07.09.2026
Im exklusiven Interview
Von den Franken Knights über die Wyoming Cowboys bis auf die größte Bühne der NFL: Mark Nzeocha hat einen Weg hinter sich, den nur wenige deutsche Footballspieler geschafft haben. Dabei verlief seine Karriere keineswegs ohne Rückschläge. Ein Positionswechsel am College und ein Kreuzbandriss kurz vor dem Sprung in die NFL stellten den Linebacker vor große Herausforderungen.

Am Ende führte ihn sein Weg nicht nur zu den Dallas Cowboys und San Francisco 49ers, sondern auch in den Super Bowl. Im exklusiven Interview mit football-world spricht Nzeocha über die entscheidenden Stationen seiner Karriere, die Zweifel nach seiner schweren Knieverletzung und den Moment, in dem ihm auf der größten Bühne des Footballs bewusst wurde, wie weit er gekommen war.
Seine ersten Schritte im Football machte Nzeocha bei den Franken Knights. Schon früh traf er dort auf amerikanische Coaches, die in dem jungen Deutschen das Potenzial für den nächsten Schritt erkannten. "Ich hatte früh amerikanische Coaches, die mir viel Erfahrung und Spielverständnis mitgegeben haben und mir dann irgendwann gesagt haben: Du hast vielleicht die Chance oder das Potenzial, in den USA zu spielen."
Für Nzeocha war es der Moment, in dem aus einer weit entfernten Möglichkeit erstmals ein konkretes Ziel wurde. "Das war das erste Mal, dass ich wirklich gedacht habe: Okay, vielleicht ist das eine Möglichkeit."
Über die deutsche Junioren-Nationalmannschaft gelang ihm schließlich der Sprung in die USA. Nzeocha landete bei den Wyoming Cowboys und verbrachte dort vier Jahre am College.
In Wyoming musste sich Nzeocha allerdings zunächst neu erfinden. Der Deutsche kam ursprünglich als Safety, wechselte anschließend jedoch auf Linebacker. Eine Umstellung, die weit mehr erforderte als lediglich eine neue Positionsbezeichnung. "Vor allem der Wechsel von einer Position auf die andere war etwas, das sehr schwer für mich war. Ich musste meine Technik komplett neu lernen."
Im dritten College-Jahr zahlte sich die Arbeit aus. Nzeocha schaffte den Durchbruch als Fulltime Starter und entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der Defense. In seinem vierten Jahr war er schließlich auf dem Weg zu einer seiner besten Spielzeiten. "Ich hatte bis dahin eine sehr, sehr gute Saison gespielt und statistisch in mehreren Kategorien zu den Besten des Teams gehört. Ich hatte, glaube ich, die meisten Tackles im Team und lag auch bei Sacks und Pass Breakups weit vorne." Dann folgte der Rückschlag.
Im siebten Spiel seiner letzten College-Saison riss sich Nzeocha das Kreuzband. Plötzlich ging es nicht mehr nur um seine Leistungen auf dem Feld, sondern um die grundsätzliche Frage, ob sein Traum von der NFL überhaupt noch realistisch war. "Das war natürlich erst einmal ein herber Rückschlag. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht, wie es weitergeht, ob die NFL überhaupt noch ein Thema sein würde und ob das noch funktioniert."
Aufgeben kam für Nzeocha dennoch nicht infrage. Stattdessen begann der Kampf zurück auf das Football-Feld. "Ich habe dann trotzdem die Reha so aggressiv angegangen, wie ich konnte."
Die Dallas Cowboys gaben ihm trotz der schweren Verletzung seine Chance und wählten Nzeocha schließlich in der siebten Runde des NFL Drafts an Position 236 aus. Rückblickend sieht der ehemalige Linebacker gerade die schwierigen Phasen seiner College-Zeit als entscheidend für seine weitere Karriere. "Ich denke, wenn du im Leben durch schwierige Phasen gehst, dann gibst du entweder auf oder du passt dich an und arbeitest noch härter, um sie zu meistern."
Für Nzeocha waren der Positionswechsel und die Knieverletzung damit nicht nur Hindernisse auf seinem Weg in die NFL. "Durch diese schwierigen Zeiten, auch mit meinem Knie und meiner Knieverletzung, stärker herauszukommen, hat mich, glaube ich, auf den Sprung in die NFL vorbereitet."
Seinen sportlichen Höhepunkt erlebte Nzeocha später im Trikot der San Francisco 49ers. Nach der Saison 2019 erreichte er mit dem Team den Super Bowl in Miami. Die knapp zwei Wochen vor dem Endspiel hatten mit einer gewöhnlichen Game Week allerdings nur wenig gemeinsam. "Du hast die Opening Night. Gleichzeitig musst du irgendwo noch deine Practices und deine Preparation unterbringen. Also es war schon viel los."
Neben Training und Meetings standen zahlreiche Medientermine an. Gleichzeitig waren Familie und Freunde aus Deutschland angereist. Für die Spieler bestand die Herausforderung darin, zwischen dem gesamten Rummel weiterhin die Vorbereitung auf das wichtigste Spiel ihrer Karriere in den Mittelpunkt zu stellen. "Als Spieler ist es fast schon schwierig, den Fokus auf das Game zu behalten, weil eben so viel los ist."
Selbst am Abend suchte Nzeocha deshalb noch Zeit für seine Vorbereitung. "Ich habe es trotzdem irgendwie geschafft, abends eine Stunde vor dem Schlafengehen noch ein bisschen meine Plays durchzugehen und mich vorzubereiten."
So außergewöhnlich die Rahmenbedingungen waren, innerhalb des Teams lautete die Devise, den Super Bowl möglichst gewöhnlich zu behandeln. "Im Endeffekt musst du einfach versuchen, es so sehr wie möglich wie ein normales Game zu behandeln."
Das galt selbst für Details, die den Super Bowl deutlich von einem normalen NFL-Spiel unterscheiden. Durch die große Halftime Show verbringen die Spieler beispielsweise wesentlich mehr Zeit in der Kabine als während einer gewöhnlichen Halbzeitpause. Entscheidend war für die 49ers dennoch nur das Spiel. Genau diese Botschaft habe der damalige Coaching Staff immer wieder vermittelt. "Hey, ich weiß, hier ist viel los. Aber im Endeffekt ist es unser Job, dieses Football-Spiel zu spielen. Danach können wir uns um alles andere kümmern."
Für Nzeocha und die 49ers endete der Abend sportlich nicht wie erhofft. San Francisco musste sich geschlagen geben. An der Bedeutung des Moments für seine eigene Karriere änderte das jedoch nichts.
Die NFL Regular Season sehen Fans ab dem 13.9. jeden Sonntag ab 19:00 Uhr bei RTL im Free-TV sowie auf Sky Sport und RTL+. Mark Nzeocha meldet sich erstmals live bei RTL vom Spiel Washington Commanders at Philadelphia Eagles.
nkr