06.08.2025
NFL Kader erklärt
Die NFL Training Camps laufen - und mit ihnen beginnt eine Phase voller Bewegungen in den Kadern. Doch wer die Kader-Meldungen verfolgt, stößt schnell auf kryptische Kürzel wie IR, PUP oder NFI. Was davon ist eigentlich wichtig - und was bedeutet es wirklich?

Jahr für Jahr werfen die NFL-Trainingslager nicht nur sportliche Fragen auf, sondern sorgen auch abseits des Rasens für jede Menge Verwirrung - vor allem bei Fans, die die Feinheiten des Kadersystems nicht tagtäglich verfolgen. Denn bevor die 32 NFL-Teams ihre finalen 53-Mann-Kader am 26. August benennen, wird rotiert, getestet, gecuttet - und vor allem: gelistet. Spieler landen auf IR, PUP oder NFI. Aber was bedeutet das eigentlich?
football-world erklärt die wichtigsten Kaderbezeichnungen in der NFL und zeigt, wie Roster-Management in der Vorbereitung und während der Saison wirklich funktioniert.
Die sogenannte PUP-Liste steht für Physically Unable to Perform - also für Spieler, die aufgrund einer footballbedingten Verletzung vorerst nicht aktiv am Trainingslager teilnehmen können. Dabei wird zwischen Active/PUP und Reserve/PUP unterschieden:
Spieler auf der Active/PUP-Liste zählen zunächst ganz normal zum 90-Mann-Trainingskader, dürfen aber nicht trainieren. Sobald sie aktiv an einem Training oder Spiel teilnehmen, dürfen sie nicht mehr auf diese Liste zurückkehren.
Wer bis zum Cut-Day noch nicht fit ist, landet auf der Reserve/PUP-Liste - und verpasst dann automatisch mindestens die ersten vier Spiele der regulären Saison. Danach kann er jederzeit aktiviert werden. Wichtig: Spieler auf der PUP-Liste erhalten ihr volles Gehalt.
Die NFI-Liste, also die Non-Football-Injury/Illness-Liste, ist der PUP sehr ähnlich, aber sie betrifft Verletzungen oder Krankheiten, die außerhalb der NFL entstanden sind. Dazu zählen Verletzungen der Rookies aus Collegezeiten, Urlaubsunfälle oder längerfristige Krankheiten.
Auch hier gilt: Wer nach dem Cut-Day zum 53-Mann-Kader noch auf NFI-Liste ist, verpasst mindestens vier Spiele. Im Gegensatz zur PUP-Liste gibt es aber keinen automatischen Anspruch auf das Gehalt. Das kann das Team individuell mit dem Spieler aushandeln.
Die Injured-Reserve-Liste (IR), offiziell Reserve/Injured List, ist eine der bekanntesten Kategorien. Spieler landen dort, wenn sie sich eine ernsthafte, footballbedingte Verletzung zugezogen haben und nicht einsetzbar sind. Im Gegensatz zur PUP-Liste dürfen Spieler zuvor bereits am Training teilgenommen haben.
Wird ein Spieler auf IR gesetzt, zählt er nicht zum aktiven 53er-Kader, sein Gehalt zählt aber trotzdem gegen den Salary Cap. Die Mindestabwesenheit beträgt vier Spiele. Wird ein Spieler vor dem Start der regulären Saison auf IR gesetzt, darf er in dieser Saison nicht mehr zurückkehren - es sei denn der Spieler kriegt ein spezielles Label, das es ihm erlaubt, wieder aktiviert zu werden. Diese Label trägt den Namen: designated to return. Teams können dieses Label für Spieler während der regulären Saison bis zu achtmal benutzen, wenn sie in die Playoffs kommen, sogar zehnmal.
Diese Regelung erlaubt es Teams, verletzte Spieler, die voraussichtlich im Laufe der Saison zurückkehren könnten, vorübergehend aus dem 53-Mann-Kader zu streichen und dafür einen Ersatz zu nominieren. Sobald der verletzte Spieler wieder fit ist, kann das Team ihn mit Hilfe des Labels (designated to return) reaktivieren - er erhält seinen Platz im Kader zurück, während ein anderer Spieler weichen muss. Auf diese Weise behalten die Teams ihre verletzten Leistungsträger im erweiterten Kader und können gleichzeitig für Ersatz sorgen, ohne das Recht auf eine spätere Rückkehr des Spielers zu verlieren.
Wenn ein Spieler von der IR-Liste aus medizinischer Sicht wieder trainieren darf, hat das Team 21 Tage Zeit, den Spieler zu aktivieren. In diesem Zeitraum kann der Spieler aber auch getradet, entlassen oder auf die Season-Ending IR gesetzt werden. Sollte Letzteres eintreten, darf der Spieler in dieser Spielzeit nicht mehr eingesetzt werden.
Ob Verletzung, Krankheit oder Kader-Taktik: Die Vielzahl an Kategorisierungen in der NFL kann auf den ersten Blick überwältigend wirken. Doch wer versteht, was sich hinter IR, PUP oder NFI verbirgt, durchblickt die Entscheidungen der Teams und erkennt, was sich wirklich hinter einem Roster Move verbirgt - besonders in der hektischen Preseason.
Valentin Rödiger