27.01.2026
Trotz enttäuschender Saison
Bei den Cleveland Browns gibt es inmitten vieler Quarterback-Sorgen einmal ungewöhnlich positive Schlagzeilen - allerdings mit einem dicken Fragezeichen. Rookie Shedeur Sanders wurde US-Medien zufolge als Pro-Bowl-Alternate nominiert und rückt damit ins AFC-Roster nach. Eine Berufung, die ligaweit für hochgezogene Augenbrauen sorgt.

Sanders, erst in der fünften Runde des Drafts 2025 ausgewählt, profitierte demnach von einer Kettenreaktion: Drake Maye nimmt als Super-Bowl-Teilnehmer nicht am Pro Bowl teil - so landet als sein Ersatz plötzlich ein Browns-Quarterback im Pro Bowl, dessen Saisonstatistik objektiv kaum dafür spricht. Die weiteren Quarterbacks aus der AFC sind Josh Allen (Buffalo Bills) und Justin Herbert (Los Angeles Chargers).
Sanders begann die Saison als Backup, rückte nach dem Trade von Joe Flacco zunächst auf Platz zwei vor und wurde schließlich Starter, als Rookie Dillon Gabriel mit einer Gehirnerschütterung ausfiel. In seinen sieben Starts führte Sanders die Browns zu drei Siegen, die individuellen Leistungen blieben dabei jedoch überschaubar: 56,6 % Completion Rate, rund 1400 Yards, 7 Touchdowns bei 10 Interceptions und ein Passer Rating von 68,1.
Auch die Advanced Metrics zeichnen kein freundlicheres Bild. Laut PFF belegte Sanders unter 43 qualifizierten Quarterbacks Platz 42, wurde 23-mal gesackt und hielt den Ball im Schnitt 3,3 Sekunden - der höchste Wert der Liga.
Wie ungewöhnlich die Nominierung tatsächlich ist, zeigt außerdem ein Blick auf einen anderen Quarterback der AFC, Trevor Lawrence: Der Spielmacher der Jaguars spielte statistisch eine deutlich stärkere Spielzeit, blieb jedoch ohne Pro-Bowl-Berufung. Lawrence kam auf 38 Touchdowns, 12 Interceptions und 4366 Passing Yards, wurde sogar für die MVP-Abstimmung nominiert und war über weite Strecken einer der konstantesten Quarterbacks der Liga.
Entsprechend laut fällt die Kritik aus. Marcus Spears (Ex-Profi, v.a. Dallas Cowboys) beispielsweise sprach via ESPN von einer reinen PR-Nominierung - auch, weil Sanders als Sohn von Deion Sanders nach wie vor eine der gehyptesten und meistdiskutierten Persönlichkeiten der NFL ist.
Ganz neu ist diese Art von Kontroverse zumindest nicht. Bereits 2022 wurde etwa Tyler Huntley mit überschaubarer Leistung (2 TDs, 3 INTs) als Ersatz in den Pro Bowl berufen. Die aktuelle Situation fügt sich damit nahtlos in den Ruf des Events ein: sportlich wenig aussagekräftig, personell oft zufallsgetrieben.
Fakt ist: Sanders wird als Pro-Bowler geführt - unabhängig davon, wie ungewöhnlich sein Weg dorthin war. Für die Browns ist es ein kleiner Prestige-Moment, für Sanders persönlich ein symbolischer Meilenstein. Sportlich bleibt die Nominierung jedoch erklärungsbedürftig - und gibt damit gleichzeitig einen weiteren Hinweis darauf, dass der Pro Bowl eher Show als wirklicher Leistungsnachweis ist.
mhh