22.07.2026
GFL-Kolumne
Alle reden über die aktuellen Standings in der GFL, aber kaum jemand über die großen Namen, die eine herausragende Saison erst möglich machen. Nach zehn Spieltagen zeichnet sich allmählich ab, wer es in die Playoffs schafft. Doch wer macht das MVP-Rennen? Sind es die üblichen verdächtigen US-Imports oder gibt es eine Überraschung?

Fangen wir mit den Quarterbacks an, denn für gewöhnlich geht die Trophäe an den wertvollsten Spieler einer Saison an einen Spieler der wichtigsten Position im American Football. Drequan Harris führt die Liga mit 2.311 Passing Yards und 25 Touchdowns an. Dazu erlief er noch 435 Yards und sechs Scores am Boden. Nach neun Spielen befindet er sich mit den Pforzheim Wilddogs und einer der besten Offenses der Liga klar auf Playoff-Kurs. Doch in den letzten Wochen kassierte er zwei Niederlagen in Folge.
Daher darf sich Nicholas Semptimphelter von den Munich Cowboys auch Hoffnung machen. Mit 2.246 Yards, 24 Touchdowns und der besten Completion-Rate von 68 Prozent in sieben Spielen ist er Harris ebenbürtig, wenn nicht sogar leicht voraus. Außerdem steht München aktuell vor Pforzheim. Das muss in der Debatte eine Rolle spielen.
Dann ist da Xeavier Bullock aus Potsdam, der still und leise die effizienteste Saison der drei Spielmacher hinlegt. 28 Passing und 5 Rushing Touchdowns sind Liga-Bestwert. Bullock ist der Spieler, der trotz des 7-1-Records seiner Royals ein wenig unterschätzt wird. Dabei befindet sich der letztjährige GFL-Bowl-MVP in einer herausragenden Verfassung.
Wer nur auf die Stat Sheets schaut, dem könnte ein weiterer großer Name im MVP-Rennen entgehen. Rocky Lombardi von den Dresden Monarchs mag nicht auf vergleichbare Zahlen kommen, doch er spielt sehr konstant und ruhig. Mit seiner Anwesenheit als Spielmacher haben die Elbstädter ihre Fehler minimiert und noch kein einziges Spiel verloren. Lombardi glückte sogar die Revanche gegen den dreifachen Serienmeister aus Potsdam.
Rayjuon Pringle ist der spannendste Fall der Liga, weil er sich in keine Schublade stecken lässt. 36 Catches für 675 Yards und 12 Touchdowns bei einer Fangquote von 78 Prozent sind allein schon MVP-würdig. Dazu kommen aber noch seine Einsätze aus dem Backfield und als Special Teamer für die Schwäbisch Hall Unicorns. Als reiner Wide Receiver kann er im MVP-Rennen nie an seinem Quarterback vorbeikommen. Doch erzielt er weitere Return-Touchdowns, macht ihn das zumindest zum wertvollsten Spieler außerhalb der Spielmacher.
Monteze Latimore kommt ebenfalls von Schwäbisch Hall. Üblicherweise hast du als Defender bei der Wahl zum MVP kaum eine Chance. Selbst in der NFL warten die besten Verteidiger seit nunmehr 40 Jahren auf ihre Auswahl. Doch Latimore erzielte in sieben Spielen sieben Interceptions und trug davon vier zurück in die gegnerische Endzone. Weitere Pass Breakups attestieren dem Cornerback eine historische GFL-Saison. Während wir uns bei den Quarterbacks in feinen Details verlieren können, sticht der Unicorns-Defender eindeutig heraus.
Manche Teams befinden sich gerade erst in der Halbzeit ihrer Saison. Eine Prognose im MVP-Rennen ist daher schwierig zu treffen. Vor drei Wochen wäre mein heißester Kandidat noch Drequan Harris gewesen. Jetzt holt Xeavier Bullock stark auf und auch Rayjuon Pringle drängt sich bei genauerem Hinsehen in die Debatte.
Das Rennen ist völlig offen. Es verspricht ein spannender und spaßiger Endspurt in der GFL-Saison zu werden. Monteze Lattimore lacht vielleicht am Ende zuletzt, wenn sich unter den Angreifern kein klarer Favorit ausmachen lässt. Die nächsten Wochen werden darüber entscheiden.
Philipp Forstner