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Defensive Coordinator
Die Carolina Panthers haben Defensive Coordinator Ejiro Evero entlassen. Eine Entscheidung, die längst überfällig war. Und trotzdem zu einem ungünstigen Zeitpunkt kommt. Droht dem Team ein erneuter Absturz?

Am Freitagabend deutscher Zeit tritt ein sichtlich mitgenommener Dave Canales vor die Presse. Wenige Stunden zuvor hatten die Panthers die Entlassung von Defensive Coordinator Ejiro Evero und Defensive Passing Game Coordinator Jonathan Cooley bekannt gegeben. Nun musste der Head Coach erklären, warum er eine Entscheidung getroffen hat, die viele Beobachter schon deutlich früher erwartet hatten.
Die Entlassung ist richtig. Mehr noch: Sie ist längst überfällig. Allerdings stellt sich die Frage, warum es überhaupt so weit kommen musste.
Als Ejiro Evero 2023 gemeinsam mit Frank Reich zu den Panthers kam, waren die Erwartungen groß. Der Trainerstab wurde vielerorts als "All-Star Coaching Staff" bezeichnet. Endlich sollte in Carolina wieder erfolgreich gearbeitet werden.
Das Ergebnis ist bekannt. Reich wurde während der Saison entlassen, die Panthers beendeten das Jahr mit einer Bilanz von 2-15 und die Franchise lag sportlich wie kulturell am Boden. Evero gehörte damals zu den wenigen angesehenen Trainern in Carolina. Entsprechend nachvollziehbar war die Entscheidung von Dave Canales, ihn bei seinem Amtsantritt 2024 zu behalten.
Canales wollte Ruhe und Kontinuität in eine Organisation bringen, die zuvor durch Chaos und ständige Veränderungen aufgefallen war. Das ist ihm durchaus gelungen. Die Panthers haben unter seiner Führung wieder eine erkennbare Identität entwickelt. Doch während die Mannschaft insgesamt Fortschritte machte, blieb die Defense ein Problem.
2024 verlor die Defense mit Brian Burns und Frankie Luvu wichtige Spieler. Hinzu kam die Verletzung von Derrick Brown, der bereits in Week 1 für den Rest der Saison ausfiel. Evero hatte zweifellos schlechte Voraussetzungen. Das Front Office investierte vor allem in die Offense und die Entwicklung von Bryce Young. Doch selbst unter Berücksichtigung dieser Umstände war das Ergebnis erschreckend. Die Panthers kassierten 534 Punkte und stellten damit einen NFL-Negativrekord auf. Die Laufverteidigung belegte den letzten Platz der Liga. Auch bei Sacks und Turnovers gehörte Carolina zu den schlechtesten Teams. Eine solche Saison übersteht ein Defensive Coordinator normalerweise nicht. In Carolina durfte Evero bleiben. Mehr noch: Sein Vertrag wurde sogar verlängert.
2025 verbesserten sich die Panthers und erreichten wieder die Playoffs. Auch die Defense machte Fortschritte und bewegte sich statistisch zwischen Mittelfeld und unterem Drittel der Liga. Doch eine Verbesserung gegenüber einer historisch schlechten Saison bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Probleme gelöst sind. Die Panthers-Defense brauchte mehr Star-Power.
Und die Panthers nahmen ordentlich Geld in die Hand. Mit Devin Lloyd, Jaelan Phillips und Bobby Okereke kamen namhafte Verstärkungen. Auch im Draft wurde weiter investiert. Die Hoffnung war klar: Mit mehr Talent sollte endlich auch Everos System funktionieren.
Doch bereits in Week 1 folgte die Ernüchterung. Gegen die Chicago Bears kassierten die Panthers 59 Punkte und ließen 291 Rushing Yards zu. Ein katastrophaler Auftakt für ein Team mit Playoff-Ambitionen. Nur ein Ausreißer? Keineswegs.
In Woche 7 ließen die Panthers gegen Tampa Bay erneut 258 Rushing Yards zu. Insgesamt haben die Panthers während Everos Amtszeit zwölf Spiele erlebt, in denen der Gegner mindestens 200 Yards am Boden erzielen konnte.
Über die gemeinsame Amtszeit von Canales und Evero betrachtet, gehörte die Panthers-Defense in zahlreichen wichtigen Kategorien zu den schlechtesten Teams der NFL. Besonders ernüchternd ist, wie selten die Defense selbst spielentscheidende Aktionen produzierte. Durch Sacks, Turnovers oder Tackles for Loss gegnerische Drives zu beenden, gelang viel zu selten. Eine Mannschaft mit Playoff-Ambitionen braucht keine Defense, die in jeder Kategorie zur Ligaspitze gehört. Aber eine, die in entscheidenden Situationen auch einmal den Unterschied machen kann. Genau das war bei den Panthers viel zu selten der Fall.
Dave Canales ist ein loyaler Trainer. Er vertraut seinen Mitarbeitern und setzt auf langfristige Zusammenarbeit. Gerade nach den turbulenten Jahren unter Matt Rhule und Frank Reich war das wichtig. Doch irgendwann muss sich auch ein loyaler Head Coach fragen, ob sein Vertrauen noch gerechtfertigt ist. Canales betonte immer wieder, wie sehr er von Everos System überzeugt sei. "I like the scheme", lautete seine wiederkehrende Aussage. Er hoffte, mit den richtigen personellen Verstärkungen endlich die gewünschten Ergebnisse erzielen zu können. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt.
Auch in der aktuellen Saison gibt es mildernde Umstände. Jaelan Phillips fehlte zuletzt, und mit Jaycee Horn und Mike Jackson fällt eines der besten Cornerback-Duos der Liga aus. Everos System ist stark darauf angewiesen, dass die Defensive Backs auch gegen den Lauf unterstützen. Aber erklärt das wirklich die Entwicklung der vergangenen Jahre?
Warum gelingt es nicht, ein defensives Konzept an die vorhandenen Spieler anzupassen? Möglicherweise ist das Scheme tatsächlich gut. Doch was nützt das beste Konzept, wenn es auf dem Spielfeld nicht funktioniert? Nach fast vier Spielzeiten muss sich Evero fragen lassen, warum seine Defense unter wechselnden Voraussetzungen immer wieder an denselben Problemen scheiterte. Canales trägt dafür ebenfalls Verantwortung. Er hat Evero über Jahre den Rücken gestärkt. Dass er nun die Konsequenzen zieht, ist richtig. Die Frage bleibt, warum er nicht schon früher gehandelt hat.
Mit Todd Wash übernimmt ein erfahrener NFL-Coach interimsweise die Defense. Wash war von 2016 bis 2020 Defensive Coordinator der Jacksonville Jaguars und erreichte mit ihnen in der Saison 2017 das AFC Championship Game. Seit 2023 gehört er zum Trainerstab der Panthers. Er kennt die Mannschaft und genießt insbesondere bei Derrick Brown großes Vertrauen. Allerdings sollte niemand erwarten, dass sich die Defense innerhalb weniger Tage grundlegend verändert.
Wash setzte in Jacksonville auf eine 4-3-Base-Defense, Evero auf ein 3-4-System. Eine komplette Umstellung mitten in der Saison dürfte schwierig werden. Vielleicht gelingt es Wash, die Defense besser auf die vorhandenen Spieler auszurichten und mehr Aggressivität ins Spiel zu bringen. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Und die Panthers haben ohnehin noch ganz andere Probleme.
Nach einem vielversprechenden Saisonstart stehen die Panthers inzwischen bei 3-4. Die Führung in der NFC South ist in Gefahr geraten und der Spielplan wird mit Gegnern wie Broncos, Ravens, Bengals und Seahawks nicht leichter. Auch die Offense kämpft mit Problemen. Die teuerste Offensive Line der NFL muss ohne ihre beiden Starting Tackles auskommen und hat erhebliche Schwierigkeiten, Bryce Young zu beschützen. Über Left Tackle, Center und Right Guard lassen die Panthers ligaweit die meisten QB-Pressures zu.
Keine guten Voraussetzungen für einen Turnaround. Und genau darin liegt die eigentliche Gefahr.
Die Panthers haben in den vergangenen Jahren zu viele Rückschläge erlebt. Ständig wechselnde Trainer, enttäuschende Leistungen und eine Mannschaft, bei der lange kaum eine gemeinsame Richtung erkennbar war. Unter Dave Canales schien sich das Blatt endlich zu wenden. Die Mannschaft entwickelte eine Identität, die Spieler wirkten geschlossen und erstmals seit längerer Zeit gab es wieder berechtigte Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Die Entlassung Everos muss diese Entwicklung nicht gefährden. Vielleicht setzt der Trainerwechsel sogar die notwendigen Impulse. Doch angesichts der Verletzungen, der Probleme in der Offense und des schwierigen restlichen Spielplans ist ein schneller Turnaround keineswegs garantiert. Umso wichtiger wird es sein, dass Canales die Mannschaft zusammenhält und verhindert, dass aus einer sportlich schwierigen Phase eine grundsätzliche Krise entsteht.
Die Entlassung von Ejiro Evero war notwendig. Doch nach all den Enttäuschungen der vergangenen Jahre wäre ein erneuter Absturz besonders bitter. Die Panthers haben sich mühsam ein Stück Stabilität erarbeitet. Es bleibt zu hoffen, dass sie diese nicht gerade jetzt wieder verspielen.
Moritz Haist