal ist es einfach schwer zu ertragen", sagte Johnston. "Wenn man Woche für Woche so hart für etwas arbeitet und es dann anders läuft."
In der Kabine herrschte eine Mischung aus Verwirrung und Frust. "Ich glaube, alle sollten wütend sein", sagte Ladd McConkey. "Wir stehen bei 0:3, obwohl wir drei Spiele hätten gewinnen können. Die Defense hat stark gespielt, wir müssen mehr Punkte erzielen." Left Tackle Rashawn Slater sieht die Ursachen im eigenen Team: "Wir machen es selbst. Wir müssen aufhören, uns in den Fuß zu schießen. Wir haben alle Fähigkeiten der Welt und scheitern, wenn es darauf ankommt."
Einen Funken Hoffnung liefert die Franchise-Historie: 1992 starteten die Chargers mit 0:4 und erreichten trotzdem die Playoffs, wo sie in der Wild-Card-Runde Kansas City besiegten und erst in der Divisional Round an Miami scheiterten. Dafür bräuchte es diesmal eine offensive Wiedergeburt, die aktuell kaum absehbar scheint. "Wenn ihr nicht dabei seid und nicht glaubt, dass wir das drehen können, dann verschwindet hier", sagte McConkey. "Ich glaube, wir haben die Leute dafür. Wir haben alles, was wir brauchen. Wir müssen es einfach umsetzen."
mgs