vor 13 Stunden
Die heiße Phase
Die Regular Season ist Geschichte. Ab Samstag zählen in den Playoffs der effect® ENERGY GFL nur noch Siege. Ansonsten regnet das Konfetti im Endspiel des Rudolf-Harbig-Stadions für ein anderes Team über dem Dresdner Nachthimmel. Gleich vier Viertelfinals steigen am Nachmittag des 12. September. Sie liefern alles, was der deutsche Football zu bieten hat. Historie, Explosivität und die besten Playmaker auf dem Feld.

Fünf Spiele und keinen einzigen erlaubten Punkt. Die Defense der Potsdam Royals hat mit der "Sweep-Serie" einen historischen Meilenstein in der GFL gesetzt. Noch nie ist es einem Team gelungen, in fünf aufeinanderfolgenden Spielen, und dann noch zum Saisonendspurt, keinen einzigen Score zu erlauben.
Mit Broghean McGovern reisen die ifm Razorbacks Ravensburg nun mit ihrem Quarterback an, der in der abgelaufenen Saison die meisten Passing Touchdowns (39) aller GFL-Spielmacher erzielte. Zwar wird ihm US-Import A.J. Harris fehlen. Das Receiving Corps um Tim Müller ist aber gut genug aufgestellt, um den Potsdamern einige explosive Plays abzuringen.
Offensiv verlassen sich die Royals daher auf ihr eigenes breites Arsenal an Pass Catchern um Maximilian McLeod und Quarterback Bay Harvey. Die Defense kann es wieder richten, doch darauf sollte sich der dreifache Serien-Champion nicht verlassen. Ravensburg ist bissig und hat sich bereits im letzten Jahr in der Rolle des Underdogs sehr wohl gefühlt, als sie überraschend bis ins Halbfinale gezogen sind. Einen Ausrutscher dürfen sich die Royals nicht erlauben. Für einen endet die Saison am Samstag.
Beide Conference Champions aus dem Norden und Süden gehen mit einer makellosen Bilanz von zwölf Siegen in zwölf Spielen in die Playoffs. Die Dresden Monarchs verbinden mit Quarterback Rocky Lombardi und Wide Receiver Montigo Moss eines der gefährlichsten Tandems der Liga. Dazu kommt eine Defense, die im Prinzip keine Fehler macht und sehr konsequent verteidigt.
Über die Munich Cowboys lässt sich dies nur in manchen Teilen sagen. Quarterback Nicholas Semptimphelter und Wide Receiver Gabe Boccella sind ebenfalls ein kongeniales Duo und bescherten der Mannschaft den vierten Platz in der GFL Süd. Doch genügt die Feuerkraft, um die eigenen Fehler in der Defense mit verpassten Tacklings und explosiven zugelassenen Runs zu kompensieren? Wenn die Abwehr der Münchner am Samstag keinen Schritt nach vorne macht, ziehen die Monarchs sicher ins Halbfinale und kommen ihrem Endspiel im eigenen Stadion einen wichtigen Schritt näher.
Die Unicorns haben nach einer strikten Aufbauphase in den letzten Jahren die Regular Season ohne Niederlage abgeschlossen und sind wieder da, wo sie vor einigen Jahren traditionell verortet wurden. Ab 2014 standen sie als Südmeister bis einschließlich 2023 in jedem Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Dann verpasste die ELF den Unicorns einen heftigen Schlag mit dem Hammer, als Head Coach Jordan Neumann mit mehreren Coaches und 14 Stammspielern zu den Stuttgart Surge wechselte. Die Surge gibt es nun nicht mehr. Sie gingen den Weg in die Insolvenz, wie schlussendlich die gesamte paneuropäische Liga.
Das ist für die Haller aber Schnee von gestern und sie tun auch gut daran, sich den aktuellen Geschehnissen in der GFL zu widmen. Im Vorbereitungsspiel gewannen nämlich ausgerechnet die Düsseldorf Panther mit 30:27 in Schwäbisch Hall, die mit einigen überragenden Playmakern in die Playoffs ziehen und seit ihrem Quarterback-Wechsel auf Dawson Herl bei 3-2 stehen.
Für die Panther ist es zudem ein Wiedersehen mit der eigenen Historie. Die Düsseldorf Panther sind der älteste noch existierende Football-Verein in ganz Europa (seit 1978), doch das letzte Playoff-Spiel liegt beim sechsfachen Deutschen Meister nun bereits 14 Jahre zurück. Damals verloren sie im Viertelfinale ausgerechnet gegen den späteren Champion aus Schwäbisch Hall. Man wird diese lange Geschichte und den Stolz beider Teams am Samstag im Optima Sportpark garantiert spüren. Das wird für zusätzliche Brisanz sorgen und schließt das Upset gegen die ungeschlagenen Unicorns nicht aus.
Während in Schwäbisch Hall zwei Vereine auf ihre lange Tradition zurückblicken, bestreiten die Pforzheim Wilddogs ihr erstes Heimspiel in ihrer noch kurzen aber knackigen Playoff-Geschichte. Denn seit ihrem Aufstieg im Vorjahr erreichten die Goldstädter damit in jeder bisherigen Saison die Postseason.
Gleich vier Pforzheimer sind für die GFL Honors nominiert: Quarterback Drequan Harris, Cornerback Nick Olivier, Defensive Linemen Michael Grünes und Head Coach Michael Lang. Die Votings werden am heutigen 11. September geschlossen, aber noch kann jeder GFL-Fan bis 23:59 Uhr für seine Lieblinge abstimmen.
Für Vorschusslorbeeren möchten sich die Pforzheimer aber nichts kaufen. Denn mit Hildesheim kommt jetzt ein echter Prüfstein in die KRAMSKI-Arena. Die Invaders bringen mit Defensive Lineman Kyle Kitchens den womöglich besten Verteidiger der Liga mit und mit Nelson Hughes III einen Quarterback, der mit einer Completion-Rate von 71 Prozent zu den effizientesten Passern der GFL gezählt wird.
Beide Teams sind sich auf dem Papier verblüffend ähnlich. Die Anführer stehen als Coaches an der Seitenlinie und als Quarterbacks auf dem Feld. Beide Abwehrreihen vertreten die Philosophie, mit viel Druck auf den gegnerischen Spielmacher für Turnover zu sorgen. Kitchens und Olivier können dabei genauso den Unterschied in diesem Spiel ausmachen, wie Hughes oder Harris.
Bei einem so engen Spiel wollen die Heim-Fans als zwölfter Mann ihre Wilddogs nach vorne peitschen. Die Atmosphäre wird eines Playoff-Spiels würdig sein. Nicht nur in Pforzheim, sondern auf allen vier Plätzen, an denen am Samstag Postseason-Football gespielt wird. Die Regular Season ist jetzt nur noch Makulatur. Ab jetzt heißt es "Win or Go Home".
Philipp Forstner