17.09.2026
GFL-Kolumne
Im Halbfinale der effect® ENERGY GFL kämpfen die Schwäbisch Hall Unicorns gegen die Potsdam Royals und die Dresden Monarchs gegen die Pforzheim Wilddogs um den Einzug in den GFL Bowl am 3. Oktober. Die Playoffs erreichen damit ihren Höhepunkt und football-world.de schaut auf die wichtigsten Playmaker und alles Wissenswerte zu den beiden Duellen.

Im OPTIMA Sportpark treffen mit den Schwäbisch Hall Unicorns und den Potsdam Royals zwei echte Schwergewichte aufeinander. 2022 und 2023 spielten beide Kontrahenten erst im Endspiel gegeneinander. Einmal waren die Unicorns siegreich. Beim letzten Aufeinandertreffen gewannen die Royals zum ersten Mal das Finale.
Zwei der besten Defenses und Offenses finden nun zu einem echten Kracher zueinander. Doch beide zeigten im Viertelfinale unterschiedliche Gesichter. Während Schwäbisch Hall nur knapp einer Niederlage gegen die Düsseldorf Panther entgehen konnte, triumphierten die Royals sehr deutlich über die ifm Razorbacks Ravensburg.
Julius Klenk ist nach dem Ausfall von Stamm-Quarterback Lars Heidrich auf der Spielmacher-Position gesetzt. Die Anwesenheit eines deutschen Signalcallers auf dem Feld, erlaubt es den Hallern, zwei US-Imports auf den Platz zu schicken. Wichtigste Anspielstation ist Rayjuon Pringle. Er erzielt gemeinsam mit Runningback Kelley Joiner fast die Hälfte aller Touchdowns für sein Team.
Gegen Potsdam ist das aber kein Vorteil. Denn mit Quarterback Hugh "Bay" Harvey steht auf Seiten der Royals ein gebürtiger Schweizer. Gemeinsam mit seinem Landsmann Milan Spiller, weiteren US-Receivern und zwei deutschen Runningbacks im Backfield strotzen die Brandenburger nur so vor Feuerkraft.
Ihre aggressive Spielweise auf beiden Seiten des Balles hat in diesem Jahr häufig den Unterschied ausgemacht. Doch Joiner steht bei den Hallern für ausladende Explosive Plays und Monteze Latimore ist der größte Ball-Hawk in der GFL und der beste defensive Scorer der Liga.
Die Royals sind gewarnt, werden aber ihr Spiel kaum an die Gegebenheiten anpassen. Entweder geht dieser Plan auf und man bremst die Haller gleichzeitig in ihren Angriffsbemühungen. Oder Schwäbisch Hall kann im eigenen Stadion über Turnover und die eigenen Special Teams für den nötigen Momentum Swing sorgen, damit die Überraschung gegen den dreifachen amtierenden Serien-Champion gelingt. So oder so, wird es ein spektakulärer Nachmittag.
Im Heinz-Steyer-Stadion wartet auf die Dresden Monarchs, zumindest auf dem Papier, eine ganz andere Aufgabe. Dresden ist mit einer 12:0-Bilanz, seiner perfekt abgestimmten
Defense und dem MVP-würdigen Tandem aus Quarterback Rocky Lombardi und Wide Receiver Montigo Moss der klare Favorit auf den Sieg. Mental kann der Druck, das Finale in der eigenen sächsischen Heimat unbedingt erreichen zu wollen, aber auch schwer auf den Schultern lasten, während die Pforzheim Wilddogs frei aufspielen können.
Für Pforzheim ist der Einzug ins Halbfinale historisch. Alles, was noch kommt, ist die Zugabe auf die beste Saison der Vereinsgeschichte in ihrer zweiten Saison im deutschen Oberhaus. Das bedeutet aber nicht, dass die Wilddogs keine eigenen Ansprüche auf die Finalteilnahme erheben. Selbstverständlich fahren sie diesen Samstag mit der Hoffnung nach Dresden, nur 14 Tage später die Reise erneut antreten zu dürfen.
Wilddogs-Coach Michael Lang kennt den Favoriten noch aus dem letztjährigen Viertelfinale und darf sich auf den Rückhalt einer exzellent eingespielten Mannschaft verlassen. Quarterback Drequan Harris kann als Dual-Threat-Quarterback jede Abwehr schwindelig spielen. In den letztjährigen Playoffs wurde ihm von Dresden aber der Zahn gezogen. Nur 51 Rushing Yards, eine Completion Rate von 59 Prozent und lediglich zwei von elf konvertierte Third Downs waren zu wenig, um Dresden vom Finaleinzug abzuhalten.
Lang und Harris werden aber sicher dazugelernt haben und dürften neben ihrem Ground-Game auch ihre ansprechende Defense einbringen. Cornerback Nick Olivier ist seit Wochen in Bestform und profitiert vom gefährlichen Pass Rush um Jeremy Conley. Die Monarchs sollten vor Pforzheim gewarnt sein. Träumen sie zu früh vom erneuten "Finale Daheeme", könnten sie im vierten Quarter plötzlich mit einem Rückstand aufwachen.
Zwei Nord- und zwei Süd-Teams bilden ein perfekt ausgeglichenes Finale zwischen den beiden Conferences. Die Aussicht auf ein erneutes Nord-Süd-Duell im Endspiel am 3. Oktober klingt verlockend. Viele rechnen aber mit dem dritten GFL-Bowl nacheinander zwischen den beiden Favoriten Dresden und Potsdam. Es lohnt sich aber, auf einen der Underdogs zu setzen. Chancenlos geht keines der vier Teams ins Halbfinale. Beide Partien haben das Zeug, bis zum Schluss offen zu bleiben, wenn Schwäbisch Hall und Potsdam mental ihr bestes Footballspiel zeigen und mutig aufspielen.
Philipp Forstner