11.10.2026
DeMeco Ryans holt sich das Playcalling zurück
Die Defense galt als das große Prunkstück der Houston Texans. Mit Spielern wie Will Anderson Jr. und Derek Stingley Jr. sollte sie das Fundament für eine erfolgreiche Saison bilden. Nach vier Spieltagen ist davon allerdings wenig zu sehen. Houston steht bei einer Bilanz von 0-4 und hat bereits dreimal ein Spiel in der Schlussphase aus der Hand gegeben. Ausgerechnet die einstige Stärke wird damit zunehmend zum Problem.

Die Houston Texans erleben einen Saisonstart zum Vergessen. Nach vier Niederlagen warten sie noch immer auf den ersten Sieg. Besonders bitter: In drei Partien war Houston bis in die Schlussphase in einer Position, aus der ein Erfolg möglich gewesen wäre. Doch immer wieder gelang es dem Gegner, genau dann die entscheidenden Punkte zu erzielen, wenn es darauf ankam.
Wie groß der Unterschied zur Vorsaison ist, zeigt bereits der Blick auf die bisherigen Ergebnisse. Houston hat nach vier Spielen 109 Punkte zugelassen und damit die sechstmeisten der NFL. Für eine Defense mit diesem Talent ist das eine enttäuschende Bilanz. Noch schwerer wiegt allerdings, dass die Probleme nicht nur über die gesamte Partie auftreten, sondern gerade in den entscheidenden Momenten sichtbar werden.

Bereits zum Saisonauftakt gegen die Buffalo Bills hätte Houston die Chance gehabt, ein Ausrufezeichen zu setzen. Die Texans führten im vierten Viertel mit 31:30 und waren nur noch wenige Minuten von einem Erfolg entfernt.
Dann bekam Josh Allen eine weitere Gelegenheit. Bei einem Pass in Richtung Endzone ließ Houston eine mögliche Interception fallen. Statt den Angriff zu beenden, durfte Allen weitermachen. Nur wenig später fand er Joshua Palmer mit einem 34-Yard-Touchdownpass. Buffalo gewann mit 36:31.
Natürlich lässt sich ein einzelner Spielzug nicht allein für eine Niederlage verantwortlich machen. Trotzdem steht die Szene sinnbildlich für Houstons bisherige Saison: Die Defense hat die Möglichkeit, das Spiel zu entscheiden, nutzt ihre Chance aber nicht.

In Woche drei wiederholte sich das Muster gegen die Indianapolis Colts. Houston lag lange zurück, ging kurz vor Schluss aber erstmals mit 17:16 in Führung. Die Defense musste den knappen Vorsprung nun über die Zeit bringen.
Indianapolis bekam jedoch noch einmal den Ball und arbeitete sich weit genug nach vorne, um Spencer Shrader einen Field-Goal-Versuch aus 53 Yards zu ermöglichen. Der Kicker verwandelte mit nur 16 Sekunden auf der Uhr. Die Texans verloren mit 17:19.
Gerade diese Niederlage dürfte besonders schmerzen. Gegen die Colts war ein Sieg greifbar, doch Houston konnte den finalen Angriff nicht stoppen. Der Gegner brauchte keine außergewöhnliche Offensivleistung, sondern lediglich genügend Raum für einen erfolgreichen Kick.
Auch gegen Dallas verloren die Texans das Spiel in einem ähnlichen Muster.
Drei knappe Niederlagen, dreimal die Chance auf einen entscheidenden defensiven Stopp und dreimal ein gegnerischer Angriff, der die Partie letztlich entschied. Diese Wiederholung ist das eigentliche Warnsignal für Houston.
Dabei fehlt es der Defense nicht grundsätzlich an Talent. Die Pass Rusher können Druck erzeugen, in der Secondary stehen namhafte Spieler. Doch Talent allein reicht nicht, wenn Abstimmung, Ausführung und Konsequenz in den entscheidenden Momenten fehlen. Gegen Buffalo wurde eine mögliche Interception nicht festgehalten, gegen Indianapolis gelang der letzte Stopp nicht und gegen Dallas konnte die Secondary den entscheidenden Drive nicht unterbinden.
Gleichzeitig wäre es zu einfach, sämtliche Probleme allein der Defense anzulasten. Die Offense erzielte gegen Cincinnati lediglich sechs Punkte und hatte damit ebenfalls großen Anteil an der 6:20-Niederlage. Ein Team kann nicht erwarten, dass seine Defense jede Woche eine schwache offensive Leistung kompensiert.
Trotzdem liegt hier der größte Widerspruch der bisherigen Saison: Eine Einheit, die Houston eigentlich tragen sollte, hat gerade dann Probleme, wenn sie gebraucht wird.

Für Head Coach DeMeco Ryans und Defensive Coordinator Matt Burke wird die Lage zunehmend unangenehm. Die Texans können sich nicht mehr allein auf die Qualität ihres Kaders verlassen. Sie müssen zeigen, dass sie in engen Spielen die richtigen Anpassungen vornehmen und gegnerische Offenses in der Schlussphase stoppen können.
Die kommende Partie gegen die ebenfalls sieglosen Tennessee Titans bietet eine Gelegenheit zur Reaktion. Doch ein einzelner Sieg würde die grundlegenden Fragen noch nicht beantworten.
Die Texans müssen wieder zu einer Defense werden, der sie selbst vertrauen können. Solange sie gegnerische Teams in den entscheidenden Momenten nicht vom Punkten abhält, wird aus dem einstigen Prunkstück auch weiterhin eine Schwachstelle bleiben.
par