07.10.2026
Head Coach greift durch
Die große Stärke der Houston Texans ist in der neuen Saison plötzlich zum Problemfall geworden. Nach vier Niederlagen zieht Head Coach DeMeco Ryans Konsequenzen und übernimmt das defensive Playcalling wieder selbst.

Vier Spiele haben ausgereicht, um die vermeintlich stabilste Säule der Houston Texans ins Wanken zu bringen. Head Coach DeMeco Ryans wird die Spielzüge der Defense ab sofort wieder selbst ansagen und nimmt Defensive Coordinator Matt Burke damit eine seiner wichtigsten Aufgaben ab.
Ryans betonte derweil, dass die Entscheidung kein Seitenhieb gegen Burke sei. "Es war eine schwierige Entscheidung", sagte der 42-Jährige auf seiner jüngsten Pressekonferenz. "Als Head Coach muss ich viele schwierige Entscheidungen treffen, und nicht jede davon kommt gut an. Ich bin nicht in dieser Rolle, um es allen recht zu machen. Ich muss tun, was für dieses Team am besten ist, und entsprechend vorangehen."
"Alles, was ich tue, tue ich für die Männer in dieser Kabine, damit sie die bestmögliche Chance haben, ein Footballspiel zu gewinnen", erklärte Ryans weiter. Burke bleibt Defensive Coordinator und dürfte weiterhin maßgeblich an der wöchentlichen Vorbereitung sowie dem Gameplan beteiligt sein.
Trotzdem ist der Schritt wesentlich größer, als es Ryans’ diplomatische Begründung zunächst vermuten lässt. Der Playcaller entscheidet am Spieltag, welche Spielzüge tatsächlich auf das Feld kommen und wie unmittelbar auf gegnerische Anpassungen reagiert wird. Dass Ryans diese Verantwortung nach dem 0-4-Start wieder an sich zieht, ist damit zumindest ein begrenzter Vertrauensentzug.
Bemerkenswert ist vor allem die Vorgeschichte. Ryans hatte die Defense in seinen ersten beiden Jahren als Texans-Coach selbst gecallt, ehe er die Aufgabe nach dem 0-3-Start der vergangenen Saison an Burke übergab. Dessen erstes Spiel als Playcaller endete direkt mit einem 26:0 gegen die Tennessee Titans.
Anschließend entwickelte sich Houston zur besten Total Defense der NFL. Die Texans ließen 2025 lediglich 277,2 Yards und 17,4 Punkte pro Partie zu. Die 29 Takeaways und 47 Sacks machten die Einheit zu einem der Hauptgründe für den späteren Playoff-Lauf.
Davon ist nach vier Begegnungen der neuen Saison nur noch wenig zu erkennen. Houston hat bereits 109 Punkte kassiert - durchschnittlich 27,3 pro Partie und damit fast zehn mehr als im Vorjahr. Beim 31:36 gegen Buffalo sowie beim 30:34 gegen Dallas wurde die hoch eingeschätzte Defense phasenweise regelrecht überrollt.
Besonders das Texas-Duell dürfte Ryans zu seinem Eingreifen bewegt haben. Die Texans führten zur Halbzeit mit 16:6 und gingen zwei Minuten vor Schluss noch einmal mit 30:27 in Führung. Anschließend marschierte Dallas jedoch über 74 Yards zum entscheidenden Touchdown. CeeDee Lamb beendete die Partie mit 17 Receptions für 189 Yards und dem Siegesfang 40 Sekunden vor dem Ende.
Burke bleibt zwar Defensive Coordinator. Dass Ryans ihm nach nur vier Spielen das Playcalling wieder abnimmt, ist dennoch ein klares Signal. Der Head Coach will die bisherigen Kommunikationsprobleme und Coverage-Pannen wohl nicht länger nur aus der übergeordneten Perspektive begleiten.
Der Schritt verlagert allerdings auch den Druck. Verbessert sich die Defense nicht, richtet sich der Blick künftig nicht mehr zuerst auf Burke. Ryans ist dann wieder selbst für die Auswahl der Calls und die unmittelbaren Anpassungen verantwortlich.
Seine Rückkehr als Playcaller erfolgt am Sonntag ausgerechnet gegen Tennessee. Wie Houston stehen auch die Titans bei 0-4. Es ist übrigens erst das siebte Duell zweier 0-4-Teams in der Super-Bowl-Ära - und ausgerechnet jener Gegner, gegen den Burkes Zeit als defensiver Playcaller ein Jahr zuvor mit einem Shutout begonnen hatte.
mhh