vor 10 Stunden
Endspiel um den direkten Klassenerhalt
Für die Berlin Rebels und die Braunschweig Lions wird der letzte Spieltag zum Endspiel um den direkten Klassenerhalt. Der Sieger rettet sich, der Verlierer muss in die Play-Downs - und am Ende könnten Nerven und vermeidbare Fehler den Ausschlag geben.

Am Samstag geht es um nichts geringeres als die sportliche Existenz zweier GFL-Größen. Wenn die Berlin Rebels um 16 Uhr im Mommsenstadion die Braunschweig Lions empfangen, steht mehr auf dem Spiel als nur die Entscheidung über Sieg oder Niederlage. Der Verlierer dieser Partie muss in die Play-Downs gegen den Siebten der GFL Süd. Der Sieger darf die Saison mit dem direkten Klassenerhalt abschließen.
Berlin hat seine Playoff-Träume längst begraben und steht bei einer Bilanz von 2-8. Braunschweig liegt mit 3-8 ebenfalls am Tabellenende der GFL Nord. Das Hinspiel in Braunschweig ging knapp an die Rebels, ist für die Entscheidung am Samstag aber nicht mehr ausschlaggebend.
Deswegen heißt es ganz simpel: Wer gewinnt, wendet die Play-Downs ab. Für den Verlierer gibt es am Ende keine Ausreden. Auf ihn wartet im Hin- und Rückspiel um den Klassenerhalt voraussichtlich ein Duell mit den Allgäu Comets.
Berlin bewegt den Ball. Im Schnitt 237,9 Yards pro Spiel sind kein Totalausfall. Doch die Rebels bringen ihre Drives zu selten zu Ende, was zuletzt auch bei der Niederlage gegen die Hildesheim Invaders erneut auffiel. Mit 14,7 Punkten pro Spiel stellt Berlin die schwächste Offense der Nord-Gruppe.
Quarterback Tyquell Fields bleibt dabei der Schlüssel. Er ist athletisch und erfahren und kann im Zweifel selbst für neue First Downs sorgen. Bei seinen Pässen fehlt allerdings die nötige Zuverlässigkeit. Obendrein kann er sich nicht auf die Finishing-Qualität seines Running Backs Naz Bombata aus der vergangenen Saison verlassen, der seine berüchtigte Durchschlagskraft in diesem Jahr vermissen lässt. Auch der kurzfristige Umbau der Offensive Line konnte daran bislang nichts ändern.
Die Defense um Linebacker Paul Seifert, Lineman Jonas Gacek und Defensive Back Exavier Edwards zeigte gegen Hildesheim endlich wieder, wie physisch und giftig sie sein kann, wenn Moral und Wille stimmen. Turnover, Pressures und krachende Tackles waren an der Tagesordnung. Im Alleingang konnte die Abwehr die Niederlage jedoch nicht verhindern. Hoffnung auf das entscheidende Spiel der Regular Season macht ihre Leistung trotzdem.
Braunschweig kommt derweil mit viel Positivität in die Hauptstadt. Unter Head Coach Brayden McCombs starteten die Löwen mit einem brutalen Auftaktprogramm. Niederlagen gegen Dresden, Potsdam und Hildesheim ließen die junge Truppe jedoch nicht verzagen. Die Lions haben den Abstiegskampf vom ersten Tag an angenommen, statt ihre schwierige Lage nach dem Rückzug des Namenssponsors zu verdrängen.
Es folgten Siege gegen Düsseldorf, Straubing und Saarland. So bewies die Mannschaft, dass sie in der GFL mithalten kann und sich ihrem Schicksal als Abstiegskandidat nicht kampflos ergibt.

Offensiv hat Braunschweig ein rundes Paket geschnürt. Quarterback Ryon Thomas ist ein echter Dual Threat in dieser Liga. Er kommt auf 2287 Passing Yards und 18 Touchdowns sowie 868 Rushing Yards und neun weitere Scores am Boden.
Mit Peter Anderson hat er zudem den mit Abstand produktivsten Receiver dieser Partie auf dem Feld. Anderson fing 70 Pässe für 982 Yards und zehn Touchdowns. Ergänzt wird er durch Leon Kusterer und Jonathan ter Horst.
Taylor-Allen Pawelkoski mit 59,5 Tackles und Brandon Potts mit vier Interceptions liefern in der Defense wichtige Playmaking-Fähigkeiten. Insgesamt kommt Braunschweig allerdings auf nur elf Sacks. Verlassen können sich die Lions dafür auf ihre traditionell starke Arbeit in den Special Teams.
Wir werden in diesem Spiel mit Sicherheit zwei angespannte Teams sehen. Turnover werden voraussichtlich keine Seltenheit sein. Gerade Berlin ist hier anfällig, sammelt aber auch selbst viele Interceptions des Gegners ein. Braunschweig agiert wesentlich kontrollierter und konservativer.
Hier könnte die Entscheidung fallen. Die Rebels wollen Ryon Thomas zu Fehlern zwingen, doch der Quarterback bewahrt einen kühlen Kopf. Der Heimvorteil könnte aufgrund der katastrophalen Saison für Berlin sogar zur zusätzlichen Belastung werden. Wenn die Lions ihr Laufspiel etablieren und sich über die Special Teams wichtige Feldvorteile erarbeiten, dürfte das diszipliniertere Team weniger liegen lassen.
Es wird ein enges, hässliches und hochemotionales Spiel voller Fehler auf beiden Seiten - zumindest, wenn es nach den Berlinern geht. Am Ende gewinnt jedoch die Mannschaft mit der größeren Sicherheit und mehr Köpfchen.
Obwohl ich auf dem Papier die Rebels und vor allem ihre Defense vorne sehe, ist die Gefahr vermeidbarer Fehler und Strafen bei den Hauptstädtern zu groß. Ryon Thomas macht mit seinem kontrollierten Spiel und einigen explosiven Plays den Unterschied. Die Niedersachsen fahren mit einem Sieg nach Hause. Berlin muss in die Play-Downs.
Philipp Forstner