08.10.2026
Broncos ziehen die Reißleine
Sean Payton zieht nach Denvers enttäuschendem Saisonstart Konsequenzen. Der Head Coach sagt gegen die Chargers wieder selbst die Spielzüge an - für Offensive Coordinator Davis Webb endet das Experiment als Playcaller damit nach nur vier Spielen.

Aus einer stärkeren Beteiligung wird eine vollständige Übernahme: Sean Payton callt die offensiven Spielzüge der Denver Broncos ab sofort wieder selbst. "Wir werden offensiv etwas verändern. Ich werde die Spielzüge ansagen", kündigte der Head Coach am Donnerstagabend vor dem Auswärtsspiel bei den L.A. Chargers an.
Das Experiment mit Davis Webb als primärem Playcaller endet damit bereits nach vier Regular-Season-Spielen. Webb bleibt Offensive Coordinator und weiterhin maßgeblich an der Vorbereitung sowie dem Gameplan beteiligt. Die letzte Stimme am Spieltag gehört jedoch wieder Payton.
Der 62-jährige Offensivguru hatte das Playcalling erst vor der Saison an Webb abgegeben. Es war das erste Mal in seiner langen Karriere als Head Coach, dass ein anderer Trainer dauerhaft die Spielzüge seiner Offense ansagen sollte. Vollständig aus der Verantwortung zog sich Payton allerdings nie: Er blieb eng an der Spielplanung beteiligt und behielt sich vor, in einzelne Entscheidungen einzugreifen.
Nach vier Wochen beendet er das Experiment nun vorerst. Denver steht zwar bei einer ausgeglichenen Bilanz von 2-2, erzielte aber lediglich 74 Punkte und kassierte gleichzeitig 94. Besonders bedenklich sind die Starts: In vier ersten Halbzeiten brachten die Broncos zusammen nur 13 Punkte zustande. Bei ihren beiden Auswärtsspielen erzielte die Mannschaft insgesamt gerade einmal 24 Zähler.
Nach dem 14:24 gegen die San Francisco 49ers bezeichnete Payton die Frage nach einem möglichen Wechsel beim Playcalling bereits als berechtigt. In Zuge dessen kündigte er auch an, vor dem kommenden Spiel "alles" zu überprüfen. Unter der Woche wurde er dann noch deutlicher: Was Denver nach vier Spielen zeige, sei "kein Championship Football". Mit der Rückkehr ans Headset lässt er diesen Worten nun Taten folgen.
Die Probleme lassen sich allerdings nicht allein auf Webbs Auswahl der Spielzüge reduzieren. Quarterback Bo Nix komplettierte bislang 81 von 135 Pässen für 819 Yards, fünf Touchdowns und drei Interceptions. Sein Passer Rating liegt bei 80,4. Das bedeutet aktuell Rang 22 unter den qualifizierten NFL-Passgebern und damit eine Platzierung im unteren Drittel.
Gegen San Francisco brachte Nix nur einen von neun Pässen mit mindestens zehn Air Yards an. Den ersten Versuch über mindestens 20 Yards warf Denver erst in den letzten Minuten des vierten Viertels. Hinzu kamen ein schwaches Laufspiel, Drops und wiederkehrende Probleme bei der Ausführung.
Am Sonntag sagt Payton also erstmals in dieser Saison wieder selbst die Spielzüge an. Wie stark Webb zwischen den Drives, bei Anpassungen und in entscheidenden Situationen eingebunden bleibt, ist noch offen. An der Verantwortung für die eigentlichen Calls besteht dagegen kein Zweifel mehr.
Mit den noch sieglosen L.A. Chargers wartet zumindest auf dem Papier eine gute Gelegenheit für den erhofften Neustart. Beginnt Denver erneut derart harmlos, richtet sich der Blick nicht mehr allein auf Webb: Payton hat den direktesten Hebel der Offense wieder selbst übernommen - und steht damit gemeinsam mit Nix besonders unter Druck.
mhh