22.10.2026
Die QB´s im Vergleich
Im NFL Draft 2024 lagen zwischen Caleb Williams und Drake Maye gerade einmal zwei Picks. Gut zweieinhalb Jahre später gehören beide zu den Gesichtern ihrer Franchises - ihre bisherigen Wege durch die NFL könnten allerdings kaum unterschiedlicher verlaufen sein.

Williams hat mehr Passing Yards gesammelt und geht äußerst vorsichtig mit dem Football um. Maye kann dagegen bereits einen Super-Bowl-Einzug, zwei Pro-Bowl-Nominierungen und eine Saison als MVP-Finalist vorweisen. Vor dem direkten Duell zwischen Bears und Patriots lohnt sich der Vergleich ihrer bisherigen Karrieren.
Für die Chicago Bears gab es beim NFL Draft 2024 wenig zu überlegen. Mit dem ersten Pick entschieden sie sich für Williams, der bereits am College als außergewöhnliches Quarterback-Talent gegolten hatte.
New England musste nur zwei Picks länger warten. Die Patriots wählten Maye an Position drei und machten damit ebenfalls früh deutlich, um wen sie ihre Zukunft aufbauen wollten.
Williams wurde in Chicago sofort zum Starter und absolvierte als Rookie alle 17 Spiele. Maye musste dagegen zunächst hinter Jacoby Brissett warten, bevor er während seiner Rookie-Saison übernahm und 13 Partien absolvierte.
Bereits in ihrem ersten Jahr zeigten sich Unterschiede. Williams beendete 2024 mit 3.541 Passing Yards, 20 Touchdowns und nur sechs Interceptions. Maye kam in weniger Spielen auf 2.276 Yards, 15 Touchdowns und zehn Interceptions.
In ihrer zweiten Saison veränderte sich der Vergleich deutlich. Maye machte einen gewaltigen Entwicklungssprung. Der Patriots-Quarterback brachte 72 Prozent seiner Pässe für 4394 Yards und 31 Touchdowns bei nur acht Interceptions an. Mit einem Passer Rating von 113,5 führte er die gesamte NFL an. Auch seine Completion Percentage und seine 8,93 Yards pro Passversuch waren Liga-Bestwerte.
Die Leistungen brachten Maye seine zweite Pro-Bowl-Nominierung sowie einen Platz im Second-Team All-Pro ein. Bei der Wahl zum NFL MVP musste er sich lediglich Matthew Stafford geschlagen geben. Noch größer war allerdings der Erfolg mit seinem Team.
New England marschierte durch die Playoffs bis in den Super Bowl LX. Maye gewann die ersten drei Postseason-Spiele seiner Karriere und erreichte den Super Bowl noch vor seinem 24. Geburtstag. Erst dort endete der Lauf der Patriots gegen die Seattle Seahawks.
Williams entwickelte sich 2025 ebenfalls weiter. Mit 3942 Passing Yards stellte er einen neuen Saisonrekord der Bears auf und steigerte sich auf 27 Touchdown-Pässe. Er warf dabei lediglich sieben Interceptions. Individuell und vor allem beim Teamerfolg setzte sich Maye in dieser Saison allerdings deutlich ab.
Ein Bereich, in dem Williams seit seinem Eintritt in die NFL herausragt, ist die Vermeidung von Interceptions. Nach seinen ersten 37 Regular-Season-Spielen steht der Bears-Quarterback bei 8.195 Passing Yards, 50 Touchdowns und gerade einmal 14 Interceptions.
Seine Interception-Rate von rund 1,2 Prozent ist die niedrigste unter allen NFL-Quarterbacks mit mindestens 1000 Passversuchen. Das zeigt sich auch im direkten Vergleich mit Maye. Der Patriots-Quarterback hat zwar mehr Touchdown-Pässe und ein deutlich besseres Karriere-Passer-Rating, gleichzeitig aber auch wesentlich mehr Interceptions produziert.
Williams hat zudem bereits die Marke von 50 Passing Touchdowns erreicht, bevor er seine 15. Interception warf. Ein Kunststück, das vor ihm nur Patrick Mahomes und Lamar Jackson gelungen war.
Bei der Effizienz spricht dagegen vieles für Maye. Sein Passer Rating liegt über die bisherige Karriere deutlich über dem Wert von Williams. Insbesondere seine Saison 2025 hat den Vergleich verschoben.
Williams kommt nach seinen ersten 37 Regular-Season-Spielen auf: 8.195 Passing Yards | 50 TD | 14 INT | 89,9 Passer Rating
Maye besitzt weniger Karriere-Passing-Yards, produziert aber effizienter und hat bereits mehr Touchdown-Pässe gesammelt. Gleichzeitig sind beide Quarterbacks auch mit den Beinen gefährlich und haben jeweils annähernd beziehungsweise mehr als 1000 Rushing Yards gesammelt.
Der Unterschied liegt vor allem darin, wie sie bislang zu ihren Zahlen gekommen sind. Williams hat den Football über seine gesamte Karriere außergewöhnlich gut geschützt. Maye erreichte dafür insbesondere 2025 ein Effizienzniveau, das ihn in die unmittelbare NFL-Spitze katapultierte.
Die aktuelle Saison hat dem Vergleich eine weitere Wendung gegeben. Williams verpasste aufgrund einer Hamstring-Verletzung drei Spiele, meldete sich zuletzt gegen die Atlanta Falcons aber eindrucksvoll zurück. Er brachte 30 seiner 36 Pässe für 305 Yards und einen Touchdown an und wurde anschließend zum NFC Offensive Player of the Week gewählt.
Damit steht er 2026 nach drei Einsätzen bei 712 Passing Yards, drei Touchdowns und nur einer Interception. Sein Passer Rating liegt bei 101,5.
Mayes Start in die Saison verlief wesentlich turbulenter. Nach seiner herausragenden zweiten NFL-Saison hatte er zunächst mit Turnovern zu kämpfen. Inzwischen haben sich die Patriots jedoch gefangen und stehen bei 4-2. Vor dem direkten Aufeinandertreffen besitzen damit sogar beide Teams den gleichen Record.
Nach gut zwei Jahren lässt sich deshalb kein einfacher Vergleich allein über Passing Yards oder Touchdowns ziehen. Williams besitzt nach aktuellem Stand mehr Karriere-Passing-Yards und hat mit nur 14 Interceptions außergewöhnlich wenige Fehler dieser Art produziert. Seine Entwicklung 2025 und seine bisherigen Auftritte 2026 zeigen zudem, dass er zunehmend effizienter wird.
Maye hat dagegen bereits bewiesen, dass er über eine komplette Saison auf einem Niveau spielen kann, das ihn in die MVP-Diskussion bringt. Zwei Pro-Bowl-Nominierungen, Second-Team All-Pro, Platz zwei bei der MVP-Wahl und der Einzug in den Super Bowl geben seiner bisherigen Karriere außerdem eine individuelle und sportliche Erfolgsbilanz, die Williams noch nicht vorweisen kann.
Zweieinhalb Jahre nach dem Draft ist die ursprüngliche Frage deshalb noch lange nicht endgültig beantwortet. Chicago entschied sich 2024 für Williams, New England bekam zwei Picks später Maye.
Nun treffen zwei Quarterbacks aufeinander, die längst nicht mehr nur über ihre Draftposition miteinander verbunden sind - sondern zu den wichtigsten Spielern der nächsten NFL-Generation gehören.
Autor: Niklas Kreuzer