12.08.2026
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Die NFL ist endlich zurück! Und mit dem Start der Preseason kommen endlich Fragen greifbar auf die Agenda, die direkten Einfluss auf die Saison haben werden. Quarterback-Duelle werden entschieden, andere Spieler wollen sich für mehr Snaps empfehlen - oder womöglich auch für einen Trade.

Fernando Mendoza: Was individuelle Spieler angeht, ist das Highlight einer Preseason fast immer der erste Blick auf die neuen Rookie-Quarterbacks. Mit natürlich dem wichtigen Hinweis auf den Kontext der Preseason - Backups stehen auf dem Platz, Defenses spielen nur rudimentäre Schemes ohne Game Plan. Aber dennoch gibt es diese Ausnahme-Momente, die Dinge verändern können. Das Paradebeispiel hierfür dürfte nach wie vor die Rookie-Preseason von Dak Prescott 2016 sein.
Und die Situation in Las Vegas ist nicht so gefestigt, dass hier irgendetwas unantastbar wäre. Sicher, Routinier Kirk Cousins erst einmal zu starten und Fernando Mendoza langsam heranzuführen, das mag der bevorzugte Plan sein.
Aber eine "zu gute" Preseason des Nummer-1-Overall-Picks könnte hier auch eine Planänderung forcieren.
Erstes Spiel: Arizona Cardinals (14. August, 2 Uhr)
Carson Beck: Obwohl zwei Quarterbacks in Runde 1 des vergangenen Drafts ausgewählt worden sind und Carson Back "nur" ein Drittrunden-Pick gewesen ist, ist nicht auszuschließen, dass er als erster Rookie-Quarterback relevante Snaps in der Regular Season bekommt.
Ty Simpson wird in Los Angeles nur im Falle einer Verletzung von Aushängeschild Matt Stafford spielen. Und die Raiders scheinen wie bereits erwähnt zumindest den klaren Plan zu haben, Cousins starten zu lassen und Nummer-1-Overall-Pick Mendoza bewusst langsam heranzuführen.
Bei den Arizona Cardinals gibt es weder einen etablierten Starter - auch wenn sich die Cards für 2026 mittlerweile mit Jacoby Brissett finanziell geeinigt haben - noch ist Beck ein so langfristiges Investment, verglichen mit Mendoza, dass man einen behutsamen Plan für ihn entwerfen würde. Eher das Gegenteil ist der Fall: Wenn Arizona im kommenden Draft einen Top-3-Pick hat - keineswegs eine unrealistische Prognose - wäre hier ein Quarterback das wahrscheinlichste Szenario.

Umso sinnvoller wäre es, eine möglichst große Sample Size von Beck in der kommenden Saison zu bekommen, um ihn einschätzen zu können. Brissett sollte ein guter Scheme-Fit sein, aber natürlich ist er nicht die langfristige Lösung bei den Cardinals. Das gilt vermutlich auch für Beck selbst, aber es steckt mehr Wert darin, herauszufinden, ob der Rookie nicht vielleicht doch überraschen kann.
Die Preseason könnte ein erster Wegweiser dafür sein - und im Fall von Beck gab es die erste Kostprobe bereits, da die Cardinals im Hall of Fame Game bereits spielten. Beck hinterließ dabei einen sehr guten Eindruck, wirkte komfortabel innerhalb der Basis-Version der Offense, verteilte den Ball schnell, war präzise, zeigte Touch und hatte mehrere Big Plays, wenngleich gerade bei tieferen Pässen auch dabei auffiel, wie viel Luft er unter den Ball packen muss.
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Dennoch: Wenn Beck in der weiteren Preseason an seinen ersten Auftritt anknüpfen kann, wird es eine zumindest so früh in der Saison unerwartet interessante Quarterback-Konversation in Arizona geben.
Nächstes Spiel: Las Vegas Raiders (14. August, 2 Uhr)
Die Wide-Receiver-Situation bei den Chiefs: Es ist August und wir sprechen mal wieder über die Pass-Catcher-Situation in Kansas City. Denn während Rashee Rice nach seiner Knie-Operation noch weit entfernt von seinem gewohnten Level zu sein scheint, fiel Xavier Worthy prompt mit einer Schulterverletzung aus.
Gut, dass Rookie Cyrus Allen eine der großen Überraschungen des Training Camps war. Fast ironisch-folgerichtig im Kontext dieser Misere, dass er sich dann prompt bei einem Special-Teams-Snap eine Knochenprellung zuzog.
Die gute Nachricht ist, dass Allen - genau wie Worthy - wohl mit dem sprichwörtlichen blauen Auge davongekommen ist. Bei Worthy ist nach der schweren Schulterverletzung im Vorjahr sicher noch mehr Vorsicht geboten, beide sollten aber nicht längerfristig fehlen. Und doch wurde, während beide einige Tage verpassten, schlagartig deutlich, wie dünn die Chiefs nach wie vor bei den Pass-Catchern besetzt sind.
In der Preseason stehen jetzt drei Dinge im Vordergrund: Was sehen wir von Worthy und Rice, sollten die beiden auf dem Platz stehen? Allen ist der beste Route Runner dieser Gruppe, kann er die sehr guten Trainingseindrücke, die auch Mahomes und Andy Reid hervorgehoben haben, bestätigen? Und gibt es einen Spieler aus der Gruppe dahinter - Jalen Royals, Tyquan Thornton, Nikko Remigio, Jeff Caldwell -, der in der Preseason auf sich aufmerksam machen kann?
Erstes Spiel: Los Angeles Rams (15. August, 22 Uhr)
Spielt Travis Hunter - und wenn ja, wo? In seinem ersten - und einzigen - Preseason-Spiel als Rookie absolvierte Travis Hunter elf Snaps in der Offense sowie acht in der Defense. Es war das damals mit Spannung erwartete Debüt eines echten 2-Way-Players, der also beide Seiten des Balls spielen sollte.
Es folgte eine Rookie-Saison mit Höhen, Tiefen und einem verletzungsbedingt zu schnellen Ende, was jetzt die Frage mitbringt: Ist Hunter künftig primär ein Cornerback, der hinter Brian Thomas, Jakobi Meyers und Parker Washington gelegentliche Offense-Snaps bekommt? Das würde mit Blick auf die aktuelle Kaderzusammensetzung in Jacksonville Sinn ergeben.
Oder halten die Jaguars an ihrem Plan fest, Hunter fix auf beiden Seiten des Balls einzuplanen? Im Camp hat er auffällig viel X-Receiver gespielt, das könnte eine Rolle sein, die er auch in kleinerem Umfang ausfüllen kann. Um etwa mehr Freiheiten für Brian Thomas zu gewinnen. Die Preseason könnte hier weitere Tendenzen offenlegen.
Erstes Spiel: New Orleans Saints (15. August, 22 Uhr)

Justin Fields: Patrick Mahomes hat in seiner Reha bis dato bemerkenswert schnelle Fortschritte gezeigt. Es scheint realistisch, dass er bis Woche 1 fit wird - und das nach einem Mitte Dezember erlittenen Kreuzbandriss. Eine ungewöhnlich schnelle Timeline.
Gleichzeitig könnte Kansas City aber auch Vorsicht walten lassen. Die Chiefs eröffnen die Saison zwar gegen Denver, die nächsten drei Spiele aber sind gegen die Colts, die Dolphins und die Raiders, ehe es in die frühe Week-5-Auszeit geht. Justin Fields wurde in dieser Offseason als neuer Backup geholt, und er sollte gut genug sein, dass man zumindest 2-2 starten kann. Das würde Mahomes fünf Wochen mehr Reha-Zeit geben, um dann nach der Bye Week zurückzukehren.

Vielleicht ist das alles eine überflüssige Storyline, weil Mahomes es sich nicht nehmen lässt, zum Saisonauftakt auf dem Platz zu stehen. Für die Chiefs wird die Preseason dennoch wichtig sein, um zu sehen, was sie in Fields haben. Und gegebenenfalls im nächsten Schritt auch, um Rookie-Quarterback Garrett Nussmeier zu testen.
Erstes Spiel: Los Angeles Rams (15. August, 22 Uhr)
Die Quarterback-Situation in Indianapolis: Daniel Jones macht gute Fortschritte in der Reha nach seinem Achillessehnenriss und hat überraschend schnell von den Ärzten grünes Licht bekommen. Er trainiert bereits seit einer Weile wieder mit, dennoch wird er in der Preseason nicht spielen. Die Colts peilen aber ganz klar Week 1 für Jones an.
Diese Preseason könnte also die vorerst letzte Chance sein, Anthony Richardson in Aktion zu sehen. Und im Umkehrschluss für Richardson die vorerst letzte Chance, sich zu zeigen. Die Colts könnten die Preseason als Schaufenster sehen, um Richardson vielleicht doch noch vor Saisonstart per Trade abzugeben. Insbesondere, wenn klar ist, dass Jones für Woche 1 fit ist.
In Indianapolis wird Richardson wohl keine Erfolgsgeschichte mehr. Aber dass ein talentierter Quarterback nach einem Tapetenwechsel plötzlich doch aufblüht, ist eine der prägenden, übergreifenden Storylines in der NFL seit mehreren Jahren. Jones bei den Colts ist selbst ein Beispiel dafür. Das Talent hat Richardson, doch er muss fit bleiben, er muss zeigen, dass er sich als Anführer auf der wichtigsten Position weiterentwickelt hat - und konkret in der Preseason könnte er anderen Teams zeigen, dass er seine Accuracy verbessert hat.

Man kann argumentieren, dass sich für keinen Spieler individuell die kommende Preseason als wichtiger erweisen könnte, als für Richardson. Wer weiß, wann er das nächste Mal die Gelegenheit bekommt, sich zu zeigen.
Erstes Spiel: New England Patriots (14. August, 1.30 Uhr)
Jadarian Price: Jeremiyah Love war vor dem Draft der Notre-Dame-Running-Back, von dem jeder geschwärmt hat. Und das zurecht, Love ist ohne Frage das sportlich bessere Prospect, verglichen mit seinem College-Teamkollegen Jadarian Price. Doch auch Price wurde in der 1. Runde ausgewählt - und ist in einer deutlich besseren Situation gelandet als Love.
Das gilt nicht nur für den sportlichen Rahmen, Titelverteidiger Seattle bietet selbstverständlich die klar besseren Umstände als Love sie in Arizona vorfindet. Es gilt auch für die Backfield-Situation: Während Love in Arizona in ein vergleichsweise tiefes Backfield kommt, ist die Konkurrenz für Price in Seattle sehr überschaubar.
Denn Kenneth Walker hat die Seahawks in der Free Agency verlassen, Zach Charbonnet wurde nach seinem Kreuzbandriss erst Ende Februar operiert und dürfte weite Teile der ersten Saisonhälfte verpassen.
Die interne Konkurrenz auf Snaps für Price beschränkt sich damit auf George Holani und Emanuel Wilson. Sofern Seattle mit seiner Pre-Draft-Analyse für Price nicht sehr daneben gelegen hat, sollte Price dieses Backfied klar anführen. Die Seahawks werden einen ersten Eindruck davon im Training Camp bekommen - und in der Preseason werden sie diese Eindrücke teilen, wenn sie die Hackordnung offenbaren.
Bekommt Price im Laufe der Preseason die eindeutige Starter-Behandlung? Oder sehen wir ihn häufiger auch mit den Backups auf dem Platz und eine intensivere Rotation kündigt sich selbst ohne Charbonnet an?
Erstes Spiel: Dallas Cowboys (16. August, 2 Uhr)
Wie viel sehen wir schon von der neuen Eagles-Offense? Es ist eines der spannendsten Themen dieser Offseason. Die Eagles bauen ihre Offense radikal um und wollen schematisch neue Wege beschreiten. Es soll mehr in die Shanahan-/McVay-Richtung gehen, was auch bedeuten würde: Mehr Under Center, mehr (Play Action) Passing Game über die Mitte, ein ganz neuer Vibe.
Das erfordert möglichst viele Snaps in der Wiederholung, und so könnten Eagles-Fans in der Preseason mal wieder in den Genuss einiger Starting-Quarterback-Snaps kommen. Jalen Hurts hat zuletzt 2022 in der Preseason gespielt.

Selbst wenn Nick Sirianni hier seiner Linie treu bleibt und Hurts raus hält, sollte es strukturell dennoch anders aussehen. Und erste Hinweise auf das geben, was wir von Philadelphia in der Regular Season erwarten können.
Erstes Spiel: Baltimore Ravens (16. August, 1 Uhr)
Ty Simpson: Dass Sean McVay in der Preseason seine Starter nicht aufs Feld lässt, ist kein Geheimnis. Da kommt es für alle Preseason-Connoisseure gelegen, dass der interessanteste weil unbekannteste Neuzugang der Rams in dieser Offseason kein Starter ist: Der eingangs bereits thematisierte Quarterback Simpson, den die Rams überraschend in der ersten Runde des Drafts ausgewählt haben, soll perspektivisch herangeführt werden. "Für die Zeit nach Stafford", wie es die Kalifornier selbst schon im Zuge des Drafts verkündet hatten.
Für 2026 ist der mit seinen 37 Jahren erstmals zum MVP gekrönte Oldie dennoch der unangefochtene Starter, womöglich auch 2027 noch. Gut möglich, dass es also eine Weile dauern wird, ehe wir Simpson erstmals auf einem NFL-Feld sehen. Die Preseason ist bis dahin die beste Chance, ein erstes Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Zeit Simpson noch brauchen wird. Selbst wenn das mit Backups um ihn herum passieren wird.
Erstes Spiel: Kansas City Chiefs (15. August, 22 Uhr)
Adrian Franke