27.02.2026
Karriere aus dem Märchenbuch
Oft wird drüber gesprochen, aber selten wird sie wirklich gelebt: Die Cinderella-Story. Die Geschichte von einem Underdog, der sich ins Rampenlicht bringt. Doch genau das ist die Karriere von Kurt Warner, ein Mann, der nie aufgegeben hat an seine Träume zu glauben.

Lange unterschätzt, von vielen nicht gesehen und so viele Steine auf seinem Weg, die wohl einige andere nicht weggeräumt hätten. Nicht aber Warner.
Aller Anfang ist schwer und genau davon kann Warner wohl ein Lied singen. Nach einer soliden High-School-Karriere, die dort im State Team endete, hielten sich die Angebote der Colleges in Grenzen. Aus pragmatischen Gründen entschied er sich an die heimische University of Northern Iowa zu gehen. Dort musste er sich bis zu seinem letzten Jahr ganz weit hinten anstellen und war nur als dritter Quarterback gesetzt. Als er letztendlich doch die Chance bekam, war es zu spät. Experten sahen in ihm nicht das NFL-Potential und er blieb ungedraftet.
Zunächst landete er im Trainingscamp der Green Bay Packers. Um sich sein Leben zu finanzieren, arbeitete er währenddessen noch als Co-Trainer bei Northern Iowa und eben in einem örtlichen Supermarkt - für magere 5,50$ die Stunde. Das reichte für ein einfaches Leben. Mit seiner jetzigen Frau Brenda verbrachte er damals seine Zeit im Keller ihrer Eltern. 1994 wurde er dann von den Packers aus dem Camp entlassen. "Ich habe den Jungs im Supermarkt immer gesagt, dass ich eines Tages wieder spielen werde. Sie sahen mich als jemanden, der nicht loslassen kann“, erzählt Warner.
Ein Jahr später bot sich dann eine neue Möglichkeit: Arena-Football. Zwar rief nicht die NFL, doch bei den Iowa Barnstormers wuchs er zu einer wahren Größe heran. Bis heute gilt er als einer der besten und erfolgreichsten Arena-Spieler jemals. Nach zwei guten Jahren dort wurde das erste Team der NFL auf ihn aufmerksam und die Chicago Bears luden ihn zu einem Probetraining ein. Doch auch dort konnte er auf kuriose Art und Weise nicht teilnehmen: In den Flitterwochen auf Jamaika biss ihn eine Spinne, weswegen er seinen Wurfarm nicht mehr richtig bewegen konnte.

Doch dann war es endlich soweit. 1998 fassten sich die St.Louis Rams ein Herz und gaben Warner eine Chance. Er musste zwar nochmals einen kleinen Abstecher in der NFL Europe bei den Amsterdam Admirals machen, um genug Spielpraxis zu sammeln, doch dann schaffte er es in den NFL-Kader. Dort spielte er dann seine erste Saison als dritter Quarterback. Als zu seinem zweiten Jahr beide vorherigen Quarterbacks entlassen wurden, rückte er als zweiter Spielmacher hinter Neuverpflichtung Trent Green auf. Dieser verletzte sich bereits Anfang der Saison und somit wurde Warner zum Starting Quarterback der Rams.
Das war der Moment auf den der damals schon 28-Jährige so lange gehofft und gewartet hatte. Und er nutzte ihn. Schnell wurde er zum absoluten Leader und generierte zusammen mit seiner Offense den Spitznamen "The Greatest Show on Turf". Die Rams hatten damit eine der produktivsten und legendärsten Offensiven der NFL-Historie. Nach Jahren des sportlichen Misserfolgs holten die Rams in diesem Jahr den Super-Bowl-Sieg. Warner wurde in dieser Spielzeit als Most Valuable Player ausgezeichnet.
Es folgten weitere schwierige Jahre. Zwischen 2002 und 2004 hatte Warner mit Dauer-Verletzungen zu tun, die dazu führten, dass die Rams ihn entließen. Nach einer kurzen Zwischenstation bei den Giants, landete er schließlich bei den Arizona Cardinals - dort erstmal wieder als Backup hinter Rookie Matt Leinart. In der Saison 2008 setzte sich Warner dann als Starter durch und schrieb seine Wunder-Geschichte weiter. In dieser Spielzeit brachte er die Cardinals zum ersten Mal in ihrer Franchise-Geschichte in das NFC Championship Game und dann in den Super Bowl. Diesen verloren sie zwar gegen die Steelers, doch Warners Einsatz bleibt unvergessen. 2010 kündigte er dann sein Karriereende an, nachdem er 2009 die Cardinals erneut in die Playoffs gebracht hatte.
Auch heute bleibt Kurt Warner ein Leader. Er arbeitet viel mit Kindern, setzt sich für den Bau von Spielplätzen ein, hilft Flutopfern und baut Häuser für sozial benachteiligte Familien. "Wir bekommen so viel mehr wenn wir geben, als wenn wir nehmen“, betont der heute 44-Jährige immer wieder. Und wenn es eins gibt, was jeder von Warner mitnehmen kann, dann ist es immer an sich zu glauben und für seine Träume zu kämpfen. "Ich bin wo ich bin, weil ich niemals aufgegeben habe". 2021 kam ebenfalls der Film American Underdog raus, der seine Geschichte erzählt. 2017 wurde er in die Pro Football Hall of Fame aufgenommen.
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lgr