21.04.2026
Zwischen Rückschlägen und Hoffnung
Nach einem schwierigen Jahr mit den New York Jets zieht Leander Wiegand eine ehrliche Bilanz - und richtet den Blick gleichzeitig nach vorne. Zwischen persönlicher Weiterentwicklung, harter Realität im Profigeschäft und der Rückkehr zu Rhein Fire bleibt ein Ziel klar: die NFL.

Drei Siege zum Abschluss, viele Erkenntnisse - die Saison war alles andere als einfach. Doch genau in diesen Phasen zeigt sich, worauf es im Profisport wirklich ankommt: Charakter, Disziplin und die Fähigkeit, mit Niederlagen umzugehen.
Die Bilanz ist nüchtern, die Erkenntnis klar. "Ein zentrales Learning ist, dass am Ende nur das Ergebnis zählt", sagt Wiegand rückblickend auf die Saison mit den Jets. "Es spielt keine Rolle, wie knapp oder aus welchen Gründen man verliert - eine Niederlage bleibt eine Niederlage."
Gerade diese Konsequenz habe ihn geprägt. "Man muss Wege finden, Spiele zu gewinnen", betont er. Gleichzeitig sei der Umgang mit Rückschlägen entscheidend: "Man lernt, die eigene Arbeitsmoral hochzuhalten, auch wenn es nicht gut läuft."
Besonders wichtig sei dabei die mentale Stärke. "Gerade in schwierigen Phasen zeigt sich der Charakter eines Spielers. Wenn alles gut läuft, motiviert zu sein, ist nichts Besonderes. Die eigentliche Stärke zeigt sich, wenn es schwierig wird."
Auch individuell sieht er Fortschritte. "Ich habe mich besonders in meinem Get-Off im Run Game verbessert, sowohl in Zone- als auch in Gap-Konzepten", erklärt Wiegand. Vor allem die Basisarbeit habe sich ausgezahlt: "Meine ersten beiden Schritte sind besser geworden."
Im Passspiel hebt er vor allem Details hervor: "Ich habe Fortschritte beim Punch und beim Timing gemacht." Dennoch bleibt er selbstkritisch: "Es gibt noch Potenzial beim Pad Level und in den Details innerhalb der Spielsysteme." Hier sei vor allem eines entscheidend: Erfahrung. "Dort hilft zusätzliche Erfahrung."
Den Unterschied zwischen der European League of Football und der NFL beschreibt Wiegand deutlich. "Das durchschnittliche Tempo ist deutlich höher, ebenso Intensität und Aggressivität", sagt er über den Trainingsalltag in den USA. "Insgesamt ist alles ein Stück anspruchsvoller."
Gleichzeitig gebe es strukturelle Vorteile: "Man hat mehr Zeit, sich auf Trainingseinheiten vorzubereiten, wodurch mehr Wert auf Details gelegt wird." Besonders beeindruckt zeigt er sich vom Niveau der Spieler: "In der NFL sind die besten Athleten aus Highschool und College versammelt. Wenn man Football liebt, ist es beeindruckend zu sehen, wie gut diese Spieler ihre Aufgaben erfüllen."
Seine Rückkehr zu Rhein Fire ist kein Abschied vom großen Traum, sondern Teil des Plans. "Aktuell habe ich noch kein NFL-Team, bereite mich aber weiterhin auf diese Chance vor", stellt Wiegand klar. Wichtig sei es, im Rhythmus zu bleiben: "Im Football gibt es keine Zeit, sich langsam wieder einzugewöhnen."
Die Perspektive in Europa sieht er dennoch positiv: "Sollte kein Anruf kommen, freue ich mich darauf, mit Rhein Fire eine gute Saison zu spielen und vielleicht erneut Meister zu werden." Doch seine Priorität bleibt unverändert: "Plan A bleibt weiterhin die NFL."
Der Kontakt in die USA besteht weiterhin - wenn auch indirekt. "Mit den Jets aktuell nicht, aber mein Agent steht mit Teams in Kontakt", sagt Wiegand. Für ihn zählt vor allem die eigene Vorbereitung: "Ich konzentriere mich darauf, gut vorbereitet zu sein, falls sich eine Chance ergibt."
nkr