vor 7 Stunden
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Während die 32 NFL-Teams in die heiße Phase der Saisonvorbereitung starten, werfen einige Fragen, die die ganze Saison prägen werden, ihre Schatten voraus. Planen die Chiefs wirklich einen Umbruch? Wie läuft selbiger bei den Eagles? Ist Justin Herbert ein MVP-Kandidat? Und bringt ein Trade den Bills das, was gefehlt hat? Adrian Franke analysiert zehn große Offense-Fragen zur neuen Saison.

Nur ein Team war über die letzten drei Jahre in neutralen Spielsituationen (Early Down, außerhalb der letzten zwei Minuten einer Halbzeit, Spielstand jeweils noch ausreichend ausgeglichen) noch pass-lastiger unterwegs als die Chiefs: die Cincinnati Bengals. Auch das kann man strukturell diskutieren, die Bengals aber sind dafür zumindest bestens aufgestellt. Mit einem Elite-Receiver-Duo und generell einer der besten Playmaker-Gruppen in der NFL.
Diesen Luxus hatten die Chiefs nun schon seit einer ganzen Weile nicht mehr. Seit dem Trade von Tyreek Hill und dem spürbaren Karriere-Spätherbst von Travis Kelce sucht Kansas City hier verlässliche Stützen. Rashee Rice war das phasenweise - der Receiver selbst aber ist, wenn er denn überhaupt zur Verfügung steht, eher ein sehr guter Role Player. Xavier Worthy ist bis dato bestenfalls eine solide Nummer 2. Und Kelce an dem Punkt seiner Karriere eben auch nicht mehr als das.
Dennoch warfen die Chiefs den Ball über die letzten drei Jahre in neutralen Spielsituationen in fast 60 Prozent der Fälle. Obwohl Kansas City sehr viel investiert hat, um eine dominante Offensive Line aufzubauen, lebte man doch viel zu sehr davon, dass Patrick Mahomes den Ball mit einer Vielzahl an kurzen Pässen bewegt. Das stieß an klare Grenzen. Die Qualität des Star-Quarterbacks mit frischen Vertrag hielt die Offense häufig überhaupt konkurrenzfähig, aber die Chiefs waren viel zu eindimensional, die Offense zu durchschaubar, so dass Defenses ihnen auch die Big Plays zunehmend leicht wegnehmen konnten.
Die Offense musste sich neu erfinden. Doch wie extrem fällt das aus? Head Coach Andy Reid war noch nie dafür bekannt, sich bereitwillig auf das Run Game zu stützen oder es gar zu einem integralen Part seiner Offense zu machen. In der aktuellen NFL aber ist das nahezu unumgänglich.
Mit der Verpflichtung von Kenneth Walker haben die Chiefs gezeigt, dass sie zumindest gewillt sind, das zuletzt schlechteste Backfield ligaweit signifikant zu verbessern. Vielleicht steht die Rückkehr von Eric Bieniemy in den Coaching Staff ebenfalls für mehr Fokus auf das Run Game. Es wäre der logische Schritt, um der Offense wieder einen besseren Rhythmus zu geben und um Mahomes zu entlasten. Und ein spannender Test, um zu sehen, inwieweit das in der aktuellen schematischen NFL-Landschaft die Offense wieder öffnen würde.
Eine bewusst plakativ formulierte Frage, die aber doch irgendwo zur allgemeinen Sichtweise auf Justin Herbert passt. Der Chargers-Führungsspieler ist der Quarterback, bei dem sich die Geister scheiden. Und das ergibt Sinn.
Denn: Herbert ist derjenige, bei dem derzeit die größte Lücke zwischen individueller Leistung und statistischem Output der Offense klafft. Der Quarterback hat über die letzten drei Jahre in der Regular Season weitestgehend wie ein Top-6-Quarterback gespielt. Die Chargers-Offense war in dem Zeitraum statistisch dennoch im tiefsten Liga-Mittelmaß und fiel - selbst im Gegensatz zu Teams wie zuletzt Chicago oder Denver - seltener so positiv im Konsens auf.
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zumeist aber konnte man es vereinfacht so zusammenfassen, dass Herbert eine Offense mit vielen Baustellen in die Playoffs schleppte - wo er selbst dann mit unterging. Das war nie extremer als in der vergangenen Saison, als er gegen die Patriots beim 3:16 in den Wild Card Playoffs sein mit Abstand schlechtestes Saisonspiel hatte.

Für diesen Auftritt gibt es keine Ausreden. Herbert muss auch in der NFL-Endrunde Spiele noch mehr an sich reißen. Gleichzeitig ist es auch zutreffend, dass die Chargers 2026 zum ersten Mal überhaupt mit einer offensiven Infrastruktur an den Start gehen, die, wenn Herbert sein Level der letzten Regular-Season-Jahre beibehält, auch zu entsprechenden Zahlen verhelfen wird.
Das gilt für die teils genesene, teils generalüberholte Offensive Line. Es gilt aber vor allem für den neuen Playcaller: Mike McDaniel hat sich in Miami als einer der kreativsten offensiven Coaches erwiesen und bekommt jetzt ein deutliches Quarterback-Upgrade zu Spielmacher Tua Tagovailoa, den es inzwischen zu den Atlanta Falcons verschlagen hat. All das muss man jetzt eben auch auf dem Platz sehen.
Die Eagles-Offense in ihren besten Jahren gewann trotz - oder wegen? - schierer Simplizität. Es war eine sehr geradlinige Offense, die primär in der Shotgun stattfand, in der Jalen Hurts intensiv ins Run Game eingebunden wurde und die sich auf die extrem hohe individuelle Qualität stützte.
Das betraf die Playmaker, die verlässlich isoliert gewannen. A.J. Brown, DeVonta Smith, Dallas Goedert - Philadelphia konnte sich darauf verlassen, dass, wenn hier genügend Eins-gegen-Eins-Duelle kreiert würden, auch Receiver offen sein werden. Es betraf aber auch die Offensive Line, die, wenn der Gegner mehr Ressourcen in seine Coverage steckte, die Line of Scrimmage dominierte und Philadelphia den Ball nach Belieben laufen konnte.
Über Jahre gab das der Offense eine feste Identität. Die Eagles spielten primär aus der Shotgun, isolierten ihre Receiver regelmäßig und nutzten wenig Play Action sowie wenig Motion, sondern setzten, vereinfacht formuliert, darauf, dass ihre Spieler besser sind als die des Gegners.

Die besten Saisons kamen dann mit Playcallern, die all das maximieren konnten. Shane Steichen etwa, später Kellen Moore, mit dem Philadelphia den Super Bowl gewann. Aber die anderen Spielzeiten machten auch immer deutlich, dass die individuelle Qualität allein eben doch nicht reicht. Kevin Patullo und Brian Johnson schafften es nicht, der Offense ausreichende Struktur zu geben, sodass die Simplizität zu einer Schwäche wurde.
Zu diesem Schluss scheint man auch in Philadelphia gekommen zu sein. Zumindest geht Philly jetzt einen radikalen Umbruch an. Das führte zur Trennung vom langjährigen Offensive Line Coach und Run Game Coordinator Jeff Stoutland, mit Sean Mannion wurde ein neuer Offensive Coordinator verpflichtet, der erst seit zwei Jahren als Coach arbeitet und dementsprechend noch nie Playcaller oder generell ein Coordinator war. Die Rede ist von mehr Kyle-Shanahan-/Sean-McVay-Einfluss, mehr Under Center, mehr Verzahnung von Run Game und Passing Game und mehr Passing Game über die Mitte des Feldes.
Vielleicht entpuppt es sich als die Reform, die Philadelphias Offense nötig hatte. Vielleicht ist es aber auch der Anfang eines größeren Umbruchs, der das Team die nächsten Jahre beschäftigen wird. Denn geht das schief, ist Nick Sirianni weg. Und Hurts könnte in dem Szenario in absehbarer Zeit folgen.
Wie erfolgreich der amtierende Champion die Mission Titelverteidigung angehen kann, das wird maßgeblich davon abhängen, was Seattle von der eigenen Offense bekommt. Ich würde die Frage so stellen: Wie viel Substanz hat Seattles Offense? Also, wie stabil ist Seattle offensiv?
Diese Frage wäre sehr viel leichter zu beantworten, wenn alle Umstände gleich geblieben wären. Doch Offensive Coordinator Klint Kubiak hat das Team verlassen und die Las Vegas Raiders übernommen. Im Backfield ist Running Back Walker (Chiefs) weg - und Zach Charbonnet fällt noch länger aus, während er sich von seinem Kreuzbandriss zurück arbeitet.
Und dann steht immer noch die Frage im Raum, wie viel langfristige Substanz das überhaupt hatte, was Seattle letztes Jahr mit Kubiak, Charbonnet und Walker gezeigt hat. Denn bereits während der Saison fiel zumindest in Teilen ein Abwärtstrend auf. Seattle stürmte auf die Bühne, über die ersten zehn Wochen der Saison belegte Seattle Platz 10 in Expected Points Added pro Play und Platz 9 in Success Rate.
In der PFF-Metric "Big Time Throws", die besonders anspruchsvolle Würfe misst, hatte QB Sam Darnold in den ersten zehn Wochen 22 Stück. Woche elf bis 18 waren es nur noch sieben, dafür gingen seine Turnover Worthy Plays von sechs auf 13 hoch. Oder in totalen Zahlen: 17 Touchdowns und sechs Interceptions in den ersten zehn Wochen, acht Touchdowns und acht Interceptions über die restliche Regular Season. Die Offense insgesamt fiel in der Folge von Platz 10 auf Platz 18 in puncto EPA pro Play.

Seattles Offense lebte von einem gut designten, auf Big Plays ausgelegten Passing Game, das von Darnold keine wöchentlichen 25 Completions verlangte und stattdessen seinen Arm und seine Aggressivität als Passer in Big Plays ummünzte. Das ist spektakulär, wenn die Rädchen ineinander greifen. Aber bleibt das auch unter Kubiaks Nachfolger Brian Fleury so? Was, wenn Defenses Seattle in einen Plan B zwingen? Wie sehen die Anpassungen aus? Oder kommt dann vermehrt die anfällige Darnold-Version hervor?
Das größte Problem mit dem "fehlenden Puzzleteil" ist meist, dass innerhalb eines Kaders alles immer im Fluss ist. Die Idee, dass, wenn ein Team "diese eine Baustelle" noch schließt, der Rest so gut funktioniert wie im Vorjahr und dann alles ineinander greift, erweist sich meist als Trugschluss. Weil der Rest eben nicht gleich bleibt, sondern andere Baustellen aufgehen.
Vielleicht droht den Bills dieses Schicksal in der kommenden Saison - wenngleich außerhalb von Verletzungen das Gesamtbild der Offense seit Jahren gleich ist. Kaum eine Offense hat eine so konstant hohe Baseline, angetrieben durch eine Top-5-Line, einen Top-3-Quarterback und ein Waffenarsenal voller solider bis guter Role Player. Wenige Teams können hier mithalten, weshalb die Bills über die letzten drei Regular Seasons die Liga auch mit Abstand in EPA pro Play anführen.
Und hier bleibt alles sehr konstant, abgesehen von einem neuen Starter auf Guard, und ohne konkrete Anzeichen, dass Buffalo in einem Bereich vor einem spürbaren Rückschritt steht. Das wiederum rückt die andere Seite der Frage in den Fokus: Kann Neuzugang D.J. Moore noch das fehlende Puzzleteil für eine Offense sein?
Moore kommt aus einer Achterbahn-Saison in Chicago, in welche er als Top-Target der Offense gestartet war, schrittweise aber in den Hintergrund rückte. Zwischen Woche 10 und 18 hatte der Passempfänger in fünf von neun Spielen einen oder keinen Catch, nur zweimal erhielt er mehr als fünf Targets. Der 29-Jährige hatte zuletzt 2023 über 1000 Yards. Seine Aufgabe wird es jetzt sein, Buffalo dieses Nummer-1-Target zu geben, welches den Bills seit der Hochphase mit Stefon Diggs fehlt.
Vielleicht ist Moore nicht mehr dieser Spieler. Er war nur selten eine wirklich dominante Nummer 1, aber in seinen besten Jahren war er ein Receiver, der verlässlich Man Coverage schlägt und Eins-gegen-Eins-Duelle gewinnt. Das ist es, was die Bills brauchen, um sich nicht von guten Cover Defenses das Geschehen diktieren zu lassen. Und auch, um endlich den Schritt Richtung Super Bowl gehen zu können.
Bereits seit zwei Jahren versuchen die Texans, ihre Offensive Line zu reparieren. Mit Trades, mit unerwarteten Abgängen, mit hohen Picks, mit Free Agents. Diese Offseason war da keine Ausnahme: Von Tytus Howard und Juice Scruggs hat sich Houston getrennt, dafür wurden Braden Smith sowie Wyatt Teller verpflichtet. Und der Nummer-26-Overall-Pick im Draft wurde in Keylan Rutledge investiert, der wohl Center spielen wird.
Teller, Rutledge und Smith sollen allesamt direkt starten, Right Guard Ed Ingram und Left Tackle Aireontae Ersery bleiben im Vergleich zum Vorjahr auf ihren Posten. Es sind abermals große Umbaumaßnahmen, mit der Hoffnung, in dieser Unit endlich auf einen grünen Zweig zu kommen.

Letztes Jahr hatte Houston eine der schlechtesten Lines in der NFL, belegte am Ende Platz 30 in Pass Block Win Rate und Platz 32 in Run Block Win Rate. Es war nochmals ein Rückschritt verglichen mit 2024 (Platz 22/Platz 31). Quarterback C.J. Stroud stand letztes Jahr bei über 36 Prozent seiner Dropbacks unter Druck, 2024 waren es sogar fast 38 Prozent. Und das, obwohl Stroud den Ball in der vergangenen Saison im Schnitt in 2,82 Sekunden warf, Platz 11 ligaweit.
Doch kassierte kein Quarterback mit mindestens 300 Dropbacks in der vergangenen Saison seine Sacks so schnell wie Stroud (3,06 Sekunden). Und Stroud ist kein sonderlich kreativer Playmaker spät im Play. Bei Pässen, die mindestens 2,5 Sekunden nach dem Snap erst erfolgten, hatte er eine der niedrigsten Big Time Throw Rates ligaweit, selbst hinter Quarterbacks wie dem alternden Aaron Rodgers oder Tua. In totalen Zahlen hatte Matt Stafford in der Regular Season mehr als dreimal so viele derart schwierige Würfe später im Play (34) als Stroud (elf).
Stilistisch gehört Stroud eher in die Jared-Goff-Richtung: Wir haben, direkt in seiner Rookie-Saison, bereits gesehen, was möglich ist, wenn Stroud gute Umstände hat. Wenn das Scheme greift, wenn die Line passabel ist, dann sind seine Fähigkeiten als reiner Passer deutlich sichtbar. Seitdem hatte er auch in schwierigen Umständen gute Phasen, hatte aber auch Spiele, in denen er komplett eingebrochen ist.
Die Line zu reparieren und die Offense wieder in die Spur zu bringen, ist das, was zwischen den Texans und einer echten Chance auf den Super Bowl steht.
Die Formkurve bei A.J. Brown ging über die letzten drei Jahre schrittweise nach unten. Dabei sprechen wir immer noch über einen sehr hohen Standard, denn selbst letztes Jahr knackte er die 1000 Yards. Aber Brown war zuletzt nicht der extrem dominante Receiver, der er 2022 und 2023 für die Eagles war.

Philadelphia tradete Brown Anfang Juni schließlich nach New England. Das passierte nicht in erster Linie aus sportlichen Gründen, dennoch bleibt die Frage bestehen: Ist der mittlerweile 29-Jährige noch dieser Elite-Receiver, den ein unrundes System in Kombination mit internen Streitigkeiten zuletzt in Philadelphia sabotiert haben? Oder ist er so auf dem absteigenden Ast, dass wir in der kommenden Saison bei den Patriots einen merklichen sportlichen Rückschritt sehen?
Davon hängt direkt ab, was man von der Patriots-Offense erwarten kann. Letztes Jahr war New Englands Angriff eine positive Überraschung, lebte aber sehr davon, dass Drake Maye die Unit maßgeblich trug. Das war eine sehr positive Entwicklung und machte ihn zu einem legitimen MVP-Kandidaten, doch man kann nicht davon ausgehen, dass er insbesondere die Big Plays in der gleichen Frequenz aufrechterhalten kann.
Hier kommt Brown ins Spiel: Die Patriots hatten im Vorjahr nicht ansatzweise eine Waffe seines Kalibers. Der 29-Jährige wird also, genau wie der ebenfalls neu verpflichtete Romeo Doubs (von den Packers), in jedem Fall eine Verbesserung sein. Ist er aber noch die 2022er und 2023er Version seiner selbst, könnte das der Schlüssel sein, damit die Pats abermals eine Passing Offense unter den Top 3 aufs Feld führen.
Nur sechs Quarterbacks warfen letztes Jahr prozentual mehr Pässe hinter die Line of Scrimmage als Bo Nix (103). Einzig Rodgers (108) hatte in totalen Zahlen mehr angekommene Pässe, die nicht über die Line of Scrimmage flogen. Mit einem wichtigen Unterschied: Steelers-Oldie Rodgers erhielt aus diesen Pässen fast ein volles Yard mehr pro Pass (5,3) als Nix (4,5).
Nix war überhaupt der einzige Quarterback mit mindestens 85 Completions ins Backfield, der weniger als fünf Yards pro Pass dabei bekam. Andere Quarterbacks wie Jared Goff (6,3 Yards pro Pass), Josh Allen (6,8) oder Sam Darnold (6,0) profitierten deutlich mehr von diesen vergleichsweise einfachen Pässen.
Denvers Offense war aus verschiedenen Gründen auffällig inkonstant. Es gab spektakuläre Highlights, aber auch alarmierende Auftritte. Die individuelle Inkonstanz von Nix war hier ein Thema - aber auch die Tatsache, dass Denver eine konstante Baseline fehlte. Das Run Game war bestenfalls mittelmäßig, sowohl bei Pässen ins Backfield als auch bei Underneath waren die Broncos zu wenig explosiv nach dem Catch.
Der Trade für Jaylen Waddle könnte viele dieser Probleme lösen. Waddle gibt Denver eine vertikale Waffe, die dabei helfen kann, Defenses in die Länge zu ziehen. Vor allem aber wird er die Rolle, die Marvin Mims mitunter in der Broncos-Offense hatte, auf einem sehr viel höheren Level besetzen können.
Mims hatte 2024 satte 12,3 Yards nach dem Catch pro Reception, fast vier volle Yards mehr als Jameson Williams auf Platz 2 unter allen Receivern mit mindestens 50 Targets. Letztes Jahr fiel dieser Wert um die Hälfte. Waddle ergänzt Courtland Sutton nicht nur sehr gut, sondern er kann auch derjenige sein, der maßgeblich dazu beiträgt, dass Denver den offensiven Floor entwickelt, der letztes Jahr gefehlt hat. Und selbst wenn Nix nicht den nächsten Schritt macht, kann das helfen, dass seine Zahlen konstanter werden.

Jede Shortlist für die spektakulärsten Quarterbacks musste letztes Jahr Caleb Williams mit aufführen. Mit allen Höhen und Tiefen: Williams' Accuracy war mit die schwächste aller Starting Quarterbacks, dafür war er einer der besten Downfield Passer überhaupt. Bears-Fans erlebten regelmäßig Achterbahnfahrten mit den Tiefs einfacher Fehlwürfe und den Hochs sensationeller Winner.
Eine Statistik bringt das gut auf den Punkt: Chicagos Offense belegte nach Expected Points Added pro Dropback Platz 9. Nach Dropback Success Rate, also sehr viel mehr noch auf die Down-für-Down-Production und weniger auf Big Plays geachtet, war es Platz 20. Hinter unter anderem Arizona, den Saints und den chronisch inkonstanten Texans.
Die Bears haben im Laufe der ersten Saison unter Ben Johnson ganz klar eine Handschrift entwickelt. Das Run Game wurde ein zunehmend dominanter Faktor, das war die Identität der Offense. Diese Offense aber wurde auf dem Papier schlechter, durch den überraschenden Rücktritt von Drew Dalman, die Verletzung von Ozzy Trapilo und den Trade von D.J. Moore. Während die Defense letztes Jahr sehr von Turnovern lebte.
Kurzum: QB Williams wird aller Voraussicht nach einen größeren Teil der Last schultern müssen. Williams geht in seine dritte Saison, seine zweite in Johnsons Offense. Es ist eine Saison, in der man einen echten Sprung erwarten kann. In der Williams zeigen kann, dass 2025 kein Strohfeuer war, sondern dass er ein echter Franchise-Quarterback für die Bears werden kann.

Diese Frage betrifft alle Teams und bietet viele Berührungspunkte, wenn man im Einzelfall über die Dynamiken individueller Offenses spricht und Offenses für 2026 prognostiziert.
Der ligaweite Trend über die letzten Jahre ging sehr klar in die Richtung der Defenses. Defenses dominieren die Liga im Gesamtbild, sie sind sehr gut darin geworden, einfache Pässe etwa via Play Action weg zu nehmen, Big Plays zu reduzieren und trotzdem auch aus leichteren Boxes heraus den Run zu stoppen.
Es wirkte zunehmend so, dass Defenses, überspitzt formuliert, Antworten auf alles hatten und Offenses frustrieren konnten. In Ansätzen gab es bereits vielversprechende Reaktionen, die Rams schafften das zweifellos am besten. Offenses mit mehr Zwei- und Drei-Tight-End-Sets, kreative Wege, Defenses in schweres Personnel zu bekommen, damit man sie durch die Luft attackieren kann. Das ist die Richtung, in die es zu gehen scheint.
Eine garantierte Lösung ist das natürlich nicht. Vielmehr waren es nur die Rams, die damit echten Zugriff auf gegnerische Top-Defenses bekamen. Und das ist die beste und kompletteste Offense in der NFL. Viele Teams haben in dieser Offseason investiert, um sich auf der Tight-End-Position flexibler und tiefer aufzustellen. Aber bietet das auch die Antwort für Teams, die nicht die Mittel der Rams haben? Bekommen wir eine weitere Renaissance schwerer Offenses und auch des Run Games? Wie würde sich das auf die nächsten Jahre auswirken? Finden Offenses wieder mehr Wege, um Outside vertikal zu attackieren?
Oder vielleicht sehen wir auch eine weitere Saison, in der Defenses das Bild deutlich mehr prägen als die Offenses. Was unweigerlich auch zu mehr möglichen Titelkandidaten führen würde.
Adrian Franke