vor 8 Stunden
Neue Ära in Seattle
Nur eine Saison nach dem zweiten Super-Bowl-Titel der Vereinsgeschichte haben die Seattle Seahawks einen historischen Eigentümerwechsel vollzogen. Team-Präsident Chuck Arnold sprach im Interview über den Verkaufsprozess von der Allen- zur Khosla-Familie, den Rekordwert der Franchise und die größten Zukunftsthemen der Organisation.

Der Übergang von der Allen-Familie zur Khosla-Familie als neue Mehrheitseigentümer bezeichnete Arnold als einen der zentralen Themen der vergangenen Monate. "Das war ein gewaltiger Prozess. Es wurden unglaublich viele Informationen benötigt. Im Grunde legt man alles, was man sich vorstellen kann, in einen Datenraum, damit die Interessenten ihre Prüfungen durchführen können", beschrieb der Seahawks-Verantworliche den Ablauf. Am Ende setzte sich die Khosla-Familie gegen mehrere interessierte Gruppen durch. Besonders bemerkenswert: Nach Arnolds Kenntnis wurde noch nie zuvor ein Team im selben Jahr nach einem Super-Bowl-Sieg verkauft.
Der Verkauf markierte zugleich einen NFL-Rekordwert für eine Franchise. Arnold führte dies auf die über Jahrzehnte aufgebaute sportliche und wirtschaftliche Stärke der Organisation zurück: "Wir haben in den 50, beziehungsweise mittlerweile 51 Jahren unseres Bestehens eine sehr starke Organisation aufgebaut. Vor allem in den vergangenen 30 Jahren unter der Kontrolle der Allen-Familie, die fantastische Eigentümer waren." Unter deren Führung gewannen die Seahawks zwei Super-Bowl-Titel und standen insgesamt viermal im Finale. Auch bei klassischen Liga-Kennzahlen wie Ticketverkäufen und Fan Engagement zähle man regelmäßig zur Spitze. "Die neuen Eigentümer haben kein kaputtes Produkt gekauft. Sie haben ein Produkt übernommen, das auf höchstem Niveau funktioniert", betonte Arnold.
Von der neuen Eigentümergruppe um die Khosla-Familie erhofft sich die Organisation vor allem zusätzliche Impulse in Bereichen wie Technologie und Künstlicher Intelligenz. "Jetzt finden wir gerade heraus, was sie unserer Organisation zusätzlich geben können - seien es ihre Erfahrungen, ihre Beziehungen oder neue Denkweisen und Perspektiven". Der bisherige sportliche Schwung solle unter der neuen Führung fortgesetzt werden.
Als Präsident der Franchise beschreibt Arnold seine eigene Rolle als Zuständigkeit für "alles, was abseits des Spielfelds passiert" - von Finanzen über Marketing und Ticketing bis hin zu Sponsoring und Community-Arbeit. Auch die Verantwortung für das Lumen Field selbst fällt in seinen Bereich. Bemerkenswert: Von den jährlich rund 2,5 Millionen Besuchern der Anlage kommen nur etwa 700.000 wegen Seahawks-Spielen - der Rest verteilt sich auf Fußballspiele, Messen, Konzerte und weitere Veranstaltungen, darunter zuletzt sogar eine Monster-Truck-Show.
Mit Blick auf die kommenden Jahre nannte der Team-Präsident vor allem drei große Herausforderungen - die er lieber als Chancen bezeichnet. Zum einen die Infrastruktur: Das mittlerweile fast 25 Jahre alte Lumen Field sowie das Trainingsgelände müssten kontinuierlich daraufhin bewertet werden, ob sie weiterhin auf höchstem Niveau funktionieren können. "Nur weil eine Anlage eine bestimmte Anzahl von Jahren alt ist, bedeutet das nicht automatisch, dass sie verändert oder komplett erneuert werden muss", erklärte Arnold, auch wenn sich die Organisation intensiv mit möglichen langfristigen Lösungen beschäftige - konkrete Pläne gebe es aber noch nicht.
Als zweiten großen Themenblock nannte er Technologie im Allgemeinen und Künstliche Intelligenz im Speziellen. Die Organisation müsse dabei abwägen, in welchen Bereichen frühzeitiges Vorpreschen sinnvoll sei und wo es sich eher lohne, zunächst von den Erfahrungen anderer zu lernen. "In einigen Bereichen wird sie vielleicht überhaupt keinen Einfluss haben. In anderen Bereichen müssen wir Dinge möglicherweise völlig neu denken, weil sie uns helfen kann, effizienter zu werden oder unsere Arbeit besser zu machen."
Als dritten Punkt nannte er die jährlich steigenden Betriebskosten der gesamten Organisation, die es bei allen strategischen Entscheidungen kontinuierlich mitzudenken gelte.
mgs