vor 4 Stunden
GFL-Kolumne
Die GFL steht vor einem weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zur Professionalisierung. Während sich die Liga auf das große Finale am 3. Oktober in Dresden vorbereitet, sorgt eine Kooperation mit der University of Michigan für Aufmerksamkeit. Studierende der renommierten US-Universität sollen gemeinsam mit sechs deutschen Vereinen konkrete Lösungen für Fanentwicklung, Markenpositionierung und Sponsoring erarbeiten - und damit Impulse für die gesamte Liga liefern.

Am 3. Oktober 2026 ist es wieder so weit. Im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden steigt das große Finale. Der GFL Bowl kürt den 47. Deutschen Meister im American Football und wer da nicht dabei sein will, hat den Football nie wirklich geliebt. 2025 saßen über 22.000 Menschen im Stadion und nach allem, was man aktuell hört, wird diese Zahl 2026 nochmal getoppt.
Die GFL steuert auf das mit weitem Abstand größte Finale im American Football auf europäischen Boden in diesem Jahr hin. Neben den beiden Finalteilnehmern Potsdam Royals und Dresden Monarchs, die für gehörig Live-Action auf dem Feld sorgen sollen, dürfen sich Fans auf eine spektakuläre Halbzeitshow mit Fast Boy und auf die größte Fanzone vor dem Stadion freuen. Wer bereits letztes Jahr dabei war, weiß, dass beim Feuerwerk in Sachen Pyrotechnik nicht gespart wird, wenn nahezu alle namhaften American Football Vereine in Deutschland mit ihren Cheerleadern zusätzlich einheizen.
Doch das ist nur eine Woche vor dem großen Endspiel nicht die wichtigste Schlagzeile. Der Ligaverbund kooperiert ab sofort mit der University of Michigan. Ja, richtig gelesen. Die GFL geht eine Kooperation mit einer der renommiertesten Unis der USA im Bereich Sport Management ein. Als bekennender College-Football-Fan musste ich bei dem Namen kurz innehalten. Michigan ist für mich als Fan der Big Ten seit Jahren ein Fixstern im American Football. The Big House in Ann Arbor ist eine der traditionsreichsten Marken im gesamten amerikanischen Sport. Dass ausgerechnet dieser Name jetzt neben unserer GFL steht, hat schon eine gewisse Symbolkraft.
Aber es geht hier nicht um Glanz und einen bedeutsamen Namen, sondern auch um echte Inhalte. Studierende der University of Michigan übernehmen konkrete Fragestellungen ausgewählter GFL- und GFL2-Vereine zur Fanentwicklung, Markenpositionierung, Zuschauergewinnung, Mitgliederbindung und Sponsoring. Genau die Baustellen also, an denen unsere Liga seit Jahren arbeitet, um auf dem Weg in die Professionalität voranzuschreiten.
GFL-Geschäftsführer Torben Dill bringt es so auf den Punkt:
"Wir freuen uns über die Kooperation, weil wir uns dadurch nicht nur einen weiteren renommierten Namen in unser Netzwerk geholt haben, sondern vor allem, weil all unsere Vereine in der effect® ENERGY GFL und GFL2 von den gewonnenen Erkenntnissen profitieren werden. Die Verbindung aus wissenschaftlicher Perspektive und den ganz konkreten Herausforderungen unserer Clubs bietet uns die Chance, neue Ansätze zu entwickeln und diese anschließend ligaweit nutzbar zu machen."
Für die erste Runde hat man sich sechs Vereine mit ganz unterschiedlichen Ausgangslagen rausgepickt: Dresden Monarchs, Munich Cowboys, Schwäbisch Hall Unicorns, Rostock
Griffins, Kiel Baltic Hurricanes und Braunschweig Lions. Auf amerikanischer Seite begleitet Jan Boehmer, PhD, Assistant Professor Sport Management am Center for Sport Marketing Research der University of Michigan, das Projekt. Wenn man seinen Worten traut, merkt man, dass es hier für Michigan längst nicht um eine reine Gefälligkeit geht:
"Hier entsteht eine echte Win-win-Situation. Unsere Studierenden erhalten einen tiefen Einblick in das deutsche Vereinswesen und können ihr theoretisches Wissen an realen Fragestellungen anwenden. Das bereitet sie unmittelbar auf ihre zukünftigen Aufgaben im Sportbusiness vor. Gleichzeitig erhält die GFL praxisnahe Ergebnisse und Handlungsempfehlungen, die sie bei ihrer weiteren Entwicklung unterstützen können."
Seit dem 21. September 2026 ist es nun konkret. Vereine und Studierende lernten sich bereits in einer gemeinsamen Vorstellungsrunde kennen, dann ging es direkt in die Projektarbeit. Erster großer Baustein werden nun gemeinsame entwickelte Fan-Umfragen sein, aus denen Zielgruppen und Fan-Personas entstehen sollen. Danach analysieren die Studierenden die jeweilige Ausgangslage, identifizieren Datenlücken und erarbeiten handfeste Lösungsansätze für die beteiligten Clubs.
Was am meisten begeistert, ist die Tatsache, dass es keine Vereinsmeierei gibt, sondern dass die Ergebnisse am Ende der gesamten Liga zur Verfügung gestellt werden. Axel Streich, 1. Vorsitzender des Ligaverbundes, der noch die früheren Zeiten erlebte, als jeder Verein sich nur um seine Belange kümmerte, äußerte sich nun so:
"Wir freuen uns, dass wir unseren Vereinen mit dieser Zusammenarbeit einen weiteren konkreten Mehrwert bieten können. Dass die von der University of Michigan ausgewählten Vereine bereit sind, ihre Erkenntnisse und Ergebnisse anschließend mit den anderen Clubs zu teilen, zeigt auch, welchen Gemeinschaftsgeist wir innerhalb unserer Liga mittlerweile entwickelt haben. Wenn einzelne Vereine Wissen gewinnen und dieses der gesamten Liga zur Verfügung stellen, profitieren am Ende alle davon."
Es ist keine Selbstverständlichkeit, gewonnenes Wissen zu teilen, statt für sich zu behalten. Die Verantwortlichen in den Vereinen haben aber zunehmend verstanden, dass die Interessen der gesamten Liga im Vordergrund stehen müssen, damit es mit ihnen als einzelner Verein am Ende vorangeht. Hier hat die Geschäftsführung in den letzten Jahren immer wieder den Finger in die Wunde gelegt.
Die GFL-Führung um Torben Dill und Axel Streich liefert Monat für Monat den Beweis, dass die Liga nicht nur längst aus seinem Dornröschenschlaf erwacht ist, sondern so aktiv den Football in Deutschland und Europa gestaltet, wie kein anderer Verbund. Dafür stehen ein immer größer werdendes Finale in Dresden als sichtbares Aushängeschild der GFL und die wissenschaftliche Kooperation mit einer weltweiten Eliteuniversität für langfristigen und nachhaltigen Erfolg.
Wir dürfen uns riesig auf den 3. Oktober in Dresden freuen. Wenn diese Entwicklung anhält, wird es noch viele solcher Abende geben. Und wer weiß, was die nächsten großen Schritte sein werden, die uns die GFL bald als nächste Meilensteine zur Professionalisierung vorstellen wird.
Philipp Forstner