21.09.2026
Neue Identität in Kansas City
Zwei Spieltage, zwei überzeugende Auftritte: Kenneth Walker III hat sich bei den Kansas City Chiefs binnen kürzester Zeit zu einem der wichtigsten Bausteine der Offense entwickelt. Was als Ergänzung gedacht war, hat sich längst zu einer neuen Identität für das Team von Head Coach Andy Reid entwickelt - eine Offense, die plötzlich auch über das Laufspiel Spiele entscheiden kann.

Bereits beim 31:10-Auftaktsieg gegen die Denver Broncos hatte Walker mit 173 Rushing-Yards einen Chiefs-Rekord unter Andy Reid aufgestellt - mehr Yards hatte seit Jamaal Charles 2012 kein Spieler der Franchise in einem Spiel erzielt. Sein Höhepunkt war dabei ein 60-Yard-Touchdown-Lauf bei Fourth-and-1, bei dem Kansas City eigens ein Jumbo-Package mit Defensive Tackle Khyiris Tonga als zusätzlichem Blocker aufs Feld schickte. "In dem Moment, in dem er den Edge erreicht, habe ich es schon gesehen - im Training, letztes Jahr in den Playoffs. Sobald er den Edge erreicht, ist er weg", schwärmte Quarterback Patrick Mahomes von seinem neuen Teamkollegen.
Im Overtime-Krimi gegen die Indianapolis Colts (33:30) legte Walker nach und kam auf 178 Yards bei 30 Ballkontakten - als Läufer und Passempfänger gleichermaßen. Damit ist er der erste Chiefs-Spieler seit Running Back Larry Johnson 2005, der in zwei aufeinanderfolgenden Spielen mindestens 175 Yards insgesamt erzielt. Ligaweit führt er nach zwei Spieltagen mit 369 Yards alle Skill-Position-Spieler der NFL an.
Gegen die Colts musste sich Walker dabei sogar gegen eine mit fünf Mann besetzte Line of Scrimmage durchsetzen und erzwang dabei 15 verpasste Tackles - mehr als sein eigener Karrierebestwert von 14 aus der Vorwoche. "Sie haben fünf Mann in die Line gepackt. Das ist eine gute Front, also wussten wir, dass es schwer werden würde, aber wir hatten eine gute Mischung aus ein paar Screens und Play-Action-Pässen. Wir sind effizient genug gelaufen. Er hat über 100 Yards geholt, aber er musste sich jeden einzelnen davon hart erarbeiten", lobte Head Coach Andy Reid seinen neuen Running Back nach der Partie.
Walkers Wirkung beschränkt sich dabei längst nicht nur auf seine eigenen Ballkontakte. Mahomes kam gegen die Colts auf einen Karrierebestwert von 14 abgeschlossenen Play-Action-Pässen für 137 Yards und zwei Touchdowns. "Wenn du den Ball läufst, öffnet sich die Play-Action. Wir haben auf dem aufgebaut, was wir schon in der Vorwoche gemacht haben. Genauso wie es das Spiel für mich einfacher gemacht hat, glaube ich, dass die Art, wie Kenneth den Ball läuft, auch Kelce in Matchups bringt, die er gewinnen wird - und das hat er gezeigt", erklärte Mahomes. Travis Kelce kam prompt auf neun Receptions für 101 Yards und einen Touchdown - fast wie in seinen besten Jahren.
Auch an der Offensive Line zeigt sich der neue Anspruch der Chiefs. Josh Ezeudu, erst kurz vor Saisonbeginn von den New York Giants verpflichtet, war einer der zusätzlichen Blocker beim 60-Yard-Touchdown gegen Denver. "Ich bin erst seit etwa drei Wochen hier, aber was hier betont wird, ist Physis. Wir werden diesen verdammten Ball laufen. Es tut mir leid, aber das ist etwas, worauf wir stolz sind", so Ezeudu. Auch Backup Tackle Jaylon Moore, ebenfalls Teil des Jumbo-Packages, sieht in solchen Spielzügen die neue Identität des Teams verankert: "Wir können uns durchsetzen und einen Yard holen, wenn wir ihn brauchen."
Ein Grund, weshalb die Chiefs in der Offseason gezielt auf Walker setzten, war seine nach Ansicht des Teams unterschätzte Fähigkeit als Passempfänger. Nach zwei Spielen kommt er bereits auf neun Receptions für 79 Yards - der vierthöchste Wert im gesamten Team. Sein wichtigster Catch der bisherigen Saison fiel dabei in die Schlussphase der Overtime gegen Indianapolis: Bei Third-and-1 kurz vor Ablauf der Verlängerung audiblete Mahomes zu einem Play-Action-Pass auf Walker, der den Ball im Flat fing und 22 Yards weit sprintete - die entscheidende Vorarbeit für Harrison Butkers spielentscheidendes Field Goal. "Es macht wirklich Spaß", beschrieb Walker die Zusammenarbeit mit Mahomes. "Wir können einfach frei spielen. Wenn jemand offen ist oder der Spielzug zusammenbricht, ist er in der Lage, trotzdem etwas daraus zu machen. Es ist großartig, mit ihm zu spielen."
Die Bedeutung von Walkers Entwicklung lässt sich auch historisch einordnen: Die Chiefs hatten seit Mahomes' Rookie-Jahr 2017 keinen 1000-Yard-Rusher mehr und in den vergangenen 16 Playoff-Spielen seit dem Super-Bowl-Gewinn der Saison 2019 keinen einzigen Running Back mit über 100 Yards in einer einzelnen Partie. Laut Statistikern von BetMGM hat Walker durch seine beiden Auftritte bereits die Anzahl der 100-Yard-Rushing-Spiele des gesamten Kansas-City-Backfields aus der kompletten Vorsaison 2025 verdoppelt.
Mahomes selbst hatte bereits nach dem Auftaktsieg gegen Denver keinen Zweifel daran gelassen, wie zentral Walkers Rolle für die neue Offense ist: "Ich habe es euch buchstäblich schon bei der ersten Pressekonferenz gesagt. Ihr habt gefragt, was der Unterschied in unserer Offense ist. Ich habe gesagt: K9. So einfach ist das." Mit Blick auf die kommende Partie gegen die noch sieglosen Miami Dolphins dürfte sich diese neue Balance zwischen Lauf- und Passspiel für Kansas City weiter auszahlen.
mgs