07.10.2026
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Die ersten vier Wochen der neuen Saison sind vorbei, Zeit für ein erstes Zwischenfazit! Einige Titelkandidaten stürzen gnadenlos ab, andere Teams mit Fragezeichen springen in die Top 10. Adrian Franke sortiert in seinem ersten Power Ranking während der neuen Saison alle 32 Teams.

Preseason-Ranking: Platz 32
Wir wussten, dass Miami rein vom Talent-Level her ganz weit unten einzuordnen ist. Die Dolphins hatten einen radikalen Umbruch eingeleitet, schlucken historisch viel Dead Cap in dieser Saison und haben sich bewusst von vielen Stars und Leistungsträgern der letzten Jahre getrennt. Es ist ein Rebuild, ein extremer noch dazu, und in diesem Kontext ist es ganz normal, dass man den qualitativen Unterschied dann auch auf dem Platz bemerkt.
Es gab Momente in dieser Saison, in denen die Dolphins nur bedingt NFL-tauglich gewirkt haben. Es gab im Gegenzug aber auch Momente, in denen die Defense Big Plays machte, in denen Rookies wie Jacob Rodriguez oder Chris Bell für einzelne Highlights gesorgt haben, und generell die Defense spielt besser als gedacht.
Das ist das, worauf man sich auch im weiteren Saisonverlauf fokussieren muss. Umso mehr, nachdem Miami mit De'Von Achane seinen einzigen Top-Level-Spieler für den Rest der Saison verletzungsbedingt verloren hat.
Neben den jungen Spielern steht Malik Willis als individuelle Personalie im Vordergrund. Damit der mehr glänzen kann, müsste die Offense aber noch deutlich mehr um das Quarterback Run Game herum aufgebaut sein. Das fehlt bislang auffällig, und Willis individuell spielt auch nicht gut.
Preseason-Ranking: Platz 20
Ein Ranking der Teams, deren Saison nach vier Wochen bereits nah am gänzlichen Entgleisen ist, muss die Buccaneers ganz weit oben mit dabei haben. Bereits vor Saisonstart war viel Druck in Tampa Bay drauf: Head Coach Todd Bowles war angezählt, Quarterback Baker Mayfield hatte zwar in letzter Sekunde doch noch seinen neuen Vertrag erhalten, sollte dem dann aber auch gerecht werden. Und das ohne Mike Evans.
Nach vier Wochen muss man fast alle Fragen, die es vor der Saison rund um die Bucs gab, negativ beantworten. Bowles' Defense enttäuscht abermals. Mayfield spielte wild und hat den Bucs mit seinen Turnovern geschadet, ehe er sich verletzte. Und selbst die Offensive Line, die eigentlich eine Stärke sein sollte, spielt gut, aber nicht auf ihrem gewohnten Level.
Mayfield wird voraussichtlich noch zwei weitere Spiele verpassen. Gut möglich, dass Tampa Bay bei 0-6 steht, wenn Mayfield zurückkommt, mit dann Division-Spielen in Carolina und gegen die Falcons als nächstes auf dem Programm. Unter anderem Duelle mit den Bears, Lions, Ravens und Rams warten noch in der zweiten Saisonhälfte.
Diese Saison scheint nicht mehr zu retten zu sein. Und es ist davon auszugehen, dass es das letzte Jahr für Bowles in Tampa Bay sein wird. Nicht auszuschließen, dass man dann bei den Bucs auch den Mayfield-Vertrag eher kritisch betrachtet.
Preseason-Ranking: Platz 26
Die Hoffnung, dass Robert Saleh und Brian Daboll den Titans mehr Stabilität und sportliche Baseline geben können, stößt über die ersten Wochen der neuen Saison an Grenzen. Leistungstechnisch haben sich die Titans zwar zumindest defensiv stabilisiert, aber das reicht nicht, um den Record besser aussehen zu lassen.
Die fairere Frage ist aber ohnehin eine andere: Wie viel sportliche Baseline ist für ein Team und spezifisch für eine Offense mit Cam Ward überhaupt möglich? Zumindest im Hier und Jetzt argumentiert, ist Ward ein sehr limitierender Faktor. Der nächste Schritt des jungen Quarterbacks lässt weiter auf sich warten, Ward plagen die gleichen Probleme, mit denen er letztes Jahr bereits zu kämpfen hatte.
Das macht es schwer, die Offense und auch einzelne Teile davon - wie Rookie-Receiver Carnell Tate - vernünftig zu bewerten.
Die Titans werden nichts mit den Playoffs zu tun haben, das war aber auch nicht die Erwartungshaltung. Ward stand auf dieser Agenda ganz weit oben, und wenn er weiter stagniert, wird Saleh spätestens nach der Saison reagieren müssen.
Preseason-Ranking: Platz 29
Die Cardinals hatten in der Preseason vorsichtige positive Tendenzen gezeigt. Unter dem neuen Head Coach Mike LaFleur wirkte die Offense runder und schien wieder den schematischen Floor zu haben, der zuvor trotz der individuellen Playmaker-Qualität gefehlt hatte.
Das setzte sich zu Beginn der Saison noch fort. Arizona bewegt phasenweise den Ball passabel, gleichzeitig war nicht zuletzt das Giants-Spiel eine Erinnerung daran, dass Jacoby Brissett eben bestenfalls eine Bridge-Lösung ist. Viele Spiele wie das in New York am Sonntag wird es nicht mehr brauchen, ehe wir Rookie Carson Beck sehen sollten. Und jetzt wird Arizonas bester Offensive Lineman Paris Johnson den Rest der Saison verletzt verpassen.
Auf der offensiven Seite des Balls fällt das Zwischenfazit dennoch nicht schwer. Die Cardinals haben eine gute Grundlage, sowohl individueller als auch schematischer Natur, und wenn sie perspektivisch ein Quarterback-Upgrade finden, kann diese Offense langfristig einen großen Schritt machen.
Defensiv ist die Prognose nicht so geradlinig. Oder vielleicht doch, nur in einem negativen Sinne. Arizona hat Top-Corner Will Johnson bereits für die Saison verloren, im Pass-Rush fehlen die Difference Maker. Hier muss deutlich mehr von Spielern wie Walter Nolen kommen. Die Defense ist bislang einmal mehr eine der schlechtesten in der NFL, und so ist die Realität diese: Ein Bottom-8-Quarterback hinter einer bereits dezimierten Line mit einer Bottom-3-Defense. Das ist die Formel für einen hohen Draft-Pick.
Preseason-Ranking: Platz 28
Die anfänglichen Hoffnungen darauf, dass New York dieses Jahr genug offensive Baseline haben könnte, um basierend darauf eine kleine positive Überraschung zu werden, sind nach vier Wochen schon wieder vom Tisch. Nach einem guten Start gegen die Titans kam offensiv nicht mehr viel, und selbst den positiven Auftritt gegen Detroit muss man angesichts dessen, was wir bislang von der Lions-Defense gesehen haben, richtig einordnen.
Und so fühlen sich die Jets doch wie das Team an, das man vor der Saison erwarten, respektive befürchten musste. Ein Team mit einer soliden, aber nicht dominanten Offensive Line. Eine Playmaker-Gruppe, die Flashes von den jungen Spielern bekommt - Kenyon Sadiq war es vor zwei Wochen gegen Detroit, Adonai Mitchell früh in der Saison -, aber letztlich doch sehr abhängig ist von Garrett Wilson. Umso mehr nach der Verletzung von Breece Hall.
Und die Defense hat zwar endlich eine Interception, der Pass-Rush aber hat noch sehr viel Luft nach oben. Durch die Offensive Line und weil der Pass-Rush sich steigern können sollte, haben die Jets ein gewisses Potenzial nach oben. Aber für 2026 ist auch das limitiert, und dann bleibt abzuwarten, was das für Head Coach Aaron Glenn bedeutet.
Preseason-Ranking: Platz 25
Washington war für mich in der Preseason-Prognose ein Team, das mit dieser Saison auf einen größeren Umbruch zusteuern könnte. In Teilen, weil Washington letztes Jahr zum falschen Zeitpunkt zu kurzsichtig aufgerüstet hatte.
Dabei mochte ich die generelle defensive Strategie - die dringend notwendige Verjüngung dieser Unit, ein neuer Defensive Coordinator, dessen aggressiver Stil ganz anders ist als der von Head Coach Dan Quinn -, und insbesondere was die Run-Defense angeht, sind die ersten Resultate auch positiv.
Aber dass diese Umstellung Zeit brauchen würde, das war immer klar. Umso mehr, weil die Secondary in Summe deutlich schlechter spielt, als erwartet.
Auch offensiv wurde viel umgebaut, und hier musste man skeptischer sein. Nicht nur, weil David Blough intern als neuer Offensive Coordinator befördert wurde, und mit minimaler Coaching-Erfahrung eine ganz neue Offense installieren sollte. Sondern auch, weil die Frage im Raum stand, wie gut diese neue Offense zu Quarterback Jayden Daniels passen würde.
Diese Frage wurde zuletzt auf Eis gelegt, weil Daniels abermals mit einer Ellbogenverletzung ausfiel. Immerhin: Die Playmaker sind gut. Dennoch würde es mich überraschen, wenn Quinn über diese Saison hinaus noch der Head Coach in Washington wäre.
Preseason-Ranking: Platz 7
Ohne Frage die größte Enttäuschung der ersten Wochen dieser Saison. Denn selbst wenn man bei den Chargers im Vorfeld skeptisch war - dieses Ausmaß was individuelle Fehler, Ungereimtheiten innerhalb der Offense und generell eine Offense angeht, die nicht für die Saison bereit zu sein schien, dürfte kaum jemand erwartet haben.
Dass die Interior Offensive Line die schlechteste in der NFL werden könnte, das wiederum musste man befürchten. Doch der Effekt davon ist noch so viel größer als gedacht: Denn es gelingt Mike McDaniel nicht, trotz dieses Defizits ein vernünftiges Run Game aufzuziehen. In Miami hat er das über die Jahre auch mit schwachen Lines immer wieder geschafft, doch ist Omarion Hampton ein Back, der vertikal mit Tempo Räume braucht. Und das ist mit dieser Line so gar nicht drin. Jetzt fällt auch noch Left Tackle Rashawn Slater aus.
Quarterback Justin Herbert war in den ersten beiden Wochen mehr das Opfer von Drops und der generellen Unfähigkeit um ihn herum. Zuletzt spielte aber auch er schlecht und hatte haarsträubende Turnover. Seine Receiver kreieren individuell keine Separation, abgesehen von Ladd McConkey, der bereits seit Woche 2 angeschlagen spielt. Auch hier konnte McDaniel bisher nicht auf die Art Räume öffnen, wie es ihm in Miami gelang.
Dass die Defense nach dem Verlust von Defensive Coordinator Jesse Minter ihr überraschend hohes Vorjahres-Level vermutlich nicht halten können würde, war absehbar und hat sich bewahrheitet. Die Hoffnung aus Chargers-Sicht war, dass eine explosive, Top-10-Level-produktive Offense das mehr als kompensieren kann. Doch davon sind die Chargers meilenweit entfernt.
Preseason-Ranking: Platz 24
Heißer Anwärter für die bitterste Saison bislang - trotz, oder vielleicht gerade wegen, denn was wäre vielleicht möglich gewesen dieses Jahr? - des überraschend guten Records.
Nach dem Auftaktsieg gegen die Cowboys gab es so viel Optimismus bei den Giants. Der Start der Harbaugh-Ära hatte die Art Team geboten, auf das man in New York gehofft hat. Ein physisches Team, das mit dem Run Game Spiele kontrolliert, das das Spielgeschehen diktieren kann - und das in Jaxson Dart einen jungen Quarterback hat, der der Hoffnungsträger für die nächsten Jahre sein kann.

Das hielt genau eine Woche. Die Verletzung von Dart ändert das Narrativ komplett. Jetzt steht die Frage im Raum, ob Dart fit bleiben kann. Und was seine Entwicklung angeht, und die Fragen danach, wie gut der neue Trainerstab die Offense um ihn herum aufbauen und weiterentwickeln kann, ist die erste Saison unter Harbaugh jetzt ein Muster ohne Wert. Immerhin zeigt Harbaugh in seinem ersten Jahr, wie er den Floor des Teams stabilisieren kann, selbst in einer herausfordernden Saison.
Dazu kommt auf der defensiven Seite der Kreuzbandriss von Brian Burns. Aber: Die Giants geben sich nicht auf. Der Trade für J.J. McCarthy unterstreicht zumindest diesen Versuch, und defensiv machen junge Spieler wie Abdul Carter und Rookie Arvell Reese jede Menge Spaß. 2026 ist nicht die Saison, die man sich in New York erhofft hat, aber eine positive Weichenstellung kann sie dennoch sein.
Preseason-Ranking: Platz 23
Was ist realistisch möglich für die Colts in dieser Saison? Der Abgang von Michael Pittman macht sich erwartungsgemäß bemerkbar, dass dazu Alec Pierce ausfällt, macht die Situation nicht leichter.
Das Run Game ist nicht so dominant wie in der Frühphase letztes Jahr, und nicht zuletzt das Spiel gegen die Commanders in London am Sonntag hat gezeigt, dass gegnerische Defenses mittlerweile besser antizipieren können, was die Colts machen wollen. Und wenn Daniel Jones nicht den ersten Read hat, kann die ganze Sache schnell entgleisen.
Die Defense sollte besser sein als das, was sie bisher gezeigt hat, insbesondere mit der Qualität in der Secondary. Vielleicht sehen wir hier noch eine positive Entwicklung, sodass Indianapolis mehr Spiele eng halten und auf diese Art gewinnen kann. Aber das vermutlich auch nur gegen andere Mid-Tier- und darunter angesiedelte Teams.
Die Colts fühlen sie wie ein Team an, das immer noch solide sein kann, aber nicht viel mehr. Und "solide" ist dann vermutlich das, was für das aktuelle Regime nicht reicht, um die eigenen Jobs zu retten.
Preseason-Ranking: Platz 31
Drei Siege in Folge, zuletzt am Donnerstagabend gegen die Steelers, und die damit einhergehende Frage: Wie hoch muss man die Browns jetzt für den weiteren Saisonverlauf einordnen? Ich denke weiterhin, dass Deshaun Watson dem Ganzen einen klaren Deckel gibt, aber auch hier gilt: Watson mag regelmäßig gefährlich nah an absurden Turnovern dran sein, doch er spielt besser als gedacht.
Darüber hinaus kann man argumentieren, dass die Browns bisher in dieser Saison schon fast eine Art Best Case erleben. Denn die jungen Playmaker sehen vielversprechend aus, allen voran die beiden Rookie-Receiver KC Concepcion und Denzel Boston werden ideal in Szene gesetzt. Die Offensive Line ist eindeutig verbessert, Todd Monken scheint einen guten Draht zu seinem jungen Team zu haben.
Und defensiv macht insbesondere die Defensive Line jede Menge Spaß. Myles Garrett ist zwar weg, doch Jared Verse hat sich gut eingefügt und innen haben die Browns mit Collins und Mason Graham - der jetzt aber vorübergehend fehlen wird - ein sehr gutes Defensive-Tackle-Duo.
Preseason-Ranking: Platz 17
Es gibt jedes Jahr Teams, die mit offensichtlichen Schwachstellen in die Saison gehen, auch unter den Franchises, die berechtigte Playoff-Ambitionen haben. Manchmal erweist sich diese Sorge dann als unbegründet. Weil junge Spieler sich besser entwickeln als gedacht, oder ein guter Play-Caller vermeintlich kompensieren kann. Manchmal werden einzelne Units im Vorfeld der Saison auch zu Unrecht zu sehr kritisiert.
Und dann gibt es die Teams, bei denen sich die Preseason-Sorgen ganz schnell als noch viel größere Regular-Season-Probleme entpuppen. Die diesjährigen Green Bay Packers sind ein solches Team, und die Rede ist natürlich von der Offensive Line.
Dass die Packers hier früh in Person von Zach Bako-Bewele ihren besten Spieler verloren haben, hilft natürlich nicht. Doch das ist über die ersten Wochen der Saison die schlechteste Line in der NFL. Das Run Game wird mit Josh Jacobs, sofern der überhaupt zurückkommt, vermutlich etwas besser aussehen - Räume wird auch der aber nicht haben. Und der Druck auf Love ist so groß, dass das Passing Game trotz der bisherigen Breakout-Saison von Matthew Golden ebenfalls keinen Rhythmus findet. Immerhin: Die Verpflichtungen von Mekhi Becton, Kevin Zeitler und Laken Tomlinson sollen jetzt helfen, eine Art Baseline zu finden.
Defensiv gab es zu Beginn einige positive Ansätze, ehe die Front gegen die Falcons im Run Game zusammenbrach. Die Rückkehr von Micah Parsons wird hier viele Dinge verbessern - wenn der dann auf 100 Prozent ist. Jetzt aber fällt zu allem Überfluss Edgerrin Cooper aus, einer der besten Verteidiger für Green Bay bislang in dieser Saison. Diesem Team fehlt bislang die Baseline, und das ist etwas, worauf sich Packers Fans in den letzten Jahren eigentlich immer verlassen konnten.
Preseason-Ranking: Platz 21
Die Saints sind ein gutes Beispiel dafür, wie sehr es den Floor eines Teams torpediert, wenn die eigene Run-Defense wackelt und man gleichzeitig selbst den Ball nicht laufen kann. Woche für Woche laufen die Saints früher oder später - meist früher - einem Rückstand hinterher, und es spricht für Tyler Shough, Chris Olave und das Passing Game, dass New Orleans sich häufig in diese Spiele zurück arbeiten kann. Hier sind die Saints explosiv und aggressiv und das ist der Kern ihrer Identität aktuell.
Doch ist das ein sehr schmaler Grat, wo man zudem auch nicht von Shough und dem Passing Game verlangen kann, dass Woche für Woche die Kohlen aus dem Feuer geholt werden. Die Saints müssen mit ihrem Run Game zumindest ein wenig Stabilität gewinnen, während die Defense in der Front einerseits schnell wieder gesünder werden muss, andererseits hier aber auch Defensive Coordinator Brandon Staley gefordert ist.
Die Saints hatten einen harten Schedule zum Start in diese Saison und haben sich dabei anfangs wacker geschlagen. Die Niederlagen gegen die Raiders und die Falcons haben aber Probleme unterstrichen, die New Orleans vorerst weiterhin begleiten werden - und ihnen letztlich in dieser Saison zum Verhängnis werden können.
Preseason-Ranking: Platz 19
Ohne zu existenziell werden zu wollen, aber ein wenig vielleicht doch: Wie lange noch? Wie lange wollen die Steelers noch jedes Jahr das exakt gleiche Essen im Restaurant buchen, um sich am Ende jedes Mal zu wundern, dass es gar nicht mal so gut schmeckt? Irgendwann werden wir die Antwort auf diese Frage bekommen. Aber noch nicht in diesem Jahr.
Denn dieses Jahr fühlt sich so an wie letztes Jahr, und das Jahr davor, und das Jahr davor, und so weiter. Mit einer Offense, die in puncto Konstanz, in puncto Floor und in puncto Verlässlichkeit viel zu wenig zu bieten hat, als dass man die Steelers für einen potenziellen Playoff-Run auf der Rechnung haben müsste. Und mit einer Defense, die noch immer extrem viel Qualität hat, die nach wie vor Big Plays kreieren kann, die Spiele kippen lassen können, aber die älter wird und bei der zunehmend die Frage im Raum steht, wann bei einigen der alternden Stars der Qualitätsabfall auf möglicherweise drastische Art und Weise kommt.
Also eigentlich alles wie immer. Rodgers wird den Ball nach wie vor bevorzugt schnell los, auch wenn er ihn dabei gelegentlich tief in Eins-gegen-Eins-Matchups wirft und positive Ausreißer-Spiele hat, wie gegen die Bengals. Die Offensive Line hat sich nach der Umstellung der rechten Seite stabilisiert, muss aber vermutlich noch mehr tragen können, spezifisch im Run Game. Andernfalls wird diese Offense keinen nachhaltigen Floor finden. Und dann steht am Ende vermutlich eine weitere Saison im Niemandsland.
Preseason-Ranking: Platz 27
Eine der positiven Überraschungen der ersten Wochen, und das nicht nur Record-technisch. Der neue Head Coach Klint Kubiak hat es geschafft, der Offense schnell eine klare Identität zu geben, und das obwohl Star-Tight-End Brock Bowers die ersten Wochen der Saison verpasst hat und Ashton Jeanty noch nicht wie bei 100 Prozent wirkt.
Nach dem Offense-Desaster letztes Jahr ist es eine signifikante Verbesserung. Die Raiders wirken viel besser gecoacht, die Line spielt besser und Kirk Cousins hat auch ohne eine starke Receiver-Gruppe die Chance, in diesen Umständen den Ball zu bewegen. Das macht er als guter Pocket Passer und idealer Scheme-Fit.
Die Defense musste in Woche 4 gegen die Chiefs zumindest was das Run Game angeht einen Rückschlag hinnehmen. Zuvor aber haben die Raiders auch auf der Seite des Balls gezeigt, dass sie in Matchups gegen Liga-Mittelfeld-Teams standhalten können. Und auch gegen Kansas City war es beachtlich, zu sehen, wie viel Druck Las Vegas kreieren konnte.
Die große offene Frage bleibt natürlich: Wann sehen wir Fernando Mendoza? Aber vielleicht ist es auch in seinem besten Sinne, ein Jahr hinter Cousins zu lernen, ehe die Raiders womöglich auch ihre Pass-Catcher-Gruppe noch weiter verbessern. Das Team spielt bislang gut genug, dass die Quarterback-Frage noch nicht gestellt werden muss, und das für sich fasst die Saison in Las Vegas bisher gut zusammen.
Preseason-Ranking: Platz 10
Die Eagles waren einmal mehr ein hochspannendes Team vor der Saison. Viel wurde darüber diskutiert, ob Jalen Hurts in einer Shanahan-ähnlichen-Offense funktionieren kann, ob er als klassischer Under Center Pocket Passer die Mitte des Feldes bedienen und die Ballverteiler-Rolle spielen kann.
Deutlich weniger wurde darüber gesprochen, inwieweit die offensive Struktur selbst greift. Und ob eine defensive Regression droht. Doch beides ist bislang der Fall. Die Defense ist anfälliger als im Vorjahr, insbesondere die Mitte des Feldes, eigentlich eine klare Stärke dieser Unit über die letzten Jahre, wackelt.

Und die offensive Struktur hält auch so gar nicht das, was man sich erhofft hat. Das Run Game ist eine Schwachstelle, kein Treiber. Regelmäßig bekommt man den Eindruck, dass gegnerische Defenses im Laufe eines Spiels einen sehr guten Zugriff auf alles bekommen, was die Eagles machen wollen. Saquon Barkley wirkt limitiert, Dallas Goedert ist verletzt, A.J. Brown ist weg und so bleibt als Trumpfkarte nur noch DeVonta Smith - der zuletzt ebenfalls ausfiel. Alles, was Under Center passieren soll, wirkt schwerfällig.
Das ist sehr wenig Baseline. Da ist es fast ironisch, dass es über die ersten beiden Wochen maßgeblich Hurts war, der die Offense antrieb. Das aber änderte sich mit dem Spiel gegen die Bears, gegen die Rams am Sonntag fiel die Offense auf ihren bisherigen Tiefpunkt. Immerhin die Defense zeigte gegen Los Angeles eine Antwort, doch die Eagles müssen auch mit den Verletzungen in der Line und vor allem durch das plötzliche Karriereende von Lane Johnson offensiv schnell Antworten finden, um strukturelle Sicherheit zu gewinnen. Andernfalls droht eine lange Saison. Und danach vermutlich ein größerer Umbruch.
Preseason-Ranking: Platz 6
Die Hoffnung aus Broncos-Sicht war, dass man an die Fortschritte der vergangenen Saison anknüpfen kann. Als Denver sehr langsam und sehr inkonstant in die Saison startete, im letzten Saisondrittel aber immer besser in die Spur fand, auch weil Bo Nix sich stabilisierte. Jetzt sollte der nächste Schritt in dieser Entwicklung folgen, nicht zuletzt mit dem Jaylen-Waddle-Trade als zusätzlichem Katalysator.
Teams nehmen irgendwann die Identität ihres Quarterbacks an, das ist eine dieser Football-Weisheiten, an der definitiv etwas dran ist. Die Broncos sind dafür vielleicht das aktuelle Paradebeispiel, denn Nix' Inkonstanz erinnert stark an die Frühphase der vergangenen Saison, und so tritt dann auch die ganze Offense auf. Und Nix ist nicht der Alleinverantwortliche dafür, Denver hat noch immer kein Run Game, die Playmaker werden auch aus einer schematischen Perspektive nicht vernünftig eingebunden, das Thema des neuen Play-Callers Davis Webb bleibt präsent. Doch auch Nix lässt Passfenster liegen, verlässt die Play-Struktur vorschnell und nimmt nur zu gerne die Checkdowns.
All das sorgt dafür, dass die Broncos sich sehr ähnlich anfühlen wie früh in der vergangenen Saison. Und das gilt auch für die Defense. Denn es gibt Matchups, in denen Denver dominant auf der Seite des Balls sein kann. Wenn das Blitzing in Kombination mit der Man Coverage greift, wenn die Defense Big Plays forcieren kann. Gegen San Francisco fand Denver einen guten Mittelweg, doch durch die aggressive Natur dieser Defense ist man damit auch stärker Matchup-abhängig als andere Top-Defenses. Tackling ist zudem weiterhin ein Problem. Bleibt zu hoffen, dass Pat Surtain jetzt nicht länger fehlt.
Preseason-Ranking: Platz 30
Nicht ganz leicht, dieses Team bislang zu greifen, deshalb starte ich mit den Beobachtungen, bei denen ich mir mit den Falcons nach vier Wochen relativ sicher bin. Die Defensive Line ist überraschend gut. Trotz der zahlreichen Ausfälle hier schaffen es die Falcons, Druck auf den Quarterback zu machen und hatten bereits einige gute Spiele auch gegen den Run. Die Packers, Steelers und Saints haben allesamt kein gutes Run Game, aber selbst in solchen Matchups muss man das erst einmal ausnutzen können. Die Falcons haben das auf eindrucksvolle Art und Weise geschafft.
Das ist der erste Punkt, der zweite ist, dass Atlanta in einem vorteilhaften Matchup noch immer Spiele mit seinen offensiven Stars und mit seinem Run Game diktieren kann. Das war gegen Green Bay exemplarisch zu beobachten, genau wie am Montagabend in New Orleans. Und das kann Atlanta - je nach Matchup - noch immer einen beachtlichen Floor geben und wird noch zu weiteren Siegen führen.
Zusätzlich schwierig ist die Analyse selbstredend dadurch, dass die Hälfte der bisher gespielten Saison mit Cooper Rush bestritten wurde, was sich sehr schnell als Muster ohne Wert entpuppt hat und wodurch die relevante Sample Size nach vier Wochen erheblich kleiner wird. Michael Penix musste bislang nicht mehr als die Game-Manager-Rolle übernehmen, weil das Run Game in seinen beiden Spielen so dominierte. Sollte er überzeugen, wenn die Falcons mehr von ihm brauchen, klettert Atlanta noch weiter.
Preseason-Ranking: Platz 12
Im Kern sind die Lions mehr oder weniger das Team, das man vor der Saison erwarten konnte. Eine Offense, die auch mit neuem Play-Caller und verbesserter Offensive Line noch immer stark von der individuellen Qualität ihrer Stars lebt, allen voran von Jahmyr Gibbs. Und eine Defense, die weiterhin mit einer dezimierten Secondary unterwegs ist und die enorme Schwierigkeiten hat.
Dieser Ist-Zustand war vor der Saison absehbar, hier bleibt zu hoffen, dass eine voraussichtlich zeitnahe Rückkehr von Safety Brian Branch für mehr Stabilität sorgen wird. Denn aktuell ist jedes Spiel ein Kraftakt, und weil die Offense nicht die verlässliche Dominanz hat wie einst unter Ben Johnson, fallen die defensiven Probleme umso mehr ins Gewicht. Die Niederlage in Carolina am Sonntagabend war ein Musterbeispiel dafür.
Den Lions fehlt zu sehr die Baseline, beziehungsweise die Baseline kommt aktuell fast nur aus der individuellen Qualität: Aidan Hutchinson, Jahmyr Gibbbs, Amon-Ra St. Brown, Jared Goff - das ist der Floor.
Branch kann eine Knackpunkt-Personalie hier sein, um noch mehr Dinge zu öffnen. Vielleicht gilt das in abgeschwächter Form auch offensiv mit der anstehenden Rückkehr von Center Cade Mays. Was die generelle Baseline angeht, muss die Hoffnung sein, dass sich die Offensive Line weiter steigert, sodass das Run Game hier noch mehr für einen verlässlichen Rhythmus sorgt. In der Hinsicht plagen den neuen Offensive Coordinator Drew Petzing ähnliche Schwierigkeiten, wie er sie schon zuletzt in Arizona hatte.
Preseason-Ranking: Platz 22
So ganz sicher bin ich noch nicht, was ich mit diesem Panthers-Team machen soll - ein nur allzu vertrautes Gefühl bei Carolina. Die Offense ist ohne Frage besser als im Vorjahr, Bryce Young spielt merklich besser, und das trotz einer von Verletzungen geplagten Offensive Line und zuletzt auch mehreren Receiver-Ausfällen. Das darf Mut machen, insbesondere weil die Art und Weise, wie Young mittlerweile spielt und wo er sich verbessert hat, direkt dazu beiträgt, dass die Offense konstanter ist.
Ist das nachhaltig? Ich denke ja, in Abstufungen. Gute Defenses, wie die der Browns etwa vor zwei Wochen, werden dem auch wieder einen Riegel vorschieben und Carolina merklich limitieren können. Aber wir sprechen über eine andere Ausgangslage mit den Panthers verglichen mit dem, wo wir bisher mit der Offense über die letzten Jahre standen.
Umso wichtiger wird es sein, dass die Defense sich steigert - und dass sie gesünder wird. Hier gab es zuletzt mehrere Ausfälle in der Secondary, aber auch die Front, in die in der Offseason so viel investiert wurde, zeigt noch viel Licht und Schatten.
Die Panthers sind ein Team, für das 2026 eine sehr positive Saison werden könnte. So ganz traue ich der Belastbarkeit dieser Prognose aber noch nicht.
Preseason-Ranking: Platz 8
Gut möglich, dass die Texans schlichtweg das gleiche Team sind wie letztes Jahr. Und wie im Jahr davor. Ein Team, das immer noch auf der Suche ist nach einer funktionalen Offensive Line, das extrem von Nico Collins abhängig ist und das kein Run Game hat. Und all das, obwohl C.J. Stroud sogar deutlich besser spielt als letztes Jahr.
Diese Offense in Kombination mit einer Elite-Defense, das hat die letzten Jahre immerhin verlässlich für die Postseason gereicht. Auch wenn die Resultate in den Playoffs dann in Summe ernüchternd waren.
Letztes Jahr schafften die Texans dabei auch noch den Turnaround nach einem 0-3-Start. Jetzt stehen sie 0-4, und im Gegensatz zum Vorjahr ist die Defense auch zumindest bislang nicht auf besagtem Elite-Level. Obwohl Will Anderson herausragend spielt.
Sollte Houston nicht abermals die spektakuläre Wende schaffen und den Fehlstart egalisieren, wird es interessant sein, zu sehen, welche Diskussionen nach der Saison geführt werden. Stroud wird durch die anstehenden Vertragsgespräche automatisch zum Thema werden, doch er ist nicht das Problem dieser Saison, zumindest bislang nicht.
Die Tatsache, dass Houston keine vernünftige Line installiert bekommt, dass DeMeco Ryans alles andere als ein glückliches Händchen mit seinen Offensive Coordinators bislang hat und zusätzlich auch nicht gerade mit gutem In-Game-Coaching auffällt, das sind Themen, die dann auf den Tisch müssen. 0-4 gibt nicht die wahre Qualität der Texans wieder, gerade defensiv erwarte ich einen Umschwung und die Offense ist, wenn fit, besser als im Vorjahr. Aber bislang ist Houston auch insbesondere defensiv noch ein gutes Stück von seiner Bestform entfernt. Und die Zeit läuft den Texans davon.
Preseason-Ranking: Platz 11
Die Offense der Patriots ist eine dieser Units, die man trotz des enttäuschenden Starts nicht zu früh abschreiben sollte. Natürlich war der Schedule letztes Jahr hilfreich, natürlich konnte man nicht davon ausgehen, dass Drake Maye diese enorme Effizienz im vertikalen Passing Game aufrechterhalten kann. Und das Run Game reißt nach wie vor keine Bäume aus, das war aber auch schon letztes Jahr der Fall.
Während ich beim Run-Game-Part auch im weiteren Saisonverlauf keine dramatische Verbesserung erwarte - die Verletzung von Mike Onwenu ist hier ein zusätzlicher Dämpfer -, muss man festhalten, dass A.J. Brown ein so essenzielles Puzzleteil für diese Offense ist, dass hier Geduld angesagt ist. Maye hatte unerwartet große Wackler und Probleme in der Frühphase dieser Saison, in der er bisweilen mit einer noch schwächeren Playmaker-Gruppe gespielt hat als im Vorjahr.
Das Spiel gegen die Bills kann hier sehr gut ein Katalysator gewesen sein, um eine Trendwende einzuläuten. Maye war gut gegen Buffalo und erinnerte deutlich mehr wieder an seine eigene Vorjahresversion, vor allem aber ließ er sich von einzelnen Fehlern nicht mehr so aus der Bahn werfen.
Wenn dann Brown zurück ist, wird das ohnehin auch andere Dinge wieder öffnen. Und die Defense zeigt in der Frühphase dieser Saison, dass sie eine Top-10-Unit sein kann. Mit einer physischen Front und einer Secondary, die auch Man-heavy agieren kann. Es fühlt sich in den ersten Wochen alles noch nicht so leichtfüßig und "einfach" an wie letztes Jahr im Laufe der Regular Season. Aber das muss nicht heißen, dass die Patriots dort nicht wieder hinkommen können.
Preseason-Ranking: Platz 18
Ziemlich sicher das Team, das am schwersten greifbar ist, deshalb das Offensichtliche zuerst: Die Defense ist bislang herausragend. Brian Flores ist selbst für seine Verhältnisse extrem aggressiv unterwegs, Minnesota blitzt bei fast jedem Play und macht das wahnsinnig gut. Das hat das Team durch die ersten Wochen der Saison getragen.
Die große Frage auf dieser Seite des Balls lautet: Kann Flores das über die ganze Saison so aufrechterhalten? Oder werden gegnerische Offenses im Laufe der Saison genügend Tape haben, dass sie hier mehr Antworten finden - sodass dann die individuellen Schwachstellen in der Defense sehr viel stärker ins Gewicht fallen?

Offensiv sind die Fragen viel fundamentaler. Durch die zwischenzeitliche Verletzung von Kyler Murray haben wir hier eine noch vergleichsweise kleine Sample Size. Gegen die Bucs hatte Murray einige gute Shots im Under Center Play Action Passspiel, auch gegen Miami hatte Murray ein gutes Spiel. Unklar ist noch, inwieweit Kevin O'Connell das designte Quarterback Run Game fest in seine Offense einbauen will. Das nicht zu tun, würde Murray einer seiner Stärken berauben, aber vielleicht sieht O'Connell es als zu großen Fremdkörper für sein Scheme?
Gegen die Dolphins fehlte Justin Jefferson, Minnesota punktete trotz eines guten Murray-Spiels nicht ansatzweise so, wie erhofft, auch weil Strafen und individuelle Fehler Drives torpedierten. Nach vier Wochen stehen die Vikings offensiv auf Platz 32 in Success Rate, Platz 27 in EPA pro Play und Platz 31 in Yards pro Spiel. In zwei der bisherigen vier Spiele blieb Minnesota ohne eigenen Touchdown.
Bereits in vier Wochen sollte hier mehr Klarheit herrschen, um dann auch Minnesota vernünftig weiter prognostizieren zu können. Für den Moment bleibe ich im Abwarten-Status mit einer Prise Optimismus.
Preseason-Ranking: Platz 14
Die Bengals sind ein merkwürdig frustrierendes Team nach den ersten vier Wochen. Die Defense ist, verglichen mit dem Vorjahr, definitiv verbessert. Allen voran die Defensive Line macht Spaß und gibt der gesamten Unit mehr Stabilität. Wirklich verlässlich ist das aber noch nicht, wie zuletzt Jacksonville und vor allem die Steelers in der Woche davor gezeigt haben. Denn hinter der Defensive Line gibt es nach wie vor zu viele Räume und zu viele Bereiche, die man attackieren kann.
Das macht es schwer, der Defense so richtig zu vertrauen, auch wenn man festhalten kann, dass die Bengals sich auf der Seite des Balls verbessert haben. Doch das Problem ist: Aktuell ist es auch schwer, der Offense so richtig zu vertrauen.
Und hier sprechen wir von einer anderen Ausgangslage. Die Defense war letztes Jahr eine der schlechtesten in der NFL. Hier geht es darum, sich ausreichend zu stabilisieren. Die Offense sollte, wenn alle Stars fit sind, eine der besten ligaweit sein. Das aber ist sie bislang noch nicht.
Im Gegenteil, Burrow spielt noch nicht auf seinem gewohnten Level, die Offensive Line ist anfälliger als vergangene Saison und die Offense ist, was sie ist: Wenn Burrow, Chase und Higgins Spiele an sich reißen können, ist das mitunter kaum zu verteidigen. Oder gar nicht. Aber gelingt das nicht, oder fällt, wie am Sonntag gegen die Jaguars, eine dieser Säulen aus, haben die Bengals zu wenig schematischen Floor, auf den sie zurückfallen können. Und ein verlässliches Run Game hat Cincinnati weiterhin nicht.
Wenn die offensiven Stars glänzen, haben die Bengals jetzt eine Defensive Line, die helfen kann, Führungen über die Zeit zu bringen. Aber ich weiß noch nicht, wie viel wir davon dieses Jahr bekommen werden.
Preseason-Ranking: Platz 15
Auf die große Euphorie in Woche 1 folgte zunächst die Ernüchterung in Woche 2. Und auch wenn sich die Verletzung von Caleb Williams im Nachhinein als weniger schwerwiegend entpuppte, als im ersten Moment befürchtet: Durch den Ausfall des Quarterbacks wissen wir nicht genau, was mit dieser Offense im weiteren Saisonverlauf noch alles möglich sein kann. Die Tatsache, dass es mit Case Keenum und Tyson Bagent trotzdem gut funktioniert hat, unterstreicht, wie gut Ben Johnson in seinem Job ist - und wie gut sein Run Game ist.
Die Bears sind ein aufregendes Team, ein explosives Team, ein ausgesprochen unterhaltsames Team. Sie sind kein komplettes Team. Das wussten wir auch vor der Saison schon, wenngleich die Defense nach dem horrenden Start gegen die Panthers deutlich besser in die Spur gefunden hat.
Deshalb gilt: Die Bears sind vielleicht näher dran an einem kompletten Team als gedacht. Wenn sie nämlich mit dem Run Game derart eindrucksvoll Spiele kontrollieren können, wird das auch die Defense in bessere Situationen bringen. Und das öffnet ganz andere Möglichkeiten.
Die Defense selbst ist nach dem desolaten Auftakt noch schwer zu greifen. Gegen Minnesota ließ man nur neun Punkte zu, aber eben auch in schlechtem Wetter gegen Carson Wentz. Gegen die Eagles waren es sieben Punkte, Philadelphia wirkt offensiv noch dysfunktionaler. Und die Jets sind vermutlich auch kein wirklich nützlicher Maßstab, zumindest aber macht die Defense in diesen vorteilhaften Matchups ihren Job.
Preseason-Ranking: Platz 9
Was Dak Prescott und CeeDee Lamb am Sonntag mit der Texans-Defense gemacht haben, unterstrich auf eindrucksvolle Art und Weise, dass die Cowboys eine der besten Quarterback-Receiver-Kombinationen in der NFL haben. George Pickens ist noch gar nicht der dominante Faktor, der er letztes Jahr war, hier ist also sogar noch Luft nach oben in Summe.
Doch wir wissen, was wir von der Cowboys-Offense bekommen. Und im Run Game sollte ebenfalls noch mehr möglich sein, die Rückkehr von Tyler Smith wird hier zeitnah helfen. Im Passing Game dagegen ist es eine der gefährlichsten Offenses in der NFL. Wenn Prescott auf diesem Level spielt, wenn Lamb und Pickens fit sind, dann wird Dallas für jede Defense mindestens mal unangenehme Probleme präsentieren.
Defensiv ist Geduld angesagt. Es ist eine schematisch größere Umstellung, bei der nach vier Wochen noch die Frage offen ist, ob die Cowboys das Personal dafür haben. Insbesondere, weil die Defensive Line noch nicht auf dem erhofften Level spielt, was wiederum die Linebacker-Defizite stärker in den Vordergrund rückt.
Die Hoffnung auf dieser Seite des Balls darf sein, dass der Trade für Joey Porter ein Katalysator für einen spürbaren Sprung der Unit insgesamt sein kann. Um zumindest ins Liga-Mittelfeld zu klettern. Das sollte noch immer realistisch sein.
Preseason-Ranking: Platz 4
Baltimore hat das Zeug dafür, im Laufe der Saison das kompletteste Team der Liga zu stellen. Doch dort sind die Ravens nach den ersten Spielen unter dem neuen Head Coach Jesse Minter noch nicht angekommen.
Die Offensive Line ist bereits jetzt angeschlagen, und neben der zwischenzeitlichen Verletzung von Left Tackle Ronnie Stanley sorgen vor allem die langfristigen Ausfälle gleich mehrerer Center für Bauchschmerzen. Die schwache Interior Offensive Line war bereits letztes Jahr ein konstantes Problem und es war kein Zufall, dass Baltimore mit Derrick Henry gegen Dallas in der Vorwoche mehrfach in kritischen Short-Yardage-Situationen gestoppt wurde. Wir haben einen Vorgeschmack bekommen, wie explosiv die Offense sein kann, aber Baltimore muss erst mehr Konstanz noch zeigen. Auf beiden Seiten des Balls.
Die Defense hat gerade Defensive Tackle Nnamdi Madubuike zurückbekommen und hat genug Qualität auf allen drei Ebenen, um eine Top-8-Unit zu sein. Dafür müssen nicht zuletzt die Safeties besser spielen. Minter sollte diese Seite des Balls im Laufe der Saison noch weiter steigern können, auch hier aber häuften sich zuletzt die Verletzungen.
Die erste große Frage jetzt lautet jedoch: Ist Lamar Jackson schnell wieder bei 100 Prozent?
Preseason-Ranking: Platz 16
Zwei Dinge ließen mich bei den Jaguars vor der Saison skeptisch zurück: Die Defense hatte im Vorjahr extrem von Takeaways profitiert, eine Qualität, die sich selten auf die Folgesaison übertragen lässt. Und: Die auf dem Papier anfällige Offensive Line könnte sehr gut das sein, was größere Sprünge im zweiten Jahr unter Liam Coen verhindert.
Wo stehen wir hier? Nach vier Spielen verzeichnen die Jaguars im Schnitt schon wieder zwei Takeaways pro Spiel und haben abermals eine Top-Run-Defense, während Travis Hunter sich mehr und mehr in einen sehr guten Cornerback entwickelt.
Das reicht auf der defensiven Seite des Balls, solange die Offense weiter so punktet. Denn die Sorgen hinsichtlich der Offensive Line erweisen sich bislang zwar als durchaus gerechtfertigt, doch Coen kreiert dennoch ein effizientes Run Game, auch weil Bhayshul Tuten ein Breakout-Jahr spielt. Und Trevor Lawrence knüpft, genau wie Parker Washington, nahtlos an die vergangene Saison an.
All das ist beachtlich, für ein Team, das in der Offseason keine wirklichen externen Verstärkungen verpflichtet hat, während gleichzeitig Leistungsträger gegangen sind. Vielleicht fehlt Jacksonville in der Folge am Ende die Substanz für den ganz tiefen Run, aber der Start in diese Saison bestätigt all die positiven Punkte aus dem Vorjahr.
Preseason-Ranking: Platz 1
Den Saisonstart hat man sich in Los Angeles sicher anders vorgestellt, doch selbst nach dem 1-2-Start war hier Ruhe angesagt. Das Australien-Spiel hatte man von vorne bis hinten in den Sand gesetzt, die Partie in Denver hätten die Rams ohne Frage gewinnen können, wenn nicht, mit Blick auf die Pass-Interference-Entscheidung am Ende, müssen. Und das ohne Top-Receiver Puka Nacua.
Ohnehin haben wir die Rams noch gar nicht bei voller Feuerkraft gesehen. Myles Garrett war in Woche 1 offensichtlich nicht fit und fällt seitdem aus. Aaron Donald gab sein Comeback erst in Woche 2. Nacua fiel nach Woche 1 aus. Am Sonntag fehlte Nummer-2-Corner Jaylen Watson.
Das klingt sehr nach Ausreden, ist aber wichtig für die Einordnung eines Saisonstarts, der sich, gemessen an den enormen Preseason-Erwartungen, so holprig angefühlt hat. Der Auftritt gegen die Eagles am Sonntag passte da ebenfalls rein: Ein holpriges Spiel, in dem die Rams sich mehrfach selbst im Weg standen und auch bei Stafford ziehen sich die Probleme durch die Saison: zu viele Ungenauigkeiten im Passspiel, Zweifel bezüglich seines Arms, zu viele Turnover-Bälle. Immerhin: Im Gegensatz zum Broncos-Spiel hatte dieses Mal Los Angeles das bessere Ende für sich.
Vielleicht waren die allgemeinen Superteam-Prognosen vor der Saison zu viel. Höchstwahrscheinlich sogar. Dennoch würde ich nicht ausschließen, dass die Rams im Laufe der zweiten Saisonhälfte aus allen Rohren feuern werden. Und vielleicht pünktlich zu den Playoffs in Bestform sind. Die Rams sind noch nicht da, wo sie sein wollen, aber sie sind, sofern sich Stafford stabilisiert, auch nicht so weit weg, wie der Record nahelegen würde.
Preseason-Ranking: Platz 2
Das kompletteste Team sind die Bills nicht. Noch nicht, zumindest. Denn dafür muss sich die Defense im Laufe der Saison noch deutlich steigern. Hier ist ein wenig Geduld angebracht, immerhin hat der neue Defensive Coordinator Jim Leonhard viele Dinge verändert, diese Prozesse dauern häufig auch tief in eine Saison hinein an und die Secondary war zuletzt angeschlagen. Ermutigend ist auf dieser Seite des Balls aber schon jetzt, was die Bills von Spielern wie Greg Rousseau und Deone Walker bekommen.
Die andere gute Nachricht ist: Buffalo wird diese Zeit vermutlich bekommen. Denn wenn die Offense wieder so spielt wie zum Start dieser Saison, wird die Defense den Bills vorerst nicht allzu viele Spiele gewinnen müssen. Ein Stop hier und da, ein Turnover hier und da, den Rest erledigen Josh Allen und Co.

Das ist bewusst flapsig formuliert, aber es ist auch nicht allzu weit weg von der Realität. Zumindest von einer Realität, die mit dieser Gruppe möglich ist. Die Offense ist explosiver unter Joe Brady in der neuen Head-Coach-Rolle und mit dem Run Game hinter der starken Offensive Line können die Bills Spiele auch nach wie vor kontrollieren. Wenn sie die Fehler wieder minimieren.
Gegen die Chargers kam man mit fünf Turnovern noch davon, gegen die Patriots setzte es auch durch die vielen individuellen Fehler die erste Niederlage. Diese Version der Bills haben wir in den vergangenen Jahren ebenfalls gesehen und das ist die Version, die Fans in Buffalo die nächste Playoff-Enttäuschung befürchten lässt.
Preseason-Ranking: Platz 3
Die Art und Weise, wie problemlos Seattle ohne Sam Darnold den Auftakt dieser Saison bewältigt hat, war in zweierlei Hinsicht beeindruckend: Zum einen hat Drew Lock gezeigt, dass er nicht mehr dieser unberechenbare Quarterback vergangener Tage ist, sondern dass er als Game Manager und Komplementär-Spieler seine Sache beachtlich gut machen kann. Vielleicht sprechen wir darüber in der kommenden Offseason noch einmal.
Zum anderen aber hat der Titelverteidiger auf eindrucksvolle Art und Weise unterstrichen, wie komplett dieses Team ist. Die nach wie vor beste Defense in der NFL ist die Basis für alles, und das auch spezifisch in der Art und Weise, wie sie Offenses erdrückt und so Spiele prägt.
Kaum jemand ist in der Lage, die Seahawks vertikal im Passing Game zu attackieren - und gegen diese Front können auch nur die wenigsten Teams den Ball am Boden bewegen. Das führt dazu, dass es sehr viele sehr lange Drives braucht, um zu Punkten zu kommen. Drives, bei denen die Offense nicht viel Spielraum für Fehler hat, denn lange Second und Third Downs sind insbesondere gegen diese Defense schnelle Wege, um den Punter aufs Feld zu bekommen. Das Spiel gegen Washington war hier eine unerwartete Ausnahme, die aber zumindest teilweise durch die Verletzungen in der Secondary erklärbar war.
Die Offense funktioniert auch unter dem neuen Offensive Coordinator Brian Fleury, weil Jaxon Smith-Njigba sich zunehmend als Top-3-Receiver etabliert, auch wenn die sichere Konstanz was das Run Game angeht mitunter weiterhin fehlt. Man könnte also zusammenfassend auch sagen: alles wie letztes Jahr.
Preseason-Ranking: Platz 13
Es ist so offensichtlich erkennbar, dass die Chiefs einen gänzlich anderen offensiven Vibe haben als in den vergangenen Jahren. Denn selbst vor der vergangenen Saison, also als Kansas City noch Jahr für Jahr tiefe Playoff-Runs bis in den Super Bowl hinlegte, wurde zunehmend offensichtlich, dass die Offense kränkelt. Dass sehr viel von Patrick Mahomes und Travis Kelce abhing, um hier halbwegs ausreichend effizient und schließlich in den Playoffs auf den Punkt da zu sein.
Dieses Chiefs-Team bietet ein ganz anderes Bild. Es ist das erste Mal unter Andy Reid, dass Kansas City als ein Under-Center-Rushing-Team auftritt. Und das im besten Sinne: Die Chiefs laufen den Ball mit Kenneth Walker nicht nur effizient und explosiv, sie bauen auch das Passing Game stark darauf auf. Etwas, das den Chiefs in den letzten Jahren deutlich gefehlt hat.
Das trägt dazu bei, dass die Offense sich so viel runder anfühlt - obwohl Kansas City noch immer keinen echten Unterschiedsspieler bei den Pass-Catchern hat. Und die Verletzung von Tyquan Thornton zwingt die Chiefs hier womöglich zum Handeln, doch auch Mahomes spielt individuell wieder deutlich besser.
Die Defense ist noch etwas schwerer greifbar. Dominant gegen Denver, dann anfällig gegen die Colts. Miami ist kein wirklicher Maßstab, gegen die Raiders konnten die Chiefs zwar den Run stoppen, das aber schafft gegen Las Vegas derzeit jeder. Die gute Nachricht hier: Die jungen Spieler haben einen positiven ersten Eindruck hinterlassen. Wenn Mansoor Delane, R Mason Thomas und Peter Woods darauf aufbauen, kann das bis zu den Playoffs eine schlagkräftige Defense sein - und im Zusammenspiel mit der effizienten und wieder explosiveren Offense ein Team, das in den Playoffs mal wieder sehr weit kommen kann.
Preseason-Ranking: Platz 5
Mein Take zu den 49ers, und warum ich sie trotz der Preseason-Ungewissheit in der Top 5 einsortiert hatte, war: Wenn dieses Team zum richtigen Zeitpunkt einigermaßen gesund ist, ist das ein klarer Titelkandidat!
Nun war der Start in die Saison auch in der Hinsicht holprig, unter anderem durch den Ausfall von Top-Rookie De’Zhaun Stribling sowie der jüngsten Verletzung von Nick Bosa, der einige Wochen lang ausfällt. Am Sonntag verletzte sich dann noch Kyle Juszczyk. Weitere katastrophale Ausfälle blieben bislang aus, und wenige Teams sahen über die ersten Wochen der Saison besser aus. Die Offense läuft rund, das Run Game wirkt im Vergleich zum Vorjahr klar verbessert, die Offensive Line ist eine gute bis sehr gute Unit und Mike Evans hat sich schnell als der Spieler bestätigt, der die Offense noch mehr öffnen kann. Exakt diese Rolle konnten die Niners im Vorjahr nicht besetzen.
Das wurde zumindest in Phasen auch gegen die Broncos deutlich. Denvers Defense präsentierte die bis dato härteste Herausforderung für San Francisco, und stellte klar, dass die Niners-Offense nicht immer so mühelos den Ball bewegen wird, wie in den ersten drei Wochen.
Dazu kommt aber, dass Brock Purdy einen sehr guten Saisonstart hatte, und so geben die Niners in der Frühphase dieser Saison ein eindrucksvoll komplettes Bild ab. Die Offense bewegt den Ball sicherer als im Vorjahr, und dass die Defense allein durch die Rückkehr der Vorjahres-Verletzten deutlich stabiler sein würde, war absehbar. Das in Kombination mit dem Pass-Rush-Upgrade durch Osa Odighizuwa gibt den Niners hier, angeführt von Fred Warner und zeitnah wohl auch wieder Bosa, eine schlagkräftige Unit. Sofern sie denn fit bleibt.
Adrian Franke