vor 17 Stunden
Wilde Phase in Washington
Jayden Daniels hat bei der 17:23-Niederlage der Washington Commanders gegen die San Francisco 49ers trotz einer starken zweiten Halbzeit erneut mit einer kuriosen Entscheidung für Diskussionen gesorgt. Bei einem ausgespielten vierten Versuch warf der Quarterback den Ball ins Aus - obwohl Washington damit automatisch den Ballbesitz abgab.

Commanders-Quarterback Jayden Daniels brachte gegen die 49ers 29 von 40 Pässen für 300 Yards und zwei Touchdowns an. Dennoch stand nach dem Spiel erneut sein Situational Football im Mittelpunkt. Head Coach Dan Quinn machte deutlich, dass sein Quarterback beim entscheidenden vierten Versuch anders hätte reagieren müssen.
Die Szene ereignete sich im zweiten Viertel. Washington stand bei Fourth-and-2 an der 13-Yard-Linie der 49ers und entschied sich dafür, den vierten Versuch auszuspielen.
Daniels geriet nach dem Snap unter Druck, verließ die Pocket und bewegte sich nach rechts. Unter anderem Linebacker Fred Warner nahm die Verfolgung auf. Gleichzeitig flog eine Flagge auf das Feld.
Da Daniels weder selbst die notwendigen zwei Yards erlaufen konnte noch einen freien Receiver fand, warf er den Ball schließlich ins Aus. Das Problem: Es war der vierte Versuch. Ohne erfolgreiche Conversion war der Ballbesitz damit ohnehin beendet.
Quinn sprach anschließend mit seinem Quarterback über die Situation und kritisierte dessen Entscheidung. "Selbst wenn du weißt, dass eine Flagge geworfen wurde, musst du trotzdem deine Chance nutzen und versuchen, den Pass anzubringen", erklärte Quinn. "Du weißt schließlich nicht, ob die Flagge vielleicht zurückgenommen wird."
Genau das wurde Washington zum Verhängnis. Die Strafe richtete sich nicht gegen San Francisco, sondern gegen die Commanders wegen eines Illegal Shifts.
Daniels hatte während des Spielzugs nicht gewusst, gegen welches Team die Flagge geworfen worden war. "Ich wusste es nicht. Es hätte Offside sein können, es hätte aber auch gegen uns sein können", erklärte der Quarterback. San Francisco lehnte die Strafe aufgrund des ohnehin unvollständigen Passes ab und übernahm den Ball.
Besonders bitter ist die Szene, weil Daniels bereits eine Woche zuvor in einer entscheidenden Situation Probleme mit dem Clock Management hatte.
Beim 27:27 gegen die New York Giants hatten die Commanders in der Overtime noch die Möglichkeit auf ein spielentscheidendes Field Goal. Washington befand sich bereits an der 24-Yard-Linie der Giants, hatte allerdings keine Timeouts mehr.
Bei zwölf Sekunden auf der Uhr und Second-and-2 entschied sich Washington für einen Lauf statt eines Spikes. Daniels erzielte keinen Raumgewinn, die Commanders schafften es anschließend nicht mehr rechtzeitig an die Line of Scrimmage und die Uhr lief ab.
Washington kam dadurch nicht mehr zu einem möglichen Field-Goal-Versuch. Offensive Coordinator David Blough und Quinn nahmen die Verantwortung für diese Situation anschließend auf sich. Nur eine Woche später steht nun allerdings erneut eine ungewöhnliche Entscheidung von Daniels in einer wichtigen Situation im Mittelpunkt.
Dabei zeigte Daniels gegen San Francisco über weite Strecken durchaus, warum Washington so große Hoffnungen in seinen Quarterback setzt.
Nach einem 3:20-Rückstand zur Halbzeit führte er die Commanders zurück ins Spiel. Washington verkürzte zunächst auf 10:23 und später auf 17:23. In der Schlussphase führte Daniels seine Offense noch einmal tief in die Hälfte der 49ers und bekam die Chance, das Spiel komplett zu drehen. "Wie bei den meisten Dingen bei ihm gibt es Spielzüge, bei denen du sagst: Das ist ein unglaublicher Wurf", erklärte Quinn. "Und dann gibt es andere, bei denen ich mir wünschen würde, dass er länger bei seiner Progression bleibt."
Daniels kam gegen die schnelle Defense der 49ers zudem kaum über seine Beine zur Geltung. Bei vier Läufen sammelte er lediglich zehn Yards.
Quinn möchte deshalb, dass sein Quarterback seine Mobilität künftig häufiger nutzt, um sich zusätzliche Zeit für einen Pass zu verschaffen. "Er kann Würfe machen, bei denen du einfach denkst: Da ist es. Es gibt nur wenige Spieler, die diesen Wurf oder diesen Spielzug machen können", sagte Quinn.
Genau darin liegt derzeit allerdings auch der Kontrast bei Daniels: Die außergewöhnlichen Fähigkeiten sind weiterhin deutlich zu erkennen. Gleichzeitig haben die vergangenen beiden Spiele gezeigt, dass Washington in entscheidenden Situationen noch zu häufig vermeidbare Fehler produziert.
nkr