30.09.2026
Notoperation an der Offensive Line
Die Green Bay Packers reagieren auf ihre historisch schwache Offensive Line mit einer beispiellosen Umbaumaßnahme mitten in der Saison. Mit Kevin Zeitler verpflichtete das Team bereits den dritten ehemaligen Erstrunden-Pick binnen weniger Tage - nach Laken Tomlinson und Mekhi Becton.

Der 36 Jahre alte Zeitler wurde 2012 von den Cincinnati Bengals an Position 27 gedraftet und bringt inzwischen 214 NFL-Spiele Erfahrung mit sowie eine Pro-Bowl-Auswahl aus dem Jahr 2023. Geboren und aufgewachsen im Großraum Milwaukee kehrt er quasi in seine Heimat zurück. Bereits am Samstag hatten die Packers Guard Laken Tomlinson (Nummer 28 im Draft 2015) vom Practice Squad der Dallas Cowboys verpflichtet, kurz darauf folgte die Verpflichtung von Tackle/Guard Mekhi Becton (Nummer elf im Draft 2020) für den eigenen Practice Squad.
Die Dringlichkeit der Maßnahmen unterstreichen die nackten Zahlen: Green Bay liegt mit 48,7 Rushing-Yards pro Spiel ligaweit auf dem letzten Platz, die insgesamt 146 Rushing-Yards nach drei Spielen markieren den niedrigsten Wert der Franchise-Geschichte seit mindestens 1933. Auch die Pass-Block-Win-Rate von 16 Prozent ist der schwächste Wert eines Teams nach drei Saisonspielen, seit ESPN diese Statistik 2017 einzuführen begann.
Zeitler verbrachte den Großteil seiner Karriere auf der Position des Right Guard - dort, wo der in seiner ersten Saison als Starter agierende Jacob Monk bislang zu kämpfen hatte. Tomlinson spielte überwiegend Left Guard, eine Position, auf der die Packers in ebenso vielen Spielen bereits drei unterschiedliche Starter aufgeboten haben. Becton wiederum kann sowohl auf beiden Guard- als auch beiden Tackle-Positionen eingesetzt werden. Zusätzlich verschärft wurde die Situation durch den Ausfall von Right Tackle Zach Bako-Bewele, der sich im Saisonauftakt eine saisonbeendende Knieverletzung zuzog.
Offensive Coordinator Adam Stenavich, der Tomlinson bereits früher bei den San Francisco 49ers coachte, schloss einen Einsatz der Neuzugänge bereits für die kommende Partie gegen die Tampa Bay Buccaneers nicht aus: "Ich denke, alles ist möglich, definitiv, also werden wir alles tun, um die besten Spieler aufs Feld zu bringen. Wir müssen erst sehen, wo sie mit dem Playbook und den Calls stehen, aber ja, alles ist möglich, und wir werden alle Optionen ausloten."
Zeitler selbst spielte in der vergangenen Saison für die Tennessee Titans, wo er umgehend zum Stammspieler auf Right Guard avancierte. Titans-General-Manager Mike Borgonzi bezeichnete ihn vor der Saison 2025 als "einen der besten Guards im Football". Zeitler war dabei ein stabilisierender Faktor neben JC Latham, der erst in seiner zweiten NFL-Saison von Left Tackle auf Right Tackle wechselte. Insgesamt startete Zeitler 16 Spiele und absolvierte 909 Offensive Snaps.
Statistisch überzeugte er ebenfalls: Mit einem PFF-Grade von 74,5 (Rang 13 aller Guards) und lediglich vier zugelassenen Sacks sowie vier Strafen in der vergangenen Saison, gilt Zeitler weiterhin als gestandener und verlässlicher Offensive Lineman.
mgs