vor 12 Stunden
Keine Niederlage zum Start
Die San Francisco 49ers sind derzeit nicht zu stoppen. Nach dem 23:17 gegen die Washington Commanders steht das Team von Head Coach Kyle Shanahan bei 6-0 und ist damit erstmals seit 2019 wieder mit sechs Siegen in eine Saison gestartet.

Hinter dem perfekten Start steckt allerdings mehr als die individuelle Klasse einzelner Superstars. San Francisco verbindet seit Jahren eigene Draft-Erfolge mit gezielten Investitionen in etablierte Spieler - und hat seinen Kader auch nach dem Ende von Brock Purdys günstigem Rookie-Vertrag konkurrenzfähig gehalten.
Kaum eine Personalentscheidung steht so sehr für den Aufstieg der 49ers wie Brock Purdy. San Francisco wählte den Quarterback 2022 mit dem 262. und damit letzten Pick des Drafts. Wenige Jahre später ist aus "Mr. Irrelevant" der langfristige Franchise-Quarterback geworden.
Der finanzielle Vorteil seines Rookie-Vertrags gehört inzwischen allerdings der Vergangenheit an. Bereits im Mai 2025 statteten die 49ers Purdy mit einer neuen Fünfjahresverlängerung aus. Der Quarterback ist damit längst nicht mehr das Schnäppchen, das San Francisco über Jahre zusätzlichen finanziellen Spielraum verschaffte.
Dass die 49ers trotzdem weiterhin einen derart prominent besetzten Kader stellen können, macht den aktuellen Erfolg umso bemerkenswerter.
Die Basis des Kaders besteht weiterhin aus zahlreichen Spielern, die San Francisco selbst gedraftet und entwickelt hat. Gleichzeitig scheut das Front Office um John Lynch nicht davor zurück, externe Stars hinzuzuholen.
Das prominenteste Beispiel der vergangenen Jahre ist Christian McCaffrey. In der Offseason 2026 kam mit Mike Evans ein weiterer großer Name hinzu. Der langjährige Buccaneers-Star unterschrieb einen Dreijahresvertrag und bildet inzwischen gemeinsam mit Rückkehrer Deebo Samuel eine prominent besetzte Receiver-Gruppe. Samuel war nach einem Jahr bei den Washington Commanders nach San Francisco zurückgekehrt.
Damit verfolgen die 49ers keineswegs eine reine Draft-Strategie. Vielmehr ergänzen sie einen selbst aufgebauten Kern gezielt mit erfahrenen Spielern, wenn sich entsprechende Möglichkeiten ergeben.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Qualität der Namen, sondern wie sie zusammenpassen. Shanahan kann in seiner Offense auf Purdy, McCaffrey, Evans, Samuel, George Kittle und Fullback Kyle Juszczyk zurückgreifen.
Gerade die Vielseitigkeit des Personals eröffnet San Francisco zahlreiche Möglichkeiten. McCaffrey kann als Runner und Receiver eingesetzt werden, Kittle gehört zu den wichtigsten Tight Ends der Liga und Samuel bietet zusätzliche Flexibilität.
Wie gefährlich diese Mischung sein kann, zeigte sich auch gegen Washington. McCaffrey erzielte zwei Rushing Touchdowns, Purdy fand Kittle für einen weiteren Score und Evans sorgte mit mehreren tiefen Pässen für Raumgewinn.
San Francisco hat zum Saisonstart nicht nur Washington geschlagen. Zuvor gewannen die 49ers gegen die Los Angeles Rams, Miami Dolphins, Arizona Cardinals, Denver Broncos und Seattle Seahawks. Der Auftakt gegen die Rams im Melbourne Cricket Ground endete deutlich mit 27:7.
Der 6-0-Start ist deshalb weniger das Ergebnis eines einzelnen spektakulären Moves als vielmehr einer über Jahre entwickelten Kaderstruktur. Die 49ers haben eigene Leistungsträger aufgebaut, bei Bedarf aggressiv nach Verstärkungen gesucht und Shanahan ein Personal zusammengestellt, das zu seiner Offense passt.
Purdys günstiger Rookie-Vertrag kann dabei längst nicht mehr als Erklärung für die Qualität des Kaders herhalten. San Francisco muss nun beweisen, dass dieses Modell auch mit einem teuer bezahlten Franchise-Quarterback langfristig funktioniert. Die ersten sechs Spiele der Saison 2026 liefern dafür zumindest ein starkes Argument.
Autor: Niklas Kreuzer