vor 1 Stunden
Ausverkauf
Die Indianapolis Colts haben General Manager Chris Ballard entlassen. Vor der Trade Deadline rücken deshalb mögliche Abgänge in den Fokus, sollte sich die Saison nicht mehr drehen.

Nach dem Ballard-Aus könnten einzelne Colts-Spieler für andere Teams interessant werden. Entscheidend ist, bei welchen Leistungsträgern ein Wechsel realistisch wäre und welchen Gegenwert Indianapolis dafür erhalten könnte.
Mit einer Bilanz von 2-4 stehen die Colts nach sechs Spieltagen unter Druck. Die Entlassung von Ballard könnte eine Neubewertung des Kaders ermöglichen, ein größerer Ausverkauf ist aber keineswegs beschlossen. Teambesitzerin Carlie Irsay-Gordon betonte nach der Entscheidung ausdrücklich, dass die Saisonziele unverändert bleiben.
Trotzdem gibt es Gründe, sich mit möglichen Trades zu beschäftigen. Indianapolis hat seinen Erstrundenpick für den NFL Draft 2027 bereits im Trade für Cornerback Sauce Gardner abgegeben. Zusätzliche Draft-Picks könnten bei einem möglichen Neuaufbau deshalb besonders wertvoll sein. Vor allem Veteranen mit auslaufenden Verträgen dürften auf dem Markt interessant werden.

Josh Downs wäre einer der spannendsten Offensivspieler, über die andere Teams nachdenken könnten. Der 25-jährige Wide Receiver hat in seinen bisherigen vier NFL-Spielzeiten gezeigt, dass er eine verlässliche Anspielstation sein kann. 2024 fing er 72 Pässe für 803 Yards und fünf Touchdowns. In der laufenden Saison steht er nach sechs Spielen bei 24 Receptions für 289 Yards.
Downs bringt vor allem Qualitäten als beweglicher Receiver mit, der sich über kurze und mittlere Routen freiläuft und seinem Quarterback ein zuverlässiges Ziel anbieten kann. Für eine Offense, die mehr Optionen im Passspiel benötigt, wäre er eine interessante Ergänzung. Dazu kommt seine Vertragssituation: Downs befindet sich im letzten Jahr seines Rookie-Vertrags.
Ein Wechsel ist denkbar, aber nicht zwingend naheliegend. Downs ist noch jung und könnte auch bei einer Neuausrichtung ein wichtiger Bestandteil der Colts-Offense bleiben. Indianapolis hat zudem bereits Michael Pittman Jr. abgegeben und braucht weiterhin verlässliche Passempfänger. Nur wenn ein anderes Team ein überzeugendes Angebot macht oder die Colts keine gemeinsame Zukunft sehen, dürfte ein Trade ernsthaft infrage kommen.

DeForest Buckner gehört zu den prominentesten Spielern, die Indianapolis noch vor der Deadline abgeben könnte. Der 32-jährige Defensive Tackle produziert trotz des schwierigen Saisonstarts auf hohem Niveau. Nach sechs Spielen stehen für ihn vier Sacks und 18 Pressures zu Buche. Gerade der Druck aus der Mitte der Defensive Line ist für viele Mannschaften ein wichtiger Faktor, um gegnerische Quarterbacks aus dem Rhythmus zu bringen.
Buckners größter Vorteil für interessierte Teams ist seine sofortige Einsatzfähigkeit. Eine Mannschaft, die bereits um die Playoffs spielt, müsste keinen jungen Spieler erst entwickeln, sondern könnte einen erfahrenen Defensive-Tackle für die entscheidende Saisonphase verpflichten. Allerdings ist Buckner 32 Jahre alt und sein Vertrag läuft nach der Saison aus. Für einen potenziellen Abnehmer wäre er damit zunächst eine kurzfristige Verstärkung.
Buckner ist einer der plausibleren Kandidaten unter den großen Namen. Indianapolis müsste allerdings abwägen, ob der erhaltene Draft-Pick den sportlichen Verlust rechtfertigt. Wegen seines Alters und der Vertragssituation dürfte ein hoher Gegenwert schwieriger zu erzielen sein, auch wenn seine aktuelle Produktion für ihn spricht.

Mit Grover Stewart steht ein weiterer erfahrener Defensive Tackle im Kader. Der 32-Jährige ergänzt Buckner traditionell mit einem anderen Profil: Seine größte Stärke liegt darin, gegnerische Laufspielzüge im Zentrum zu stoppen und die Offensive Line zu beschäftigen.
In der Saison 2026 hat Stewart bislang 20 Tackles und einen halben Sack verbucht. Seine Leistungen sind nicht mehr ganz auf dem Niveau früherer Jahre, doch für ein Team mit Problemen in der Laufverteidigung könnte er weiterhin eine nützliche Ergänzung sein. Auch sein auslaufender Vertrag macht ihn als kurzfristige Verstärkung interessant.
Stewart könnte leichter abzugeben sein als Buckner, weil Indianapolis bei einem Veteranen im letzten Vertragsjahr weniger langfristige Perspektive aufgibt. Dafür wäre der erzielbare Gegenwert vermutlich überschaubar. Ein Pick in einer späteren Draft-Runde könnte für die Colts dennoch attraktiver sein, als Stewart nach der Saison möglicherweise ohne Gegenwert zu verlieren.

Auch Cornerback Charvarius Ward könnte auf dem Trade-Markt auftauchen. Der 30-Jährige bringt reichlich NFL-Erfahrung mit und hat bereits für die San Francisco 49ers gespielt, bevor er 2025 nach Indianapolis wechselte. Als Cornerback kann er eine Secondary verstärken, die gegen gute Receiver zu viele Probleme hat.
Seine Situation ist allerdings komplizierter als die von Buckner oder Stewart. Ward hatte seit seinem Wechsel mit Verletzungen, darunter mehreren Gehirnerschütterungen, zu kämpfen. Zudem waren seine Leistungen in Indianapolis nicht durchgehend überzeugend. Sein Vertrag läuft zwar über die Saison hinaus, enthält für das kommende Jahr aber kein garantiertes Geld. Das könnte einen Wechsel für einen interessierten Klub finanziell leichter kalkulierbar machen.
Ward ist ein möglicher Kandidat, allerdings dürfte seine Verletzungshistorie die Nachfrage begrenzen. Für ein Team, das kurzfristig einen erfahrenen Cornerback benötigt, könnte er dennoch interessant sein. Indianapolis müsste bei einem Deal vermutlich eher mit einem begrenzten Draft-Gegenwert rechnen.

Quenton Nelson wäre ein besonders spannender Name, sollte Indianapolis tatsächlich über einen größeren Umbruch nachdenken. Der 30-jährige Guard zählt seit Jahren zu den besten Spielern auf seiner Position. Seine Technik, seine Kraft im Laufspiel und seine Stabilität in Pass-Protection machen ihn zu einem zentralen Baustein der Offensive Line.
Auch in dieser Saison spielt Nelson auf hohem Niveau. Ein ambitioniertes Team könnte mit ihm einen wichtigen Schwachpunkt in der Offensive Line beheben. Anders als bei Buckner oder Stewart wäre ein Trade aber kein einfacher Verkauf eines älteren Veteranen. Nelson könnte auch dann noch ein wichtiger Leistungsträger sein, wenn Indianapolis seinen Kader neu ausrichtet.
Nelsons Vertrag läuft nach der Saison aus, weshalb die Colts zwar über einen Trade nachdenken könnten, um einen möglichen Abgang ohne Gegenwert zu vermeiden. Gleichzeitig wäre es naheliegend, ihn langfristig zu halten und mit einer Verlängerung zum Kern des Teams zu machen. Ein Wechsel dürfte deshalb ein entsprechend attraktives Angebot oder einen ausdrücklichen Wechselwunsch voraussetzen.

Auch Running Back Jonathan Taylor könnte theoretisch bei anderen Teams Interesse wecken. Mit seiner Explosivität und seiner Fähigkeit, Spiele am Boden zu kontrollieren, wäre er eine Verstärkung für zahlreiche Offenses. In der laufenden Saison hat er in sechs Spielen bereits sieben Rushing Touchdowns erzielt.
Allerdings haben die Colts erst im August 2026 seinen Vertrag verlängert. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sie Taylor langfristig als Teil ihrer Mannschaft sehen.
Anders als bei Spielern mit auslaufenden Verträgen hat Indianapolis bei Taylor erst vor wenigen Monaten eine Entscheidung für die Zukunft getroffen. Ein Trade würde dieser Planung widersprechen und wäre deshalb nur bei einer grundlegenden Neubewertung oder einem außergewöhnlichen Angebot vorstellbar.

Vor allem Playoff-Anwärter dürften die Situation in Indianapolis aufmerksam verfolgen. Ein Team mit realistischen Titelambitionen könnte vor der Deadline gezielt nach einem Defensive Tackle, einem Cornerback oder einem zusätzlichen Receiver suchen, statt auf die Entwicklung junger Spieler zu warten.
Die San Francisco 49ers sind dafür ein naheliegendes Beispiel. Nach sechs Spieltagen stehen sie bei 6-0 und gehören damit zu den ungeschlagenen Teams der NFL. Für einen solchen Contender kann es sinnvoll sein, den Markt auf kurzfristige Verstärkungen zu prüfen. Das bedeutet allerdings nicht, dass konkrete Gespräche zwischen San Francisco und Indianapolis bekannt wären.
Die Trade Deadline der NFL ist am 10. November. Bis dahin müssen die Colts entscheiden, ob sie an ihrem aktuellen Kader festhalten oder einzelne Spieler gegen Draft-Kapital eintauschen wollen.
Am ehesten dürften dabei DeForest Buckner und Grover Stewart in den Fokus rücken, weil beide erfahrene Defensive Tackles mit auslaufenden Verträgen sind. Charvarius Ward könnte bei entsprechendem Interesse ebenfalls ein Kandidat sein. Josh Downs wäre vor allem dann verfügbar, wenn ein Angebot die Colts überzeugt. Bei Quenton Nelson und Jonathan Taylor sprechen dagegen gewichtige Gründe für einen Verbleib.
Ein Ausverkauf ist nach Ballards Entlassung also keineswegs sicher. Sollte Indianapolis aber weiter zurückfallen, könnten andere NFL-Teams die Gelegenheit nutzen, sich vor dem Saisonendspurt gezielt zu verstärken.
par