09.10.2026
Rams-QB in der Krise
4707 Passing Yards, 46 Touchdowns und die erste MVP-Auszeichnung seiner Karriere: Matthew Stafford spielte 2025 eine der besten Saisons seiner langen NFL-Laufbahn. Nur wenige Monate später zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild. Der Quarterback der Los Angeles Rams produziert zwar weiterhin reichlich Yards, leistet sich aber ungewöhnlich viele Fehler.

Nach vier Spielen steht Stafford bereits bei sechs Interceptions - nur zwei weniger als in der gesamten vergangenen Regular Season. Sein Passer Rating ist von 109,2 auf 80,5 abgestürzt. Die Frage drängt sich auf: Was ist mit dem amtierenden MVP los?
Der größte Unterschied zur vergangenen Saison ist schnell gefunden. Stafford beschränkte seine Fehler 2025 auf ein Minimum und warf bei 46 Touchdown-Pässen lediglich acht Interceptions.
2026 ist von dieser Ballsicherheit bislang wenig zu sehen. Nach vier Spielen stehen sechs Touchdowns ebenso vielen Interceptions gegenüber. Besonders problematisch ist dabei nicht nur die Anzahl, sondern auch der Zeitpunkt einiger Ballverluste.
Beim 24:20-Erfolg gegen die Philadelphia Eagles warf Stafford beispielsweise zwei Interceptions in der ersten Halbzeit. Die Rams-Offense fand lange kaum ihren Rhythmus und musste sich nach der Pause aus einem 10:20-Rückstand zurückkämpfen.
Staffords Zahlen verdeutlichen deshalb einen ungewöhnlichen Kontrast. Mit 1189 Passing Yards gehört er weiterhin zu den produktivsten Quarterbacks der NFL. Seine Effizienz kann mit seiner MVP-Saison bislang jedoch nicht mithalten.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt bei der Bewertung seines Saisonstarts. Stafford hat nicht plötzlich aufgehört, den Football über das Feld zu bewegen.
Durchschnittlich kommt der 38-Jährige auf knapp 300 Passing Yards pro Spiel. Seine hohe Yard-Zahl zeigt, dass Los Angeles mit Stafford weiterhin konstant Raumgewinn durch die Luft produziert.
Doch die entscheidenden Zahlen haben sich verschlechtert. Sein Passer Rating von 80,5 liegt deutlich unter den 109,2 aus der Vorsaison. Noch auffälliger ist die Entwicklung bei den Turnovern.
Stafford benötigte 2025 eine komplette Regular Season für acht Interceptions. 2026 hat er bereits nach vier Spielen drei Viertel dieses Wertes erreicht.
Die Bezeichnung "Downfall" greift deshalb trotzdem zu kurz. Vielmehr erlebt Stafford bislang eine Phase, in der große Produktion und mangelnde Effizienz ungewöhnlich weit auseinanderliegen.
Wie schmal der Grat derzeit ist, zeigte ausgerechnet das Spiel gegen Philadelphia. Stafford blieb ohne Touchdown-Pass und hatte mit seinen beiden Interceptions erheblichen Anteil daran, dass Los Angeles überhaupt in Rückstand geriet. Als die Rams ihren Quarterback am dringendsten benötigten, war vom fehleranfälligen Stafford der ersten Hälfte jedoch kaum noch etwas zu sehen.
Auf den letzten beiden entscheidenden Drives brachte er zwölf seiner 15 Pässe für 140 Yards an. Los Angeles drehte die Partie mit zwei Rushing Touchdowns von Kyren Williams und gewann noch mit 24:20.
Für Stafford war es bereits das 40. Fourth-Quarter-Comeback seiner Karriere. Gleichzeitig verbuchte er seinen 51. Game-Winning-Drive.
Es war beinahe die perfekte Zusammenfassung seines bisherigen Saisonstarts: Stafford brachte die Rams mit seinen Fehlern in Schwierigkeiten - und half anschließend entscheidend dabei, sie wieder herauszuführen.
Dass Stafford auch mit 38 Jahren noch Spiele entscheiden kann, steht für Sean McVay außer Frage. Gerade seine Fähigkeit, Fehler abzuhaken und beim nächsten Drive wieder aggressiv zu spielen, gehört seit Jahren zu den Eigenschaften, die der Rams-Coach an seinem Quarterback schätzt.
Auch die Umstände waren zuletzt nicht optimal. Puka Nacua verpasste aufgrund von Hüft- und Leistenproblemen zwei Spiele, ehe er gegen Philadelphia mit neun Receptions für 125 Yards eindrucksvoll zurückkehrte. Tight End Terrance Ferguson steht mit einer Knöchelverletzung auf der Injured Reserve.
Mit Nacua, Davante Adams und Kyren Williams verfügt Stafford dennoch über genügend Qualität in der Offense. Die fehlenden Waffen allein erklären seine sechs Interceptions deshalb nicht.
Viel Zeit, seinen Rhythmus wiederzufinden, bleibt Stafford nicht. In Week 5 wartet mit den Buffalo Bills bereits der nächste große Prüfstein. Los Angeles steht bei 2-2, Buffalo reist mit einer Bilanz von 3-1 ins SoFi Stadium.
Das Duell bietet Stafford die nächste Gelegenheit zu zeigen, dass die ersten vier Wochen tatsächlich nur eine Schwächephase waren.
Von einem echten "MVP Downfall" zu sprechen, wäre nach vier Spielen verfrüht. Dafür produziert Stafford weiterhin zu viele Yards und hat gegen Philadelphia eindrucksvoll bewiesen, dass seine Qualitäten in entscheidenden Situationen weiterhin vorhanden sind.
Die Warnsignale lassen sich allerdings ebenso wenig ignorieren. Sechs Interceptions, ein Passer Rating von 80,5 und ein Touchdown-Interception-Verhältnis von 6:6 entsprechen nicht dem Niveau eines amtierenden MVP.
Stafford ist nicht plötzlich zu einem schlechten Quarterback geworden. Doch wenn die Rams in dieser Saison wieder zu den ernsthaften Contendern gehören wollen, muss ihr MVP vor allem eine Eigenschaft aus dem vergangenen Jahr zurückfinden: seine Ballsicherheit.
nkr