football-world
    • Football Heute
    • Schlagzeilen
    • Videos
    • Wettbewerbe
  • USA
    • NFL
    • College
    • NFL in Deutschland
  • Europa
    • Football in Europa
  • Deutschland
    • GFL
    • Nationalmannschaft
  • Mehr Football
    • Flag Football
    • Regeln
  • Sonstiges
    • Facebook
    • Instagram
    • Impressum
    • Datenschutz
    • Nutzungsbedingungen
Partner des kicker.de

    NFL

    14.07.2026

    Viele Höhen und Tiefen

    San Francisco 49ers 2025: Eine Saison mit verschiedenen Gesichtern

    Passend zum anstehenden Start des Training-Camps zur Saison 2026 folgt ein kurzer, aber doch vertiefter Blick in die Statistiken der Saison 2025. Wer die Saison 2025 der San Francisco 49ers nur über die nackte 12-5 Bilanz und einem Playoff-Erfolg erschließen will, wird kaum verstehen, was in diesem Jahr tatsächlich passiert ist, denn hinter diesem soliden Ergebnis verbirgt sich keine ausgewogene Spitzenmannschaft, sondern ein Team, das in seinen drei Phasen so unterschiedlich auftrat, wie man es in der modernen NFL selten sieht.

    Brock Purdy von den San Francisco 49ers
    Brock Purdy ist das Gesicht der 49ers IMAGO/Icon Sportswire

    Als Kompass dient das DVOA (Defense-adjusted Value Over Average) aus dem kürzlich veröffentlichten FTN Football Almanac von Aaron Schatz, das ähnlich dem EPA-Konzept jeden Spielzug gegen den Liga-Durchschnitt in derselben Situation abgleicht und die Gegnerstärke herausrechnet. Der Gesamt-DVOA der 49ers lag bei +9,9 Prozent (Rang 10), ein Top-10-Team also, allerdings eines mit extremer Streuung zwischen den Einheiten und das in einer Saison, in der Brock Purdy acht Starts sowie die Defensiv-Stars Nick Bosa und Fred Warner lange Strecken verpassten.

    Die Offense: die zweitbeste der Liga

    Die Offense war das Fundament, auf dem alles ruhte, denn ihr DVOA von +17,6 Prozent bedeutete Rang 2 der gesamten NFL. Die EPA-Werte (Expected Points Added) stützen das mit +0,200 EPA/Play im Passspiel (Rang 5) und einer Success Rate von 53,7 Prozent (Rang 3), hinter der auch die Klasse des Playcallings von Kyle Shanahan aufblitzt. Im Zentrum stand Brock Purdy, dessen Profil in nahezu allen entscheidenden Metriken kaum zu überbieten war: EPA/Play von +0,328 (Rang 1 der Liga), Success Rate von 56,7 Prozent (Rang 1), DVOA von +29,5 Prozent (Rang 2) und ein QBR von 72,8 (Rang 2).

    Besonders aussagekräftig dürfte seine Pressure-to-Sack Rate von 9,0 Prozent sein, der beste Wert der Liga. Geriet Purdy unter Druck, wandelte er ihn nur selten in einen Sack um, was umso wichtiger war, als die Interior Offensive Line im Pass Blocking nur Mittelmaß bot. Das brachte ihm auch erst jüngst im QB-Ranking von PFF den 10. Platz ein. Auch Vertreter Mac Jones fügte sich mit +0,184 EPA/Play (Rang 9) und einem DVOA von +19,0 Prozent (Rang 8) nahtlos ein und zeigte nochmals die Klasse von Kyle Shanahan.

    Bei den Reveivern ragten zwei Namen heraus, von denen keiner ein klassischer Wide Receiver ist: Tight End George Kittle mit 2,11 Yards per Route Run (Rang 3) und dem besten ESPN-Tracking-Wert aller Tight Ends (76), und Running Back Christian McCaffrey, der aus dem Backfield zur gefährlichsten Passwaffe wurde mit einer Target Share von 23,45 Prozent (Rang 1), EPA/Target von +0,25 (Rang 3) und ein glatter ESPN-Receiving-Wert von 99 (Rang 1).

    Die einzige echte Schwäche war ausgerechnet das Laufspiel: Rushing-EPA von -0,028 (Rang 12) zeigt das das Run Blocking nicht wie gewohnt funktionierte und selbst McCaffrey enttäuschte als Runner mit -0,5 Rushing Yards over Expectation (Rang 45). Am Boden also nur noch Durchschnitt, während er durch die Luft die Liga anführte.

    Die Defense: das Sorgenkind

    So glänzend die Offense, so ernüchternd die andere Seite des Balls, denn der Defense-DVOA von +9,0 Prozent bedeutete Rang 27. Die EPA-Werte erzählen dieselbe Geschichte (+0,077 EPA/Play, Rang 26). Worin lag das Problem? Eindeutig in der Pass Defense, die mit +0,179 EPA gegen den Pass (Rang 27) im untersten Ligadrittel rangierte, während die Einheit gegen den explosiven Lauf mit -0,089 EPA (Rang 10) durchaus ordentlich stand.

    Effiziente Runs stoppte sie allerdings kaum konstant (Success Rate 45,3 Prozent, Rang 29). Die Detailwerte führen fast alle zu einem Namen zurück, der fehlte: Ohne Nick Bosa kam kaum Druck zustande, denn unter den Edge-Rushern erreichte nur Yetur Gross-Matos mit einer Pass Rush Win Rate von 16,3 Prozent (Rang 18) einen brauchbaren Wert, während der verletzte Rookie Mykel Williams (Rang 95) und die jungen Interior-Tackles Alfred Collins und C.J. West weit zurücklagen.

    In der Secondary war Cornerback Renardo Green aus statistischer Perspektive der überraschende Lichtblick (erlaubte Reception Rate von 52,1 Prozent, Rang 14; Missed-Tackle-Rate von 4,5 Prozent, Rang 7), während Deommodore Lenoir zwar respektiert wurde und daher wenig angeworfen wurde, bei den Targets aber doch zu viele Catches zuließ (65,3% Catch Rate, Rang 74).

    Insgesamt gilt eine differenzierte Einordnung: Ein Teil dieser Schwäche geht auf spielerische Mängel in einer jungen Secondary zurück, ein großer Teil aber auf die Ausfälle in der Front Seven, weshalb ein gesunder Bosa und Warner diese Rangliste 2026 vermutlich spürbar verändern dürfte.

    Special Teams: der heimliche Faktor

    Die dritte Phase entschied mehr Spiele, als ihr DVOA von +1,4 Prozent (Rang 13) vermuten lässt, zumal 2024 noch -5,6 Prozent (Rang 31) zu Buche standen. Solide waren die Returns (Kick-Return +6,6, Rang 5), und Eddy Piñeiro stabilisierte die zuvor chaotische Kicker-Position. Doch der eigentliche Ausschlag kam aus den „Hidden"-Punkten, die vor allem messen, was die Gegner tun: Hier lag San Francisco mit +29,6 Punkten an der Spitze der gesamten Liga, weil gegnerische Kicker nur 21 von 32 Field Goals trafen (66 Prozent, Liga-Schnitt 86) und damit rund 20 Punkte liegen ließen.

    Ist das Können oder Glück? Man muss ehrlich sein: Gegnerische Fehlschüsse lassen sich nicht erzwingen, weshalb ein Großteil dieses Vorteils schlicht Glück gewesen sein dürfte. Aber es ist genau die Art unsichtbarer Feldvorteil, der einem Team mit löchriger Defense enge Spiele rettet.

    Was das für 2026 bedeutet

    Fügt man die drei Phasen zusammen, ergibt die Saison auch aus der Erinnerung heraus dann irgendwie Sinn: Eine Offense auf Rang 2 und glückliche Special Teams kompensierten eine Defense auf Rang 27. Die 49ers gewannen also nicht als ausgewogene Top-Mannschaft, sondern kompensierten ihre desolate Passverteidigung mit offensiver Effizienz und einem glücklichen Special-Teams-Jahr - eine Konstruktion, die funktioniert hat, aber auf wackligerem Fundament steht, als Rang 10 vermuten lässt.

    Wie viel davon ist wiederholbar? Um die Offense muss man sich am wenigsten sorgen, sie lieferte Rang 2 mit halbem Kader. Zwei Warnsignale bleiben aber: eine Defense, deren Erholung stark davon abhängt, wie sich die junge Secondary unter dem neuen Defensive Coordinator Raheem Morris entwickelt, und Special Teams, deren Sprung zu großen Teilen auf 20 geschenkten Gegner-Punkten beruhte - auf ein solches Glück wird man sich kein zweites Mal verlassen können.

    Chris Pracher