02.10.2026
Mit Verletzungspech
Die Saison ist erst drei Wochen alt und vieles läuft nicht wie geplant. Zwar stehen die Panthers mit einer Bilanz von 1-2 trotz allem auf dem ersten Platz der NFC South, doch eine Reihe schwerwiegender Verletzungen trübt die Aussichten auf einen positiven weiteren Saisonverlauf. Wie schlimm steht es um den Kader? Stehen die Panthers schon jetzt vor einer gebrauchten Saison?

Dass es trotz der Investitionen in der Free Agency und im Draft für die Panthers aus diversen Gründen in dieser Saison nicht unbedingt leicht werden würde, war in den vergangenen Monaten immer wieder Thema in dieser Kolumne. Einige Spieler und Positionsgruppen brachten in puncto Qualität und Tiefe bereits im Vorfeld Fragezeichen mit sich. Nun müssen die Panthers aufgrund zahlreicher Verletzungen zusätzlich auf wichtige Spieler und Playmaker verzichten.
Durch die Verletzungen von Right Tackle Taylor Moton (Lungenembolie) und Left Tackle Ikem Ekwonu (Patellasehnenriss) musste man die Offensive Line der Panthers schon vor Saisonbeginn mit Sorgenfalten betrachten. Right Tackle Monroe Freeling, der Erstrundenpick der Panthers in diesem Jahr, spielt bislang eine typische Rookie-Saison und kann jemanden wie Moton schlicht noch nicht ersetzen. Auch Left Tackle Rasheed Walker sowie Center Luke Fortner machen in Sachen Protection aktuell keine gute Figur. Right Guard Robert Hunt, eigentlich eine wichtige Säule der Interior Line, hatte ebenfalls keinen guten Start in die Saison. Lediglich Left Guard Damien Lewis - der einzige Lineman der Panthers, der in den vergangenen drei Wochen nur eine einstellige Zahl an Quarterback Pressures zugelassen hat - spielt auf dem guten Niveau der letzten Jahre.
Und nun das: Im Spiel gegen die Cleveland Browns am vergangenen Sonntag zog sich Lewis eine Ellenbogenverletzung zu und wird voraussichtlich einige Wochen aussetzen müssen. Gegen die Defensive Fronts der Bears und Falcons fielen die Probleme noch nicht allzu sehr ins Gewicht. Gegen einen stärkeren Four-Man-Rush der Cleveland Browns sah die Line dagegen häufig schlecht aus und gab Bryce Young kaum Zeit in der Pocket. Zudem konnten die Panthers praktisch kein Laufspiel aufziehen. Sollte sich die Leistung dieser Line nicht schnell verbessern, haben die Panthers hier ein gewaltiges Problem. Bis heute ist zudem nicht bekannt, ob und wann Ekwonu und Moton wieder einsatzbereit sind und der Offensive Line wieder mehr Stabilität und Qualität verleihen können.
Auch die Running Backs haben vor der Saison für einige Fragezeichen gesorgt. Chuba Hubbard war als Arbeitstier ohnehin gesetzt. Dahinter standen Jonathon Brooks, der seit seinem Draft 2024 verletzungsbedingt nur eine Handvoll NFL-Snaps gespielt hat, AJ Dillon und Trevor Etienne. Letzterer begann die Saison direkt auf der Injured-Reserve-Liste und Jonathon Brooks verletzte sich in Woche 2 an der Leiste. Seine Verletzung erforderte eine Operation und er wird mindestens sechs Wochen nicht spielen können. Für eine Offense, die stark auf das Laufspiel setzen möchte, ist das personell alles andere als eine gute Ausgangslage. Natürlich stehen mit AJ Dillon und Tre Tyus Ersatzoptionen bereit, doch fehlt es hier definitiv an den dringend benötigten Playmaker-Qualitäten. Von den Problemen der Offensive Line beim Run Blocking ganz abgesehen.
Wide Receiver Jalen Coker erwischte dagegen einen echten Raketenstart in die Saison und präsentierte sich bislang sehr stark. Leider verletzte er sich am Oberschenkel und musste im Spiel gegen die Browns vom Feld. Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem sich Coker eine Verletzung in diesem Bereich zuzieht. In der vergangenen Saison verpasste er deshalb sechs Spiele. Aktuell ist noch nicht bekannt, wie lange Coker ausfallen wird. Eine längere Abwesenheit wäre allerdings fatal - vor allem, weil Tetairoa McMillan bislang weit hinter den Leistungen des vergangenen Jahres zurückbleibt, als er zum Rookie of the Year gewählt wurde. McMillan kam in der vergangenen Saison auf durchschnittlich 60 Yards pro Spiel, am Sonntag gegen Cleveland waren es lediglich 17. Auch Xavier Legette, der bis auf einen spektakulären Catch gegen Atlanta bislang noch keine wirkliche Steigerung gezeigt hat, fehlte am Sonntag aufgrund einer Knieverletzung. Über deren Schwere ist aktuell noch nichts bekannt.
Unter dem neuen Playcaller Brad Idzik hat sich die Offense angepasst und bindet die Tight Ends stärker ein. Darren Waller ist dabei zu einem wichtigen Receiver geworden. Spieler wie Brycen Tremaine und David Moore verfügen dagegen nicht über die Playmaker-Qualitäten, um die Ausfälle dauerhaft aufzufangen. Insgesamt spielt die Offense der Panthers unter Idzik bislang solide und kann auch dank der verstärkten Einbindung der Tight Ends punkten. Gegen die Browns fehlten allerdings wichtige 3rd und 4th down Conversions sowi die nötige Effizienz in der Red Zone. Ohne Playmaker wie Coker wird es umso schwerer, wenn in den kommenden Wochen noch stärkere Gegner warten.
In die Defense, die vor wenigen Jahren noch zu den schlechtesten der Liga gehörte, wurde in den vergangenen beiden Jahren viel investiert. Bislang zahlen sich diese Investitionen allerdings noch nicht aus. In Woche 1 erlebte die Defense einen historischen Einbruch und ließ gegen die Bears einen Rekordwert von 59 Punkten zu. Kritik an Defensive Coordinator Ejiro Evero und seinem Trainerstab ist zum Teil sicherlich berechtigt. Die Panthers ließen unter Evero 2024 die meisten Punkte der Liga zu. Zwei Jahre später, nach massiven Investitionen es ihm bislang nicht, aus Spielern wie Derrick Brown, Jaelan Phillips, Devin Lloyd, Bobby Okereke, Jaycee Horn, Mike Jackson und Tre’von Moehrig eine Defense zu formen, die eine Ben-Johnson-Offense mit Caleb Williams stoppen oder einen Deshaun Watson entscheidend ausbremsen kann.
Und auch hier schlagen nun die Verletzungen zu Buche. Pass Rusher Nic Scourton fehlt bereits seit dem ersten Tag des Training Camps. Gegen die Browns verletzten sich nun mit Mike Jackson und Jaycee Horn auch noch die beiden wichtigsten Cornerbacks der Panthers. Für Jackson gibt es bislang keine endgültige Diagnose, er könnte jedoch mehrere Wochen fehlen. Für Jaycee Horn ist die Saison aufgrund eines abgerissenen Quadrizeps vermutlich sogar beendet. Beide Spieler sind für die Panthers kaum zu ersetzen. Die Secondary ist damit erheblich geschwächt und deutlich anfälliger für das gegnerische Passspiel geworden.
Neben all den Hiobsbotschaften und schlechten Aussichten gibt es aber auch etwas Positives zu berichten: Bryce Young spielt bislang seinen besten Saisonstart. Das Zusammenspiel mit seinem Playcaller Brad Idzik sieht erfolgsversprechend aus, und Anspielstationen wie Veteran Tight End Darren Waller geben ihm noch mehr Möglichkeiten. Auch gegen die Defense der Browns, bei der er bei mehr als 50 Prozent seiner Dropbacks unter Druck stand, machte er trotz einer leichten Verletzung ein solides Spiel. Nach Woche drei führt er die NFL mit 939 Passing Yards an. Nun müssen die Panthers trotz all der Probleme und Verletzungen an den richtigen Stellschrauben drehen, damit Young dieses Niveau beibehalten kann. Denn wenn die Offensive Line weiterhin Probleme hat und gleichzeitig immer mehr Playmaker ausfallen, wird auch seine Aufgabe von Woche zu Woche schwieriger. Vielleicht liegt darin aber auch die größte Hoffnung der Panthers: Dass Young inzwischen weit genug ist, um eine angeschlagene Offense nicht nur zu verwalten, sondern sie trotz aller Widrigkeiten tragen zu können.
Moritz Haist