30.10.2026
Zwei Teams, zwei Fehlstarts
Das Duell zwischen den Los Angeles Rams und den Los Angeles Chargers sollte eigentlich ein Aufeinandertreffen zweier ambitionierter Teams werden. Beide gingen mit großen Erwartungen in die Saison, doch nach sieben Wochen sieht die Realität anders aus: Die Rams stehen bei 3-4, die Chargers sind mit 0-6 sogar noch sieglos. Der LA-Bowl findet damit unter ganz anderen Vorzeichen statt als erwartet.

Am Sonntag treffen die beiden Teams aus L. A. im SoFi Stadium aufeinander. Die Rollen sind dabei klarer verteilt, als es vor Saisonbeginn zu erwarten gewesen wäre. Die Rams wollen den Anschluss an die Playoff-Plätze nicht verlieren, während die Chargers endlich ihren ersten Saisonsieg einfahren müssen. Der L. A.-Bowl steht damit unter ganz anderen Vorzeichen als ursprünglich gedacht.
Die Ausgangslage der Rams ist auf den ersten Blick durchaus paradox. Mit 399,1 Yards pro Spiel stellt das Team von Sean McVay bislang die beste Offense der gesamten NFL. Auch Quarterback Matthew Stafford liefert starke Zahlen. Mit 1.989 Passing Yards und 14 Touchdowns gehört er zu den produktivsten Spielmachern der Liga. Trotzdem steht Los Angeles bei lediglich drei Siegen aus sieben Partien.
Vor allem die knappen Niederlagen haben die Bilanz belastet. Vier der ersten sieben Spiele entschieden sich mit vier oder weniger Punkten Unterschied. Drei davon gingen verloren. Besonders bitter waren die Niederlagen gegen die Buffalo Bills und die Arizona Cardinals, bei denen die Rams trotz guter Möglichkeiten ohne Sieg blieben.
Der jüngste 35:21-Erfolg gegen die Las Vegas Raiders könnte nun ein wichtiger Schritt gewesen sein. Die Offense zeigte erneut ihr Potenzial und verschaffte sich etwas Luft. Allerdings bleibt die Personalsituation ein Problem. Mehrere wichtige Spieler fehlen oder sind angeschlagen, sodass McVay auch gegen die Chargers improvisieren muss.
Die Erwartungen waren vor der Saison deutlich höher. Die Rams wurden als ernsthafter Super-Bowl-Anwärter gehandelt. Davon ist die Mannschaft nach sieben Spieltagen zwar noch nicht vollständig entfernt, doch die bisherige Bilanz lässt wenig Spielraum für weitere Ausrutscher.
Noch deutlich schwieriger ist die Situation beim Stadtrivalen. Die Chargers stehen nach sechs absolvierten Spielen bei null Siegen. Nach zwei Spielzeiten mit jeweils elf Erfolgen hatte man sich in Los Angeles eine Fortsetzung der positiven Entwicklung erhofft. Stattdessen ist die Mannschaft von Jim Harbaugh bislang eine der größten Enttäuschungen der Saison.
Besonders die Offensive bereitet Sorgen. Gerade einmal 15 Punkte pro Partie bedeuten den letzten Platz in der NFL. Auch die insgesamt erzielten 287,2 Yards pro Spiel reichen ligaweit nur für Rang 28. Quarterback Justin Herbert kommt bislang auf fünf Touchdowns bei acht Interceptions. Damit ist die Offensive weit von der Durchschlagskraft entfernt, die man ihr vor der Saison zugetraut hatte.
Dabei sind die Probleme nicht ausschließlich auf die Leistungen des Quarterbacks zurückzuführen. Die Chargers haben mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen. Besonders die Ausfälle in der Offensive Line erschweren es, einen konstanten Rhythmus zu entwickeln. Auch defensiv fehlen wichtige Leistungsträger. Safety Derwin James verpasste zuletzt Trainingseinheiten aufgrund einer Oberschenkelverletzung. Sein Einsatz gegen die Rams ist fraglich.
Immerhin konnten die Chargers vor dem Duell eine Bye Week nutzen, um sich neu aufzustellen. Diese Pause kommt angesichts der schwierigen Ausgangslage zur richtigen Zeit. Doch die Mannschaft muss schnell Antworten finden. Eine weitere Niederlage würde die ohnehin angespannte Situation nochmals verschärfen.
Obwohl beide Teams hinter den Erwartungen zurückbleiben, unterscheiden sich ihre Ausgangslagen deutlich. Die Rams verfügen weiterhin über eine der gefährlichsten Offensiven der Liga und haben bereits gezeigt, dass sie mit den besten Mannschaften mithalten können. Ihr Problem liegt weniger in der grundsätzlichen Qualität als vielmehr darin, Spiele konsequent zu gewinnen.
Bei den Chargers ist die Lage wesentlich ernster. Die Offensive funktioniert bislang kaum, die Verletzungssorgen sind groß und mit jeder Niederlage wird der Weg zurück schwieriger. Ein Sieg gegen den Stadtrivalen könnte zumindest einen dringend benötigten Neustart markieren.
Interessant ist auch die ungewöhnliche Heimspielkonstellation: Beide Mannschaften teilen sich das SoFi Stadium, am Sonntag sind die Chargers allerdings offiziell das Auswärtsteam. Die Rams haben somit den nominellen Heimvorteil, auch wenn die gemeinsame Spielstätte für beide längst zum Alltag gehört.
Auf dem Papier gehen die Rams als klarer Favorit in die Begegnung. Doch gerade für die Chargers könnte die Partie eine Gelegenheit sein, die eigene Saison noch einmal in eine andere Richtung zu lenken.
par